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  Gibt ein Leben nach dem Tod?
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 21:04 - Forum: Nahtoderfahrungen - Erlebnisse - besondere Bewusstseinszustände - Antworten (1)

US-WISSENSCHAFTLER sind SICHER

Es gibt ein Leben nach dem Tod



Die Frage, die alle Menschen berührt: Was passiert, wenn wir sterben, gibt es ein Leben nach dem Tod?

Die Frage ist so alt wie die Menschheit: Ist mit dem Tod alles vorbei – oder gibt es eine Auferstehung, wie sie verschiedene Religionen lehren?

Charlottesville (US-Bundesstaat Virginia) – Der Neurochirurg Dr. Eben Alexander sagt ja, es gibt ein Jenseits – und sorgt in den USA mit seinem Bericht im Nachrichtenmagazin Newsweek und seinem Buch für Wirbel.
Vergrößern

Der Neurochirurg Dr. Eben Alexander ist überzeugt: Es gibt den Himmel und es gibt ein Leben nach dem Tod

[Bild: 2,w=189.bild.gif]

Alexander berichtet darin über Nahtod-Erfahrungen, die er gemacht hat. Die Erlebnisse seien so beeindruckend und nachhaltig gewesen, dass er auch als Wissenschaftler sagen kann: Es gibt einen Himmel und ein Leben nach dem Tod.

Mutige Worte eines Forschers, der in Harvard lehrte und seit 25 Jahren anerkannter Experte auf seinem Gebiet ist.

Auslöser für seinen Sinneswandel war eine ernste Krankheit, eine Hirnhautentzündung im Jahr 2008. Sieben Tage lang lag er im Koma. „Mein Körper zeigte keinerlei Reaktionen, meine höheren Gehirnfunktionen waren ,off-line‘“, sagt er.

Sein Neocortex war lahmgelegt, der Teil der Großhirnrinde, der für Sinneseindrücke, Gedanken und Gefühle zuständig ist und den Menschen zum Menschen macht, so Alexander.

Doch dann, am 7. Tag des Komas, während Ärzte noch über Sinn von Behandlungsmaßnahmen diskutiert hätten, habe er die Botschaft empfangen: „Du musst nichts fürchten.“

„Sie kam aus einer Dimension, von der ich nicht wusste, dass es sie gibt“, sagt Alexander. Es sei die gleiche, die andere Patienten bei Nahtod-Erfahrungen gemacht hatten. Dies zeige, dass es ein Bewusstsein außerhalb der körperlichen Wahrnehmung gebe.

Diese Dimension beschreibt er so: Er habe sich in „großen, wallenden Wolken“, wiedergefunden, umgeben von „schimmernden Wesen“. „Von oben erklang ein mächtiger, herrlicher Gesang, fast greifbar.“

Auf seiner himmlischen Reise sei er nicht allein gewesen: „Eine junge Frau war bei mir, mit hohen Wangenknochen und tiefblauen Augen. Wir saßen auf einem Schmetterling, und wir waren umgeben von Schmetterlingen. Ohne Worte zu benutzen, sprach sie zu mir, es war keine Fantasie, es war real. Es war eine Botschaft aus folgenden drei Teilen: * Du wirst für immer geliebt und wertgeschätzt * Du musst nichts fürchten * Du kannst nichts falsch machen.“

Diese Botschaft habe ihn mit unendlicher Erleichterung erfüllt, so Alexander. Er habe eine „göttliche Brise“ gefühlt, eine Dunkelheit, die gleichzeitig hell leuchtete. Die Frau habe ihm dann gesagt, sie werde ihm viel zeigen, doch er müsse auch wieder „zurück“.

Seit er wieder gesund ist, hat Eben Alexander eine völlig andere Sicht auf die Dinge: „Ich weiß, dies klingt alles sonderbar. Früher hätte ich all dies als Hirngespinste abgetan. Doch was ich erlebt habe, war real. Alles im Universum hängt mit allem zusammen, alles ist miteinander verbunden und von Liebe bestimmt. Einstein und Jesus sprachen von derselben Sache, auf ihre eigene, unterschiedliche Weise.“

Bild „Proof of Heaven – A Neurosurgeon's Journey into the Afterlife“

Quelle

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  Das Verständnis für orientalische und alt ägyptische Denkweisen
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 21:02 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Keine Antworten

© Wolfgang Kosack hat geschrieben:

Das Verständnis solcher Art Texte ist eben nur dann möglich, wenn man geübt ist, unter die scheinbar so glatte Oberfläche eines Märchens zu schauen und das Verständnis auf kleine Nebensächlichkeiten oder Auffälligkeiten zu lenken, um plötzlich unvermittelt in die Tiefe der Gedanken zu rutschen, die hinter einem solchen Text verborgen sein können. Dann wird man die Erzählung aus dieser Warte neu und erneut betrachten.

Bilder und Symbole verdichten sich, Wesentliches wird von Unwesentlichem getrennt. Der einfache Text entschlüsselt sich zu einer verfeinerten Form philosophischen Denkens, die umso klarer wird, je mehr man sich in die Hintergründe der Geschichte verliert.

Natürlich sind dabei Spekulationen Tür und Tor geöffnet, und niemand kann verhindern, daß man sich in Grübelei über den eigentlichen oder vermeintlichen Sinn den Kopf zerbricht und zu Ergebnissen kommt, die weit abseits der vom Philosophen und Dichter angelegten Basis liegen und am Sinn vorbeigehen. Um diesen frucht und ergebnislosen Spekulationen im Voraus einzudämmen und der Gedankenfülle einen sicheren Rahmen abzustecken, haben die Philosophen Dichter, die in dieser Art Texte verfaßten, ein Hilfsmittel benutzt. Man entwickelte ein ‘Vokabelverzeichnis’, d.h. man faßte eine Gruppe von Begriffen zusammen meist völlig harmlosen Inhalts, denn darauf kam es ja an! und belegte sie mit einem Nebensinn. Wichtig war, daß dieser Vorrat nicht allzu groß und damit unübersichtlich wurde. Mit Hilfe dieses Vokabelschatzes baute man Erkenntnissysteme auf, die für nicht geschulte Ohren wie ganz normale Erzählungen klangen, und vermittelte Einsichten, die sich nur dem Wissenden erschließen. Es war ein unterhaltsames Gesellschaftsspiel im orientalischen Salon, diese Vokabeln zu entschlüsseln und mit Geduld und Scharfsinn den wahren Sinn der Geschichte zu entdecken.

Je kunstvoller dieses Vokabelsystem gestaltet wurde, desto mehr Aussagen ließen sich damit treffen, desto leichter ließ sich auch den Aussagen ein unverfänglicher Nebensinn zuordnen, der für Nicht Eingeweihte genau so spannend und interessant war (ja eben deswegen so gern und häufig gehört oder gelesen!), wie er dem Kenner philosophische Erfahrungen vermittelte. 

Das Erbe der Philosophen liegt in Märchen, Geschichten und Erzählungen verborgen, die von jedermann gern gelesen und sehr geschätzt wurden. Es war eine Art Propaganda, die der eigentlichen Philosophie zu weiterer Verbreitung verhalt als sämtliche Lehrstühle der Universität zusammengenommen.

Um die Art, wie man solche Vokabeln verwendete, dem Leser begreiflich zu machen, habe ich in meinem Märchen versucht, das nachzuahmen, was die Texte als Hintergrund enthalten können und was in den meisten Fällen unentdeckt und noch gar nicht entschlüsselt ist.

Mein Vokabelvorrat beschränkt sich auf die handelnden Personen und auf das Symbol ‘Brille’. Jede Person stellt eine bestimte Form orientalischer Philosophie dar, die in einem Teil dieses Buches behandelt wird. Die Gliederung des Buches ist also im Märchen enthalten, es nimmt Vorwort, Kurzfassung und Ergebnis meiner Studien vorweg. Jede Person stellt eine bestimmte Epoche der orientalischen Philosophie vor: Die Übergänge und Beziehungen der Personen zueinander sind Übergänge und Beziehungen zu den philosophischen Strömungen. Dingsymbole kommen nur dann vor, wenn der Gang der Beziehungen (und der fiktiven Märchenhandlung) so schwierig wird, daß man auf weiterhelfende Elemente nicht verzichten kann.

Zentrale Vokabel ist die ‘Brille’ (in meinem Märchen, welches das Buch enthalten wird alle nachfolgenden Vokabeln erläutert - erklärt aber auch das grundsätzliche Prinzip!) : die Erkenntnis, die Gnosis. Sie wird verkauft, verliehen, verschenkt und verstümmelt. Die Handlungsträger sind mit ihr verbunden, besitzen sie, geben sie weiter, erleben etwas mit ihr. Sie sind die Epochen der orientalischen Philosophie:

Abu Taleb ist Vokabel Vertreter für Altägypten, Mustafa ist Vertreter der Gnosis, Fachreddin ist Vertreter der Manichäer, der Sultan ist Vertreter des Sufi, der Zwerg Vertreter der Mystiker. Es bliebe noch Selime, die ich als Vokabel Vertreterin für Weisheit benutzt habe.

Mit diesen Bedeutungsuntergrund muß man das Märchen noch einmal durchgehen, um festzustellen, was zum Fortgang der philosophischen Entwicklung beiträgt, welche Elemente retardieren und was als Symbol verstanden wird. 

Das freilich ist eine Arbeit, die der Leser alleine bewältigen muß. Um ihm noch eine Hilfestellung zu geben: Bestimmte Elemente führen die Handlung weiter: die Schriftstücke und der Spiegel. Sie haben naheliegende Bedeutung. Das Übrige ist Beiwerk.

Die Lektüre unter Verwendung dieser Deutung wird Erkenntnisse bringen, die man in dem nachfolgenden Buch finden wird: Die Geschichte und Überlieferung der Gnosis (im ursprünglichem Sinne von Erkenntnis, nicht im Sinne der "gesunkenen Gnosis", dem Gnostizismus!) in der orientalischen Philosophie.

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  Neoprotestantismus
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:58 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Keine Antworten

Ich weiß nicht, ob einer der hier lesenden Herzverständigen die geistige Entwicklung in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufmerksam verfolgt hat - ich nehme an, eher nicht, denn das hier zu entwirren erfordert eine Menge nicht herzverständiger analytischer Fähigkeiten und vor allem verlangt es die Fähigkeit, erworbenes Wissen auch anzuwenden - was ja Herzverständigen manchmal an beiden Enden fehlt und wofür dann oft genug der Herzverstand als Lückenbüßer herhalten muss. 

Aber dieses ist geschehen: während wir hier um die mystischen Höhen und Tiefen und auch Abgründe unserer Seelen besorgt waren, hat sich in der übrigen Welt aus dem Mief des amerikanischen Kalvinismus ein Untier erhoben, das alle wiedergeborenen Christen in den Himmel und alle sonstigen Menschenkinder in die Hölle befördern möchte. Es predigt im Übrigen, wie der gesamte Kalvinismus, wirtschaftlichen Erfolg als Beweis für Gottgefälligkeit und spricht so die Milliarden und Abermilliarden an Privatvermögen schon mal im Namen des dreieinigen Gottes gerecht. Ich habe darauf bereits vor zehn oder mehr Jahren hingewiesen, aber damals schalt man mich nur dafür. Jetzt haben wir den Salat und schlimmer, er vergiftet nicht nur die USA er vergiftet die ganze Welt, soweit sie dem christlichen Kulturkreis angehört. 

Da er sie also für gottgefällig ansieht, hat der Neoprotestantismus natürlich auch keinerlei politische Brisanz - er unterstützt vielmehr überall in der Welt diejenigen, welche die dicksten Konten haben. Dafür dürfen sie dann riesige Kirchenhallen errichten und Suppenküchen betreiben.. allerdings sollen manche von ihnen auch ganz brauchbare Programme darüber aufgelegt haben, wie man sich aus Slums hocharbeiten sollte. Darüber könnte man sich freuen, wenn nicht der Tenor der ganzen Sache wäre: die Reichen sind und bleiben die Gottgefälligen, also eifere ihnen nach, dann wirst du es auch.. was ein illusorisches Ziel ist, ich stelle mir gerade die Deutsche Bank vor, umlagert von einer riesigen Horde wirtschaftlich aufgestiegener wiedergeborener Christen a la Bush Junior, der war ja auch einer von ihnen. Ich bin ziemlich sicher, dass diese wiedergeborenen Christen die Deutsche Bank nur aus einem einzigen Grund belagern werden: ihre Vermögen dort zu deponieren und deren Produkte zu erwerben. Als Konkurrenten sehe ich sie dort nicht. 

Das Christentum birgt, selbst das Bibelchristentum, reichlich sozialen Sprengstoff, es wendet sich, nimmt man es ernst, gerade gegen die, die doch das finanzielle Rückgrat aller wiedergeborenen Christen sind: die reichen wiedergeborenen Christen in den Vereinigten Staaten. Aber seit Jean Calvin ist diese Stoßrichtung entschärft, denn gut alttestamentarisch fand dieser, Gott habe den, der ihm wohl gefällt, mit irdischem Erfolg zu belohnen und schloss messerscharf, die Reichen müssten also die Belohnten sein. Die Bergpredigt muss leider vor Jean Calvin abdanken, denn da ist nichts mehr mit Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit.. wer nicht genug hat, der frage sich, welche Sünden ihn daran hindern mehr als genug zu haben. 

Aber es sind doch auch viele Nichtchristen reiche Leute? Nun, das war dann der Teufel und sie haben ihren Lohn schon dahin.. dasselbe sagen die Muslime und sie meinen die reichen Christen und so geht der Ball immer herum. Sicher gibt es sympathische Züge bei ihnen: Redlichkeit, Hilfsbereitschaft, Tatkraft, Anteilnahme in Freud und Leid - aber möchtet ihr in einer Gesellschaft leben, in der Paare deshalb verurteilt werden, weil sie ohne Trauschein zusammen leben, in der Homosexualität verdammt wird, Abtreibung verboten, ja sogar Verhütung ein strafbarer Akt ist? Denn natürlich stürzt man sich hier wie überall unter Christen zunächst auf das, was der Mensch zwischen den Beinen trägt - dieses ist ja der Erzfeind eines jeden guten Christen. Als hätte die Menschheit sonst keine Probleme..

Täuscht euch nicht - dies ist keine Randerscheinung, sondern sie bedeutet vielen armen Menschen in Afrika, in Südamerika und im Osten Europas das Christentum schlechthin, sie hat in den besagten Gebieten den Ruf eine Großkirche, den man sonst nur von den großen Konfessionen kennt. Aber an die denkt kaum einer, wenn von Christentum die Rede ist - geschweige dass irgendwer dazu mahnt, doch wenigstens die soziale Brisanz des Bibelchristentums richtig auszuspielen - nun, von denen wird es bestimmt niemand tun und der Rest freut sich, die drohende Armut, diese tausende Hunde, die dann doch des Hasen Tod wären,singen und tanzen für Jesus und sind entschärft. Man darf weiter kungeln und schachern.. und da tanzen nicht nur ein paar Verrückte, da tanzen Millionen und Abermillionen...

Autor: Merrit

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  Buddhismus
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:55 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Antworten (2)

An dich, den - der du mit Zazen dein Hara stärken willst


Manche meinen: "Durch Zazen stärkst du dein Hara (Gegend unterhalb des Nabels)!" Zu erkennen, dass dieses "Hara" in Wirklichkeit scheißegal ist, bedeutet wirkliches Hara, bedeutet Zazen.

Da gibt es Kerle, die mit Zazen ihr Hara stärken wollen. Da sollten sie sich doch lieber mit Sake (Reiswein) Mut antrinken und den Gerichtsvollzieher mit einem großen Schrei aus dem Haus jagen.

Es gibt Bücher wie "Zen in der Kunst, sein Hara zu kultivieren". Diese "Hara-Kultur" ist nichts als Selbstabstumpfung.

Manche versuchen durch Zazen dickfellig zu werden.

Wirkliches Hara zu entwickeln bedeutet, seine individuellen Attitüden abzulegen.

Wenn da auch nur einen Rest von deinen Privatangelegenheiten im Spiel ist, ist das nicht reines, unvermischtes Zazen. Du musst reines, unvermischtes Zazen üben, ohne es mit Gesundheitstraining oder Satori oder dergleichen zu vermischen. Wenn du auch nur im Geringsten deine persönlichen Anschauungen hereinträgst, ist da kein Buddhadharma mehr.

Buddhismus bedeutet einfach gesagt: "Kein Ich". "Kein Ich" bedeutet, dass "ich" kein individuelles Subjekt bin. Wenn "ich" kein individuelles Subjekt bin, dann fülle ich das ganze Universum aus. Dass ich das ganze Universum ausfülle, bedeutet, dass alle Dinge Gestalt der Wahrheit sind.

Wahrer Dharma bedeutet: Nichts zu gewinnen. Falscher Dharma bedeutet: Etwas zu gewinnen. Deshalb müssen wir so viel wie möglich verlieren.

Wenn du Zazen übst, während du von Gefühlen des Glücks, Ärgers, Trauer oder Freude beherrscht wirst, werden diese Gefühle wie ein furchtbares Gespenst ihren Spuk in deinem Zazen treiben.

Du darfst weder Buddhadharma (Buppô) noch Schießgewehr (Teppô) zum Zazen mitbringen. Noch viel weniger eine Frau (Nyôbô).

Buddhaweg bedeutet: Nichts zu suchen, nichts zu finden. Wenn es etwas zu finden gibt, dann hat das nichts mit dem Buddhadharma zu tun, so sehr du dich auch bei deiner Übung anstrengen magst. Wo es nichts zu finden gibt, genau da ist der Buddhadharma. Wonach du greifst, das wirst du verlieren.

Reichtum besteht daraus, nicht zu greifen - das Licht wenden und zurückreflektieren: Wenn wir einen Schritt zurücktun, sehen wir, dass es nichts zu greifen gibt. Nichts, wonach wir hinterher-, und nichts, wovor wir davonlaufen müssten. Die Gestalt der Wahrheit entsteht nicht und vergeht nicht, sie ist weder rein noch befleckt, sie nimmt weder ab noch zu.

Mönch Yakuzan übt Zazen. Da fragt ihn sein Lehrer, Großmeister Sekitô: "Was tust du da?"
"Ich tue überhaupt nichts."
"Wenn du überhaupt nichts tust, heißt das, dass du dir bloß die Zeit vertreibst?"
"Wenn ich mir die Zeit vertriebe, dann würde ich mich wenigstens einem Zeitvertreib widmen, doch ich tue noch nicht einmal das."
"Du sagst, du tust nichts. Was ist es, das du nicht-tust?"
"Selbst tausend Weise könnten es nicht beim Namen nennen."
Nichts ist so still und erhaben wie das Zazen, das selbst tausend Weise nicht beim Namen nennen können - so wie es Yakuzan praktiziert und Großmeister Sekitô lobpreist.
Heute gibt es Meister, bei denen du für ein ordentliches Sümmchen Geld eine Woche sitzen kannst, mit einer Garantie auf Kenshô. Es versteht sich von selbst, dass so etwas nichts mit dem Zazen Yakuzans zu tun hat, das selbst tausend Weise nicht beim Namen nennen können. Sitzend zu praktizieren, was selbst tausend Weise nicht beim Namen nennen können, bedeutet einfach zu sitzen (Shikantaza).

Heutzutage wird viel von Zazen geredet. Die Frage ist bloß: Was bezweckst du mit deinem Zazen? Manche spucken sich in die Hände, um ihr Hara zu kultivieren, um zu stärkeren Persönlichkeiten zu werden oder "Satori" zu bekommen. Und die kleinen Mönche nennen das Kôan-Training ein "Rätselraten"...

All das ist nicht mehr als Buddhadharma aus der Sicht von Normalbürgern. Doch der Buddhadharma ist kein Dharma für Normalbürger. Wir müssen den Buddhadharma aus der Sichtweise des Buddhadharma betrachten. Deshalb geschieht es so selten, dass Zazen selbst wirklich Zazen praktiziert.

Es gibt Kerle, die wollen sich mit Zazen als Menschen fortbilden. So ein Zazen ist bloß Schminke.

Wir sind hier keine Fortbildungsanstalt. Was wir versuchen, ist klaren Tisch mit uns selbst zu machen. Da gibt es nichts zu gewinnen. Hier gibt es nur Illusion und Weisheit zugleich zu verlieren.

Im Buddhadharma geht es nicht darum, Normalbürger zu besonderen Menschen zu machen.

Zazen findet dann statt, wenn der Wettkampf des Sich-mit-den-Ellbogen-Voranarbeitens aufgehört hat.

Du schwimmst jeden Morgen im kalten Wasser? Was ist schon dabei: Der Goldfisch macht das die ganze Zeit. Du hast das Rauchen aufgegeben? Na und? Ein Kater raucht auch nicht. Wieviel du dir auch auf dein Hinterher- und Davonlaufen einbilden magst, es ist doch nicht mehr als das Herumtreiben in der vergänglichen Welt.

Zazen schmeichelt dir nicht. Es macht dich aber auch nicht runter.

Wahre Religion ist die Welt ohne Fabrikationen.

Alles ist gut, so wie es ist. Wir brauchen nicht daran herumzufummeln.

Alle glauben sie müssten noch etwas zu ihrem Zazen oder Nenbutsu hinzufügen. Nein, du brauchst da nichts hinzuzufügen.

Wie außergewöhnlich und mystisch deine Erfahrungen auch sein mögen, sie werden nicht dein ganzes Leben lang fortdauern. Früher oder später verlieren sie ihren Geschmack.

Normalbürger stehen auf Wunder und Magie: Sie lieben den Hokuspokus.

Normalbürger mögen von Natur aus keine Praxis, sie wollen bloß "Satori". Sie wollen Geld verdienen, ohne zu arbeiten. Deshalb stehen sie vor dem Lottoschalter Schlange. Sie wollen nicht den wahren Dharma, deshalb schwärmen sie zu den neuen Sekten, die ihnen den Himmel auf Erden versprechen.

Du bleibst beim "Satori" stehen, du bleibst beim Geld stehen, du bleibst bei Rang und Namen stehen, du bleibst beim Sex stehen. Nicht stehen zu bleiben bedeutet: Buddhadharma.

Zazen ist eine erwachsene Einstellung - keine infantile Einstellung.

Sawaki Kodo Roshi

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Lightbulb Altägyptische Mythologie?
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:53 - Forum: Alte Kulturen - Keine Antworten

Es gibt keine altägyptische Mythologie, das ist der erste Satz. Aber es herrscht dennoch Ordnung unter den ägyptischen Göttern. Das ist dem Fleiß der altägyptischen Theologen zu verdanken, die sich bemühten, die verschiedenen Schichten und Aspekte der ägyptischen Religion in eine zusammenhängende Ordnung zu bringen. 

Die älteste Schicht der ägyptischen Götter ist die Schicht der Fetische, die teils aus der Sahara mitgebracht wurden, teils im Niltal bereits vorhanden waren, als die Einwanderer aus der Sahara dorthin kamen, das war vor etwa fünftausend Jahren. Diese Fetische sind in der ägyptischen Religion immer vorhanden geblieben und zwar als die Götter der verschiedenen Provinzen. 

Aber dann wird es schon komplex, denn dann kommen die Götter wie gehagelt: das Licht, die Erde, der Luftraum zwischen beiden und dann ist da noch ein Gott, aus dem sie alle hervorgehen. Einen Gott der Finsternis gibt es nicht, auch keinen des Mondes, einen Wassergott gibt es auch nicht. Es gibt den Chapi, aber das ist der Nilstrom. Ra ist also nicht unbedingt die Sonne, sondern in der Sonne zeigt sich Ra den Menschen. 

Ich sagte, es gibt keinen Gott der Finsternis. Aber es gibt einen Beherrscher des Totenreiches, das ist der eigentliche Vegetationsgott Osiris, ein auch recht alter Gott und da Ägypten ein Agrarland ist, ein sehr volkstümlicher, der die Toten in der Erde bewahrt, das ist seine erste Funktion und sie verträgt sich gut mit seiner Rolle als Gott der Vegetation, denn die Toten werden wie eine Saat in die Erde gelegt. 

Und noch mehr Götter kommen herzu: Horus, der Gott des Königs als der Falke, der alles sieht und hoch über allem kreist, Isis kommt hinzu, die Beschützerin und Personifizierung der königlichen Macht, weshalb sie als der Thron des Königs gilt, auf dem bekanntlich mehrere Könige nacheinander zu sitzen kommen, also der Thron ist mehr, als die, die darauf Platz nehmen, so ist das zu verstehen. Dann ist da noch allerhand aus der Natur zu respektieren: die Wadjet, die Kobra, die Nechbeth, das Geierweibchen, die Selket, die Skorpionin, der König sitzt wie ein Hahn im Korb unter lauter Weibern. Er ist so garstig, dieser König, dass die Weiber ihn permanent besänftigen müssen, so ist das gemeint. 

Und all das beschaut sich der Gott der über allen ist - der eigentlich keinen Namen hat, aber für Ägypten speziell einen bereit hält, nennt ihn also Ptah oder Atum - Re oder dann eben auch mal Amun, obwohl - Amun ist kein richtiger Reichsgott. Er ist Politik. Er kommt auch ganz spät und ist mehr materiell als geistig. Und drunter weg wird das Gewusel immer größer. Denn jeder Ägypter hat genau genommen seinen eigenen Gott. Da sind Tiere, Bäume, Fabelwesen, aber keine Menschen. Da sind die verblichenen Ahnen, die versorgt werden müssen, alte afrikanische Sitte, heute noch anzutreffen, die aber auch Dienste leisten, man schreibt den Toten Briefe, man redet mit ihnen, erteilt ihnen Aufträge und ihre Zahl ist Legion. 

Die Sache mit den Tieren hat meist Methode, man soll, so die Absicht, sie respektieren und unter ihnen nicht wie die Axt im Walde hausen. Mit dem Getreide und dem Gemüse haust niemand, deshalb gibt es da auch keine Götter. Jeder geht sowieso sorgsam damit um. Aber mit den Rauibtieren - da gibt es die Löwin, die Sachmet, damit man die Löwen nicht ausrottet, denn sie sind gefährlich. Da gibt es die Thoeris, das Nilpferd, auch gefährlich und daher geschützt als Göttin der Schwangeren und der Geburt (sehen ja auch schwanger aus, die Viecher) und da ist der Affe, der Thot, als Gott der Bildung und des Wissens gepriesen, damit man ihn in Ruhe lassen soll und der Ibis, der auf den Feldern steht und Samen pickt und den man ebenfalls in Ruhe picken lassen soll und Bastet, die Katze, die die Ernte schützt und wer eine Katze tötet, der wird als Schädling am Volksvermögen selbst zu Tode gebracht, jawohl. Und Sobek ist da, das Krokodil, sieht nicht schön aus, ist aber nützlich und außerdem auch gefährlich. Und dann ist da noch Anubis oder Wepwawet, der streunende Schakal, der führt die Toten aus der Finsternis ins Licht, also lasse man ihn sein Werk tun. Und haut bitte keine Sykomoren um, na überhaupt, und kleine Leute lasst ihr auch in Frieden, sonst kommt euch der Bes.. beinahe für alle Dummheiten, die ein Mensch an der Natur begehen kann, wird ein Riegel vorgeschoben. An Nutztieren werden geschützt: die Kuh als Hathor, der Stier als Apis, der Widder als Amun, die Gans als Mut, ich denke, man sieht schon, wie die Ägypter ihre Mythologie aufbauten, nämlich pragmatisch und darin übrigens sehr afrikanisch. Aber dann gibt es auch das Unbehagliche - Seth. Mit dem lege man sich nicht an, der ist gefährlich, ein Trickser und 'Täuscher zudem, aber mächtig gewaltig. Seth ist die Wüste, der Schrecken des Lebensfeindlichen, aber gerade darum ist er auch der Herr der Schätze, die die Erde birgt. Ahpep. den Unterweltsdämon von der Welt der Menschen fern zu halten aber ist Sache des Königs im Verein mit seinen "jenseitigen" Helfern. 

Die Ägypter transzendieren ihre Welt? Nein, das auch nicht, es gibt viele Lebewesen, denen keine Gottheit die Stange hält. Nur da, wo es im Bestand kritisch werden kann, oder wo besondere Sorgfalt walten muss, gibt es Götter. Die Botschaft ist; man darf nicht alles platt machen, was einem nicht genehm ist und man darf mit dem, was einem genehm ist, nicht sorglos und bedenkenlos umgehen. 

Tja, der König, das ist ein eigenes Kapitel in der ägyptischen Religion. Er ist der Schreckliche, dem ein gewöhnlicher Sterblicher nicht ins Angesicht schauen darf. Er ist der Gott unter den Menschen, die Verbindung von Himmel und Erde, er ist der Horizont der menschlichen und der göttlichen Existenz in einem. Er war aber nicht immer so - einst war er nur ein Häuptling unter anderen und auch zwischendurch war er das immer wieder einmal. Dann aber nahm ein Mensch ihn und machte ihn zu einem Gott. Das blieb er bis die Menschen diese reine Göttlichkeit nicht mehr ertrugen und ihn zu einem Sohn Gottes machten, was sie leichter verstanden. Denn wie sollten sie begreifen, dass der Gottkönig eigentlich das Vorbild für sie alle war? Dass er ihnen zeigte, was und wie ein Gott ist: nicht unfehlbar, nicht allmächtig, nicht allwissend, aber ewig und mit der Ewigkeit auch als Mensch auf Du und Du? Ägypten hat sich zu dieser Erkenntnis nie durchgerungen. Aber Ägypter haben diese Erkenntnis gewonnen und an diesem Punkt dann wird die Religion zur Philosophie, wird der Kult zur Methode. Denn dann geht es nicht mehr um "das Göttliche", dann geht es darum, wie ein Mensch sich in der Welt verhalten, was er ehren und was er verabscheuen sollte, was anzustreben und was zu meiden ist. Das Göttliche ist kein Thema, es ist vorhanden, es hat viele Gesichter und weiterhin ist nichts dazu zu sagen.

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  Das Thomasevangelium
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:51 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Keine Antworten

DAS THOMASEVANGELIUM 

(ist eigentlich kein Evangelium im üblichen Sinne, es erhielt sehr spät diesen Beinamen, es ist eine alte philosophische Schrift der Chrästoi, das etwa um 20 vor der Zeitrechnung entstand, der Inhalt leht an alte ägyptische Philosophien an und schließt Kompromisse mit altem jüdischen Denken, nur zum Verständnis. Viele Sprüche versteht man nur, wenn man das Denken und die Gebräuche der alten Juden vor 2000 Jahren kennt. Theologisch gesehen, ist der Text jedoch die Quelle der Evangelien, der Sinn des Ganzen wurde in diesen jedoch nach christlichem Gusto verfälscht und eine Religion daraus gemacht)

Dies ist die bislang korrekteste Übersetzung des Textes, dazu muss man wissen, das der Übersetzer Koptologe und Freund von mir, eine der beiden einzigen koptischen Grammatiken verfasst hat und die Sprache einschließlich von 12 altagyptischen Dialekten fließend spricht.

Der Text ist im Syntax für Koptisch jedoch auch sehr ungewöhnlich, da aus dem Aramäischen wörtlich übertragen, übersetzt man diesen ins Aramäische zurück, ergibt es "Schüttelreime" ähnlich dem heutigen Limerick, was auf mündliche Weitergabe im Aramäischsprachigen Raum deutet und auch auf sein Alter! Zu dem hier, im Gegensatz zur Bibel vollständigen Münzspruch, existiert auch die dazu gehörige Münze von Herodes des Großen. Die Lebenszeit des historischen Jesus, der keinem Glauben angehörte, wird auch 50 vuZ bis 30 nuZ geschätzt. Er war der Neffe Herodes des Großen, Sohn dessen Bruder Joseph (Jeshua ben Jussef).

Das koptische Thomasevangelium

Neue Quellen, die den neuesten Handschriftenfunden entstammen, vor allem das koptische Thomasevangelium, stehen in ihrem historischen Quellenwert dem Neuen Testament gleich... Entwicklungslinien, 111


IM KODEX II des koptischen Bücherfundes von Nag Hamadi ist das Thomasevangelium als zweite Schrift erhalten geblieben. Es ist Bestandteil eines Sammelwerkes mit 8 verschiedenen Büchern und wurde etwa 340 n.Chr. geschrieben, geht aber auf Vorläufer und Vorlagen zurück. Das Manuskript enthält Abschriften koptischer Originale in eigenwilliger Zusammenstellung. Die Sprache der Schriften ist frühes Koptisch, ein Dialekt, der nur durch diese 13 Kodizes von Nag Hamadi bekannt ist und eine Mischung zwischen Mittel und Oberägyptisch ist (sog. ‘NagHamadiDialekt’). Der Text des Thomasevangeliums ist unter Zuhilfenahme und Mitbenutzung einer griechischen Version entstanden das zeigen zahlreiche, griechische Lehnwörter im Koptischen und stammt aus der Zeit um 100 n.Chr. Die koptische Übersetzung (auch der griechische Text) gehen auf ein aramäisches Original zurück, dessen Wortstellung sklavisch Wort für Wort beibehalten wird und so zuweilen gegen den koptischen Satzbau verstößt. Solche WortzuWortÜberstzungen sind in der Regel nur bei besonders heiligen oder ehrwürdigen Texten vorgenommen worden. (Bei der Übersetzung ist manchmal eine aramäische Rückübertragung sehr hilfreich). Der Text lautet in Übersetzung:


Dieses sind die verborgenen Worte, die der lebendige Jesus sprach. Und Zwillingsbruder Judas Thomas hat sie aufgeschrieben. 


Eins. Und er spricht: Wer die Deutung dieser Worte findet, wird den Tod nicht kosten.

Zwei. Jesus sagt: Wer sucht, soll nicht mit Suchen aufhören, bis er findet. Und wenn er findet, wird er erschüttert sein, und wenn er erschüttert ist, wird er staunen, und er wird über alles König sein.

Drei. Jesus sagt: Wenn die, die euer Herz zu sich ziehen wollen, zu euch sagen: Seht das Reich ist im Himmel, so werden die Vögel des Himmels früher da sein als ihr. Wenn sie euch sagen: Es ist im Meer, so werden die Fische früher da sein als ihr. Sondern Das Reich ist innerhalb von euch. und es ist außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkannt habt, so wird man euch erkennen, und ihr werdet wissen, daß ihr Kinder des lebendigen Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht erkennt. so verharrt ihr in Armseligkeit, und ihr seid Armseligkeit.

Vier. Jesus sagt: Der Mensch, alt in seinen Tagen, wird nicht zögern, ein kleines Kind zu fragen von sieben Tagen nach dem Ort des Lebens. Und er wird leben. Denn viele erste werden letzte sein, und sie werden eins sein.

Fünf. Jesus sagt: Erkenne, was vor deinem Angesicht ist, und was vor dir verborgen ist, wird sich dir offenbaren. Denn es gibt nichts Verborgenes das nicht offenbar würde. (Und es gibt nichts Begrabenes, das nicht aufgeweckt würde).

Sechs. Seine Schüler fragen ihn und sagen zu ihm: Willst du, daß wir fasten? Und: Wie sollen wir beten? Sollen wir Almosen geben? Und: Welche Speiseregel sollen wir befolgen? Jesus sagt: Sprecht keine Lüge! Was ihr haßt, sollt ihr nicht tun, denn alles ist offenbar vor dem Himmel Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar würde und nichts Verdecktes, das ohne Aufdeckung bliebe.

Sieben. Jesus sagt: Glücklich ist der Löwe, den der Mensch ißt, und der Löwe wird zu einem Menschen werden. Und abscheulich ist der 
Mensch, den der Löwe frißt, und der Löwe wird zu einem Menschen werden. .

Acht. Und er sagt: Der Mensch gleicht einem besonnenen Fischer, der sein Netz ins Meer geworfen hat und es voll kleiner Fische aus dem Meer zog. Er fand einen großen, guten Fisch unter ihnen, der besonnene Fischer. Er warf alle kleinen Fische weg, hinunter ins Meer. Ohne Bedenken wählte er den großen Fisch. Wer Ohren hat zu hören, soll hören!

Neun. Jesus sagt: Seht, der Sämann kam heraus, er füllte seine Hand, er warf aus. Nun, einiges fiel auf den Weg, die Vögel kamen, pickten es auf. Anderes fiel auf den Felsen, trieb keine Wurzeln in die Erde hinab und hob keine Ähren zum Himmel empor. Und anderes fiel auf die Dornen. Sie erstickten die Saat, und der Wurm fraß sie. Und anderes fiel auf gutes Land und brachte gute Frucht. Es trug sechzig je Scheffel und einhundertzwanzig je Scheffel.

Zehn. Jesus sagt: Feuer habe ich auf die Welt geworfen, und seht, ich hüte es, bis sie in Flammen steht.

Elf. Jesus sagt: Dieser Himmel wird vergehen, und euer Himmel über ihm wird vergehen, und die Toden haben kein Leben, und die Lebenden werden nicht sterben. In den Tagen, da ihr Totes zu euch nahmt, habt ihr es für das Lebendige gehalten. Wenn ihr im Licht seid, was werdet ihr dann tun? An dem Tage, da ihr eins wart, habt ihr das für die zwei (Existenzen) gehalten. Wenn ihr aber zwei (Existenzen) geworden seid, was werdet ihr dann tun?

Zwölf. Seine Schüler sagen zu Jesus: Wir wissen, daß du von uns gehen wirst. Wer ist es, der über uns Führer sein soll? Jesus sagt zu ihnen: Der Ort, an dem ihr angekommen seid! Und ihr werdet zu Jakobus dem Gerechten gehen. Um seinetwillen sind Himmel und Erde entstanden.

Dreizehn. Jesus sagt zu seine Schülern: Vergleicht mich! Sagt mir, wem ich gleiche! Simon Petrus sagt zu ihm: Du gleichst einem rechtschaffenen Engel . Matthaios sagt: Du gleichst einem weisen, besonnenen Menschen. Thomas sagt: Meister, mein Mund wird es ganz und gar nicht schaffen sich zu überwinden, daß ich sage, wem du gleichst. Jesus sagt: Dein Meister bin ich nicht mehr, denn du hast getrunken und bist berauscht worden von der sprudelnden Quelle, die ich gegraben habe. Und er nimmt ihn, zieht ihn in die Einsamkeit, sagt ihm drei Worte. Als Thomas aber zu seinen Gefährten kam, sagten sie zu ihm: Was hat Jesus zu dir gesagt? Thomas sagt zu ihnen: Wenn ich euch eines der Worte sage, die er mir gesagt hat, würdet ihr Steine nehmen, nach mir werfen. Und Feuer würde aus den Steinen schlagen und euch verbrennen.

Vierzehn. Jesus sagt zu ihnen: Wenn ihr fastet, werdet ihr euch selbst eine Sünde antun. Wenn ihr betet, werdet ihr verachtet sein. Und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr euren Geistern Schlimmes antun. Und wenn ihr in ein Land geht und in den Gebieten umherzieht, wenn man euch aufnimmt, so eßt, was man euch vorsetzt! Heilt die Leidenden unter ihnen! Denn was in euren Mund hineingeht, kann euch nicht besudeln, aber was aus eurem Mund herauskommt, das wird euch unrein machen.

Fünfzehn. Jesus sagt: Wenn ihr das seht, was vom Weibe nicht geboren wurde, werft euch auf euer Angesicht und betet es an: Jenes ist euer Vater!

Sechzehn. Jesus sagt: Vielleicht denken die Menschen, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und wissen nicht, daß ich gekommen bin, um Zwietracht auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Denn fünf werden sein in einem Haus, drei werden gegen zwei sein, und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn, der Sohn gegen den Vater. Und sie werden einsam dastehen.

Siebzehn. Jesus sagt: Ich will euch geben, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, was keine Hand berührt hat und was in das Menschenherz nicht aufkommen konnte.

Achtzehn. Die Schüler sagen zu Jesus: Sage uns, wie wird unser Ende sein? Jesus sagt: Habt ihr denn schon den Anfang entdeckt, daß ihr nach dem Ende fragt? Denn wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein. Glücklich, wer am Anfang stehen wird, er wird das Ende erkennen und den Tod nicht kosten.

Neunzehn. Jesus sagt: Glücklich, wer war, bevor er wurde. Wenn ihr meine Schüler werdet, meine Worte aufnehmt, so werden diese Steine euch dienen. Denn fünf Bäume habt ihr im Paradies, die sich sommers und winters nicht rühren, deren Blätter auch nicht abfallen. Wer sie kennt wird den Tod nicht kosten.

Zwanzig. Die Schüler sagen zu Jesus: Sage uns, wem gleicht das Reich der Himmel? Er sagt zu ihnen: Es gleicht einem Senfkorn, kleiner als alle Samen. Wenn es aber auf die Erde fällt, die man gut bearbeitet hat, läßt sie einen großen Sproß aufsteigen, und er wird zum Schutz werden für die Vögel des Himmels.

Einundzwanzig. Mariham sagt zu Jesus: Wem gleichen deine Schüler? Er sagt: Sie gleichen kleinen Kinder, die sich auf einem Feld einfinden, das ihnen nicht gehört. Wenn die Herren des Feldes kommen, werden sie sagen: Gebt uns unser Feld zurück. Und sie sind nackt vor ihnen, müssen es ihnen ausliefern. Darum sage ich: Erführe der Hausherr, daß er kommen wird, der Dieb, würde er wachen, ehe er kommt, und wird ihn nicht eindringen lassen in das Haus seines Reiches, damit er seine Sachen fortschleppt. Ihr aber, habet acht vor der Welt, gürtet eure Lenden mit großer Gewalt, damit die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen. Denn den Nutzen, den ihr erwartet, werden sie finden. Möge ein einsichtsvoller Mensch unter euch entstehen! Sobald die Frucht reif ist, ist er schnell mit der Sichel zur Hand und mäht sie ab. Wer Ohren hat zu hören, soll hören!

Zweiundzwanzig. Jesus sieht Kleine, die gesäugt wurden. Er sagt zu seinen Schülern: Diese kleinen Säuglinge gleichen denen, die ins Reich eingehen. Sie sagen zu ihm: Werden wir denn klein in das Reich eingehen? Jesus sagt zu ihnen: Wenn ihr die Zwei zu Eins macht, wenn ihr das Innere wie das Äußere macht, das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, und wenn ihr das Männliche und das Weibliche in euch zu einem einzigen macht, damit das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist, wenn ihr Augen schafft anstelle eines Auges, eine Hand anstelle einer Hand, einen Fuß anstelle eines Fußes, ein Bild anstelle eines Bildes, dann werdet ihr in (das Reich) eingehen.

Dreiundzwanzig. Jesus sagt: Ich werde euch erwählen, einen aus tausend, zwei aus zehntausend, und sie werden einzig sein.

Vierundzwanzig. Seine Schüler sagen: Belehre uns über den Ort, da du bist, weil es unabdingbar für uns ist, daß wir danach forschen. Er sagt zu ihnen: Wer Ohren hat zu hören, soll hören! Licht ist drinnen in einem Lichtmenschen, und er leuchtet über alle Welt. Wenn er nicht leuchtet, ist Finsternis.

Fünfundzwanzig. Jesus sagt: Liebe deinen Bruder wie deine Seele, hege ihn wie die Pupille deines Auges!

Sechsundzwanzig. Jesus sagt: Den Splitter im Auge deines Bruders siehst du, den Balken in deinem Auge siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge ziehst, dann wirst du genug sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen zu können.

Siebenundzwanzig. Wenn ihr euch nicht der Welt enthaltet a), werdet ihr das Reich b) nicht finden. Und wenn Ihr nicht den Feiertag als Feiertag feiert, werdet ihr den Vater nicht schauen.

Achtundzwanzig. Jesus sagt: Ich stand mitten in der Welt und erschien ihnen fleischlich. Ich fand sie alle betrunken, und keinen Durstigen fand ich unter ihnen, und meine Seele empfand Schmerz über die Menschenkinder, weil sie blind in ihren Herzen sind und nicht sehen, c) wie leer sie in die Welt gekommen sind und wie leer sie aus der Welt zu kommen suchen. Jetzt sind sie zwar betrunken. Wenn sie aber ihren Wein abgeschüttelt haben, dann werden sie anders denken.

Neunundzwanzig. Jesus sagt: Wenn das Fleisch dem Geist zuliebe entstanden wäre, wäre es ein Wunder. Wenn aber der Geist dem Fleisch zuliebe entstanden wäre, ein wunderbares Wunder. Denn ich staune darüber, wie sich solch ein großer Reichtum niederlassen kann c) in solche Armseligkeit.

Dreißig. Jesus sagt: Wo drei Götter sind, sind es Götter. Wo zwei sind oder einer, da bin ich.d)

Einunddreißig. Jesus sagt: Kein Prophet ist annehmbar in seinem Dorf. Kein Arzt heilt die, die ihn kennen.

Zweiunddreißig. Jesus sagt: Eine Stadt, die man auf dem Gipfel a) eines hohen Berges befestigt gebaut hat, kann nicht fallen, wird aber auch nicht verborgen bleiben können.

Dreiunddreißig. Jesus sagt: Was du mit deinem einem Ohr hörst , was du mit deinem anderem Ohr hörst, das predige auf euren Dächern! Denn niemand zündet eine Lampe an, stellt sie unter einen Scheffel, stellt sie gar an einen verborgenen Ort, sondern er setzt sie auf den Leuchter, damit alle, die hineingehen und herauskommen, ihr Licht sehen.

Vierunddreißig. Jesus sagt. Führt ein Blinder einen Blinden, fallen sie beide in die Grube hinunter.

Fünfunddreißig. Jesus sagt: Niemand kann in das Haus eines Mächtigen gehen und es gewaltsam nehmen, es sei denn, er fesselte seine Hände. Dann wird er sein Haus durchwühlen.

Sechsunddreißig. Jesus sagt: Sorget euch nicht von morgens bis abends und von abend bis morgens, in was ihr euch kleiden werdet.

Siebenunddreißig. Seine Schüler sagen: Wann wirst du uns erscheinen? Wann werden wir dich sehen? Jesus sagt: Wenn ihr euch auszieht und euch nicht mehr schämt, und euere Kleider nehmt, sie unter euere Füße legt wie kleine Kinder und darauf herumtrampelt, dann (werdet ihr) den Sohn des Lebendigen sehen und ihr werdet keine Furcht mehr haben.

Achtunddreißig. Jesus sagt: Schon oftmals hattet ihr Lust, diese Worte zu hören, die ich euch sage, und ihr habt niemanden anderen, sie von ihm zu hören. Tage werden kommen, da sucht ihr mich, und ihr werdet mich nicht finden.

Neununddreißig. Jesus sagt: Die Pharisäer und die Schreiber haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen und halten sie versteckt. Sie sind nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, ließen sie nicht. Ihr aber, werdet klug wie die Schlangen und unschuldig wie die Tauben.

Vierzig. Jesus sagt: Ein Weinstock ist außerhalb des Vaters gepflanzt, da er nicht gefestigt ist, wird er mit den Wurzeln ausgerissen und zugrunde gehen.

Einundvierzig. Jesus sagt: Wer in der Hand hat, dem wird gegeben werden. Wer nichts hat, dem wird das Wenige, was er hat, genommen werden.

Zweiundvierzig. Jesus sagt: Werdet Vorbeigehende!

Dreiundvierzig. Seine Schüler sagen zu ihm: Wer bist du, daß du das sagst? Aus dem, was ich euch sage, versteht ihr nicht, wer ich bin? Doch ihr seid wie die Juden geworden, denn sie schätzen den Baum und verachten die Frucht, oder sie schätzen die Frucht und verachten den Baum.

Vierundvierzig. Jesus sagt: Wer Schlechtes über den Vater spricht, dem wird vergeben. Und wer Schlechtes über den Sohn spricht, dem wird vergeben. Wer aber Schlechtes über den reinen Geist spricht, dem wird nicht vergeben, weder auf Erden noch im Himmel.

Fünfundvierzig. Jesus sagt: Man erntet keine Trauben von Dornen, noch pflückt man Feigen vom Kameldorn, d(enn) sie geben keine Frucht. (Ein gu)ter Mensch bringt Gutes aus seinem Schatz hervor, ein schlechter Schlechtigkeiten aus seinem schlechten Schatz, der in seinem Herzen ist, und er sagt Schlechtigkeiten, denn aus der Überfülle seines Herzens holt er Schlechtigkeiten hervor.

Sechsundvierzig. Jesus sagt: Von Adam bis Johannes dem Täufer gibt es unter den von Frauen Geborenen keinen Höheren als Johannes den Täufer, doch seine Augen brachen nicht. Ich aber sage: Wer von euch klein werden wird, soll das Reich erkennen und wird über Johannes erhaben sein.

Siebenundvierzig. Jesus sagt: Unmöglich, daß ein Mensch zwei Pferde besteigt, zwei Bogen spannt. Unmöglich, daß ein Diener zwei Herren dient. Er wird den einen ehren und dem anderen gegenüber überheblich sein. Kein Mensch trinkt alten Wein und hat sofort Lust, neuen Wein zu trinken. Und man gießt nicht neuen Wein in alte Schläuche, damit sie nicht zerreißen. Und man gießt nicht alten Wein in einen neuen Schlauch, damit er nicht verdirbt. Man näht keinen alten Flicken auf ein neues Kleid, weil ein Riß entstünde.

Achtundvierzig. Jesus sagt: Wenn zwei miteinander Frieden schließen in diesem selben Hause, werden sie zu dem Berg sagen: Hinweg mit dir! Und er wird sich hinwegheben.

Neunundvierzig. Jesus sagt: Glücklich die Einsamen und Auserlesenen, denn ihr werdet das Reich finden, weil ihr daraus seid und wieder dorthin zurückkehren werdet.

Fünfzig. Jesus sagt: Wenn man zu euch sagt: Woher seid ihr? sagt zu ihnen: Wir sind aus dem Licht, wo das Licht aus sich selbst entstanden ist. Von selbst hat es sich eingestellt und ist (in) ihrem Bild erschienen. Und wenn man zu euch sagt: So seid ihr es? sagt: Wir sind seine Söhne. Und darum sind wir Auserwählte des lebendigen Vaters. Und wenn man euch fragt: Was ist das Zeichen in eures Vaters in euch? sagt: Bewegung ist es und Ruhe.

Einundfünfzig. Seine Schüler sagen zu ihm: Wann wird die Ruhe der Toten eintreten? Und wann wird die neue Welt kommen? Er sagt zu ihnen: Jene, auf die ihr wartet, ist schon da. Doch ihr erkennt es nicht.

Zweiundfünfzig. Seine Schüler sagen zu ihm: Vierundzwanzig Propheten sprachen in Israel, und sie alle sprechen in dir. Er sagt zu ihnen: Den vor euch Lebenden habt ihr verpaßt und habt von Toten gesprochen.

Dreiundfünfzig. Seine Schüler sagen zu ihm: Nützt die Beschneidung oder nicht? Er sagt zu ihnen: Wäre sie nützlich, würden die Väter beschnittene (Söhne) aus den Müttern zeugen. Jedoch die echte Beschneidung, im Geiste, die hat vollen Nutzen.

Vierundfünfzig. Jesus sagt: Glücklich sind die Armen, denn euer ist das Reich der Himmel.

Fünfundfünfzig. Jesus sagt: Wer seinen Vater nicht verachtet und seine Mutter, wird mir nicht Schüler sein können. Wer seine Schwestern und Brüder nicht verachtet und nicht sein Leben auf sich nimmt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.

Sechsundfünfzig. Jesus sagt: Wer die Welt erkannt hat, hat eine Leiche gefunden, und wer eine Leiche fand, dessen ist die Welt nicht würdig.

Siebenundfünfzig. Jesus sagt: Das Reich meines Vaters gleicht einem Menschen, der (gutes) Saatgut hat. Sein Feind kam des Nachts, streute Unkraut auf das gute Saatgut. Der Mann ließ das Unkraut nicht ausreißen. Er sagte zu ihnen: Gehet bloß nicht hin und sagt: Wir wollen das Unkraut ausreißen! und reißet den Weizen mit aus! Denn am Erntetag wird das Unkraut zum Vorschein kommen, dann wird es ausgerissen und verbrannt.

Achtundfünfzig. Jesus sagt: Glücklich der Mensch, der gelitten hat. Er hat zum Leben gefunden.

Neunundfünfzig. Jesus sagt: Achtet auf das Lebendige, solange ihr lebt, damit ihr nicht sterbt, es zu sehen sucht, und dann werdet ihr es nicht sehen können.

Sechzig. Ein Samaritaner nahm ein Lamm und ging nach Judäa. Er sagt zu seine Schülern: Jener führt das Lamm umher! Sie sagen: Er schlachtet und ißt es. Er sagt: Solange es lebt, wird er es nicht essen können, erst wenn es geschlachtet und eine Leiche geworden ist. Sie sagen: Anders wird er es nicht machen können. Er sagt zu ihnen: Ihr selbst, ihr sollt euch einen Ort suchen zur Ruhe, damit ihr nicht Leichen werdet und man euch verschlingt.

Einundsechzig. Jesus sagt: Zwei werden sich auf einem Bett ausruhen, einer wird sterben, einer wird leben. Salome sagt. Wer bist du? Der Mensch ist nur zu Einem verpflichtet. Du bist auf mein Lager gestiegen und hast von meinem Tisch gegessen? Jesus sagt zu ihr: Ich bin der, der aus dem Ausgewogenen ist. Man hat mir von den Dingen meines Vaters gegeben. Deswegen bin ich deine Schülerin! Ich sage: Wer aus dem Ausgewogenen ist, wird sich mit Licht füllen, wer aber durcheinander ist, füllt sich mit Finsternis.

Zweiundsechzig. Jesus sagt: Ich sage meine Geheimnisse denen, die (meiner) Geheimnisse (würdig) sind. Was deine Rechte tut, soll deine Linke nicht erfahren

Dreiundsechzig. Jesus sagt: Es war ein reicher Mann, der hatte viele Schätze. Er sagte: Mein Schätze will ich vermehren, um zu säen, zu pflanzen, zu ernten, meine Vorratskammern mit Frucht zu füllen, damit ich keine Mangel leide. So dachte er in seinem Herzen. Und in jener Nacht ist er gestorben. Wer Ohren hat, soll hören!

Vierundsechzig. Jesus sagt: Ein Mann hatte Gäste, und als er das Mahl bereitet hatte, schickte er seinen Diener, die Gäste einzuladen. Er ging zu dem Ersten, sagte zu ihm: Mein Herr lädt dich ein! Er sagte: Ich habe Geld bei Kaufleuten, sie werden am Abend zu mir kommen, ich werde gehen und ihnen Anweisungen geben. Ich bitte für das Mahl um Entschuldigung. Er ging zu einem anderem, sagte zu ihm: Mein Herr hat dich eingeladen. Er sagte zu ihm: Ich habe ein Haus gekauft, und man braucht mich für einen Tag. Ich werde keine Zeit haben. Dann kam er zu einem anderen, sagte zu ihm: Mein Herr lädt dich ein! Er sagte zu ihm: Mein Freund heiratet, und ich werde (selbst) ein Mahl veranstalten, ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich für das Mahl. Er ging zu einem anderen, sagte zu ihm: Mein Herr lädt dich ein! Er sagte zu ihm: Ein Dorf habe ich gekauft und gehe, um die Pacht in Empfang zu nehmen. Ich werde nicht kommen können und entschuldige mich. Der Diener ging und sagte seinem Herrn: Die du zum Mahl eingeladen hast, haben sich entschuldigt. Der Herr sagte zu seinem Diener: Gehe hinaus auf die Straßen und bringe die, die du findest, damit sie am Mahl teilnehmen. Käufer und Hän(dler gehen) nicht ein in die Orte meines Vaters.

Fünfundsechzig. Er sagt: Ein gütiger Mann hat(te) einen Weinberg. Er gab ihn an Winzer, sie sollten ihn bearbeiten und seine Ernte abliefern. Er schickte seinen Diener, damit die Winzer ihm den Ertrag des Weinberges geben. Sie packten seinen Diener, schlugen ihn, hätten ihn fast getötet. Der Diener ging hin und sagte es seinem Herrn. Sein Herr sagte: Vielleicht hat er sie nicht durchschaut. Er schickte einen anderen Diener. Die Winzer schlugen auch ihn. Da schickte der Herr seinen Sohn. Er sagte: Vielleicht haben sie Achtung vor meinen Sohn. Weil jene Winzer wußten, daß er der Erbe des Weinberges war, packten sie ihn, töteten ihn. Wer Ohren hat zu hören, soll hören!

Sechsundsechzig. Jesus sagt: Zeigt mir den Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist der Eckstein.

Siebenundsechzig. Jesus sagt: Wer das All erkennt, sich selbst aber verfehlt, verfehlt alles.

Achtundsechzig. Jesus sagt: Ihr seid glücklich, wenn ihr gehaßt und verfolgt seid. Sie werden dort keinen Ort finden, wo man euch verfolgen möchte.

Neunundsechzig. Jesus sagt: Glücklich sind die, die in ihren Herzen verfolgt sind. Diese haben den Vater wirklich erkannt. Glücklich sind die Hungrigen, man wird den Bauch dessen sättigen, der es wünscht.

Siebzig. Jesus sagt: Wenn ihr das in euch hervorbringt, wird euch retten, was ihr habt. Wenn ihr das in euch nicht habt, wird euch töten, was ihr nicht in euch habt.

Einundsiebzig. Jesus sagt: (Dieses) Gebäude werde ich zerstören, und (nie)mand wird es (wieder) aufbauen können.

Zweiundsiebzig. (Jemand sa)gt zu ihm: Sage meinen Brüdern, sie sollen die Sachen meines Vaters mit mir teilen! Er sagt zu ihm: He, Mann! Wer hat mich zum Teiler gemacht? Er dreht sich zu seinen Schülern, sagt zu ihnen: Kann ich vielleicht teilen?

Dreiundsiebzig. Jesus sagt: Die Ernte ist reichlich, der Knechte aber sind wenige. Bittet den Herrn, er solle Arbeiter senden zur Ernte!

Vierundsiebzig. Er sagt: Herr, es stehen viele um den Brunnen herum, niemand aber in dem verdorrten Feld.

Fünfundsiebzig. Jesus sagt: Viele stehen an der Tür. Nur Einsame können in das Brautgemach gelangen.

Sechsundsiebzig. Jesus sagt: Das Reich meines Vaters gleicht einem Handelsmann mit Ware, der eine Perle gefunden hat. Jener Händler ist weise. Er verkauft seine Ware, kauft sich die einzigartige Perle. So suchet auch ihr nach seinem 
Schatze, der nicht aufhört zu bestehen, dort, wo keine Motte dringen und ihn zerfressen kann, und wo kein Wurm zerstört.

Siebenundsiebzig. Jesus sagt: Ich bin das Licht, das mehr ist als alle. Ich bin das All. Das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist zu mir gelangt. Spaltet ein Holz, so bin ich da! Hebet den Stein auf, und dort werdet ihr mich finden!

Achtundsiebzig. Jesus sagt: Warum seid ihr aufs Ackerland gekommen? Um ein Schilfrohr zu sehen, das im Wind geschüttelt wird? Um einen (Menschen) zu sehen, der bequeme Kleider (trägt? Seht, euere) Könige, eure Großfürsten, die haben bequeme (Kleider) an, die Wahrheit (werden) sie nicht erkennen können.

Neunundsiebzig. Eine Frau sagt zu ihm aus der Menge: Heil dem Mutterleib, der dich getragen hat, und Heil den Brüsten, die dich gesäugt haben! Er sagt zu (ihr): Heil dem, der das Wort des Vaters gehört und richtig bewahrt hat! Tage werden kommen, da ihr sagen werdet: Heil dem Mutterleib, der nicht empfing, und Heil den Brüsten, die nie gesäugt haben!

Achtzig. Jesus sagt: Wer die Welt erkannt hat, hat den Leib gefunden. Wer aber den Leib gefunden hat, für den ist die Welt wertlos.

Einundachtzig. Jesus sagt: Wer reich geworden ist soll König sein. Und wer Macht hat, soll verzichten,

Zweiundachtzig. Jesus sagt: Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe, und wer fern ist von mir, ist fern vom Reich.

Dreiundachtzig. Jesus sagt: Die Bilder sind dem Menschen offenbar. Das Licht in ihnen ist verborgen im Bilde vom Licht des Vaters. Es wird sich offenbaren, und sein Bild ist durch sein Licht verborgen.

Vierundachtzig. Jesus sagt: Wenn ihr euresgleichen seht, freut ihr euch. Wenn ihr aber euere Bilder seht, die vor euch entstanden sind, sie sterben nicht, treten nicht in Erscheinung, wieviel werdet ihr ertragen?

Fünfundachtzig. Jesus sagt: Adam entstand aus einer großen Macht und aus einem großem Reichtum, dennoch war er weniger würdig als ihr. Wäre er würdig, er (hätte) den Tod (nicht gekostet).

Sechsundachtzig. Jesus sagt: (Die Füchse ha)ben (ihre) Hö(hlen), die Vögel haben (ihr) Nest). Der Menschensohn aber hat keinen Ort, sein Haupt zu neigen und sich auszuruhen.

Siebenundachtzig. Jesus sagt: Erbärmlich ist der Leib, der abhängt vom Leibe, und erbärmlich die Seele, die abhängt von diesen beiden!

Achtundachtzig. Jesus sagt: Die Boten und die Propheten sind zu euch gelangt und werden euch schenken, was euch gehört! Und ihr eurerseits, was in euerer Hand ist, schenkt es ihnen und sagt zu euch selbst: Wann werden sie zurückkommen, das Ihre zu empfangen?

Neunundachtzig. Jesus sagt. Warum spült ihr nur das Äußere der Tasse? Seht ihr nicht ein, wer das Innere gemacht hat, ist auch der, der das Äußere gemacht hat?

Neunzig. Jesus sagt: Kommet zu mir, denn sanft ist mein Joch, meine Herrschaft ist mild, und ihr werdet Ruhe für euch finden.

Einundneunzig. Sie sagen zu ihm: Sage uns, wer du bist, damit wir dir vertrauen können. Er sagt: Ihr beobachtet das Aussehen des Himmels und der Erde, aber den, der vor euch ist, habt ihr nicht erkannt. Diesen Augenblick wißt ihr nicht zu beobachten.

Zweiundneunzig. Jesus sagt: Suchet, und ihr werdet finden. Aber wenn ihr mich in jenen Tagen gefragt habt, und damals sagte ich es euch noch nicht, das will ich euch jetzt sagen, nur ihr fragt nicht mehr danach.

Dreiundneunzig. Gebet das Reine nicht den Hunden, damit es nicht auf den Misthaufen komme! Werft Perlen nicht vor die Säue, sie dürfen sie nicht (besudeln).

Vierundneunzig. (Jesus sagt): Wer suchet, wird finden, (wer klopft,) dem wird aufgetan.

Fünfundneunzig. (Jesus sagt): Habt ihr Vermögen, so verleiht es nicht, sondern verschenkt (es) denen, von denen ihr es nicht zuückbekommen könnt.

Sechsundneunzig. Jesus sagt: Das Reich des Vaters gleicht (einer) Frau, sie nahm ein wenig Sauerteig, verbarg ihn in den Brotteig, und große Brote wurden daraus gemacht. Wer Ohren hat, der soll hören!

Siebenundneunzig. Jesus sagt: Das Reich des (Vaters) gleicht einer Frau, die einen Krug voll Mehl trägt. Während sie (auf dem) weiten Weg ging, brach der Henkel des Kruges, das Mehl lief hinter ihr aus (auf) den Weg. Sie merkte es nicht. Sie nahm keinen Schaden wahr. Als sie in ihr Haus kam, stellte sie den Krug ab und fand ihn leer.

Achtundneunzig. Jesus sagt: Das Reich des Vaters gleicht einem Menschen, der einen mächtigen Mann töten will. Er zückt sein Schwert in seinem Hause und stößt es in die Wand, um zu prüfen, ob seine Hand stark genug sei. Dann tötet er den Mächtigen.

Neunundneunzig. Seine Schüler sagen zu ihm: Deine Brüder und deine Mutter stehen draußen. Er sagt zu ihnen: Diese hier an diesem Ort, die den Willen meines Vaters tun, die sind meine Brüder und meine Mutter. Sie gehen ein in das Reich meines Vaters.

Einhundert. Man zeigt Jesus ein Goldstück und sagt zu ihm: Die zum König Gehörigen verlangen Steuern von uns. Er sagt: Gebt das, was dem König gehört, dem König! . Gebt das, was Gott gehört, Gott! Und was mir gehört, gebt mir!

Einhunderteins. Wer seinen (Vater) nicht haßt und seine Mutter wie ich, der wird nicht mein (Schüler) sein können. Wer seinen wahren (Vater nicht) liebt und seine wahre Mutter wie ich, der wird nicht mein (Schüler) sein können. Denn meine Mutter (gab mir meinen Leib), meine wahre (Mutter) hat mir das Leben gegeben.

Einhundertzwei. Jesus sagt: Wehe den Pharisäern, denn sie gleichen einem Hund, der auf der Futterraufe vor Rinden liegt. Er frißt nicht, noch läßt er die Rinder fressen.

Einhundertdrei. Jesus sagt: Glücklich der Mensch, der weiß, in welchen Teil die Räuber einbrechen werden, daß er aufstehe, seine (Rüstung) sammele und sich gürte, ehe sie einbrechen.

Einhundertvier. Man sagt zu Jesus: Komm, wir wollen heute beten und fasten! Jesus sagt: Welche Sünde habe ich begangen? Oder worin bin ich gedemütigt? Nein! Wenn der Bräutigam aus dem Brautgemach kommt, dann sollen sie fasten und beten!

Einhundertfünf. Jesus sagt: Wer Vater und Mutter erkannte, wird ‘Hurensohn’ genannt werden.

Einhundertsechs. Jesus sagt: Wenn ihr zwei zu eines macht, werdet ihr Menschensöhne werden. Und wenn ihr sagt: Berg, hebe dich hinweg! wird er sich hinwegheben.

Einhundertsieben. Jesus sagt: Das Reich gleicht einem Schäfersmann, der hundert Schafe hat. Eines von ihnen, das größte, verirrte sich. Er ließ die neunundneunzig und suchte nach dem einen, bis er es fand. Wie er sich abgemüht hatte, sagte er zu dem Schaf: Jetzt liebe ich dich mehr als alle neunundneunzig.

Einhundertacht. Jesus sagt: Wer von meinem Munde trinkt, wird werden wie ich, und ich selbst werde werden wie er. Und das Verborgene wird sich ihm offenbaren.

Einhundertneun. Jesus sagt: Das Reich gleicht einem Menschen, der auf seinem Acker einen (verborgenen) Schatz hat, von dem er nichts weiß. (Als er) gestorben war, hinterließ er ihn seinem (Sohn, der) Sohn wußte nichts davon, er nahm den Acker und verkaufte (ihn). Der, der ihn gekauft hatte, kam (und fand) den Schatz beim Pflügen. Er begann Geld zu verleihen, (wem immer) er wollte.

Einhundertzehn. Jesus sagt: Wer die Welt gefunden hat und reich geworden ist, soll auf die Welt verzichten.

Einhundertelf. Jesus sagt: Die Himmel werden entrollt und die Erde in euerer Gegenwart, und der Lebendige aus dem Lebendigen soll weder Tod noch Furcht sehen. Jesus sagt: Wer sich selbst findet, für den hat die Welt keinen Wert mehr.

Einhundertzwölf. Jesus sagt: Wehe dem Fleisch, das an der Seele klebt! Und wehe der Seele, die am Fleische klebt!

Einhundertdreizehn. Seine Schüler sagen zu ihm: Wann wird das Reich kommen? Es kommt nicht, wenn man darauf wartet. Man kann nicht sagen: Hier ist es, oder: Schau, dort! Sondern das Reich des Vaters ist über die Erde gebreitet, und die Menschen sehen es nicht.

Einhundertvierzehn. Simon Petrus sagt zu ihm: Mariham soll weggehen von uns, denn Frauen sind des Lebens nicht wert. Jesus sagt: Seht. Ich, ich werde sie führen, ich will sie männlich machen, daß auch sie zu einem lebendigen Geist werden, der euch, den Männern, gleicht. Denn jede Frau, wenn sie sich ermannt, wird in das Reich der Himmel eingehen.

Als DAS EVANGELIUM NACH THOMAS (um 100 nach der Zeitrechnung so betitelt)

© Dr Wolfgang Kosack

Gruß

Eik

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  Die Chrästoi
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:46 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Keine Antworten

Inhalt

1 -  Ägypten 
2 -  Imhotep und die „Theologie“ von Memphis 
3 -  Lebenslehren und Totenbücher 
4 -  Israel 
5 -  Das skandalöse Buch des Predigers 4
6 -  Die Weisheitslehren der Bibel 5
7 -  Rom und Hellas 
8 -  Die Lehre der Verborgenen Worte 5
9 -  Die Theurgen 7
10- Die nützliche Lehre 7
11- Die „Gnosis“ – Lebenslehre, Philosophie oder Religion? 
12- Die Lebenslehre 9
13- Die Philosophie 11
14- Die Religion 13


Ägypten 


Die nützliche Lehre beginnt ihren Weg im Abendland im Ägypten des Alten Reiches. In anderen Weltteilen ist sie unter dem Namen des Buddhismus und in der Philosophie Laotses ebenfalls bekannt. Aber hier soll es vornehmlich um den Weg der Lehre im Abendland gehen, denn vor allem dieser ist für uns wesentlich. 
Imhotep und die „Theologie“ von Memphis.

Dass Imhotep keine mythische Figur ist, ist spätestens seit der Statue des Djoser im Ser-dab an seiner Pyramide von Sakkara bekannt, die seinen Namen und seine sämtlichen Titel nennt. Damit ist auch seine Lebenszeit bekannt, sie liegt um die Jahre 2650 vor unserer Zeit-rechnung. Erwiesen ist, dass er der Erbauer der Stufenpyramide von Sakkara und des dazu gehörigen Festkomplexes für das Heb – Sed – Fest des Königs war. Als erwiesen kann auch gelten, dass er die sogenannte Theologie von Memphis verfasst hat, aufgrund derer der Re – Kult von Heliopolis (Anu) relegiert und Ptah zum Reichsgott Ägyptens erklärt wurde. Die-ser Text ist auf abenteuerliche Weise bis auf uns gekommen, und begründet, wenn auch etwas lädiert (der Stein, auf dem er in der Spätzeit kopiert worden war, wurde lange Zeit als Mühlstein verwendet und entsprechend abgeschliffen), die Entstehung des Lebens aus dem Geist, statt, wie durch Re – Atum angenommen, aus dem Sperma. Die Weltentstehung wird durch den Geist keineswegs negiert, aber sie erfolgt erst in zweiter Instanz und erst in dritter erfolgt dann die Reproduktion des Lebens durch das Sperma – um im gegebenen Bild zu bleiben. Fortan wurde Imhoteps Lehre, auch über die „Herrschaft“ Ptahs als Reichgott hinaus, zur unverrückbaren Staatslehre Ägyptens und genoss sozusagen „Verfassungsrang“. Nach ihren Vorgaben wurde der gesamte Kader der ägyptischen Staatsbeamten ausgebildet und zu diesen Staatsbeamten gehörte auch die gesamte Priesterschaft. Diese Ausbildung wurde bis in die Zeit der griechischen Ptolemäer hinein praktiziert. Einzige Ausnahme war die Priesterschaft des Amun, die lediglich einen traditionellen Kult ausübte und keinen Zugang zur ägyptischen Staatslehre hatte, wofür sie sich dann mit einer ausgeprägten Raff- und Machtgier revanchierte. Sonst gab es keinen Kult in Ägypten, er mochte bedeutend sein oder nicht, dessen priesterlicher Sachwalter nicht diese Ausbildung durchlaufen hatte – aber Beamte wurden nicht nur für den religiösen Sektor ausgebildet, sondern sie waren in der gesamten Verwaltung des Reiches tätig. Sie besetzten alle Posten, vom „Ministerpräsidenten“ bis hinunter zum Verwalter eines Staatsgutes oder zum Dorfschulzen und zum „Sachbearbeiter“ in der Steuerbehörde, die mit dem „Standesamt“ verbunden war. Sie waren als Ärzte, Lehrer und Richter tätig, während die „Wirtschaft“ Ägyptens weitgehend von nicht ausgebildeten Ägyptern betrieben wurde – es herrschte Gewerbefreiheit in Ägypten. 

Bereits im Neuen Reich begann aber die Ausbildung der Staatsbeamten von einer exis-tenziellen Ausbildung zu einem reinen Lehrberuf zu verflachen. Diese Verflachung erfolgte nicht überall gleichmäßig, aber die Zahl der Tempel, an denen sie vollgültig geübt wurde, nahm mehr und mehr ab, die Anzahl der nicht „rite“ ausgebildeten Beamten nahm zu und entsprechend verflachte der ethische Anspruch und wich die Vertrauenswürdigkeit der Be-amten, stieg ihre Anfälligkeit für Korruption. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Ptolemäer erreichten die ägyptischen Priester, dass parallel zur neu gegründeten Hochschule von Alexandria in der die „profanen“ Wissenschaften gelehrt wurden, auch drei „theologische“ Hochschulen gegründet werden konnten: die Hochschule von Philae im Süden Ägyptens, die Hochschule von Edfu in Mittelägypten und die Hochschule am Serapeum in Alexandria im Norden. An diesen drei Stätten wurde nun der Ausbildungsweg der Staatsbeamten Ägyptens in seinem ganzen Umfang weiterhin gelehrt. 

Wie aber sah diese Ausbildung nun aus? Der Auszubildende wurde über Jahre hinweg einer Charakterschulung unterworfen, er wurde gelehrt, mit sich selbst und seinen eigenen Fähigkeiten angemessen umzugehen und daneben lernte er alle zur Verwaltung eines Ge-meinwesens nötigen Fertigkeiten, sowie nach Gefallen auch die priesterlichen Wissenschaf-ten von den Göttern und ihren Kulten oder die in Ägypten hoch entwickelte Medizin. War er mit diesen Ausbildungswegen so weit gekommen, dass sein Wissen als komplett angesehen werden konnte, hatte er sich auch in der Forschung als tüchtig erwiesen und war sein Charakter nach menschlichem Ermessen einwandfrei, wurde er der letzten Übung unterzogen: der Begegnung mit seiner spirituellen Beschaffenheit. Dazu wurde er in einen todähnlichen Zustand versetzt und erlebte, vorher durch ein ausgedehntes Training darauf vorbereitet, mit Träumen und Visionen umzugehen, sich selbst als nicht mehr körperliches Wesen – er pflegte sozusagen Umgang mit den Göttern und begriff sich selbst als einer von ihnen. Aus diesem Zustand zurückgekehrt, hatte er einen grundlegend neuen Begriff von seiner Beschaffenheit und Verantwortlichkeit und machte diesen in seinem weiteren Leben geltend, gleich in welcher Aufgabe er konkret eingesetzt wurde. 



Lebenslehren und Totenbücher

Man sagt, die Ägypter hätten so etwas wie Philosophie nicht gekannt. Man vergleiche mit dieser Ansicht die vielfachen „Lehren für das Leben“ die uns aus der ägyptischen Litera-tur überkommen sind. Man wird finden, dass sie den späteren griechischen Lebenslehren in nichts nachstehen. Auch die griechischen Philosophen wollten letztenendes nur ihr Leben meistern, sahen es aber sehr viel begrenzter als rein irdische Existenz an, während in der ägyptischen Lebensweise Ewiges und Zeitliches permanent ineinander übergingen und auf-einander angewiesen waren. In dieser Beziehung ist die ägyptische Philosophie der griechi-schen überlegen und nicht ohne Grund studierten die frühesten griechischen Philosophen ihr Fach eben bei den Ägyptern. Ich verstehe, dass das Manchem nicht recht passen will, aber so ist einmal die Lage der Dinge. Und Weisheit ist etwas durchweg Menschliches – das war sie auch für die Ägypter. Aber ihr Begriff für Menschlichkeit war für das „Göttliche“ durchlässig, während im griechischen Denken das Göttliche schlechtweg im Guten und Bö-sen menschlich gedacht wurde. Der Gott der Griechen war ein Grieche, der Gott der Ägypter aber nicht notwendiger Weise auch Ägypter. Das zeigen anschaulich die vielen Mischformen in denen die ägyptischen Götter ihren Verehrern erscheinen und das ist nur die volkstümliche Seite ihrer Religion, die so viel mehr als nur Religion war, sondern eben Lebenslehre auf allen Ebenen des Lebendigen, von der die Ebene des Menschlichen nur eine mögliche Ebene war. Das zeigen auch anschaulich die Briefe, die Ägypter an ihre verstorbenen Angehörigen schrieben – das zeigen ihre Träume, die für sie der tägliche Umgang mit den zeitlosen Dingen waren. Dieser Umgang war allen vertraut, nicht nur den „Eingeweihten“ – die lernten nur ihn bewusst zu nutzen und zu beherrschen. Den Ägyptern galt die Zeit des Schlafens als eine der des Wachens ebenbürtige aktive Zeit, sie verschenkten keine Sekunde ihres gesamten Lebens und dieses ganze Leben war in die Geborgenheit einer Philosophie gehüllt, die dieses ganz Leben bejahte und dem Willen, Gutes zu tun sogar den Vorrang gab vor dem wirklich vollbrachten Guten – womit wir bei den Totenbüchern angekommen wären. Denn die Richter über die Seelen der Toten waren nicht blind, aber auch nicht ohne Verständnis für das menschliche Leben, das so vielfach anders verläuft als der Mensch will und hier greifen Lebenslehre und Totenbuch ineinander. Denn im Totenbuch, das übrigens kein fixierter Text ist, sondern für jedes Individuum besonders hergestellt wurde, geht es um das Wesen des Menschen, um seine ethische Ausrichtung, um sein Wollen, nicht um sein Tun. Es hat so Mancher die Dinge nicht vollbracht, die er doch beabsichtigte und gewogen wird am Ende die Absicht, nicht die Tat. Und so sind nicht viele Menschen im Rachen der Seelenfresserin gelandet, aber für die, die dort landeten, bedeutete auch das nicht das Ende; die Seelenfresserin war eine Art Recycling, die „alles auf Anfang“ setzte und das, was so nicht ging, tilgte. Wenn es so nicht ging, wird es anders gehen, war die Philosophie der Ägypter und verloren ist keiner, denn das Ewige, Zeitlose, hat Raum für alles, eben weil es kein „Raum“ im physikalischen Sinne ist. Wenn es aber so ging, dann konnte es auch so weitergehen – das ägyptische Paradies ist kein Ort für Harfenspiel und Halleluja – Singen. Es ist ein dynamischer Ort, an dem Entwicklung stattfindet, es ist ein sozialer Ort, an dem Miteinander stattfindet, an dem sich neue Konstellationen ergeben, die irgendwann dann wieder in ein Menschenleben münden – die Ägypter propagierten die Seelenwanderung nicht, aber sie kannten sie. 
Umstritten und mit Recht ist, ob die Ägypter eine heimliche Eingottreligion pflegten. Ich plädiere nicht für eine solche, aus dem einfachen Grund heraus, dass es unter Göttern und als solcher erkannte sich jeder Eingeweihte selbst, keine Hierarchie gibt. Hierarchien unter Göttern schafft sich der Mensch und so verstand sich auch die alte Theologie: als Instrument mit dessen Hilfe der Mensch sich Ordnungen unter den Göttern schafft, damit er ihre Viel-heit beherrschen und überblicken kann. Den Menschen, die sich nicht erkannten, waren die Götter ohnehin als Vielheit traditionell bekannt. Sie hätten und das sehen wir deutlich bei Echnaton, sehr irritiert reagiert – und das haben sie denn auch – wenn man ihnen die Vielfalt genommen hätte und die Torheit Echnatons besteht darin, dass er das Unmögliche tat, denn die Sonnenscheibe gibt es wohl, aber den einen Gott gibt es nicht. Es war ein hoch ambitioniertes Kinderspiel, das er da betrieb. Er betrieb es ja auch nicht von Anfang an, sondern wollte nur den spirituell ohnehin anfragbaren Amun – Kult relegieren. Aber sein übertriebenes Misstrauen führte dazu, dass er sich auch gegen die alten Kollegien und ihre Götter wandte – und das brach ihm dann politisch das Genick und darüber brach er auch physisch zusammen. Die Vielfalt aber überwand sein Missverständnis. 

Lebenslehren und Totenbücher – sind zwei Seiten der gleichen Medaille und als solche waren sie jedem Ägypter vertraut. Die Lebenslehren waren Schulstoff, die Totenbücher be-gleiteten im Sinne der Lebenslehren den von dieser Welt Abgeschiedenen in die Zeitlosig-keit, um ihm dort Führer in den Lebenslagen zu sein. Die Medaille aber ist das Leben, das für den Ägypter keine Dualität Tod kennt, sondern der Tod ist für ihn nur der Strich, der die irdische Dimensionierung von der Dimensionslosigkeit des Ewigen trennt. 


Israel

Das skandalöse Buch des Predigers

„Denn des vielen Büchermachens ist kein Ende“ – ist eines der letzten Worte des Predi-gers im Alten Testament und seine Botschaft ist „es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind“. Worum geht es sonst in diesem Buch? Um die ewige Wiederholung des immer Glei-chen. Um die Erkenntnis, dass das menschliche Leben in immer den gleichen Bahnen ver-läuft – aber der Prediger zieht daraus keine weiteren Schlüsse, er führt es sich nur vor Augen und beleuchtet dabei die Fährnisse des Lebens, das für ihn mit der Vernichtung des Lebens endet. Was immer du tust, am Ende steht „denn es geht dem Menschen wie dem Vieh.“Einen größeren Unterschied zur ägyptischen Philosophie des Lebens kann es nicht geben als diese verzweifelte Provokation des Kohelet und man versteht, warum es große Diskussionen gab, diese Schrift unter die Schriften des Tenach aufzunehmen. Dieses Buch aber bezeichnet das Ende zu dem das jüdische Denken in dieser Zeit kam. Es bezeichnet aber auch, implizit, die Unzufriedenheit des Menschen mit einem solchen Fazit. Der Mensch als Gefangener seiner Umstände befriedigt den Autor nicht, aber er kann aus diesem Gefängnis auch nicht entweichen. Alles, was ihm dabei bleibt, ist die vage Hoffnung auf seinen einzigen Gott, der den Menschen wohl nicht ohne Grund so geschaffen hat, dass er wie der Esel ständig nur im Kreise geht. 

Das geistige Leben Israels erschöpfte sich in der Beschäftigung mit dem Kultgesetz und in erbaulichen Gedanken, die ihn über die Öde der geistigen Landschaft hinweg trösten soll-ten. Gegen diese Erbaulichkeit und ihre Illusionen rebelliert der Prediger. Damit ist er eine profane Stimme mitten im religiösen Meer, in Israel eine fremde Stimme, eine aufstörende Stimme. „Denn alles, was geschieht, ist schon zuvor gewesen.“ Die Welt ist aussichtslos, der Kreis geschlossen, es geht nicht vor, nicht zurück. Das ist die Situation, in der ein Mensch aus Ägypten kommt und mit sich bringt, was alles ändern kann – aber nicht ändern wird, er stolpert über seine eigenen Füße, aber wir werden noch sehen, wie. Für Israel bleibt das Tor geschlossen, hat seine Botschaft nur noch die Kraft, zu einer neuen Religion zu werden. Erst in anderen Händen, in denen einer Frau und ihrer Schüler, wird sie das werden, was sie sein kann. 



Die Weisheitslehren der Bibel

Es gibt auch in der Bibel Israels Lehren für das Leben. Aber sie lehren keine Philosophie, wenn man nicht die Ethik als Bestandteil einer solchen betrachten will. Ihr Autor ist ein guter Beobachter und sicher auch mit einiger Erfahrung gesegnet. Aber ein Lehrer „überirdischer“ Wahrheiten ist er nicht. Und so sind auch die Proverbia bei allen Anklängen an die nützliche Lehre ihr nicht gleich; auch dann nicht, wenn manche Autoren sie in der Nähe zumindest eines Geschwisters aus der „Gnosis“ genannten Ideenfamilie vermuten. Sie sind es nicht. Israel ist bis zum Auftreten des historischen Jesus eine Kultur ohne Selbsterkenntnis, dafür aber mit sehr viel und durchaus streitbarer Gotteserkenntnis – aber was nützt die schon, wenn die Vorstellung dessen, was ich erkennen will, schon eine Chimäre ist? 


Rom und Hellas

Nein, Rom ist nicht Hellas. Aber in der römischen Welt wurde öfter Griechisch gespro-chen und gedacht als Lateinisch. Wie bekannt ist, sprachen gebildete Römer lieber Grie-chisch als ihre zwar logisch durchkonstruierte, aber wenig poetische Muttersprache. Man kann einander in Latein sehr viel besser und präziser Mitteilungen machen – aber jemanden eine Angelegenheit taktvoll beizubringen, eignet sich das Griechische eben besser. Über di-verse Mittel- und Additivformen verfügt es sowohl in der Grammatik als auch in der Lexik über einfache bis vielfach geschraubte Möglichkeiten der Benennung, sie kann präzise sein, muss es aber aufgrund vielfacher Synonymbildungen nicht. Ein Wort schließt oft ganze Wortfamilien ein und jeder kann sich das Passende heraussuchen – eine Sprache für Diplo-maten. Dabei klangschön, weil reich an Vokalen und Diphthongen und in der Betonungs-praxis des Altgriechischen auch rhythmisch ein Ohrenschmaus nicht zu vergleichen mit dem heutigen vergleichsweise monotonen Griechisch. Dabei herrschten zur Römerzeit schon nicht mehr die alten Dialekte vor, sondern man sprach und schrieb ein helles und vor allem einheitliches Griechisch, die sogenannte Koine, Betonung auf der zweiten Silbe, sonst wird’s peinlich. Selbstverständlich gab es aber auch ein Alltagsgriechisch in dem nicht alles so fein und elegant formuliert war, wie im Griechisch der Gebildeten, das die Römer vorzugsweise sprachen und schrieben. Graecia capta romanos cepit - das besiegte Griechenland besiegte die Römer. Und wer im ganzen Reich gelesen werden wollte, der schrieb eben Griechisch. Mit Aramäisch, der Sprache der Juden in Israel, kam man nicht weit. Daher folgte jener Schrift über die ich nun sprechen möchte, nach einer aramäischen Urschrift auch bald eine Übersetzung ins Griechische nach. Dass sie anfangs aramäisch abgefasst war, merkt man ihr allerdings noch an. Man kann die aramäische Forum übrigens rückgewinnen, nur fehlen uns heute eben oft die Worte. Dabei ist der Text sprachlich nicht weiter schwierig. Allerdings hat er es trotz seiner Schlichtheit in sich. Aber das liegt nicht an der Sprache, das liegt daran, was sie uns sagt. 


Die Lehre der Verborgenen Worte

Wo soll man anfangen mit diesem kleinen Werkchen, einer Spruchsammlung wie es zu der Zeit viele gab und vordem schon gegeben hatte. Aussprüche, Anekdoten, verdeutlichen-de Geschichten, Parabel genannt oder „Gleichnis“ mit dem alten Vater Luther? Diese weni-gen Seiten schließen nicht nur eine Welt ein, sie eröffnen dem Menschen so weite Perspekti-ven, dass es sie, ehe er verstanden hat, was sie ihm zeigen wollen, gar nicht begreifen kön-nen, was da vor sich geht. Aber leider – das Werkchen trägt auch den Keim großer Irrtümer in sich, es wurde durch diesen Keim zum Stammvater einer ganzen neuen Weltreligion. Der Verfasser dieser kleinen Schrift gab der Welt nur statt eines verschlissenen Jahwe einen neu-en Gott, den „Vater“ als dessen Sohn er sich bezeichnet. Man kann zwar darüber hinweg lesen, aber Millionen Menschen haben seither gerade dies nicht getan, sondern ergingen sich in Anbetung dieses Vaters – bis auf den heutigen Tag. Dabei übersahen sie völlig, wie radikal diese kleine Schrift Welt und Menschen verändern kann, wie sie im Einzelnen und in der Menge wirken kann, dass kein Stein vom Altgewohnten mehr auf dem anderen bleibt. Sollten sie es etwa übersehen? Heißt so heran zu gehen, etwa die „Verborgenen Worte“ so der Titel der Schrift über sich selbst hinaus zu verstehen und also falsch? 

Diese kleine Schrift ist zur Mutter von drei Bewegungen geworden, zwei Religionen und einer Philosophie. Sie alle haben sich aus der Antike heraus bis in unsere Gegenwart erhal-ten, als Christentum, als okkult – magische Gnosis und als „neuplatonische“( der Name ist modern und beruht auf einem systemischen Irrtum) Philosophie. Die drei Bewegungen ha-ben einander bis aufs Blut bekämpft und nie verstanden, dass sie alle drei auf einen einzigen „Vater Abraham“ zurückgehen, der Jesus hieß und zur Zeit des Königs Herodes in Israel lehrte und dann in Rom, wo letzte Überreste seiner Schule bis heute erhalten blieben und besichtigt werden können. Nebenstehend ein Bild des Kellergewölbes mit den augus-teischen Reliefs und dem Mosaikfußboden. Man kann sich die Gemeinde gut vorstellen, die hier den Vater anbetete – dabei stellt das Relief in der Apsis mit der vom Felsen stürzenden Sappho und dem gelangweilt zuschauenden Phaon genau das dar, was in der Lehre gemeint ist: die Seele, die sich in sich selbst stürzt und der Lehrer, der dem Treiben gelangweilt zuschaut. Nicht er ist das Ziel ihrer Liebe und Leidenschaft, sondern ihre eigene Göttlichkeit winkt als Lohn. Reliefs an der Decke erzählen symbolisch von den Fährnissen der „Unterweltsfahrt“ die hier eben unter griechischen statt ägyptischen Vorzeichen vollzogen wurde. Denn die Lehre ist an keinen besonderen Kulturraum gebunden, sie kann sich überall umtun, überall Wurzeln schlagen, unter allen Himmeln heimisch sein. Man nannte sie Chrestomathia, das will sagen, dass diese Lehre unmittelbar nutzbringend dem ist, der sie übt. Paulus machte dann die Lehre von Christus dem Erlöser daraus, aber das muss uns hier nichts angehen. Polemisch wurde diese Lehre Gnosis genannt, weil sie die Selbsterkenntnis meint als Wurzel allen anderen Erkennens. Und Plotin, ein Philosoph der Chrestomathia, wetterte gegen die Gnosis – zu Recht, denn Chrestomathia und Gnosis haben kaum etwas miteinander gemeinsam. Gnosis will die Seele zu Gott bringen – Chrestomathia will sie zu ihrer eigenen Göttlichkeit befreien. In diesem Augenblick fällt zwar alle Religion in sich zusammen, aber manche Leute nennen diese Lehre dennoch religiös. Sie haben sie und sich selbst wohl nicht ganz verstanden. 

Und der Anfang der Lehre liegt in den „Verborgenen Worten“ die hier zu kommentieren den Rahmen komplett sprengen würde und daher unmöglich ist, man lese sie selbst, sie sind unter dem (nachgesetzten) Namen „Thomasevangelium“ in vielen Sprachen zugänglich. Sie sind mit dem Vatergott der Urahn des Christentums, mit der Erkenntnis der Urahn der magischen Gnosis und im Ganzen sind sie der Basistext einer praktischen Philosophie, die man viel später Neuplatonismus nannte, weil einige Vorstellungen entfernt der Philosophie Platos ähneln, vor allem die Lehre vom Eigentlichen und von seinem materiellen Abbild. Bedenken wir, Plato hat in Ägypten studiert, ihm waren also manche Ideen der Ägypter nicht fremd, aber er übersetzte sie ins griechische Denken und das ist nun einmal ein anderes. 
Die Verborgenen Worte sind eigentlich das Äußerste. was über die Dinge gesagt werden kann, die sich dem unmittelbaren Zugriff zu entziehen scheinen – aber diese Äußerste wird nicht in verklausulierten Begriffen gesagt, sondern in eine derart einfachen Art und Weise, dass eigentlich jeder Mensch, philosophisch vorgebildet oder nicht, es verstehen kann. Das ist Jesu Genialität, etwas derart Großes derart einfach gesagt und dennoch nicht verfälscht zu haben – an den Vater hat er wohl selbst geglaubt und sich damit eine Grenze gesetzt, denn „den Vater zu schauen“ ist dem, der sich selbst erkennt, kein Bedürfnis. Er wollte ihn den Menschen jedoch zeigen. Nun gut, was es sonst in den Verborgenen Worten zu finden gibt, macht diesen verhängnisvollen Fehler mehr als wett. 
Die Theurgen
Es ist verständlich, wenn diese Lehre beim gebildeten Publikum, das meistens fromm war, auf Skepsis traf. Andererseits konnte man sich ihrem Versprechen aber nur schwer entziehen, denn diese Versprechen betraf ja die menschliche Freiheit, von der einige Leute bis heutigen Tages überzeugt sind, sie meine nur die juristische Straflosigkeit für begangenes Unrecht, ebenso wie sie überzeugt sind, dass der Verzicht auf ein göttliches Gegenüber ein Freibrief für jede Art ethischer Verstöße sei. Man möge dem Kopf nicht schütteln, ich habe lange in einem Projekt gearbeitet, wo dergleichen Ansichten durchaus toleriert wurden. Es scheint, dass einige Menschen mit dergleichen nicht überein kommen, dass sie Krücken brauchen um sich weiter zu bewegen und „Gott“ ist solch eine Krücke. So kamen die sogenannten Theurgen zu der Ansicht, dass zwar der Mensch zur eigenen Göttlichkeit berufen wäre, aber ein Gott ihm dazu helfen müsse, sie zu erreichen. Von dieser Idee ausgehend bemühten sie sich nicht mehr selbst, sondern beteten zu ihren Göttern, dass einer von ihnen sich herab beugen und sie zu sich hinan ziehen möge. An eine Wandlung des Menschlichen aus eigener Kraft vermochten sie nicht zu denken. So glichen ihre Versammlungen Gottesdiensten und sie selbst waren mit Fug und Recht religiös zu nennen. Dieser Zweig der Chrestomathia, der indes nichts mit Gnosis gemein hatte, war vor allem im Osten des Reiches verbreitet und baute dort seine Glaubenssysteme aus. Im Westen hingegen herrschte eine anspruchsvollere Spielart derselben Philosophie, die den Menschen unverblümt ins Zentrum seiner eigenen Bemühungen setzte und ihm die Mittel an die Hand gab, sein Ziel zu erreichen und, was noch wichtiger war, dann auf seinen eigenen Wegen weiter zu gehen und den Kreis der Erkenntnis nach Kräften zu vermehren. Im Osten bat man um Erkenntnis, im Westen praktizierte man sie, so kann man das in Form einer Faustregel ausdrücken. Im Osten ersann man diverse Sektenregeln, teils asketischen, teils aber auch libertinistischen Charakters, im Westen war man pragmatisch und nahm das Leben wie es kam – immer mit einem Blick in die „Verborgenen Worte“ daneben, in denen man sich zuweilen wiederfand, zuweilen nicht. Im Osten wie im Westen aber überdauerten die beiden Versionen den Zusammenbruch des römischen Reiches und das Ende der Antike und gingen beinahe nahtlos über ins Mittelalter. 


Die nützliche Lehre

Sie nützt in der Tat. Denn sie schafft für das menschliche Leben Prioritäten und für das geistige Leben schafft sie einen sicheren Raum. Sie war auch damals nützlich und schuf eine Anzahl von loyalen Helfern im Staatsdienst – auch wenn zuzeiten einmal der faulen Eier mehr gewesen sein sollten, fanden sich doch immer loyale und verantwortungsvolle Staats-diener, die den manchmal angeschlagenen Kahn auf Kurs hielten. Sie taten, was sie taten, und wenn es auch zuweilen nur wenig war, aus Einsicht in das Ganze und mit der Freiheit dessen, der weiß, was er tut und warum. Sie hielten das Reich aufrecht, während die Kaiser ihre Eskapaden zelebrierten, ihrer Arbeit tat ein Tiberius so wenig weh wie ein Soldatenkai-ser mit kurzem Verfallsdatum. Sie waren die Stillen im Land, die ihre Arbeitsfeld in Ord-nung hielten, weil es letztenendes auch auf diese ankam, wollte der Staat, unabhängig von den Launen oder Fähigkeiten derer an seiner Spitze funktionieren. Aber auch ihre Standfes-tigkeit stieß an Grenzen, als die große Pest, von Osten kommend, über das Reich herfiel und mit seiner Bevölkerung auch seine Wirtschaftskraft dezimierte – das Reich sollte sich niemals wieder ganz von diesem Aderlass erholen, obgleich sie wie immer das Beste gaben. Eine andere Grenze an die sie stießen, war die verfehlte Politik Roms, vor allem Westroms, gegen die eindringenden Barbarenvölker. Es war nicht launische Begehrlichkeit, die diese Völker ans Mittelmeer trieb, es war oft genug die nackte Not, die sie aus ihren Behausungen aufge-scheucht und ins Unbekannte getrieben hatte. Die „Subalternen“, ausgebildet, in allen Din-gen vor allem nach Ausgleich zu streben, hatten mit ihrer Ansiedlungspolitik auch lange Erfolg – bis in der Umgebung der Kaiser Machtgerangel ausbrachen und sie der Instabilität der Verhältnisse nicht mehr entgegen halten konnten, denn alle gewohnten Mittel versagten ihren Dienst, weil sie einmal angeregt, ein andermal wieder ausgebremst wurden. Da half auch alle Sicherheit des Urteils nicht mehr, wenn die Erlasse der Kaiser einander widerspra-chen, heute etwas anderes befohlen wurde als gestern und zwischendurch das Mordmesser regierte. 
Aber sie blieben nützlich, diese Anhänger der nützlichen Lehre, die übrigens längst Christen geworden waren, aber das hinderte sie nicht an sich selbst, sie nahmen es eben nicht so ernst, aber machten mit. Sie erfüllten die christlichen Riten wie sie zuvor den Staats-kult und den Kult des Genius Augusti erfüllt hatten. Es machte ihnen nichts aus und die Freiheit, die wir heute haben, zu alledem Nein zu sagen, hatten sie damals noch nicht. Das hätte sie ihren Kopf und das Wohl ihrer Familien gekostet, sie waren ja keine Asketen, die im Zölibat nur für ihren eigenen Bauch zu sorgen hatten. Eine „Kirche in der Kirche“ waren sie aber, zumindest im Westen, nicht, auch wenn die Kirchen als Gebäude oft genug die Stellen der ersten Kontaktaufnahme waren – sie sorgten dafür, dass die Symbole ihrer Zunft dort vernehmlich waren. Da das offizielle Christentum dieser Bewegung nicht gerade freundlich gegenüber stand, sorgten sie aber auch dafür, dass diese Signale nur denen sichtbar sein sollten, die sie kannten, was auch meistens klappte. Außerdem gab es natürlich auch die altbewährte Praxis der Empfehlungsschreiben. Und wo immer sie saßen, sorgten sie dafür, dass wenigstens ein Minimum an Kontinuität erhalten blieb. Dabei, so seltsam es klingt, half ihnen auch die Kirche mit ihrer straffen Organisation – freilich ohne es zu wissen. Hier und da flog auch einmal einer auf – aber nie so viele, dass ein nennenswertes Loch entstanden wäre. Früher hatten sie sich nicht verstecken müssen, aber sie lernten schnell. Und an manchen Orten mussten sie sich noch nicht einmal verstecken, vor allem nicht in den nördlichen Provinzen, wo sie rasch das Ohr der neuen Herren gewannen, die meist als Arianer der römischen Kirche auch nicht gerade gewogen waren und die Klarsicht und Tatkraft dieser Beamten zu schätzen wussten. Über Philosophie sprachen sie nicht – noch nicht. Aber sie sollten bald damit beginnen, denn es war nötig, neue Generationen für den Dienst der Herren auszubilden. Die nützliche Lehre durfte nicht unnütz in die Vergessenheit dahin gehen. 


Die „Gnosis“ – Lebenslehre, Philosophie oder Religion?

Die „Gnosis“ das ist bis heutigen Tages ein Grund, warum ein Pfarrer, gleich welcher Konfession, entpflichtet werden und seinen Beruf verlieren kann. Aber was ist es eigentlich, das die Kirchen aller Couleur auch noch nach zweitausend Jahren hysterisch werden lässt? Ist es das magische Getue religiöser Konventikel die von der Kreuzigung sagen, dass Jesus sie ja „nicht wirklich“ erlitten habe? Sind es gewisse Riten, derentwegen die moralische In-tegrität der Pfarrer angezweifelt wird? Ich selbst war in einem Kindergottesdienst Zeuge eines leicht hysterisch angehauchten Anfalls eines Pastors auf die Kinderantwort: er starb ja nicht wirklich. Der Pfarrer hingegen haute wirklich zu: das ist wieder dieser elende Doke-tismus... und das Kind schaute verdutzt, es hatte mehr auf die folgende Auferstehung abge-hoben, der Ausfall des Pastors war ihm unerklärlich. Wie ich dazu kam? Nun, ich versah in meiner evangelischen Heimatgemeinde lange Jahre den Orgeldienst. Der Pfarrer, der hier einen Probegottesdienst hielt, wurde übrigens von der Gemeinde nicht „genommen“. Aber man sieht – die Berührungsangst ist irrational lebendig. Nur – der wahre Grund wird selten genannt, obgleich er schon in den Tagen des frühen Christentums ein Hauptgrund für die Ablehnung war: sie nennen ihn unwissender Weise „Vergottung“ und bezeichnen ihn, nichts wissend, als Sünde. Nichts ist er weniger als das. Und eine „Vergottung“ nach ihren Vorstellungen findet auch nicht statt. Denn was das ist, ist etwas ganz, ganz Anderes. 


Die Lebenslehre

Zunächst ist es einmal eine Handreichung, wie man leben sollte, damit man zufrieden lebt. Denn jeglicher Zwang ist uns fremd, was wir nicht gern tun, lassen wir lieber – falls es möglich ist, denn aufwaschen, wischen und Fensterputzen gehören nun einmal dazu, damit wir uns in unseren vier Wänden auch zuhause fühlen. Es gibt Dinge, die mögen wir nicht besonders, kommen aber auch nicht umhin, sie zu tun. Zum Beispiel Mathematikaufgaben zu machen, auch wenn man zu dieser Wissenschaft keine Beziehung hat und der Lehrer es auch nie verstand, eine zu schaffen. Ich fand das sehr schade, denn richtig begriffen ist die Mathematik eine tolle Wissenschaft und es tut mir in der Seele weh, dass ich unterwegs so wenig von ihr mit bekam. Nun, das lässt sich nicht mehr ausbügeln, also warum dem nach-trauern, das Leben ist bunt genug und fürs Haus reicht es ja immer noch hin. 

Die zweite Lebensregel ist: seid nicht so ėtepetėte wie der Berliner sagt, macht euch nicht ins Hemde, ob ihr das nun dürft oder nicht, esst was euch schmeckt und was ihr vertragt und zieht euch an wie ihr mögt und auf Nagelbrettern müsst ihr auch nicht schlafen. Kein Wort auch, dass euch Sex verboten wäre, ihr müsst, kurzum, selbst wissen, was euch wichtig ist. Ihr solltet selbst wissen, was euch in eurem Leben nützt und was nicht. Aber da geht es schon los: Manchem nützt, seien wir doch ehrlich, durchtrieben, skrupellos und betrügerisch zu sein, Manchem nützt auch der Mord, den er beging, ich denke da nur an das „Erbschaftspulver“ Arsenik. Und wie viele wahrheitsliebende Menschen hat ihre Liebe zur Wahrheit schon vor der Zeit ins Grab oder wenigstens in Misskredit gebracht? Wie vielen Menschen hat der Nutzen, den die Produktion dem Besitzer der Produktionsmittel brachte und bringt, schon in namenloses Elend und massivsten Schaden getrieben? Zu fragen: wem nützt es, war jedenfalls noch nie verkehrt und hat manchen Aufschluss über manchen Plan gebracht. Hier hat wohl jemand eine allzu gute Meinung von der Selbstbestimmtheit des Menschen. Esst, was man euch vorsetzt – das können auch Regenwürmer sein, soll man die auch essen? Es soll ja Leute geben, denen das schmeckt, aber ich denke, sie stellen insgesamt eher eine Minderheit vor. Aber nirgendwo ist verlangt, dass man essen soll, was nicht schmeckt. Also wird man Regenwürmer wohl ablehnen dürfen. Aber dies: sprecht keine Lügen! ist immerhin eindeutig, denn ohne Lügen lassen sich jene Versionen des Nutzens, von denen ich gerade schrieb, nicht durchsetzen. Die Sache mit dem Erbschaftspulver funktioniert nicht, wenn der Betreffende nicht über den Tathergang lügt, dass sich die Balken biegen und auch der „Wohltäter der Menschheit“ wäre mit der Wahrheit wohl schnell als „Missetäter der Menschheit“ entlarvt. Hingegen der Wahrheitsager wäre schnell im Vorteil, würden seine Gegner auch ihrerseits die Wahrheit sagen müssen, dass sie ihn nämlich hassen, weil er ihnen die Wahrheit sagt, die sie nicht hören wollen. So ist: sprecht keine Lügen! die eigentlich wichtigste Lebensregel, durch die alle anderen an ihren Platz gelangen. Aber Vorsicht – die Lebensregel verbietet nicht den Irrtum. Über ihn wird mit keinem Wort gesprochen, weder für, noch gegen ihn. Wieder einmal scheint es, als sage Jesus nicht genug – aber es ist nicht Jesus, der diese Lebensregeln verbreitet, es ist Judas Thomas, dessen Lebensumkreis einfacher gewesen sein mag als der des Herodesneffen Jesus. Seine, des Landmannes, Auswahl stellt mangels Alternativen nun den Basistext der Lehre dar. Da darf man sich über die Indizien für ein einfaches Gemüt und über jede Menge Allgemeinplätze wohl nicht wundern und muss man sich wohl listenweise Anmerkungen und Erweiterungen hinzu denken. Aber mit den Lebensregeln fängt es an, sie entscheiden, ob man zu einer solchen Möglichkeit greift, das ist es, was die Thora ständig in Konflikt mit dem Leben bringt, denn sie ist auch nur Lebenslehre und was den Koran in seiner Zeit, also im siebenten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, als praktikable Lebensorientierung erscheinen lässt. Je einfacher es ist, die Lebensregeln einer bestimmten Sekte einzuhalten, umso leichter wird sie Anhänger finden und die Chrestomathia ist erst einmal nichts anderes als eine Sekte unter vielen anderen – eine Idee, der man folgen kann, denn das meint Sekte. Man darf nicht vergessen: der Markt für solche Sekten war damals ebenso überlaufen wie er es heute ist. Eher war er es noch mehr, denn die philosophischen Alternativen waren damals sehr viel reichlicher als sie es heute sind. Sehr viel mehr Menschen suchten, sich die einzige Idee, die sie hatten, durch möglichst viele Schüler zu vergolden. Die Lebensregel der nützlichen Lehre ist, eben weil sie Nutzen für sich reklamiert, an der Lebenswirklichkeit orientiert und nicht an Wunschvorstellungen eines mehr oder weniger weltfremden Gurus. 
Aber wie schon gesagt: mit der Lebensregel beginnt der Weg. Da er aber mit ihr beginnt und nicht endet, darf sie nicht abschreckend sein und auch nicht zu viel Lebensenergie für sich reservieren – sie darf keine Thora sein, die das Leben auf allen Seiten fest umklammert hält und sie darf auch kein Koran sein, der sich in die Lebensgestaltung dessen einmischt, der ihm folgt. Sie muss auf Besonderheiten verzichten, darf weder bizarr, noch grotesk sein, sie muss in der Lage sein, das Leben zu nehmen, wie das Leben ist. Sie muss sich von allem Zwanghaften abzugrenzen suchen, mit dem andere Regelwerke sich im Gegenteil ausdrück-lich schmücken und ihre Befolger besonders aus der Masse heraus zu heben suchen. So wird dann in der Lebenslehre der Chrestomathia nur das gefordert, was für ein Leben in Lauterkeit unerlässlich ist, nämlich dies: sprecht keine Lügen! Und dies gibt Jesus noch als Dreingabe hinzu: was ihr hasst, das tut nicht. Wenn ihr es hasst, gequält zu werden, dann quält selbst nicht, wenn ihr es hasst, betrogen zu sein, dann betrügt selbst auch nicht – wenn ihr es hingegen nicht hasst, wenn man euch betrügt und quält, dann tut es unverweilt und ohne Gewissensbisse. Hier wird nicht gefordert, dass man „gut“ sein müsse, denn die Lehre weiß, dass der Mensch eben nicht „gut“ ist. Der nicht gute Mensch wird auch überall, wohin er kommt, in allen anderen Menschen nur das nicht Gute sehen und so zu der Ansicht gelangen, dass er ihnen darin gleichen müsse. Der Mensch, der Widerwillen hat, wird seinen Widerwillen über die Welt auszubreiten suchen und ihn Befreiung nennen. Man möge nicht lachen, ich habe das Beispiel erlebt: ein alter Mann, der in seinem Leben an seinem eigenen Widerwillen versagt hat, erhebt am Ende seiner Tage seinen eigenen Unwillen zum Dogma und sieht in den Menschen, die ihm darin entgegen stehen, nur noch Ungeheuer und Bösewichte. Er glorifiziert sein eigenes Versagen und trifft sich dabei mit seinesgleichen, von denen er geradezu angebetet wird. Auch das habe ich in diesem Mikrokosmos, den das Erkenntnis – Projekt darstellt, erlebt. Jede seelische Fehlstellung hat dort seinen Repräsentanten. Aber eben dies ist Programm, denn: „die Menschen denken, dass ich gekommen wäre, Frieden zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern Krieg, Zank, Streit. Drei werden gegen Zwei sein und Zwei gegen Drei,– und sie werden ein Einziges werden.“ So Jesus zum Zweck seines Projektes. Die Polarisierung ist zwar ein notwendiges Stadium, aber sie ist nicht der Endzustand. Der Weg bewirkt nicht seliges Dahinschweben, sondern er erfordert Stärke, denn dies muss ausgehalten werden. Wehe dem, der es nicht aushält. Er fällt tiefer als er zu Beginn stand. Denn sein Vertrauen in sich selbst ging mit dahin. Es hilft dem Menschen nichts, wenn er die Geheimnisse der Welt erkundet hat und der eigenen Geheimnisse unkundig ist, die eigene Streitbarkeit nicht akzeptiert, die den Weg frei machen muss zum Zustand endlichen Friedens. Es ist kein leichter Weg, den diese leichten Lebensregeln verheißen. Es ist ein Weg, auf dem man leicht in die Irre gehen kann, wenn man auch nur eine einzige Eigenschaft an sich selbst verabsolutiert – ehe man sich versieht, ist man ihr zum Opfer gefallen und aus dem, der mit sich selbst rang, wurde ein heilloser Fanatiker. Wie man also sieht, kommt es nicht darauf an, äußere Merkmale zu präsentieren, sondern darauf, mit sich selbst stets reinen Tisch zu halten. Der Mensch soll seine Kraft nicht an die Einhaltung solcher äußeren Merkmale vergeuden, sondern alle seine Kraft darauf verwenden, in diesem Kampf und Streit Sieger zu werden. Diesen Sieg wird er nicht durch seinen Triumph erringen, sondern dadurch, dass er bereit ist „der Letzte“ zu sein, denn dies ist das Kennzeichen des Ersten. Die Steine, die auf ihn geworfen werden, werden Feuer speien und die Werfenden verbrennen. Man kann es auch so verstehen, das „was in euch hinein geht wird euch nicht unrein machen“. Die Worte, mit denen sie in euch zu dringen versuchen, werden euch nicht verunreinigen, aber achtet darauf, was ihr ihnen antwortet. Wenn ihr beschimpft werdet, wenn euer Werk zu Schund und Schmutz erklärt wird, dann tut nicht desgleichen, sondern redet ernsthaft mit dem, der euch nicht hören will. Das habe ich nach bestem Wissen und Gewissen stets getan und bin auch dabei, die „Palme“ zu erringen, denn der Steinewerfer sind viele und ich bin – dem Himmel sei Dank – auch endlich zum Letzten geworden. Aber das nur nebenbei – und um zu versichern, dass hier nicht der Theoretiker und Mutmaßer spricht, sondern derjenige, der alles, was da beschrieben und versprochen ist, am eigenen Leibe erlebt und erlitten hat. 

Die Lebensregeln sind der Anfang und sie versprechen nichts, denn sie sind unbedeu-tend bis auf eine: sprecht keine Lügen! Ansonsten tut auch gern einmal, was ihr eigentlich hasst: putzt eure Fenster und bügelt eure Hemden!


Die Philosophie

Es gibt – und ich kenne einige – keine kühnere Philosophie als die der nützlichen Lehre. „Wenn sie ihren Wein abgeschüttelt haben, werden sie anders denken!“ Dies steht als sozu-sagen Transparent über allem. Aber kaum jemand, selbst der Begründer der Philosophie, hat eine Ahnung, was alles zu diesem „anders denken“ gehört. Dabei geht diese Philosophie wie jede anständige Philosophie vom Menschen aus und zum Menschen hin. Nichts an ihr ist eigentlich „metaphysisch“, nichts verschwommen. Nichts gehört an ihr in irgendwelche mystischen Nebel. Dennoch scheint diese Philosophie sich mit Dinge zu befassen, die auch in der Metaphysik moderner Philosophien eine Rolle spielen, nur dass sie eben älter und bewährter als sie alle ist. 
Im Zentrum der Philosophie steht die wahre Beschaffenheit des Menschen. Sie ist, so diese Philosophie, dem Menschen in der Regel verborgen. Dies mit gutem Grund, denn der Mensch ist nicht auf Erden, um seine wahre Beschaffenheit zu praktizieren, sondern um sich ihrer in vielen einzelnen und behutsamen Schritten bewusst zu werden, damit er auch Gebrauch von seiner Erkenntnis machen kann. Am Anfang befindet er sich generell in einem Zustand der Unbewusstheit. Außer seiner materiellen Existenz kann er nur das wahrnehmen, was ebenfalls eine materielle Existenz besitzt – also immerhin das gesamte Universum. Aber er hat die Fähigkeit, Fragen über dies hinaus zu stellen, sobald er seine materielle Existenz zur Genüge erforscht und erkannt hat. Ob und wann er das tut, ist allerdings nicht festgelegt, es kann mehrere Erdenleben erfordern, bis er dazu in der Lage ist auch nur die Frage nach einem Mehr zu stellen, von einer Antwort zu schweigen. Es kann weitere Erdenexistenzen benötigen, um von der Frage nach „dem Anderen“ zur Frage nach sich selber und von der Frage nach sich selber zur Antwort zu gelangen. Die Philosophie der Chresten hilft ihm, diese Antwort zu finden. Mehr ist erst einmal nicht ihre Aufgabe. Dazu bedient sie sich bewährter Methoden wie zum Beispiel der Unterweltsfahrt des alten Ägypten, aber ihr steht darüber hinaus ein ganzes Repertoire alternativer Methoden zur Verfügung, in das auch Techniken der modernen Esoterik inbegriffen sind. Dadurch ist sie in der Lage, sich in allen Kulturen zurecht zu finden und sich aller geeigneten Mittel zu bedienen. Man kann fragen, ob das denn noch Philosophie wäre und nicht eher eine spirituelle Schulung. Sie ist aber insofern Philosophie als sie der intellektuellen Mitarbeit des Betreffenden bedarf. Er muss seinen Verstand gebrauchen, um die Bedeutung dessen, was mit ihm geschieht und warum es geschieht zu verstehen. Er muss seinen Verstand gebrauchen, um die Eigentlichkeit dessen, was ihm offenbar wird, zu begreifen. Er muss seinen Verstand gebrauchen, um die Unterschiede zwischen materieller und eigentlicher Existenz feststellen und sich darin orientieren zu können. Er muss seinen Verstand gebrauchen können um eine dimensionslose Existenz intellektuell reflektieren zu können. Da also sein Verstand und seine Fähigkeit zu einem der Vernunft gemäßen Handeln hier so wenig ausgesetzt sind wie seine Fähigkeit zu wissensmäßiger Erfassung der näheren und weiteren Umstände dessen, was er erkennt, geht das ihm Erforderliche weit über den Rahmen einer intuitiven spirituellen Schulung hinaus. Da es aber weit darüber hinaus geht, ist die Lehre der Chrestomathie unbeschadet ihres primär methodologischen Charakters, als Philosophie anzusprechen. Freilich als eine Philosophie mit einem existenziellen Ziel. Diese Philosophie will die „Welt“ nicht erklären, sie zielt vielmehr darauf, das Individuum zu befähigen, die „Welt“ zu erkennen wie sie ist und zwar in allen ihren Facetten. Diese Erkenntnis gipfelt nicht in einer rein theoretischen Aussage über „die Welt“, sondern macht das Erkannte unmittelbar handhabbar. Der Gedanke dessen, der sich selbst erkannt hat, wird zur gestaltenden Kraft. 

Damit verbunden scheint natürlich für den Unwissenden stets die Gefahr der Manipula-tion. Diese Angst vor der Manipulation ist sogar das sicherste Zeichen der Unwissenheit über sich selbst und das, was der Mensch gewöhnlich mit diesem Selbst verbindet: seine Vorstellung von einem zu verehrenden Gott. Die Philosophie nun zeigt „des Pudels Kern“ und der ist sehr viel unspektakulärer. Aber in der Tat ähnelt das, was sie dem Menschen erfahrbar macht dem, was ihm über die Spezifik von Göttern gesagt worden ist und so ist es einer der Kernvorwürfe, den die Religion dieser Philosophie macht, dass sie ihr, der Religi-on, das Objekt ihrer Begierde raubt, indem sie dieses Objekt für den Menschen entbehrlich werden lässt. Der sich selbst erkannt hat, benötigt keinen Gott mehr, denn er befindet sich als ein solcher in einer Gemeinschaft mit lauter solchen. Aus diesem Grunde wird ein solcher Mensch sich hüten, andere seinesgleichen zu manipulieren – aber das weiß nur derjenige, der sich eben selbst erkannt hat, ein seiner selbst Unbewusster weiß das nicht und fürchtet stets den Verlust seiner selbstbestimmten Individualität – er empfindet die Fragilität seines seiner selbst unbewussten Status, aber er weiß nicht, was es mit dieser Fragilität auf sich hat. Er weiß um seine grundsätzliche Verfügbarkeit, weiß aber nicht um deren Ursache – und will es auch nicht wissen. Denn wollte er es wissen, hätte er nicht Angst vor Manipulation, sondern würde selbst der Sache auf den Grund gehen wollen. Das will er aber nicht, sondern er lamentiert stattdessen herum und misst sich selbst passive Opferrollen zu. Solche Quengler und Heuler gab es zu allen Zeiten und es gibt sie auch heute. Sie sind eine Spezies, mit der man eben aufgrund der sehr niedrigen Eintrittsschwelle der Wesen in diese Welt allezeit rechnen muss. Das Beste ist, sie voller Mitgefühl - zu übergehen. 
Die Philosophie hat den Chresten auch seit je den Vorwurf eingetragen, hochfahrend zu sein. Das ist schlechterdings unvorstellbar für jemanden, der sich selbst erkannt hat. Aber es mag dem seiner selbst noch Unbewussten zuweilen so erscheinen, kann er doch die Beschaffenheit des Anderen nicht ergründen und wie der Mensch beschaffen ist, formt er aus seiner eigenen Unsicherheit über sich selbst stets ein tiefgründiges Misstrauen gegen alles, was nicht den gleichen Geruch ausströmt wie das Unbewusste, das er kennt. Er fühlt sich nur seinesgleichen zugehörig und geht in seiner eigenen Begrenztheit vollkommen auf. Unbegrenztheit, Selbständigkeit des Denkens und Fühlens ängstigt ihn ohne dass er weiß, warum das so ist und wie er dem begegnen kann. Daher wütete er gegen alle und alles, was ihm in irgendeiner Weise fremd ist. Man erlebt das in allen Zeiten und gerade in dieser hier können wir lange Lieder davon singen, da die abendländische Kultur sich mit einer halb mittelalterlichen orientalischen konfrontiert sieht, die ihren Weg in die Zivilisation erst noch sucht und dabei so manchen Fehltritt begeht. Alles, was der seiner selbst unbewusste und daher unsichere Mensch nicht versteht – und das ist eine Menge – lehnt er aggressiv ab. Er wittert in allem Gefahr der eigenen Entwurzelung und versteht nicht, dass er selbst der Wurzellose ist. Sich in sich selbst durch Erkenntnis zu befestigen lehnt er jedoch kategorisch ab. Auch dies ist nur eine Spezifik des Unbewussten, der mit Gelassenheit und wenn nötig mit Entschiedenheit zu begegnen ist – zu vermeiden ist sie nicht. Man kann sie nur in Grenzen halten. 

Allerdings sind und waren diese Ängste niemals allgemein. Auf viele, vor allem die Ge-bildeten, wirkte die Gegenwart der Chresten eher anregend und belebend, weshalb ihre Philosophie auch weithin Anklang fand und in der Hochzeit des römischen Reiches weite Kreise beherrschte – so sehr, dass man nur noch von „der Philosophie“ zu sprechen pflegte, wenn man sie meinte. Der praktische Nutzen derselben war auch nicht zu übersehen, denn die Anhänger der Philosophie pflegten ihre Aufgaben mit Weitsicht und Umsicht wahrzu-nehmen und konnten aus ihrer Beschaffenheit heraus auch Manches Ungünstige direkt, wenn auch verstohlen, günstig beeinflussen, das sich der Behandlung mittels Paragraphen entzog. Zudem sagte man ihrem Wirken einen wohltätigen Einfluss auf kranke Gemüter nach – in einer Zeit, die den Begriff des Psychologischen noch nicht kannte, konnten sie auf diese Art und Weise manch eine, wir würden heute sagen, im weitesten Sinne psychosoma-tische, Krankheit heilen. Nun beruhen aber die wenigsten Krankheiten auf einer Konfronta-tion mit Erregern, die meisten haben psychosomatische Ursachen, das Zusammenspiel von Körper und Geist ist gestört und so ging den Chresten auch oft der Ruf nach, ausgezeichnete Heiler zu sein. Gegen ein Virus oder ein Bakterium waren sie hingegen ebenso machtlos wie ihre nicht „eingeweihten“ Zeitgenossen. Sie beherrschten nur das, was man heute im weitesten Sinne Seelsorge nennt und was in der damaligen Zeit sonst unbekannt war. Denn diese Seelsorge ging weit über den Rat hinaus, den man einander erteilte, sie ging auch über das hinaus, was man einander an Trost und Hoffnung spendete, sie zielte und traf in die Tiefe der Seele hinein und mit einigen gezielten Fragen genau auf die kranke Stelle. Auch das trug und trägt zu ihrer Beliebtheit ebenso bei wie zur strikten und ängstlichen Ablehnung. Denn die Philosophie der Chresten ist keine Vergangenheit, sie ist heute ebenso unmittelbar erfahrbare Gegenwart wie sie es in den Tagen des römischen Reiches war und sie hat keine ihrer Möglichkeiten eingebüßt. Das macht: sie ist im wahrsten Sinne dieses Wortes zeitlos. 


Die Religion

Ich sprach bereits davon, dass in der Figur des Vaters (und des Sohnes und des Geistes) die religiöse Komponente bereits in den Anfängen vorgebildet war. Daher blieb es nicht aus, dass sie sich auch zu einer Religion entwickelte, die ihre eigenen Mythen und Gottwesen schuf und verehrte. Diese Religion erwuchs aus dem Bestreben, einerseits mit der hochmo-dernen Philosophie gleich geachtet zu werden, andererseits aber auch die besonders unter den unteren Volksschichten sich immer mehr verbreitende Religion aufzuwerten, indem man Begriffe der Philosophie in das religiöse System übernahm. Das hauptsächliche Objekt dieser Religion war der „Vater“ oder auch „Abgrund“ genannt, der unbeschreiblich über allem herrschte und thronte. Aus ihm, so der Mythos, war der Sohn vor aller Zeit hervorge-gangen und hatte einen ganzen Hofstaat personifizierte Ideen um sich versammelt. Seine „Frau“ war die Sophia, die eines Tages darauf kam, auch eine Idee zu schaffen und dabei den missratenen Demiurgen schuf, der sich seinerseits eine Welt, nämlich diese, ersann und da sie nicht lebendig sein wollte, Wesen aus dem Reich des Vaters einfing und in diese Welt einkerkerte, damit sie dieselbe lebendig machen sollten. Das taten sie auch, so der Mythos, weil sie eben vom Geist des Vaters hatten, aber sie strebten wieder zur heimatlichen Sphäre zurück und diese Welt befand sich also andauernd in Gefahr zu vergehen – was der Demi-urg teils mit List, teils mit Zwang zu verhindern suchte, denn er hielt seine Schöpfung für die einzige und sich selbst für den einzigen Gott. Der Demiurg war es auch, der den Menschen Gesetze gab und Verstöße gegen diese Gesetze erbarmungslos ahndete um die Gefangenen immer tiefer zu knechten. Als der Gefangenen immer mehr wurden und sie sich immer erfolgloser wehrten, sandte Gottvater seinen Sohn um den Gefangenen den Weg in die Freiheit zu zeigen. Dieser Sohn wurde von seinen Feinden, den materiell privilegierten Dienern des Demiurgen, gefangen und sollte gekreuzigt werden, aber er entfloh vom Kreuz und sie kreuzigten stattdessen einen anderen, der ihm ähnlich sah. Um diesen grundlegenden Mythos herum sammelten sich andere Mythen und bildeten sich je nach Geschmack mehr oder weniger „okkulte“ Gemeinschaften, die sich meist am Christentum, aber auch an syrischen und kleinasiatischen Kulten orientierten und teilweise orgiastische Praktiken kreierten. Diese Gemeinden wurden von ihren Gegnern mit einem Sammelbegriff „Gnostiker“ genannt, weil sie versprachen, durch die Befolgung ihrer Rituale dem Gläubigen Erkenntnis seiner selbst zu verschaffen – weniger mühevoll und vielleicht spannender als es die Philosophen auf ihrem Ausbildungsweg taten. Diese Gemeinden wuchsen vor allem im Osten des Reiches zu einer beachtlichen Breitenwirkung an und gerieten dabei mit den Christen überkreuz, deren Heiland sie ebenfalls für sich beanspruchten. Den Verlauf dieser Auseinandersetzung kann man in der gesamten frühen Kirchengeschichte anschaulich verfolgen – als das Christentum Staatsreligion und dann einzig noch erlaubte Religion wurde, brach die Verfolgung über sie herein und sie gingen, früher noch als die Philosophen, in den Untergrund. Die taten es erst, als Justinian die antiken Philosophenschulen schloss. Sie gerieten aber auch mit den Philosophen aneinander, das (apokryphe) Philippusevangelium, eigentlich ein Konspekt zu gerade brisanten Problemen, gibt davon annäherungsweise Bescheid. Im Westen des Reiches war ihre Bedeutung hingegen nur schwach und sie gingen mehr oder weniger schnell in einem Christentum mit gnostischen Versatzstücken auf, unter dem dann allerdings das des Paulus entscheidende Bedeutung für beide Reichsteile erlangte. Auch diese Religion ist übrigens in vielen Konventikeln nach wie vor zugange, es ist dem Christentum durch zweitausend Jahre gleichfalls nicht gelungen, sie auszumerzen - aber sie ist wesentlich zurück gedrängt wor-den und heute nur noch eine Domäne von durch die Kirchenvor allem in ihren kultischen Bedürfnissen nicht befriedigten Frommen. Ihr Erscheinungsbild ist sehr unterschiedlich, teilweise definieren sie sich als Bestandteil satanistischer Bewegungen wie sie im neunzehn-ten Jahrhundert unserer Zeitrechnung aufkamen, teilweise geben sie sich auch betont christ-lich als die sozusagen „besseren Christen“. Im Unterschied zu den Anhängern der Chresto-mathie sind sie aber eben betont gläubig und sehen sich selbst als religiös an. Mit Vorliebe wurzeln sie in der katholischen Frömmigkeit, die ihrem kultischen Bedürfnis entgegen kommt, aus protestantischer Perspektive haben sich wenige solche Konventikel gegründet, wenn, dann vor allem auf anglikanisch – hochkirchlichem Hintergrund. Auf ihre Weise füh-ren sie das Geheimbundwesen weiter, das im achtzehnten Jahrhundert durch die Gründung der Freimaurer seinen Anfang nahm. Auch sonst ergeht es ihnen wie den Freimaurern – sie sind wohl voll guten Willens, haben jedoch keine Ahnung. 

Aber die Krone aufgesetzt hat dem allen der Mensch, dem ich erlaubt habe, mir die Tü-ren zu zeigen, die ich von mir aus nie zu öffnen gewagt hätte, als er sich selbst, in keiner Weise fromm, als religiös bezeichnete. Da ich sicher weiß, er ist es nicht, er hat zu sich selbst das gleiche klare und nüchterne Verhältnis wie ich selber, machte mich diese Selbsteinschät-zung begreiflicherweise mehr als stutzig. Wie kann... ja, wie kann? Wenn ich aber das neueste Werk über unsere Geschichte betrachte und dabei feststellen muss, dass schlichte Mystik bereits als ein nonkonformistischer Gipfel gewertet wird und wieder einmal die Gottsuche über allem steht, ist mir das verständlich – da sucht ein Gott also seinen Gott. Nun, kann ich nur sagen, fröhliches Im Kreis Laufen dann – ich ziehe es vor, nicht ständig übersetzen zu müssen, was ich damit nicht meine. Also bezeichne ich mich und die Philosophie nicht als religiös und über Gott habe ich demzufolge noch gar nicht gesprochen, ich will es gleich einmal nachholen.

[size=small][font=Verdana, 'Lucida Grande', 'Trebuchet MS', Helvetica, Arial, sans-serif]Gott ist definitiv alles das, was der Mensch sich an seinen eigenen Fähigkeiten nicht zu-traut und die Religion bestärkt ihn noch in diesem Minderwertigkeitskomplex. Gott ist aber auch kein Grund, die Nase hoch zu tragen, eher einer für verstärkte Achtsamkeit auf das eigene Tun und Lassen, für das man nun selbst verantwortlich zeichnet soweit man es über-schaut, denn auch einem Gott ist nicht alles bekannt, was im Menschenherzen vor sich geht, einfach, weil er es gar nicht wissen will. Aber ein Mensch, der sich so erkannt hat, wird sich nicht anbeten, das wäre lächerlich. Er wird sich auch nicht opfern lassen, denn das wäre Betrug. Ein religiöser Mensch aber betet und opfert und ergeht sich in erhebenden oder ver-nichtenden Gefühlen je nachdem. Das alles kommt für einen Menschen, der sich erkannt hat, nicht mehr in Frage. Es ist wahr, was geschrieben steht: der Mensch, der sich erkannt hat, kommt zur Ruhe. Natürlich hat er noch Fragen, denn ein Gott ist, man höre und staune, nicht allwissend. Aber die Fragen quälen ihn nicht mehr mit Unsicherheit, er wird, wenn es nötig ist, die Antworten bereit finden. Es gibt keine Todesangst mehr, obgleich dieser Mensch wie jeder andere sterben wird, aber dieser Tod ist nur eine Linie, die er überschrei-tet, ein Gott ist nun einmal unsterblich. Man verstehe mich recht, dieser Mensch unterdrückt seine Furcht nicht – er hat sie nicht mehr. Er hat auch kein Verlangen mehr nach frommer Ekstase, religiöse Festzeiten lassen ihn bis ins Innerste kalt. Es gibt vielleicht ein paar Äußerlichkeiten, die er beachtet, weil man ja nicht aus dem Rahmen fallen muss, aber das ist dann schon alles – und dieser Mensch da erlebt fromme Ekstasen, er wird von Fragen gequält, er leidet Todesängste und hofft auf Rettung durch ein höchstes Wesen, das aber ausgerechnet auf ihn schaut, solch ein Hochmut, er ist in seiner Existenz zwar von Hoffnung getragen, aber diese Hoffnung kann brechen, denn er trägt seinen Schatz, wie Paulus sagt, in tönernen Gefäßen... das bedeutet: er ist religiös. Für solche Menschen bedeutet der Strohhalm des Religiösen den Ersatz für die Selbsterkenntnis. Nun wohl. Ich habe das Recht mich zu wundern, das Recht, ihn zu verachten, weil er den Schatz weggab, habe ich nicht. Ich erinnere mich aber daran, dass dieser Mensch von Panikattacken sprach die er hätte – vielleicht kommt seine unverhoffte Religiosität daher, aus dieser tiefen Unsicherheit seiner Seele? Ich wusste bis dahin nicht, dass er überhaupt unsicher in seiner Seele ist. Nun, wie auch immer, ich kann ihm in seine Religiosität nicht folgen und sollte sie Bestandteil der Philosophie sein, diese Religiosität, so muss ich die Philosophie leider sein lassen, denn mich hat sie etwas Anderes gelehrt: auf meinen eigene Beinen zu stehen, weil ich sonst keine anderen habe und nach Möglichkeit

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  DragonWoodFalls - eine Geschichte
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:39 - Forum: Mythologie - Keine Antworten

Auszug, auch der Fantasy Story "DragonwoodFalls", die auf Träumen und Astralreisen beruht:

Traumfacetten der Existenz


Zwei Tage später machte sich nun Joshim auf den Weg, er verabschiedete sich von Seinem Vater, dem er sagte, dass er ein Lehre als Schiffsbauer in der Nähe des Dorfes, des Wolfs beim Meister Serdanis antreten wolle und der König begrüßte dies. 

Ausgestattet mit Proviant verließ er nun Barduk und schon nach zwei Tagen, kam er an der Werft des Meisters Serdanis an. 

Gleich neben der Werft, stand das kleine Wohnhaus des Schiffsbauers, Joshim trat an die Tür und klopfte. Eine hagere Gestalt in einem schwarzen Umhang öffnete Joshim und dieser sagte: „Ich bin der Sohn…“ Er kam nicht dazu den Satz auszusprechen denn Serdanis fiel ihm ins Wort: „Ich weiß wer Du bist Joshim, ich habe Dich bereits erwartet:

“Joshim verkniff es sich nach dem wieso zu fragen und trat in das Haus Serdanis ein. „Dann weißt Du sicher auch Meister, warum ich hier bin?“ „Ja Joshim, den Schiffsbau zu lernen.“ Serdanis grinste ihn an. „Ja aber nicht nur deshalb…“ Er unterbrach Joshim erneut. „Alles zu seiner Zeit mein junger alter Freund.“ Joshim schaute Serdanis etwas verständnislos an, aber er sagte nichts zu dieser Bemerkung.

„Joshim, es ist spät und ich denke wir sollten erst einmal schlafen, morgen zeige ich Dir die Werft, deinen zukünftigen Arbeitsplatz und ich erkläre Dir, welche Art von Booten und Schiffen ich hier baue.“ Serdanis wies Joshim den Weg in ein kleines Zimmer unterm Dach. „Das wird für die nächste Zeit der Ort sein, an dem Du schläfst und wo Du Dich zurückziehen kannst.“

Joshim bedankte sich und schloss die Tür seines kleinen Zimmers. Die Einrichtung war spärlich aber zweckmäßig, es gab einen Tisch zwei Holzstühle, ein Bett und eine kleine Truhe. Neben der Tür stand ein Wasserbecken aus Porzellan und darüber hing ein kleiner Spiegel. 

Joshim legte sich ins Bett uns schlief auch sehr schnell ein.

Die erste Facette

Er fand sich in einer Welt wieder, die ihm einerseits völlig fremd vorkam und doch so vertraut. Es entstand vor seinen Augen, eine riesige Insel in einem nachtblauen Himmel, Landschaften erschienen, es bildeten sich Pflanzen und kleine Tiere in einem rasenden Tempo. Die Geschwindigkeit ließ langsam nach und er stand mitten unter Wesen, die fast wie Menschen aussahen.

Er war jäh in ein Leben involviert, er hatte Freunde, Frau und Kinder und ganze Geschichten liefen in Zeitraffer vor seinen Augen ab. Mehrere Leben durchlebte er in Windeseile, mit riesigen Booten segelten sie durch wüsten ähnliche Landschaften und Städte entstanden und vergingen vor seinen Augen… und es wurde stiller, bis ein einziges Boot gen Himmel in das tiefe Nachtblau segelte.. Joshim fand sich über dieser riesigen Insel wieder, die langsam begann zu verblassen… nur ein Symbol in Form eines Flusses blieb am Ende im Nacht blau über und eine Stimme sprach zu Joshim.

„Sie entstehen und sie vergehen die Welten, die Facetten der Existenz und nichts bleibt über von ihren Strukturen, sie vergehen und sie zerfallen und Niemand wird etwas davon finden, außer in sich selbst.“ 

Joshim sah erstaunt in die Richtung aus der die Stimme kam, mitten in das wunderschöne Naht blau.

Dialog

„Wer bist Du?“

„Warum fragst Du das? Wo ist der Unterschied zwischen Dir und mir?“

Joshim sah verdutzt immer noch in Richtung der Stimme.

„Was war das? Was für eine Welt war das?“

„Es war nicht, Joshim, es ist“

„Aber sie ist vergangen, sie ist nicht mehr da“

„Nein Joshim, Du bist gerade in ihr, sie ist immer da, weil sie in Dir ist, nur nimmst Du sie nicht ständig wahr und schon gar nicht in dieser Form, wie eben.“

„Aber welche Bedeutung hat sie und was ist es?“

„Sie ist der Anfang“

„Der Anfang wovon?“

„Der Anfang von dieser Form der Existenz“

Das Nacht blau verschwand und Joshim stand an einer Art Strand, neben ihm Serdanis, der eine Hand voll Sand durch seine Finger rinnen lies.

„Warst Du jene Stimme?“ fragte Joshim.

„Ich bin eine Stimme von vielen Ersten. Siehst Du den Sand auf meiner Hand Joshim?“ Er sah hin und die Sandkörner funkelten wie Schnee der in der Sonne glitzert. Jedes dieser Sandkörner, ist eine Welt, Leben entsteht jeden Augenblick und Leben vergeht jeden Augenblick in Myriaden Facetten. Diese Welten bringen Wesen hervor und diese Welten nehmen Wesen auf. Jedes Wesen bringt wiederum Welten in sich hervor und diese wiederum Wesen. Und so kannst Du erahnen wie unendlich die lebendige Vielfalt geworden ist.“

Joshim schaute fasziniert auf den rieselnden funkelnden Sand.

„Aber was ist, wenn eines der Wesen stirbt, in dem Welten und Wesen entstanden sind?“

Serdanis schaute Joshim tief in die Augen.

„Was ist sterben Joshim? Strukturen vergehen.“

„Aber was ist, wenn Du mir jetzt den Kopf abschlagen würdest und ich stürbe?“

Serdanis schaute Joshim erneut in de Augen.

„Hast Du Angst mein Freund?“

Joshim schüttelte den Kopf.

Serdanis hob ein glühendes Schwert aus dem Sand und noch ehe Joshim auch nur mit der Wimper zucken konnte, trennte Serdanis seinen Kopf vom Rumpf.

Für einen Moment verlor Joshim das Bewusstsein und riss die Augen auf, doch da waren keine Lieder, er bewegte den Kopf, doch da gab es nichts was er bewegen hätte können, doch er fühlte seinen Körper und er sah sich um. Es war ein Nachtschwarz was ihn um gab in dem sich Dinge bewegten, de er nicht zu beschreiben wusste, in seiner Mitte sah er eine Art helles Licht strahlen in Höhe des Solar Plexus. Silbrige Partikel wie Schneekristalle flogen zu aber Myriaden um ihn und durch ihn hindurch und jene vertraute Stimme Serdanis sprach.

„Siehst Du, gerade standen wir noch auf einer dieser Kristalle und sprachen über das Sterben“ 

„Wo bin ich? Was bin ich?“

„Du bist innerhalb von Dir und Du bist außerhalb von Dir Joshim.“

Joshim sah sich um…

„Aber ich sehe mich nicht und ich sehe Dich nicht, also wo bin ich und was bin ich?“

Serdanis erwiderte

„Du bist weder irgendwo, noch bist Du Irgendetwas. D bist was ist und was ist das bist Du.“

„Dann sind das hier also meine Welten?“

„Es sind die Welten von uns allen und auch Deine ja.“

„Kannst Du mich sehen Serdanis?“

Das Gefühl eines Lächelns erreichte Joshim.

„Was sollte ich sehen, außer dem was ist? Ich sehe Dich und ich sehe Dich auch nicht.“

„Und was, wenn ich hier stürbe?“
Ein Schreck durch fuhr Joshim und das Licht in seiner 

Mitte begann unruhig zu flackern.

„Halt ein mein Freund und wirble nicht die Welten durcheinander, denn wie oft versuchte uns die Angst hier und brachte Chaos.“

Joshim hatte das Gefühl sich an etwas sehr unangenehmes zu erinnern und dann stieg eine Art von Ruhe in ihm auf, die alle Befürchtungen zerstreute, denn nun war es ihm in diesem Augenblick bewusst:

„Ich bin“

...und dieser Augenblick, war die Ewigkeit.


Er erwachte und durch ein kleines Fenster fiel Sonnenlicht in sein Gesicht und die Luft duftete nach frischem Kaffee. Er räkelte sich, stand auf, wusch sich kurz und öffnete die Tür seines Zimmers.



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Gruß Eik   Cool

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Lightbulb Wer von Euch, hatte jemals besondere spirituelle Erlebnisse und/oder Träume?
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:33 - Forum: Nahtoderfahrungen - Erlebnisse - besondere Bewusstseinszustände - Keine Antworten

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  Beweis für Wiedergeburt?
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 20:28 - Forum: Nahtoderfahrungen - Erlebnisse - besondere Bewusstseinszustände - Keine Antworten

Beweis für Wiedergeburt?

von Nick Schattner

Ist Wiedergeburt möglich? Gibt es wissenschaftliche Grundlagen für den Glauben an eine Wiedergeburt? Schon seit langem versucht der Mensch, eine Lösung dieses Geheimnisses zu finden, aber schlüssige Beweise sind bisher nicht entdeckt worden. 

Ein kurzes Leben
Das Treffen mit den früheren Eltern
Identische Handschriften
Zum zweiten Mal geboren


Jetzt hat sich – vielleicht zum ersten Mal überhaupt – ein Kriminologe aufgemacht, das Phänomen der Wiedergeburt wissenschaftlich zu beweisen. Vikram Raj Singh Chauhan aus der indischen Region Patiala hat den Fall eines Kindes näher untersucht, das möglicherweise in seinem vergangenen Leben in der indischen Jalandhar-Region gelebt hat und jetzt in einem anderen Dorf in Indien lebt.

Anhand von Vergleichen der Handschriften des Kindes in seinem jetzigen und seinem vergangenen Leben behauptet Vikram Chauhan, er könne die Theorie beweisen, dass eine Wiedergeburt möglich ist. Auf der kürzlich stattgefundenen Nationalen Konferenz der indischen Kriminologen sind seine Erkenntnisse positiv aufgenommen worden. 

Vor einigen Monaten behauptete der sechsjährige Taranjit Singh, er könne sich an sein vergangenes Leben erinnern. Tatsächlich bestätigen seine in bescheidenen Verhältnissen lebenden Eltern, dass ihr Sohn dies schon behaupte, seit er zwei Jahre alt ist und dass er schon früher versucht habe, von zu Hause wegzulaufen.

Ein kurzes Leben 

Der Junge sagte, er sei bei seiner früheren Geburt im Dorf Chakkchela im Bezirk Jalandhar unter dem Namen Satnam Singh geboren worden und der Name seines früheren Vaters sei Jeet Singh. Zur Zeit seines Todes sei er im benachbarten Dorf Nihalwal zur Schule gegangen. 

Am 10. September 1992 war er mit seinem Freund Sukhwinder Singh per Fahrrad auf dem Heimweg von der Schule, als er von Joga Singh auf einem einem Motorroller angefahren wurde. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und starb am folgenden Tag. 

Sein gegenwärtiger Vater Ranjit Singh sagte, dass sein Sohn auf seiner Version der Geschehnisse beharrte, und dass er ihn mit seiner Frau in das Dorf Chakkchela im Bezirk Sangrur brachte; jenen Ort, in dem der Junge nach eigenen Angaben in seinem früheren Leben geboren wurde. Sie fanden dort niemanden, der der Beschreibung ihres Sohnes von seinen früheren Eltern entsprach. 

Als jemand ihnen erzählte, dass es im Bezirk Jalandhar ebenfalls ein Dorf namens Chakkchela gäbe, entschieden sie sich, dort hinzufahren.

Das Treffen mit den früheren Eltern 

Ranjit Singh, der gegenwärtige Vater des Jungen, begab sich mit einem Freund nach Nihalwal, wo sie einen alten Lehrer fanden, der ihnen bestätigte, dass ein Junge namens Satnam Singh bei einem Unfall ums Leben gekommen war and dass dieser der Sohn von Jeet Singh aus Chakkchela war. 

Taranjit Singhs gegenwärtiger Vater Ranjit sagte auch, dass sein Sohn erwähnte, er habe zur Zeit seines Unfalls zwei Bücher bei sich gehabt, die dann mit seinem Blut durchtränkt gewesen seien. Auch habe er 30 Rupien dabei gehabt. Als sie dies hörte, brach die Frau, von der der Junge Taranjit behauptet, sie sei seine Mutter in seinem früheren Leben gewesen, in Tränen aus und bestätigte die Angaben Taranjits. Sie sagte, sie habe die Bücher und die 30 Rupien aufbewahrt als eine letzte Erinnerung an ihr Kind.  

Ein paar Tage später kamen Taranjits Bruder aus seinem früheren Leben, Kewal Singh, seine Schwester Buta Singh, sein Vater Jeet Singh und seine Mutter Mohinder Kaur in das Dorf Alluna Miana, um Taranjit zu treffen. Lakhbir Kaur zeigte Taranjit Fotos von ihrer Hochzeit. Ohne zu zögern erkannte Taranjit die Fotos wieder. 

Einige Zeitungen brachten die Story, und Vikram Chauhan bekam Wind davon. Zunächst lehnte er es als Wissenschaftler ab, eine solche Geschichte zu glauben. Schließlich brachte ihn jedoch seine Neugier dazu, der Sache nachzugehen. Er besuchte die involvierten Dörfer mehrere Male. Der Junge und seine Eltern aus beiden Inkarnationen wiederholten alle die selbe Geschichte. 

Vikram Chauhan sprach mit einem Ladenbesitzer, der ihm erzählte, der Junge habe wenige Tage vor seinem Tod einen Notizblock zum Preis von drei Rupien auf Kredit gekauft. Als der Ladenbesitzer das Dorf Taranjits besuchte, erkannte der Junge ihn sofort; sagte aber, er schulde dem Kaufmann nur zwei Rupien. Dieser bestätigte diese Summe und erklärte, er habe lediglich die Authentizität der Behauptungen des Jungen testen wollen.

Identische Handschriften 


Um den Sachverhalt wissenschaftlich zu untersuchen, nahm Chauhan Schriftproben von Taranjit Singh und verglich diese auf Ähnlichkeiten mit Proben von Satnam Singh aus dessen früheren Schulheften. Basis seiner Untersuchung war hierbei eine grundlegende Theorie in der Kriminologie, nach der die Handschriften zweier verschiedener Menschen nicht identisch sein können. Wenn Taranjit Singh und Satnam Singh also ein und dieselbe Person sind, dann müssten auch ihre Handschriften die selben sein. 

Der Wissenschaftler erklärte, dass die Handschrift eines Menschen spezifische Charakteristika hat, die von dessen Persönlichkeit bestimmt werden und dass deshalb zwei verschiedene Menschen nicht die gleiche Handschrift haben könnten. 

Es handelt sich hierbei um eine Vorgehensweise, bei der Erkenntisse aus der Optik, der Physiologie und der Psychologie miteinander kombiniert werden. Die psychologische Verfassung eines Menschen determiniert zu einem großen Anteil seine Handschrift. 

Aus diesem Grund spielt das Denken eines Menschen eine große Rolle für die Entwicklung seiner Handschrift. Dabei setzt die Hand das Diktat des Denkens in die Tat um, welches bei zwei verschiedenen Schreibern nicht identisch sein kann. 

Vikram Chauhan enthüllte, dass er mit Erstaunen eine fast vollständige Übereinstimmung der Handschrift von Taranjit Singh mit jener von Satnam Singh feststellte. Der einzige Unterschied habe in der muskulären Koordinierung der beiden Handschriften gelegen, was darauf zurückzuführen ist, dass Taranjit Singh das Schreiben nicht sonderlich gewohnt ist. 

Ein solches Maß an Übereinstimmung ist sehr ungewöhnlich und legte den Schluss nah, dass etwas in den beiden Jungen identisch sein müsse.

Geister und Erscheinungen 


Chauhan argumentierte folgendermaßen: Wenn man annimmt, dass die Seele des Kindes von einem Körper zu einem anderen übertragen worden ist, kann man daraus schließen, dass das Denken dasselbe bleibt. Wenn man dementsprechend annimmt, dass die Seele von Satnam Singh in den Körper von Taranjit Singh gewandert ist, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Handschriften der beiden Inkarnationen derselben Seele weitgehend gleichen. 

Der Wissenschaftler legte auf der Konferenz der Kriminologen seinen Fall dar. Eine Reihe von Kollegen untersuchten die Schriftproben und bestätigten deren Ähnlichkeit. "Ich habe eine wissenschaftliche Grundlage für die Annahme, dass die Wiedergeburt möglich ist", sagt Vikram Chauhan, "aber ich werde in dieser Sache zusätzliche Nachforschungen betreiben und die Entwicklung des Jungen weiterhin verfolgen." 

Laut Chauhan stützt ein weiterer Aspekt seine Schlussfolgerungen: In seiner gegenwärtigen Inkarnation ist Taranjit noch nie zur Schule gegangen, da er aus einer armen Familie kommt, aber als ich ihn bat, das Alphabet in Englisch und in Punjabi aufzuschreiben, tat er dies in beiden Fällen fehlerfrei. 

Zurzeit lebt Taranjit mit den Eltern seiner gegenwärtigen Inkarnation, weil diese es ablehnen, ihn seinen früheren Erziehungsberechtigten zurückzugeben, obwohl sie ärmer sind als diese. Seine vormaligen Eltern haben bisher ihren Anspruch nicht weiter verfolgt. Sie ließen verlauten, dass sie die Gefühle von Taranjits gegenwärtigen Eltern verstehen können

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