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Was ist eigentlich normal?
#15
Meinerseits betrachte ich die Formeln in der Mathematik als Form der Einsehung im Zusammenspiel vom dualistischen und trinitären Prinzip „Geist und Materie“. Die Formel selbst ist der Körper, der es durch seine Zusammenstellung der Elemente schafft, Geist zu transportieren und zu konservieren. Inwieweit diese „Konservierung/Transportierung“ nun tatsächlich nötig ist, wäre eine andere Frage. Die Feststellung ist aber, dass der Geist, aus dem scheinbar Unsichtbaren „festgehalten“ werden kann, so dass er für sich selbst und für andere ebenso einsehbar wird. Übertragen heißt das so viel wie „Der Körper – treffender finde ich Raum – ist in der Lage Geist (Zeit) wahrnehmbar zu machen.“

Das Gefährliche daran ist jedoch sich einzubilden der Körper schaffe Geist – er vermag es lediglich einen relativistischen Geist zu zeigen, soll heißen, die Komponenten, die dem Körper anhaften, verändern die Betrachtung, nicht aber den Geist. Beispiele gibt es zuhauf: Neue Begriffe/Formeln suggerieren eine neue Einsehung in die Welt; die Welt kann dadurch um- und weiterinterpretiert werden, der Geist selbst hat sich aber nie verändert. (Stichwort Gamification) Der Körper mag größer geworden sein und damit die Einsicht auf das „Unsichtbare“. Irgendwann ist der Körper so groß, dass er scheinbar alle möglichen Wahrnehmungsformen des Geistes abdeckt und so entsteht die Illusion man habe alles verstanden bzw. man könne eine Art „autarkes“ Wesen, Objekt, sein/nachbilden. (Stichwort "Roboter als besserer Mensch", "Weltformel") Ich denke dabei bspw. an Sekten wie Scientology. Je nach moralischer Konstitution gebe ich meinen Jüngern ein neues Sprachsystem an die Hand, das fähig ist, alle Antworten auf die gesuchten Fragen zu liefern. Der Geist selbst erlebt dabei eine Art Kurzschluss – er ist in sich geschlossen und daher die „Formel“ richtig. Muss ich Antworten finden, kann ich sie innerhalb der Formel finden. So lässt sich der Geist relativieren, folglich so betrachten als stünde Materie über dem Geist und/oder umgekehrt. Dieser Sachverhalt ist Teil unseres alltäglichen Lebens: Dinge die selbstverständlich sind erhalten durch uns keine geistige Bewegung, wir können sie als abgeschlossen betrachten und mit ihnen interagieren, ohne sie ganzheitlich zu verstehen. Im Grunde ist es sogar Grundbedingung, dass sie nicht ganzheitlich verstanden sind. Beispiel Fernseher. Wir müssen ihn nicht verstehen, um fern zu sehen. Er ist eine abgeschlossene Einheit, ein Objekt. Eine logische Schlussfolgerung kann ohne Metaebene nicht in Frage gestellt werden und in den meisten Fällen stellt sich folglich auch keine Frage. Überhaupt wird durch diesen Konservierungsmechanismus so etwas wie Sprache erst möglich. Jedes Wort ist so eine Formel, nur dass es nicht mit „ist gleich“ interagiert, sondern ein Spektrum in sich bereithält, dass Dinge in unserer Wahrnehmung mit dieser Wiedererkennung des Begriffes in Verbindung bringt. Quasi wie ein Magnet, saugt das Wort die Bedeutungsnuancen/Verknüpfungen mit anderen Objekten, an. Je nach Metaebene verliert dabei das Wort sogar seine Bedeutung, Zweck, Funktion – die ein Körper durch die Bedeutung auf die Bewusstseinsauswirkungen inhärent und notwendigerweise hat: Eben wie hier im Fall, das Wort „normal“.


Ich kann das Wort „normal“ nun an die Normalverteilung von Gauß koppeln/out- bzw. insourcen, was ändert sich aber? Bedeutung, Zweck, Funktion des Körpers „normal“ bleibt gleich als auch der Geist als Objekt darin, was sich verändert, ist der Wahrnehmungswinkel: Jetzt ist es also „normal“ im Spektrum einer Glockenkurve die Normalität zu finden, statt sie als „Durchschnittswert“ aus der Glockenkurve zu bewerten. Die Normalität ist also alles und alles ist Glockenkurve?!. Beziehe ich Metaebenen ein, bricht so eine gaußsche Normalverteilung zusammen, zum Beispiel wenn die Funktion von „normal“ eben gerade nicht darin liegt „alles gleichnamig“ zu machen, sondern es als Differenzierungsbegriff zu verwenden (nicht die Waffe, sondern der Mensch tötet, analog, nicht das Wort, sondern der Mensch macht das Wort "gefährlich") – eben mit den Auswirkungen, dass die universale Moral sowohl in die eine als auch andere Richtung driften kann: Sowohl der Normalisierungsprozess als Ein- oder Entfaltung in die Selbstverständlichkeit in Bezug auf die Gesellschaft als auch gleichnamiger Prozess in Bezug auf die Individualität jedes Einzelnen – eben auch noch, als eigener Standpunkt zur Relativierung und/oder Polarisierung. Eine solche Normalverteilung wie Du sie vorschlägst, muss daran scheitern, dass sie lediglich ein „entweder oder“ bedient – eben, wie es bereits in der  Wahrnehmung von außen nach innen bereits geschehen ist.

Ich schlage also vor „normal“ = „entweder oder“. Im Hauptkonflikt (?) unseres Lebens im Dialog zwischen Innen- und Außenwelt zu stehen, benötigt es den Verstand als Vermittler zwischen den beiden Welten. Der Verstand ist in einer Synthese seiner Möglichkeiten darauf angewiesen sowohl sich selbst als Innenwelt als auch dem Gegenüber als Außenwelt „gerecht zu werden“. Befinden wir uns im „entweder oder“, im Konflikt einerseits zwischen der Ursache der Sprache und "ihrem" inhärenten Willen, andererseits die Möglichkeiten den „unendlichen Geist“ zu bewahren, müssen wir uns für eine Seite entscheiden – dieser Sachverhalt, sich hinsichtlich seines eigenen Willens (?) und dem Konflikt vom „unendlichen Geist“ zu beugen, ist normal, weil es das Sein „normalisiert“, um im Selbst das Spannungsfeld zwischen Innen- und Außenwelt aufzulösen?!. - und nie schaffen wird, im Gegensatz zu "sowohl als auch" resp. "weder noch".
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Was ist eigentlich normal? - von Matthias - 19.06.2017, 02:43
RE: Was ist eigentlich normal? - von Ulla - 19.06.2017, 09:02
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RE: Was ist eigentlich normal? - von phaeton - 06.07.2017, 10:14

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