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Über Meditation
#1
Über Meditation

Ein weites Feld, darum möchte ich es auf den zentralen Weg in der göttlichen Magie beschränken. Ich selbst besitze über 40 Jahre Meditationserfahrung, habe mit ca. 11 Jahren begonnen mit Autogenem Training und Atem-Meditation und im Laufe meines Lebens wohl alle Formen ausprobiert, die es so gibt.

Zur göttlichen Magie: So oder als natürliche Magie bezeichnet man eine Traditionslinie, die auch als Wissenschaft der Selbsterkenntis bezeichnet werden kann. Im Laufe dieses initiatischen Pfades wendet man seinen Blick auf sich selbst, erforscht seine Licht- und Schattenseiten, beginnt immer mehr diese inneren Kräfte zu beherrschen, seinen Charakter zu veredeln und ein Bewusstsein der Liebe zu kultivieren. Alles beginnt mit Selbsterkenntnis, Ziel aber ist Erleuchtung oder Gottesbewusstsein. Nach dem Motto: Gott will sich durch uns in der Welt verwirklichen, die Frage ist nur, wollen wir Gott in uns verwirklichen?

Auf dem Weg raus aus der Eigen-Identifikation, hin zur All-Verbundenheit ist Meditation das erste Mittel der Wahl. Es gibt noch andere, ekstatische Wege der Selbstentgrenzung. In der Meditation geht es jedoch um Stille und Verinnerlichung. Wir kennen drei wesentliche Grundformen: das Erden, heißt Verbindung zur Erde aufnehmen, Wurzeln spüren, das Leben heiligen ua.; das Lieben, heißt Verbundenheit zum (Mit)Leben, tätiges Mitgefühl, seine Bestimmung und Beziehung in der Welt finden ua.; und das Himmeln, auch Nullen genannt, das Aufgehen im Ewigen, Ganzen, Unendlichen.

Das Nullen weißt große Ähnlichkeiten mit Formen der buddhistischen Zen-Meditation auf, aber auch christlicher Mystik, wo es um Leere, Stille und vollkommene Selbstlosigkeit geht, oder auch Hindu-Mystik, wo man sich gewahr wird, ich bin nicht mein Körper, ich bin nicht mein Fühlen, ich bin nicht mein Denken. Hier löst man sich von allem Irdischen und wird zum Nichts. In diesem vollkommen gelösten Zustand wird der Geist frei. Es ist, als würde ein Gefäß gesprengt und der Geist erfüllt den Raum in alle Richtungen. Kein Selbst, keine Grenze, nur reines Sein in kosmischer Stille.

Wenn wir alles aufgeben, von dem wir glauben, es zu sein oder gar so sein zu müssen, wenn keine Identifikation mehr übrig ist ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit. Wenn wir alle Identifikationen gelöst haben bleibt nur die wahre Identität übrig.Das bist Du. Du bist Ich und Ich bin Du. Die ungeteilte Wirklichkeit der Einheit aller Dinge. Diese Erfahrung verschiebt auch den Werterahmen: Wenn alles eins ist, ist jeder Fremdschaden auch Eigenschaden, jedes Fremdglück auch Eigenglück. Die Erfahrung der Leere führt in gelassenes Erschaffen der Fülle. Es ist klar, dass solcherart verändertes Bewusstsein die Welt verändern würde. Es ist keine Frage der Intelligenz, sondern der Haltung.

Allerdings eine Warnung noch zum Schluss: Klärt unbedingt mit Euren Ärzt*innen und Therapeut*innen vorher ab, ob irgendetwas gegen solche Techniken bei Euch spricht. Alle bewusstseinsverändernden Methoden können auch gefährlich sein, zB. Psychosen auslösen.
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#2
Erst mal, was mir wirklich gefällt: Dein Text enthält – bis auf eine ganz kleine Ausnahme – kein klassisches Argumentum ad verecundiam. Es entsteht kein Zwang, das Geschriebene als Wahrheit annehmen zu müssen. Das find ich stark.
Zweitens: Die Strukturierung der Meditationsformen gefällt mir richtig gut. Diese Dreiteilung in Erden, Lieben, Himmeln gibt mir sofort Orientierung. Und auch die Unterscheidung zwischen stiller Meditation und ekstatischen Methoden hast du sauber und präzise dargestellt.
Drittens: Der medizinische Warnhinweis am Schluss zeigt Verantwortungsbewusstsein. Das schützt vor leichtfertiger Nachahmung – sachlich völlig richtig und wichtig.

Jetzt aber auch ehrlich das, was ich persönlich nicht ganz so mag – und ich hoffe, du siehst es mir nach, wenn ich das anspreche:
Der Begriff „göttliche Magie“ bleibt mir zu schwammig. Ist das ein esoterisches System? Theistisch verankert? Oder wie genau verstehst du das? Da fehlt mir die Definition. Und ganz generell – „Magie“ als Begriff ist halt stark emotional aufgeladen. Bei rationalen Lesern wie mir springt da sofort die Skepsis an. Es fehlt die klare Abgrenzung zur Scharlatanerie.
Auch der Begriff Wissenschaft ist für mich problematisch – du schreibst von der „Wissenschaft der Selbsterkenntnis“. Genau da rutscht dann doch ein klassisches Argumentum ad verecundiam rein.
Deine Aussage sinngemäß „Es ist klar, dass solcherart verändertes Bewusstsein die Welt verändern würde“ – das ist für mich spekulativ. Da wird behauptet, eine kollektive Bewusstseinserweiterung würde die Welt verbessern. Aber das ist Wunschdenken – Non Sequitur, weil der logische Beweis fehlt.

Außerdem: Der Text suggeriert, dass die Erfahrung von „Leere“ automatisch zu Mitgefühl und ethischer Lebensweise führt. Auch das halte ich für einen logischen Fehlschluss – Post hoc ergo propter hoc. Nur weil etwas zeitlich aufeinanderfolgt, heißt es nicht, dass es kausal ist. Es gibt genügend historische Beispiele von spirituellen Lehrern, die genau diese Erfahrung beansprucht haben und dennoch Macht missbraucht haben.

Ich ahne natürlich, was du da wahrscheinlich antworten würdest, André – sinngemäß: Die waren eben nicht wirklich spirituell. Aber genau das ist für mich das klassische „No True Scotsman“-Argument.

Trotzdem – und das will ich betonen – ich mag es, dass du eine grundlegende Einführung in die Meditation gibst. Ich halte Meditation selbst für ein richtig gutes Mittel – völlig egal, ob man dabei eine Spiritualität dahinter sieht oder es einfach nur als Methode nutzt: sich beruhigen, Stress abbauen, Konzentration üben oder schlicht das Loslassen trainieren.

Für mich persönlich ist es fast egal, warum jemand meditiert – Hauptsache, es hilft, ruhiger zu werden, durchdachter vielleicht auch. Und ehrlich, wenn man jedem, der gerade eine schlimme Handlung vorhat, erstmal raten würde „Meditier mal darüber“, dann würde sich wahrscheinlich so mancher Streit – bis hin zum Atomkrieg – vermeiden lassen. Klingt vielleicht pathetisch, aber der Gedanke gefällt mir.

Was mich stört, sind einfach manche Begriffe. Selbst wenn du sie anders meinst, sie sind vorbelastet. „Magie“ ist so ein Wort. Da entsteht schnell der Eindruck von elitärer Esoterik. Und viele esoterische Systeme laufen genau darauf hinaus – am Ende geht’s nur darum, wieder eine Gruppe zu bilden, die sich für die einzig Wahre hält und auf alle anderen herabblickt.

Ich unterstelle dir das ausdrücklich nicht, André. Aber wenn du das nicht so meinst, dann solltest du dir der Gefahr wenigstens bewusst sein. Du hast sicher – wenn du spirituelle Pfade gegangen bist, Bücher gelesen hast, Lehrer hattest – auch schnell erkannt, dass viele gar keine Esoterik betreiben, sondern Egoterik.

Das erinnert mich ein bisschen an die Diskussion ums N-Wort: Nicht jeder, der es benutzt, ist automatisch rassistisch – bei älteren Menschen ist es oft Unwissenheit. Aber jeder, der sich intensiv damit beschäftigt hat, wird es trotzdem vermeiden – einfach, weil er weiß, dass es böse ankommen kann, selbst wenn es nicht so gemeint ist.

Und genau so sehe ich das auch mit manchen Begriffen in deinem Text.

Ein Gedanke fällt mir noch ein, in der absoluten „Leere“ dürfte es doch auch kein Mitgefühl geben. Oder?
Die Wahrheit braucht keinen Applaus. Sie gewinnt sowieso.
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#3
Ich bin auf die Begrifflichkeiten der Magie hier nicht näher eingegangen, da das Thema Meditation ist. Mit Magie meine ich Formen überlieferter Ritualistik. Magie gibt es ja in verschiedensten Formen,manchmal sogar als Weltreligion wie Voodoo. Die Einteilungen der Arten der Magie ist hierbei nicht ganz klar. Göttliche oder natürliche Magie ist eine der Hauptströmungen in der europäischen Tradition, häufig verbunden mit jüdisch-kabbalistischen, christlich-mystischen und alchymistischen Strömungen. Man übt bestimmte Rituale und Meditationen, kehrt seine Sinne nach innen und zu sich, übt sich in Selbstbeobachtung und Korrektur. Denn den stärksten Zauber entfalten wir in der höchsten Entfaltung unserer besten Anlagen zum Wohlergehen allen Lebens. Du siehst, das ist ein eigenes Thema und würde in der Tiefe weit weg von Meditation führen, die nur ein Werkzeug von vielen ist.

Der Begriff "Wissenschaft" ist für die Art der Magie, wie ich sie praktiziere, durchaus angebracht. Sie ist eine Art ritualbegleitete Selbsterforschung und gelebte, tätig aktive Philosophie in der Art, wie sie vielleicht Platon mit seiner Esoterik anvisierte. Insofern ist sie eine Form der Geisteswissenschaften. Sie arbeitet exakt, am Konkreten, wenn auch individuell. Diese wissenschaftliche Exaktheit verlange ich auch von meinen Schüler*innen.

Was die Leere angeht: Ja, es gibt Formen, die nicht im Mitgefühl enden. Mit dem wahren Schotten hat es jedoch nichts gemein, wenn man sagt, diese und jene Bedingung muss erfüllt sein, vorher ist es nicht echt. Hier gilt die Definition, wenn es nicht in Liebe endet, ist die Leere nicht erreicht. Behaupten können viele vieles, der Markt der Egoterik ist voller Scharlatane und Betrüger. Zieht Euch mal den Podcast "Seelenfänger" rein. Aber zurück zur Leere und Stille. Wer sich arm macht, kann nicht mehr hartherzig sein. Der ganze Weg in die Stille sollte zu Offenheit führen. Jemand, der sein Herz verschließt und mitgefühllos bleibt, zieht offensichtlich immer noch eine Grenze zwischen sich und dem Ganzen - und kann daher echte Leerheit noch nicht verwirklicht haben, selbst wenn er ehrlich daran glaubt, also selbst davon überzeugt ist.

Ansonsten kann ich nichts für Eindrücke und Assoziationen, die bei Dir entstehen. Vielleicht wird es Zeit, sie zu überdenken?
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