Hallo, Gast
Sie müssen sich registrieren bevor Sie auf unserer Seite Beiträge schreiben können.

Benutzername
  

Passwort
  





Durchsuche Foren

(Erweiterte Suche)

Foren-Statistiken
» Mitglieder: 59
» Neuestes Mitglied: Daguerre
» Foren-Themen: 650
» Foren-Beiträge: 9.060

Komplettstatistiken

Benutzer Online
Momentan sind 233 Benutzer online
» 0 Mitglieder
» 228 Gäste
Bing, Applebot, Baidu, Facebook, Google

Aktive Themen
WER ist der Wirkliche GOT...
Forum: Gottesfantasien
Letzter Beitrag: Gast
05.11.2026, 19:59
» Antworten: 31
» Ansichten: 9.162
Legandäre Wesen in der My...
Forum: Mythologie
Letzter Beitrag: caseas-engesee
05.11.2026, 19:39
» Antworten: 100
» Ansichten: 37.830
Die GÖTTER und RELIGIONEN...
Forum: Gottesfantasien
Letzter Beitrag: Gast
29.10.2026, 22:59
» Antworten: 77
» Ansichten: 18.326
BestChange — Compare Cryp...
Forum: Ancient Egypt
Letzter Beitrag: Bestchange
14.10.2026, 16:52
» Antworten: 0
» Ansichten: 129
BestChange — Compare Cryp...
Forum: Ancient Egypt
Letzter Beitrag: Bestchange
13.10.2026, 13:23
» Antworten: 0
» Ansichten: 98
BestChange — Compare Cryp...
Forum: Ancient Egypt
Letzter Beitrag: anthoncahvsoz3643
25.09.2026, 20:15
» Antworten: 0
» Ansichten: 150
Konzert – Programm & Setl...
Forum: Konzert
Letzter Beitrag: Eik
31.08.2026, 14:45
» Antworten: 15
» Ansichten: 1.513
Auszug: Der wahrnehmende ...
Forum: Resonanzmonismus
Letzter Beitrag: Eik
24.08.2026, 18:51
» Antworten: 0
» Ansichten: 300
Die Schule der Erkenntnis...
Forum: Erfahrungen und Wege - Sein und Bewusstsein
Letzter Beitrag: Matthias
07.03.2026, 16:53
» Antworten: 0
» Ansichten: 280
Meine Rote Linie
Forum: Erfahrungen und Wege - Sein und Bewusstsein
Letzter Beitrag: Matthias
12.01.2026, 08:39
» Antworten: 2
» Ansichten: 362

 
  Vereinigte Arabische Emirate wollen 2117 Stadt auf dem Mars gründen
Geschrieben von: Eik - 19.02.2017, 14:22 - Forum: Wissenschaft und Forschung - Keine Antworten

Vereinigte Arabische Emirate wollen 2117 Stadt auf dem Mars gründen

Quelle: heise online
Martin Holland

[Bild: C4tznepWAAEvNnB-b3a5b67fc6d290e2.jpeg]

So soll die Siedlung einmal aussehen.
 
(Bild: Dubai Media Office)

Der Mars ist schon lange beliebtes Ziel für Forschungssonden und der Ruf nach bemannten Missionen wird immer lauter. Die Vereinigten Arabischen Emirate gehen nun noch einen Schritt weiter und kündigen eine erste Siedlung an – geben sich aber etwas Zeit.
Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen in 100 Jahren eine erste Stadt auf dem Mars gründen. Das zumindest kündigte der Premierminister Muhammad bin Raschid Al Maktum auf dem World Government Summit an, wie die Khaleej Times erläutert. Das Projekt namens "Mars 2117" soll anfangs erst einmal aus den notwendigen Forschungsbemühungen bestehen und gleichzeitig künftige Politiker inspirieren. Zuerst solle etwa das Schulsystem darauf vorbereitet werden, die für dieses ambitionierte Unterfangen nötigen Wissenschaftler auszubilden. Später wollen die Emirate ihre gesammelten Erkenntnisse auch weitergeben und damit der Menschheit dienen.


Dubai plant eine Siedlung auf dem Mars
[Bild: C4tzneqXAAAj49o.jpg_large-19fe0e2016c33724.jpg]
Die geplante Siedlung von außen
Bild: Dubai Media Office


Junge Raumfahrtagentur
Seit einigen Jahren engagieren sich die Emirate verstärkt im Bereich Raumfahrt, 2014 wurde die United Arab Emirates Space Agency (وكالة الإمارات للفضاء) gegründet. Deren erstes großes Ziel ist gegenwärtig ein Orbiter, der den Mars im Jahr 2021 erreichen soll, 50 Jahre nach der Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate. Wie realistisch dieses Unterfangen ist, muss sich erst noch zeigen, haben die Forscher doch überhaupt erst seit dieser Woche einen ersten eigenen Mikrosatelliten im All. Der gelangte als Teil eines rekordträchtigen indischen Raketenstarts PSLV-C37 in den Orbit. 


Der Rekordstart von PSLV-C37
[Bild: 01-ff824825653abc1b.jpg]
Die Nutzlast von oben
Bild: ISRO


Einen Orbiter auf den Weg zu schicken und heil in einen Umlaufbahn um den Mars zu schicken, ist aber deutlich schwieriger. Ganz zu schweigen von der Herausforderung einer Besiedelung des Roten Planet. Erste Schritte dahin planen derzeit aber auch andere mit bereits deutlich mehr Erfahrung, aber auch viel kürzeren Zeitplänen.


Die Vorstellung der Pläne für einen arabischen Mars-Orbiter

Drucke diesen Beitrag

  Auszug aus - So viel zum Thema Jesus
Geschrieben von: Eik - 18.02.2017, 12:20 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Antworten (1)

Wolfgang Kosack
 
 
 
So viel zum Thema Jesus
 
 
 Neues von der Botschaft Christi
 
 Die Gute und die Schlechte Nachricht
 
 Für Juden, Christen, Moslems
 
 Berlin 2003

Motto:
DAS IST der Morgenglanz der Wahrheit,
Das ist des Herrn aufleuchtende Klarheit.
Zwei Jahrtausende, oft verdunkelt,
Hat das ewige Licht gefunkelt.
Wir haben es hart genug bekämpft.
Wir haben es schwer genug gedämpft,
Mehr Scheiterhaufen und viel mehr Kerzen
An seiner Glut entzündet als Herzen...
Zwanzig Jahrhunderte gingen und kamen.
Wehe! Wir haben in Seinem Namen
Zuviel Leben zu Tode gebracht,
Zuviel Gesunde krank gemacht,
Zuviele Teufel eingetrieben,
Darum ist Er nicht bei uns geblieben...


1   Vorwort
 
 
NACHDEM ICH das Alte Testament unter dem Blickwinkel der geschichtlichen Wahrheit behandelt hatte, und das Neue Testament unter dem Aspekt der griechischen Texte, ihrer Entstehung und ihrer Überlieferung, lag es nahe, einen Beitrag über Jesus zu schreiben, der wichtigsten Person des Neuen Testamentes.

Diese Arbeit war schon deshalb schwierig, weil es schier unzählige Werke und Beiträge, Zeitungsartikel, Aufsätze und Studien zu Jesus gibt. Ein neues Buch über dieses höchst abgedroschene Thema sollte wirklich etwas Anderes bieten, moderne Erkenntnisse, den allerneusten Forschungsstand, ja womöglich noch etwas bisher nie Dagewesenes: Den historischen Beweis für die Existenz Jesu.
Hier ist er.

Umgeben von Konkordanzen, Wörterbüchern, Bibelausgaben, griechischen und hebräischen Texten, griechischen und koptischen Papyri, zahlreichen Einführungen in das Neue Testament, vielen Kommentaren zu den Einzeltexten und reißerischen Jesus-Schriften wie „Jesus 2000“ habe ich mich durch die originalen Texte und Vorlagen gequält und kaum eine Stelle ausgelassen, die zur Erhellung der Person Jesus, zur Darstellung des Christus der frühen Gemeinden und zur Schilderung des Heilandes der späteren Kirchen dienen könnte. Darum kommen auch so krause Themen zur Sprache wie das Turiner Grabtuch und der Heilige Rock von Trier. Sogar entlegene Kirchenschriftsteller sind nicht vergessen worden. Das machte die Arbeit an diesem Buch so langwierig und kompliziert.

Die zahlreichen Anmerkungen sind notwendig gewesen, sie sind allerdings als Belege nur für Fachleute wichtig und für diejenigen, die sich weiter in das schwierige Geflecht der Themen vertiefen wollen. Der interessierte Leser darf sie getrost übergehen. Denn das Buch sollte ein Sachbuch werden, das die Sachen beim Namen nennt.

Es ist dennoch ein Glaubensbuch geworden. Denn es fußt auf der urchristlichen Botschaft. Es ist für alle bestimmt, die sie suchen und die sich mit der originalen Botschaft Jesu auseinandersetzen wollen. Eine Herausforderung für jeden einzelnen und für die christliche Gemeinschaften allzumal. freilich nicht im Sinne der Kirchen, gleich welcher Konfession.

Die Botschaft Jesu ist mehr als 2000 Jahre alt und dennoch eine aktuelle Herausforderung für unser persönliches Leben. Wer Ohren hat zu hören, soll hören!
 
Berlin, Freitag, 7. Juli 2004                                       Dr. Wolfgang Kosack


 
2   Ausgangspunkte
 
2.1   Der dreigeteilte Jesus
 
 
Dieses Buch handelt von unserem Heiland Jesus Christus. Schon allein in dieser Namensform steckt eine Dreiteilung: das Programm des Buches in der Nussschale:
 
Es handelt von Jesus, also dem wirklichen Juden Jesus als Mensch, wie er uns im Urevangelium vorgestellt wird, von Christus, dem biblischen Jesus der Evangelien, wie wir ihn im Neuen Testament finden, und vom Heiland, dem Jesus der Kirche, gleich welcher Konfession, ob orthodox, katholisch oder protestantisch (womit zugleich wiederum eine Dreiteilung vorliegt). Alle drei Kirchen suchen nach dem Fragezeichen Jesus, oder besser: Das Phantom Jesus.

Dieses Phantom hat eine bildliche Darstellung erhalten, ich setzte dieses rätselhafte Antlitz Jesu hierher, weil es das Problem dieses Werkes so offenkundig zeigt:
 
Bild im Buch
 
 
Ich habe das Bild als Vignette in einer polemischen Kampfschrift entdeckt mit dem schönen Titel: ‘Die Sage von Jesus dem Sonnengott’[2]. Vielleicht hat der unbekannte Künstler des Antlitzes die göttliche Dreifaltigkeit im Kopf gehabt, als er an die Ausarbeitung dieses Kopfes ging. Er hat zumindestens einige Anregungen aus der romanischen Kunst übernommen, wo dieses Gesicht vollplastisch in Stein ausgearbeitet ist, teils als Darstellung der Göttlichen Dreieinigkeit, teils jedoch auch als Abbild des Teufels, sozuagen die ‚Antidreifaltigkeit’ schlechthin. Im Spätmittelalter ist eine systematische Darstellung dieser Art auch in Holzschnitt veröffentlicht worden (S. 18).

Es gibt also drei Betrachtungsweisen Jesu: den Jesus des Urevangeliums, den Jesus des Neuen Testamentes und den Jesus der Kirche. Alle drei Gestalten haben aber nur Eines gemeinsam: den Namen Jesus. Die aufgekommenen Titelfolgen erweisen es:
 
                  § im Urevangelium: der lebendige Jesus
                  § im Neuen Testament: Jesus, der Gesalbte, der Nazarener, der Sohn Davids und Josephs
              § in der Kirche: Jesus Christus, Gottes Sohn, der Herr und Heiland
 
Diese Dreierstaffel zeigt eine stetige Entwicklung immer weiter weg von der historischen Person Jesu zur Vergottung und zur Kanonisierung dieses Glaubensprinzips, ein Thema, das allerdings weit über den Rahmen dieses Buches hinausreicht. Es gibt 3 historische Betrachtungsweisen, um die Person Jesu zu umreißen:

                  § den wirklichen Jesus (so es ihn denn überhaupt gegeben hat)
                  § den historischen Jesus, wie er in Quellen und Dokumenten erscheint

 und dargestellt wird,

§ den biblischen Jesus, wie er im Neuen Testament oder später in den
   Werken der Exegese aufgefaßt wird
 
Es gibt dazu 3 Überlieferungen zu seinem Leben und für seine Lehre:
 
                  § die Worte Jesu im Urevangelium, zugleich die von der Wissenschaft sogenannten Quelle Q
§ die Aussprüche und Predigten der Evangelien des Neuen Testamentes
§ die Geschichten, Lehren und Dogmen der Kirchen, in den Paulusbriefen, in den sonstigen Schriften des Neuen Testamentes und in 
   frühkirchlichen Sendschreiben
 
Es gibt 3 Attribute Jesu, die sich im Laufe der Geschichte verselbständigt haben und danach als Titel des Heilandes benutzt worden sind:
 
                  § der Sanftmütige  (griech. crästos Chrêstos)
                  § der Gesalbte (hebr. acywm meSîHâ, Messias)
                  § Christus par excellence (griech. cristos Christos)
 
Entsprechend gibt es 3 Stufen der Erhebung
 
                  § Menschensohn
                  § Gottes Sohn
                  § die zweite Wesenheit Gottes (Gott-Sohn neben Gott-Vater und Gott-Hl. Geist)
 
Es gibt außerdem 3 Bereiche des Heiles
 
                  § das Reich meines Vaters
                  § das Himmelreich
                  § das Gottesreich
 
Hinzu kommen 3 Stufen innerhalb der urchristlichen Gemeinden, die sich in den Rängen dreier namentlich genannter Apostel wiederspiegelt:
 
                  § Judas, der Zwillingsbruder Jesu, erster Gemeindeleiter nach dem
   Tode Jesu
§ Jakobus, der Bruder Jesu, als zweiter Gemeindeleiter
§ Philippus, Simon u.a. die Apostel und Evangelisten, als Boten und
   Verkünder der Lehre Jesu, die bei Juden und Heiden Missionen  
   unternehmen
 
Diese Studie soll mit 3 Problemfeldern beendet werden:
 
                  § das Problem Sünde
                  § das Problem Frau
                  § das Problem Konfession
 
Hinzu kommen 3 Reliquien, die im orthodoxen und katholischen Christuskult eine zentrale Rolle spielen:
 
                  § das Schweißtuch der Veronika
                  § das Turiner Leichentuch
                  § der Rock von Trier
 
Die Lehre Jesu gipfelt in den 3 Freiheiten, die er verkündet hat:
 
                  § die Freiheit des Denkens
                  § die Freiheit der Religion
                  § die Freiheit des Glaubens
 
Abschließend sei noch einmal auf eine Besonderheit der Zeichnung des Jesuskopfes von S. 4 hingewiesen: Sie hat drei Münder und drei Nasen, also drei verschiedene Gesichter, aber sie hat Vier Augen, Zwei Ohren und nur Eine Stirn. Eine solche Viererstaffel ist im Urevangelium in einem Ausspruch Jesu erhalten:
 
Ich will euch geben, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, was keine Hand berührt hat und was in das Menschenherz nicht aufkommen konnte.
 
Dieses Wort Jesu steht überraschenderweise nicht in den biblischen Evangelien, wohl aber ist es als Jesuswort bei Paulus zitiert, der es demnach aus dem ihm schriftlich vorliegenden Urevangelium übernommen hat:
 
Sondern wie geschrieben steht: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.
 
Paulus oder ein späterer Bearbeiter haben das Wort Jesu verkürzt (es fehlt: was keine Hand berährt hat) und am Ende mit einem Zusatz versehen, um den Sinn abzufälschen und die Wirkung dieses Wortes einzugrenzen. Die ‚Zürcher Bibel’ setzt hierzu die Anmerkung:
 
Die hier angeführten Worte finden sich nicht im Alten Testament; sie sind nach dem Bericht des Kirchenvaters Origenes (um 230) der uns nicht erhalten gebliebenen „Offenbarung des Elias“ entlehnt, die dem Verfasser offenbar als heilige Schrift galt.
                 
Die ‚Einheitsübersetzung’ formuliert da sehr viel klarer:
 
Dieses „Schriftzitat“ ist als ganzes im Alten Testament
nicht zu finden.
 
Es wäre ja auch nach Meinung der Bibelforscher und Theologen allzu kurios, wenn Paulus das geschriebene Urevangelium in den Händen gehalten und daraus zitiert hätte. Das der Ausspruch Jesu so nicht im Alten Testament steht, ist durchaus erklärlich, denn es reicht darüber ja weit hinaus. (Übrigens ist der Ausspruch in die Liste der sog. „Agrapha“, der außerbiblischen Jesusworte, immerhin mit aufgenommen worden.)
Oder wie das Evangelische Gesangbuch gedichtet hat:
 
Kein Ohr hat dies jemals gehört /
Kein Mensch gesehen noch gelehrt /
es läßt sich nicht beschreiben...
 
Nein wirklich, es läßt sich nicht beschreiben, was über Jesus innerhalb und außerhalb des Neuen Testamentes geschrieben wurde!
Es erscheinen mehr als 100 000 Veröffentlichungen und Beiträge im Jahr, die sich mit dem Heiland Jesus Christus befassen. Da gibt es diverse Jesuswerke, teils beträchtlichen Umfangs leider, von bekannten TV- oder Zeitungsjournalisten, von entlaufenen Dominikanermönchen, von selbst ernannten Qumran-Forschern und von ausgewiesenen Fachtheologen und weltweit anerkannten Exegeten aus dem katholischen und dem protestantischen Lager.

Da gibt es DEN gängigen Jesus-Roman von GERALD MASSADIÉ „Ein Mensch namens Jesus“. Demnach war Jeus das Kind einer 89jährigen Alten, später ein Frauenheld und Liebhaber vermögender Damen. Außerdem ist er nicht am Kreuz gestorben, die Auferstehung ist auch nur ein frommes Märchen. Vielmehr hat er sich irgendwann nach Asien eingeschifft und ist in Nepal oder nach Tibet verschwunden.

Darunter sind so abenteuerliche Bücher wie das von der überzeugten Feministen-Pfarrerin JUTTA VOSS, die in ihrem Buch „Das Schwarzmond-Tabu“ Jesus als lunar-bezogene Geistespotenz ausmacht, weshalb sie kurzerhand in Württemberg von ihrem geistlichen Amt entpflichtet wurde.

Oder es gibt so einseitige Schriften wie die des Oxforder Judaisten GEZA VERMES mit dem Titel „Jesus der Jude“, worin schlüssig bewiesen ist,  daß Jesus ein gesetzes-treuer jüdischer Chassid („Frommer“) gewesen ist, ein heilungsmächtiger Wunder-rabbi also, dem gar nichts Christliches anhängt. Das wollte Vermes unter Verwendung rabbinischen Materials und des Talmuds erweisen.

Oder polemische Kampfschriften wie das schon genannte Buch von PAUL KOCH: Die Sage von Jesus dem Sonnengott.
 
 
 
 
 
 
 
2.2   Der Mythos Jesus
 


[1]Günther, 139-140 Wilhelm Langewiesche. „Hirtenweihnacht“
[2]Koch, Paul. Die Sage von Jesus dem Sonnengott. Berlin 1911
[3]Thom 17
[4]1. Kor. 2,9
[5]Zürcher Bibel,1305 Anm.
[6]Einheitsübersetzung, 380 Anm.
[7]Gesangbuch, 274


Werke des Autors W. Kosack

Drucke diesen Beitrag

  Das Alte Testament und Ägypten
Geschrieben von: Eik - 18.02.2017, 12:12 - Forum: Das alte Ägypten - Antworten (5)

Das Alte Testament und Ägypten
 
 
1. Allgemeines
2. Ägypten als geographischer Topos
3. Ägypten als literarischer Topos
4. Ägypten als kultische Formel
5. Prophezeiungen über Ägypten
6. Die ägyptischen Länder- und Ortsnamen
7. Die ägyptischen Personennamen
8. Die biblischen Bezüge zu Babylon
9. Die Metonymie des Exodus
10. Das tatsächliche Alter des Bibeltextes
 
Zusammenfassung
 
Die Grenzen des jüdischen Königsreiches unter David und Salomo sind an einem Ideal festgemacht, das wenig auf tatsächliche Grenzen Rücksicht nimmt und Wunschvorstellung ist. Es ist bemerkenswert, daß Ägypten neben ganz unbedeutenden, südlichen und östlichen Stammesgebieten und sogar in Kontrast zur kleinen Stadt Aschdod genannt wird.

Die Beschreibung der Eigentümlichkeiten Ägyptens - gute wie schlechte - sind Klischees, die formel- und sentenzenähnlich verwendet werden und auf Bildschablonen beruhen. Diese literarischen Bilder haben keinee Anhaltspunkte in der Realität, so ist es ein Unding, daß die Juden wirklich im Palast des Pharao gewesen sind, daß es einen Eisenofen überhaupt gab usw. Solche Details zeigen geringe Kenntnis des Landes und seiner Verhältnisse, die Bibel kommt über Pauschalen nicht hinaus.

Die biblischen Städtenamen Ägyptens sind weder eindeutig zu lokalisieren noch klar zu bestimmen. Ihre Identifizierung hängt von der genauen Lesung ab, die gerade bei den ägyptischen Städtenamen stark schwankt. Deutlich ist die Mühe der Schriftsteller, Paare von Städten zu bilden, teils gelten die Paare wegen ihrer Nachbarschaft als zusammengehörig, z.B. On - Bubastis, Pithom - Rames, teils sind es Bildungen nach dem Schema „nördlichste - südlichste Stadt“. Selten werden Städte ohne Partner genannt, möglicherweise ist dort der hebräische Text gestört. Schon die griechisch-lateinischen Versionen haben dieses System nicht mehr durchschaut, sie identifizieren willkürlich die hebräischen, biblischen Namen mit damals bekannten Orten Ägyptens.

Die geringe Kenntnis von Ortschaften in Mittel- und Oberägypten ist ebenso bemerkenswert wie das Vorkommen von Alexandria in einem Prophetenbuch, das bislang sehr viel früher angesetzt worden ist. Hinzu treten auch chronologische Schwächen, z. B. das Gründungsdatum von Hebron und Tanis oder die Erwähnung eines Ramses-Feldes zur Zeit Josephs, obwohl zwischen Einzug und Auszug der Juden laut biblisch-interner Tradition mindestens ein Jahrhundert vergangen ist.

Die geringe Anzahl von Personennamen ist nicht aussagekräftig: ein Name erscheint doppelt, ein Name ist als Ortsbezeichnung (!) belegt, Frauennamen entpuppen sich als Männernamen, einer davon ist eigentlich ein Königstitel. Die Bekanntschaft mit dem Ägyptischen ist also oberflächlich und nicht tiefgreifend.

Die Namen der ägyptischen Könige stammen aus der Spätzeit, der libyschen (Schoschenk, Osorkon) und äthiopischen Fremdherrschaft (Schabako, Tiharka).

Bemerkenswert und wichtig ist, daß nur Königsnamen genannt werden, die auch in den assyrisch-babylonischen Annalen geläufig sind. Namen aus älteren Zeiten sind gar nicht vorhanden. Das paßt auch zu den Privatnamen, die alle in die Spätzeit zu datieren sind und von denen einzelne Namen erst 600 v. Chr. in Gebrauch kamen.

Weil die Fronarbeiten der Bibel und andere Umstände nach Mesopotamien weisen und nicht nach Ägypten, wird es erklärlich, warum es so wenige und außerdem formalisierte Orte, Personennamen und Bezeichnungen in den ägyptischen Abschnitten der Bibel gibt:

Die Fron in Ägypten war in Wahrheit eine Fron in Mesopotamien, und der Auszug aus Ägypten ist tatsächlich der Auszug aus Babylon. Der Pentateuch transponiert also die historischen Sachverhalte der babylonisch-persischen Zeit in die glorreiche Vergangenheit und verschleiert den Namen des Fronlandes Babylon durch Metonymie auf Ägypten.
Diese Metonymie und die Rückdatierung der tatsächlichen Ereignisse in die mythische Patriarchenzeit liegt in der Geschichtsbetrachtung des jüdischen Chronisten begründet. Er schrieb eine Nationalgeschichte, die von der jetzigen, nachexilischen Gegenwart und erhofften Zukunft ausgehet, aber nach rückwärts geandt und rückwärts laufend. Er vertrat die Auffassung, das Volk Israel sei Mittel- und Zielpunkt der Weltgeschichte.

Das läßt den Schluß zu, daß der hebräische Text des Pentateuchs, so wie er erhalten ist, mit Sicherheit nachexilisch ist und noch sehr viel später in seiner Endredaktion fertiggestellt und dann kanonisch wurde. Wahrscheinlich hatte die Arbeit am hebräischen Text und seiner Zusammenstellung erst mit der Septuaginta - Übersetzung ihren Abschluss gefunden. Das erklärt auch das bemerkenswerte Fehlen früher hebräischer Manuskripte der Tora oder der Propheten. Es gibt keine hebräische Bibelhandschrift, die älter wäre als 200 v. Chr.

 
 
 
 
1. Allgemeines
 
In der Schriftensammlung des Alten Testamentes nimmt Ägypten eine bevorzugten Platz ein: es gibt 58 verschiedene Benennungen von ägyptischen Ländern, Ortschaften, Personen und Titeln, die sich nach Ausschluß der Varianten auf 44 Nennungen reduzieren; sogar 6 Pharaonen sind namentlich genannt. Das Vorkommen ägyptischer Bezeichnungen ist ungleich verteilt. Die in Ägypten spielenden Erzählungen von Abraham, Joseph und Mose sind weitaus ergiebiger als die der übrigen historischen Schriften. An einigen Stellen nehmen die Propheten mit speziellen Weissagungen auf Ägypten Bezug, andere ägyptische Wörter sind in den Psalmen, der Weisheitsliteratur und im Hohen Lied verstreut.

Das häufige Auftreten Ägyptens hängt mit der Bedeutung dieses Landes für die Geschichte der Juden zusammen. Ägypten erscheint hier als notwendiger Ausgangspunkt für den Auszug aus der Knechtschaft, die Gesetzesübergabe und die Landnahme Palästinas. Die vorliegende Studie untersucht die Bibelstellen über Ägypten, stellt sie den Ergebnissen der Ägyptologie gegenüber und untersucht ihre historischen und sachlichen Hintergründe. In der Regel wurde als Beleg jeweils nur 1 Musterzitat und nicht alle vorhandenen Stellen des Alten Testamentes angeführt.
 
2. Ägypten als geographischer Topos
 
Ägypten oder Ägyptenland gilt zunächst als geographischer Ländername, eigentlich als ein nicht näher zu definierendes, fernes Land im Süden: „und band ihn in die Wüste fern in Ägypten“ Tob 8, 3 „Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Mohren und Saba“ Jes 43, 3. Daneben wird es als natürliche Grenze Palästinas oder als Südgrenze eines imaginären Großreiches Israel aufgefaßt, das vom Nil zum Euphrat, von Ägypten bis Assyrien reicht. Diese paarweisen Lands- und Flußbezeichnungen sind häufig:

Deinem Samen will ich dies Land geben, von dem Wasser Ägyptens bis an das große Wasser Euphrat Gen 15, 18
vom Bach Ägyptens bis an das Wasser Euphrat 2. Kg 24, 7
Was hilfts dir, daß du nach Ägypten ziehst und willst vom Wasser Sihor trinken? Und was hilfts dir, daß du nach Assyrien ziehst und willst vom Wasser Euphrat trinken? Jer 2, 18
Diese Bezeichnungen kommen auch umgekehrt vor:
das ganze Königreich vom Euphrat bis nach Ägypten 1. Mk 3, 32
Interessant ist die Symbolisierung des Feindes in ägyptischer Symbolik:
Der Herr wird zischen der Fliege am Ende der Wasser in Ägypten und der Biene im Lande Assyrien jes 7, 18
Die Fliege ist Symbol der Angriffslust und Tapferkeit und wird in Ägypten als militärischer Orden verliehen. Die Biene ist das traditionelle Wappentier der Könige von Unterägypten.

Im übrigen ist die Gegenüberstellung von Ägypten - Assyrien häufig:
 
Jetzt rufen sie Ägypten an, dann laufen sie zu Assur Hos 7, 11
Wir haben uns Ägypten und Assur ergeben müssen Klg 5, 6
Sie machen mit Assur einen Bund und bringen Balsam nach Ägypten Hos 12, 2
Die Ägypter werden erschrocken kommen wie Vögel und die im Lande Assur wie Tauben Hos 11, 11
Aber du wirst in Ägypten zuschanden werden, wie du an Assyrien zuschanden geworden bist Jer 2, 36
Auch in übertragenem Sinne gibt es das Paar Ägypten - Babylon unter der poetischen Bezeichnung rahab für Ägypten:
Ich will predigen lassen Rahab und Babel Ps 87, 4
Neben dieser typologischen Formel gibt es die Paarbezeichnung in geschichtlichen Anlässen, so als Ermunterung:
Schau auf der Assyrer Heer, wie du vorzeiten auf der Ägypter Heer schautest!
Jud 9, 5

oder als Prophetenwort über die Eroberung Assyriens:

Und zur selben Zeit werden sie von Assur und von den Städten Ägyptens zu dir kommen, von Ägypten bis an den Strom Micha 7, 12

als Bericht über die tatsächliche Eroberung Ägyptens:

sie sollen nicht wieder nach Ägyptenland kommen, sondern Assur soll ihr König sein Hos 11, 5
als Zeichen der Vormachtstellung Assyriens über Ägypten, wobei Assur mit Zedernbaum vergleichen ist und Ägypten als „Oasenbaum im Garten Gottes“:
Und es gab keinen Zedernbaum gleich ihm im Garten Gottes, und die Platanen waren seinen Ästen nicht zu vergleichen, und die Zypressen waren nichts gegen seine Zweige. Ja, er war so schön wie kein Baum im Garten Gottes Hes 31, 8
und der anschließenden Zerstreuung des jüdischen Volkes:
Ephraim muß wieder nach Ägypten und muß in Assyrien Unreines essen.
Hos 9, 3

Auch in nachexilischer Zeit wird dieses Länderpaar benutzt, um die Diaspora der Juden zu beschreiben. Die Juden können sich erst dann wieder zusammenfinden, wenn die beiden Grenzreiche durch die Eroberung der Perser entmachtet sind. Diese Zitate können ab 520 v. Chr. nach der Eroberung Ägyptens durch Kambyses datiert werden:
Du sollst erniedrigt werden und die Pracht von Assyrien, und das Szepter in Ägypten soll aufhören Sach 10, 11
Dann will ich sie wiederbringen aus Ägyptenland und sie sammeln aus Assyrien Sach 10, 10
Also werden kommen die Verworfenen vom Lande Assur, und die Verstoßenen im Lande Ägypten und werden anbeten den Herrn auf dem heiligen Berg von Jerusalem Jes 27, 12

Die Nennung von Ägypten ist aber nicht in dem Gegensatzpaar Ägypten - Assur erschöpft. Man verwendet die Bezeichnung Ägypten auch als Ausdruck des Südens neben anderen Südvölkern und -ländern:
Vom Strom an bis zu dem Philisterland und bis an die Grenzen Ägyptens
2. Chr 9, 26

Die ideale Ausdehnung Euphrat - Nil ist also auf die realistischere Distanz „die Grenze Ägyptens“ geschrumpft. Man läßt sogar den Euphrat weg:
bis zum Philisterland und bis an die Grenze Ägyptens 1. Kg 5, 1

Ägypten wird als Südland aber auch neben unbedeutenden Stammesgebieten in engerer Umgebung von Kanaan genannt:
(Ich werden heimsuchen) Ägypten, Juda, Edom, die Kinder Ammon, Moab, und alle, die das Haar rundherum schneiden, die in der Wüste wohnen
Jer 9, 25

Ägypten soll wüst werden und Edom eine wüste Einöde joel 4, 19
Verkündet es in den Palästen von Aschdod und in den Palästen im Lande Ägypten Amos 3, 9
Hier ist bemerkenswert, daß Aschdod eine Stadt bezeichnet, die traditionell im Herrschaftsbereich der Philister liegt.
Genaue Angaben bringt erst eine ausführliche Beschreibung der südlichen Grenze Judäas:
er wohnte bis gen Sihor vor Ägypten Gen 25, 18 wo man kommt bis gen Sur und bis an Ägyptenland (hier wohl die ursprünglichere Bedeutung des hebräischen Wortes mizrajim ‘Fürstenmauer’ , vgl. unten) von Azmon an den Bach Ägyptens Num 34, 5

Auffällig ist, daß die Bezeichnungen umso unklarer werden, je enger die Bereiche sind, die sie beschreiben.
Der Name ‘Sihor’ scheint hier mit dem ‘Bach Ägyptens’ identisch zu sein. Der Bach Ägyptens bezeichnet das heutige Wadi el-’Arisch. Dagegen ist ausdrücklich gesagt, daß man von dem „Wasser Sihor“ trinken kann (Jer 2, 18 im Gegenpart zum Wasser Euphrat, vgl. auch Jos 13, 3 „den Sihor, der vor Ägypten fließt“). Dies deutet auf eine Sonderbezeichnung für die Nil hin, oder ist speziell der Name des östlichsten Armes, denn Nil und Sihor werden getrennt betrachtet:
von Früchten am Sihor und vom Getreide am Nil Jes 23, 3

Die hebräischen Schreiber haben wohl nicht mehr genau gewußt, was im einzelnen Nil, Sihor und Bach Ägyptens bedeutet.
Ähnlich unklar ist die Lage von Gesen (vgl. Jos 10, 41). Es liegt in der Nähe von Gaza und bildet die südlichste Eroberung Josuas Jos 10, 41; 11, 16, ist aber andererseits als östliche Provinz in Ägypten bezeugt.
Die Grenzen des jüdischen Königsreiches unter David und Salomo sind an einem Ideal festgemacht, das wenig auf die tatsächlichen Grenzen Rücksicht nimmt und Wunschvorstellung geblieben ist. Es ist bemerkenswert, daß Ägypten neben unbedeutenden, südlichen und östlichen Stammesgebieten und sogar in Kontrast zur Stadt Aschdod genannt wird.

Weiterhin auffallend ist die Stilisierung zu Paaren, z.B. Bach Ägyptens / Wasser Euphrat,
Fliege / Biene, Vögel / Tauben, Pracht / Szepter. Sie verstärkt zusätzlich den Charakter des Formelhaften und weist die Paare als geographischen Topos (ohne jeden historischen Hintergrund) aus.
 
3. Ägypten als literarischer Topos
 
Aber nicht nur die geographischen Bezeichnungen für Ägypten sind formelhaft, auch die sonstigen Nennungen Ägyptens orientieren sich selten an der Realität. Das zeigt der eigentümliche Umstand, daß dem Land Ägypten positive und negative Züge zugleich zugeschrieben werden.
Dabei überrascht eine formelhafte Wendung besonders, die üblicherweise sonst für das Gelobte Land gebraucht wird:
Ist es zu wenig, daß du uns aus dem Land geführt hast, darin Milch und Honig fließt, und daß du uns führtest in die Wüste? Num 16, 13; vgl. Ex 3, 8 + 11 u. o.

Ägypten gilt als fruchtbares Land, das reich an Nahrung ist:

Wären wir in Ägypten gestorben, da wir bei denn Fleischtöpfen saßen und hatten die Fülle Brot zu essen! Ex 16, 3
Wer gibt uns Fleisch zu essen? Denn es ging uns wohl in Ägypten Num 11, 18
und steht im Gegensatz zur Wüste
Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt an diesen bösen Ort? Num 20, 5
Warum hast du uns aus Ägypten geführt, daß wir sterben in der Wüste?
Num 21, 5

Es gilt als zivilisiert mit besonderen Bestattungsgebräuchen:
Waren in Gräber in Ägypten, daß du uns mußtest wegführen, daß wir in der Wüste sterben? Ex 14, 11

Es steht auch im Gegensatz zum gelobten Lande Kanaan:

Das Land, da du hinkommst, es einzunehmen, ist nicht wie Ägyptenland, davon ihr ausgezogen seid, da du deinen Samen säen konntest und es bewässertest mit deinem Fuß wie einen Gemüsegarten Deut 11, 20
Diese Bezeichnung ist absichtlich unklar gelassen. Sollte der Ausdruck „mit dem Fuß bewässern“ tatsächlich auf das Tretrad einer Wassermühle hindeuten, wie manche Kommentatoren es erläutern, so ist der Vers ganz spät und in hellenistische Zeit zu datieren, weil es ein Tretrad dieser Art im alten Ägypten nicht gab.

Die vielfältigen Produkte der Landwirtschaft Ägyptens werden aufgelistet:

Fische, die wir umsonst aßen in Ägypten, und Kürbisse, Melonen, Lauch,
Zwiebeln und Knoblauch Num 11, 5
Daneben wird der Weinstock Ps 80, 9 und die Nilüberschwemmung genannt Amos 8, 8; 9, 5. Sprichwörtlich wird von den Schätzen Ägyptens geredet:
Er achtete die Schmach Christi für einen größeren Reichtum denn die Schätze Ägyptens Hebr 11, 26
Er wird herrschen über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kleinode Ägyptens Dan 11, 43

Auch Stoffe werden als Kostbarkeiten erwähnt:

Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Teppichen aus Ägypten
Spr 7, 16
Deine Segel waren von gestickter, köstlicher Leinwand aus Ägypten, daß es ein Panier wäre Hes 27, 7

Beides zusammen ist auch zur Sentenz geworden:

Jegliche Frau soll von ihrer Nachbarin und Hausgenossin fordern silberne und goldene Gefäße und Kleider Ex 3, 22; 12, 34
Bei Wiederholung dieser Sentenz werden die Kleider vergessen (Ex 11, 2). Wichtig war Ägypten als Lieferant für Wagen und Gespanne, die häufig genannt sind. Sie kommen als literarisches Motiv sogar in der Liebeslyrik vor:

Ich vergleiche dich einem Gespann an den Wagen Pharaos Cant 1, 9
Und führe das Volk nicht wieder nach Ägypten um der Menge der Rosse willen Deut 17,16
Und man brachte dem Salomo Pferde aus Ägyptenland allerlei Ware, und die Kaufleute des Königs kaufen diese Waren und brachten aus Ägypten heraus, je einen Wagen um 600 Silberlinge und ein Pferd um 150. 1.Kg 10, 28; 2. Chr 1, 16 - 17
Und du verläßt dich auf Ägypten um der Wagen und Reiter willen 2. Kg 18, 24; Jes 36, 9
Imd er sandte Botschaft nach Ägypten, daß man ihm Rosse und viel Volks schicken sollte Hes 17, 15

Darauf beruhte vor allem die militärische Überlegenheit Ägyptens:

Mohren und Ägypter waren eine unzählige Macht Nah 3, 9
Das Szepter Ägyptens soll aufhören Sach 10, 11
Schwankenden Stellenwert besitzt die vielzitierte Weisheit Ägyptens, die teils besonders hoch geschätzt, teils als verderblich und gefährlich angesehen wurde
Mose ward gelehrt in aller Weisheit vor Pharao Apg 7, 9
Salomos Weisheit war größer denn die Weisheit aller Ägypter 1. Kg 5, 10
die große Stadt, die da heißt geistlich Sodom und Ägypten Apk 11, 8
Abgesehen von den gut verbürgen ‘Rossen und Wagen’ sind andere Vorzüge Ägyptens in stereotype Sentenzen gefaßt, ohne realten Hintergrund und ohne greifbaren Anlaß.

Demgegenüber steht eine ganze Liste negativer Dinge aus Ägypten, ja man kann sagen, daß´Ägypten zum Inbegriff schlechthin alles Bösen stilisiert wurde. Insbesondere werden die lockeren Sitten angeprangert:

Erstlich triebest du Hurerei mit den Kindern Ägyptens, deinen Nachbarn, die großes Fleisch hatten, und triebest Hurerei, um mich zu reizen. Hes 16, 26; vgl. 23, 3f
Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch gewendet Jes 5, 9
Mancherlei Krankheiten werden Ägypten zugeschrieben, dabei wird auch auf die Plagen Ägyptens beim Auszug angespielt:
Er wird keine böse Seuche der Ägypter dir auferlegen Deut 7, 15
und wird dir zuwenden alle Seuchen Ägyptens, davor du dich fürchtest
Deut 28, 60
Ich schickte Pestilenz unter euch, gleicherweise wie in Ägypten Amos 4, 10
Der Herr wird dich schlagen mit Drüsen Ägyptens, mit Feigwarzen, mit Grind und mit Krätze, daß du nicht kannst heil werden. Deut 28, 27
Der ägyptische Götzendienst wird als abscheulich empfunden:
Ihr sollt nicht tun nach den Werken des Landes Ägypten! Lev 18, 3
Wie wir in Ägypten gewohnt haben und mitten durch die Heiden gezogen sind, durch welche ihr zoget, und sahet ihre Greul und ihre Götzen, Holz und Stein, Silber und Gold Deut 29, 15
Götter, die dirch aus Ägypten geführt haben Ex 32, 4 + 8
Laßt fahren die Götter, denen euere Väter gedient haben jenseits des Stromes und in Ägypten Jos 24, 14
Das sind die Götter, die Ägypten schlagen mit allerlei Plagen in der Wüste
1. Sam 4, 8
Verunreinigt euch nicht an den Götzen Ägyptens! Hes 20, 7
Und sie verließen die Götzen Ägyptens nicht Hes 20, 8
Als Götzenbilder werden bevorzugt goldene Kälber genannt:
Und machten ein gegossenes Kalb und sprachen: Das ist dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, und taten große Lästerungen. Ne 9, 8
und sie machten ein Kalb zu der Zeit und brachten dem Götzen Opfer Apg 7, 41
und er machte ein gegossenes Kalb, und sie sprachen: Das sind deine Götter
(sic! im Plural!), Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben Ex 32, 4 + 8

Der eigentümliche Plural ist nur verständlich im Zusammenhang mit der Stelle 1. Kg 12, 28, wo König Jerobeam ZWEI goldene Kälber herstellen läßt, je eines für die äußerste Nord- und Südgrenze seines Reiches. Beide Götterbilder werden außerdem mit Priesterschaft ausgestattet und gelten als Staatsheiligtümer . Erst beide Stellen zusammen ergeben überhaupt einen brauchbaren Sinn. Die zwei Staatsheiligtümer Isarels in Bethel und Dan sind jedenfalls ursprünglicher, im Exodusbericht wären indessen ZWEI Kälber unverständlilch gewesen, so übernahm man nur die Frevlerformel, nicht die doppelte Anzahl. Also wurde die Stelle mit dem goldenen Kalb im Exodus später eingefügt, denn an der frevelhaften Formel „das sind deine Götter, Israel“ wurde nichts geändert.
 
5. Ägypten als kultische Formel
 
 
Eigentümlich wird die Einstellung der Juden zu Ägypten, sobald kultische Bereiche wie die Passah-Feier oder das Laubhüttenfest berührt werden. Hierfür gibt es festgefügte Formeln, die den Sachverhalt knapp beschreiben. Die Andersartigkeit Ägyptens wird betont herausgestellt, und das Verhältnis Israel - Ägypten objektiv betrachtet:
Mein Volk zog zum ersten hinab nach Ägypten, daß es daselbst ein Gast sei
Jes 52, 4

Die fremde Sprache wird betont:

da sie aus Ägyptenland zogen und fremde Sprache gehört hatten Ps 81, 6
So wird das Wort ‘Fremdling’ häufig gebracht, aber noch nicht in negativer Weisê
Den Ägyptern sollst du nicht für einen Greul halten, denn du bist ein Fremdling gewesen in seinem Lande Deut 23, 8
Der Gott dieses Volkes hat erwählt unsere Väter und erhöht das Volk, da sie Fremdlinge waren im Lande Ägypten Apg 13, 17
da Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk Ps 114, 1
Ihr seid Fremdlinge gewesen in Ägypten Ex 22, 20 u. o.
Israel zog nach Ägypten, und Jakob war ein Fremdling im Lande Hams
Ps 105, 23

Diese Formulierung bezieht sich auch auf Kanaan:
das Land Kanaan, das Land ihrer Wallfahrt, darin sie Fremdlinge gewesen sind
Ex 6, 4

Das entspricht der Sentenz vom Land, darin Milch und Honig fließt, sie gilt auch für beide Länder.
Die positive Einschätzung Ägyptens verschiebt sich bereits in dem sog. „kleinen, geschichtlichen Credo“ durch den Zusatz schlimmer Behandlung:
Ein zum Scheitern verurteilter Aramäer war mein Vater, als er hinabzog nach Ägypten und war daselbst ein Fremdlich mit geringem Volk, und ward daselbst ein großes und zahlreiches Volk, aber die Ägypter behandelten uns übel und
zwangen und legten uns harten Dienst auf Deut 26, 5 - 6
Die Ägypter behandelten uns und unsere Väter übel Num 20, 15
Und du hast angesehen das Elend unserer Väter in Ägypten Neh 9, 9
Entsprechend wird der Dienst als ‘Knechtschaft’ betrachtet:
und gedenke, daß du Knecht in Ägypten gewesen bist Deut 5, 15
Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten Deut 6, 21

Der Pharao wird hervorgehoben:

Er hat dich erlöst aus der Hand Pharaos, des Königs von Ägypten Deut 7, 8
Gott, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, aus der Hand Pharaos, des Königs von Ägypten 2. Kg 17, 7
Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch von der Ägypter Hand errettet
1. Sam 10, 18
Es gibt auch das Bild vom Haus oder vom Diensthaus:
da sie noch in Ägypten waren, in Pharaos Haus 1. Sa 2, 27
der dich aus Ägypten, aus dem Diensthaus geführt hat Ex 20, 2 u. o.
der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus dem Diensthause Deut 8, 14
der euch aus Ägyptenland geführt und euch aus dem Diensthaus gebracht hat
Ri 6, 8
der ich sie aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, führte Jer 34, 13
Eine andere Metapher ist deutlich anachronistisch, da es die im Text genannten Öfen aus Eisen damals gar nicht gab:
die du aus Ägypten, aus dem eisernen Ofen geführt hast 1. Kg 8, 51
Euch hat der Herr genommen und aus dem eisernen Ofen, nämlich aus Ägypten, geführt Deut 4, 20
da ich sie aus Ägypten führte, aus dem eisernen Ofen Jer 11, 4
Die Metapher ‘Rohrstab’ ist auffällig:
Alle, die in Ägypten wohnen, sollen erfahren, daß ich der Herr bin darum, daß sie aus dem Hause Israel ein Rohrstab gewesen sind Hes 29, 6
Siehe, verläßt du dich auf diesen zerstoßenen Rohrstab, auf Ägypten? Welcher, so sich jemand darauf lehnt, wird er in die Hand gehen und sie durchbohren. Also ist Pharao, der König von Ägypten allen, die sich auf ihn verlassen. Jes 36, 6; 2. Kg 18, 21
Dieses von den Propheten verwendete Gleichnis hängt irgendwie mit dem wundertätigen Stab des Mose zusammen:
Er wird seinen Stab wider dich erheben, wie in Ägypten geschah (in einer Predigt gegen Assur) Jes 10, 24
und wird seinen Stab, den er am Meer brauchte, aufheben wie in Ägypten
Jes 10, 26

Aus den biblischen Zitaten ist der Übergang von der wertungsfreien Darstellung des Aufenthaltes in Ägypten bis zur Verteufelung des Gastlandes zu verfolgen. Die Staffelung von Gast, Fremdling mit ausdrücklich ägyptenfreundlicher Haltung gegen Ägypter, Fremdling in negativem Sinn, Knecht im Haus oder Diensthaus, eiserner Ofen Pharaos zeigt deutliche die schrittweise Ausprägung der Hyperbeln.

Die Beschreibung der Eigentümlichkeiten Ägyptens - gute wie schlechte - stellten sich als Klischees heraus, die formel- und sentenzenähnlich verwendet werden und auf Bildschablonen beruhen. Diese literarischen Bilder haben keinen Anhaltspunkt in der Realität, so ist es ein Unding, daß die Juden wirklich im Hause Pharaos gewesen sind, daß es einen Eisenofen überhaupt gab usw. Solche Appositionen zeigen eine geringe Kenntnis des Landes und seiner Verhältnisse und kommen über Pauschalen nicht hinaus.
 
5. Prophezeiungen über Ägypten
 
Prophezeiungen gegen Pharao und gegen das Land Ägypten sind teils ganz allgemein formuliert, so daß sie auf jedes andere Land auch passen könnten, teils aber mit spezifischem Lokalkolorit versehen und dem Zeitgeist angepaßt, d.h. an politische Ereignisse geknüpft oder an politischen Wunschvorstellungen orientiert. Auch der prophetische Topos ‘schlimme Gegenwart - selige Zukunft’ wird als gängige literarische Form übernommen und auf Ägpten überragen.

So gibt es politische Voraussagen von Jesaja ‘wider Ägypten’ Jes 19, 1 - 20, 1; ‘wider die, die sich nach Ägypten flüchteten’ Jes 30, 1 - 9. Jeremia verkündet ebenfalls eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Jer 46, 1 - 26. Zu gleicher Zeit gibt Hesekiel eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Hes 29, 1 - 30, 32.
Außerdem enthalten die Prophetenbücher Stellen, die man gar nicht als prophetisch charakterisieren würde, so die Warnung vor der Flucht nach Ägypten oder das Siegeslied über die ägyptische Niederlage bei Karkemisch Jer 46, 1 - 12.

Interessant sind die poetisch gestalteten Wunschbilder. Sie gehen davon aus, daß Nebukadnezar nicht nur Jerusalem und Tyrus angreift, sondern auch das treulose Ägypten erobert, wohin trotz eindringlicher Warnung viele Juden geflohen waren Hes 29, 17. Diese Wunschprophetien gehen nicht in Erfüllung, sie sind auch nur bei Jeremias und Hesekiel erhalten ( Hes 29, 17f zitiert sogar als Anlaß die Belagerung von Tyros, vgl. Hes 30, 1 - 19 + 20 - 25). Ein Kapitel gibt sogar vor, das Geschehen sei schon vollendet Jer 46, 13f.

Ein Abschnitt in Hesekiel setzt das gewünschte Ereignis in Verbindung zu der mythischen Auseinandersetzung mit dem Urdrachen, der hier als Symbol für Pharao verwendet wird:

Mache eine Wehklage über Pharao, den König von Ägypten, und sprich zu ihm: Du bist gleich wie ein Löwe unter den Heiden und wie ein Meerdrache,
und springst in deinen Strömen und rührst das Wasser auf mit deinen
Füßen und machst seine Flüsse trüb Hes 32, 1f
Zwei Stellen schildern das schlimme Geschick Assyriens im Gleichnis vom Zedernbaum:
Wie groß, meinst du, Pharao, daß du seist in deiner Pracht und Herrlichkeit unter den Oasenbäumen? Denn du mußt mit den Oasenbäumen unter die Erde hinabfahren... Hes 31, 18

Der geschichtliche Hintergrund dieser Prophetie kann nicht näher eingegrenzt werden: ob die Vernichtung Assurs durch Babylon gemeint ist oder - umfassender - die Eroberung Vorderasiens durch die Perser, kann man nicht bestimmen (vgl. Hes 32, 17 - 32). Die Geschichte des Vorderen Orients spiegelt sich in Hes 32, 31 wieder: der Untergang vieler Völker der damaligen Welt wird zugleich geschildert: Assur, Elam, Südkleinasien, „Fürsten der Mitternacht“, Edom und Sidon werden mit dem Schicksal Ägyptens verbunden. Damit ist der Siegeszug der Perser im Vorderen Orient gemeint, der mit der Eroberung Ägyptens seinen Abschluß findet.

Einen konkreten Anlaß hat das schon erwähnte Siegeslied gegen Pharao Necho. Es ist ein psalmenartiger Hymnus, die indirekte Bestätigung für die Fremdherrschaft der Ägypter in Palästina und Syrien bietet, sonst wäre solch ein Sieg über die Ägypter wohl kaum so überschwenglich gefeiert worden. Es ist in diesem Sinn ein Stück Widerstandsliteratur Jer 46, 1 - 12.Eigentümlich bleibt, daß in diesem Zusammenhang das bedeutungslose Gilead im Ostjordanland extra genannt wird Jer 46, 11.

Andere Prophetenstellen warnen vor einer Flucht nach Ägypten oder vor der Selbsttäuschung, daß Ägypten gegen die assyrischen oder babylonischen Heere Hilfstruppen senden würden, was aber in einzelnen Fällen wohl tatsächlich geschehen ist. Es sind Propagandapredigten, die den Durchhaltewillen des Volkes stärken und alles Böse auf die Feinde herabbeschwören sollen. Dabei werden offenbar die fremden Eroberer nicht als ganz so schlimm angesehen wie die Treulosigkeit und der Verrat der Ägypter.
Solche Texte sind in gehobener Prosa Jer 31, 1 - 5 oder in poetischer Form erhalten Jes 30 , 1- 9. Auch die Mythologie vom Urweltdrachen wird aufgegriffen Hes 29, 1f, aber seine Zähmung löst keine kosmische Katastrophe aus, und sie gelingt mit einem Zügel im Maul. An dieser Stelle spricht die Prophezeiung sogar von mythischen 40 Jahren, in denen es keine Menschen und kein Vieh in Ägypten geben soll Hes 29, 11 - 13.

Nur einen Abschnitt kann man in den Propheten-Schriften finden, der eine Prophetie im eigentlichen Sinne enthält. Darin wird der derzeit schlimme Zustand des Landes ausführlich geschildert und das Ende dieser Schreckenszeit als Epoche des Segens ausgemalt Jes 19, 1 - 25. Sie ist an historischen Gegebenheiten orientiert: historisch ist darin ist die Erwähnung jüdischer Gemeinden in Ägypten - die „fünf“ Städte sind mythisches Detail - und die Nachricht über einenTempelkult in Assuan und später in Leontopolis .
 
6. Die ägyptischen Länder- und Ortsnamen
 
Trotz ständiger und häufger Kontakte zwischen Israel und der Großmacht Ägypten findet man wenig Namen für Ortschaften und Länderbezeichnungen Ägyptens im Alten Testament. Sie treten an zwei Stellen gehäuft auf: beim Exodus und bei den Propheten. Bezeichnungen von Völkerschaften dagegen, die mit Ägypten in Zusammenhang gebracht werden, sind selten, sogar der Name für Ägypten ist nicht ganz eindeutig.

Die Lage der Länder des Südens und der darin wohnenden Völker ist im Hebräischen ähnlich verschwommen angegeben wie die der „mitternächtigen Länder“. Südlich von Ägypten liegt Kusch, der ägyptische Name für Nubien, in den Versionen mit „Äthiopien“ übersetzt Jes 11, 11; 18, 1; Nah 3, 3, Ps 67, 32. Seine Bewohner heißen Kuschiten 2. Chr 12, 2, Im gleichen Atemzug sind die sog, Troglodyten „Höhlenbewohner“ genannt, deren hebräischer Name aus sukkoth gebildet ist Ex 12, 37; Lev 33, 3 - 5. Demzufolge wäre die angebliche Lage der Stadt Sukkoth des Exodus eine ’Stelle, wo die Höhlenbewohner leben’ und fiele aus den Ortsnamenslisten heraus; die Identifizierung mit der altägyptischen Stadt Tkw ist damit überflüssig .
Zu den Südvölkern rechnen auch die Libyer 2. Chr. 12, 2 und das rätselhafte Land Put , das in den Versionen mit „Libyen“ übersetzt wird Gen 10, 8; 1. Chr 1, 18; Nah 3, 9. Dieses Put hängt mit äg. wHA.t kopt. pwahe „Oasengebiet“ zusammen. Das in Hesekiel 30, 5 genannte Chub ist ein Schreibfehler für Nub, dem Land „Nubien“.

Die Bezeichnung für Ägypten ist hebr. Mizrajim Jer 46, 17 oder ‘Land Mizrajim’ Ps 77, 12 und steht im Dual. Das kann „zwei Mizr“ heißen und auf beide Landesteile Ägyptens bezogen sein, die traditionell als Unter- und Oberägypten getrennt wurden, so eine der herkömmlichen Interpretationen. Es muß aber anders gedeutet werden: Der Name Mizr geht auf das altägyptische Wort mDr „umwallen, umschließen“ zurück , als Substantiv jmDr „Schutzwall“ . Beides sind Denominativbildungen von äg. Drw „Grenze“.

Der Dual Mizrajim bezieht sich auf den „Doppelten Grenzwall“ im äußersten Osten Ägyptens, es sind die sog. Herrschermauern , die gegen die Einfälle östlicher Beduinen seit dem Mittleren Reich errichtet wurden und schon seit dem Alten Reich die Grenze Asiens schützten. Das hebr. Wort. mazôr „Festung“ scheint auch davon abgeleitet, ebenso das assyr. muzru „Grenzland“.

Außerdem gibt es zwei umschreibende Namen für Ägypten: die hebräische Bezeichnung Rahab „Übermütiger, Stolzer, Starker“ wird allein gebraucht Ps 89, 11 oder in Zusammenhang mit Mizrajim Jes 30, 7; als geographisches Paar Rahab - Babel kommt es in Ps 87, 4 vor. Das Rahab wird auch in der poetischen Umschreibung tanîn für 

Ägypten in Beziehung gestellt:

Bist du es nicht, der die Stolzen (rahab) zerhauen und den Drachen (tanîn) verwundet hat? Jes 51, 9
Das hebräische Wort tanîn bedeutet eigentlich „ein langes Wassertier“, wobei Vorstellungen von der altägyptischen Apophis-Schlange sicher eine Rolle spielen, da sie im Meer lebt Jes 27, 1. Als ‘Großer Drache’ wird Ägypten in Hes 29, 3 und 32, 2 bezeichnet, ebenso in Ps 74, 13 f
Als poetische Bezeichnung kommt das „Land des Ham“ vor, Ps 104, 23; Gen 10, 6, in dem sich der ägyptische name km.t „das schwarze Land“ widerspiegelt.
Der Nil wird einfach „der Strom“ genannt hes 29, 3, die literarische Bezeichnung ist Sihor/Schihor Gen 41,1; Jer 2, 18; 1. Chr 13, 8, herkömmlich als „Trübes, Schmutziges“ aufgefasst. Das Wort geht jedoch auf altägyptisch S - Hrw „Horussee“ zurück.

Varianten übersetzen das Wort als „Fluß, viel Wasser“ oder einfach mit „Nil“. Gemeint ist aber der pelusische Nilarm. Die alttestamentliche Unterscheidung zwischen Nil und diesem Arm ist besonders auffallend Jes 23, 3.

Ein Sonderproblem bildet die Stelle Gen 2, 11 - 13, wo zwei verschiedene Bezeichnungen für den Nil genannt sind: Gihon und Pison . Gihon durchfließt das nubische Land Kusch, Pison durchquert das Goldland Hawila, in dem „gutes Gold“ und Edelsteine gefunden werden. Mit Recht lokalisiert YAHUDA dieses Land Hawila in die Wüstenregion, die sich zwischen dem oberägyptischen Nil und dem Roten Meer erstreckt, aber ihm fehlt der schlüssige Beweis. Er liegt im Namen Hwr.t , der Geiergöttin von Elkab, die schon in der Pyramidenzeit so bezeichnet wird .
Die ägyptischen Landschaftsbezeichnungen im Alten Testament sind schwierig, sie sollten eigentlich in Ägyptisch vorkommen, aber ihre Identifikation stößt auf Probleme. Die Versionen der Septuaginta und der Vulgata geben keinen Aufschluß, selbst die einheimisch - koptischen Versionen sind an manchen Stellen nicht klar. Daraus muß man schließen, daß die Schreiber der Bibeltexte tatsächlich nicht mehr wußten, welche Gegend oder welche Stadt gemeint sein könnte.

Offensichtlich gilt das für die Lage der Landschaft Gosen/Gesem, einmal als Wohnort in Ägypten belegt Gen 45, 10; 46, 28 u.o. ein anderes mal als Südgebiet im nördlichen Sinai v o r der ägyptischen Grenze bei Qadesch barnea und Gaza Jos 10, 41; 11, 8. Hier setzen einige Versionen sogar eine Erläuterung dazu „in Gesem/Land Gesem von Arabien, in Gesem im Lande Arabien“. Es stützt die Lokalisierung des Josuatextes und deutet an, daß der Landstrich etwa bei dem heutigen El-Arisch zu suchen ist. Dem gegenüber haben koptische Manuskripte das Beiwort ‘Arabien’ als Namen des östlichsten, ägyptischen Gaues aufgefaßt und gaben ihm den Namen der Gauhauptstadt Heroonpolis (sahidisch), bzw. Pithôm, die Stadt im Lande Ramesse (bohairisch). Man kann das hebräisch-griechische gesem auf das altägyptische
gsm „Gewässer im Delta, das Wellen schlägt“ zurückführen , was den Sirbonissee bezeichnet, und diese Deutung nähert sich der Auffassung des Josuatextes.
Andere Landschaftsnamen lassen sich noch schwieriger zu identifizieren: „das Feld oder die Ebene von Zoan“ Ps 77, 12 und „das Land Ramesse“ Gen 47, 11 sind an Ortsnamen festgemacht, letzteres wird mit Gesem vertauscht. Die Septuaginta weist hier „Heroonpolis im Lande Ramesses“ auf und folgt der Methode, beliebig die östlichste Stadt Ägyptens zu nennen.

Ein Rätsel muß der Landstrich Pihachiroth bleiben, obwohl er reichlich unklar, aber mit vielen Worten lokalisiert wird „zwischen Migdol und dem Meer, gegen Baal - Zephon, und daselbst dem Meer gegenüber“ Ex 14, 2. Diese Station des Auszuges ist immer mit der ebenfalls unklaren Ortschaft Baal-Zephon / Beel-Zepphôn verbunden Ex 14, 9; Num 33, 7. Die Bedeutung des Ortsnamens als ‘Baal des Nordens’ ist ebenso vage wie die genaue Herleitung des Wortes hachiroth, so muß der Name wegen des ägyptischen Artikels pi- isoliert werden . Vielleicht ist damit eine ägyptische Nebenform des Ortsnamens Pelusium gemeint.

Als Name für Oberägypten kommt Pathurês / Pathurôs / Pathros vor Hes 23, 14; 30, 14; Jes 11, 11. Es geht auf altägyptisch pA tA rsj „das südliche Land“ zurück. In dieser Verbindung gibt es das Wort im Ägyptischen nicht und muß eine ganz späte Bildung sein, vermutlich ist es aus dem Assyrischen paturisi eingebürgert, das auf eine volkstümlich ‘falsche’ Lesung des gebräuchlichen tA Sma basiert.

Die biblischen Städtenamen Ägyptens sind weder eindeutig zu lokalisieren noch klarer zu bestimmen. Ihre Identifizierung hängt von der genauen Lesung ab, die gerade bei den Städtenamen Ägyptens stark schwankt. Deutlich ist die Mühe der Schriftsteller, Paare von Städten zu bilden und sie gemeinsam zu nennen, teils gelten die Paare wegen ihrer Nachbarschaft als zusammengehörig, z.B. On - Bubastis, Pithom - Rames, teils sind es Bildungen nach dem Schema „nördlichste - südlichste Stadt“. Selten werden Städte ohne Partner genannt und möglicherweise ist dort der hebräische Text gestört. Schon die Versionen haben dieses System nicht mehr durchschaut, sie identifizieren willkürlich die hebräischen Namen der Vorlage mit bekannten Ortschaften Ägyptens.

Ein solches Paar ist Migdol - Syene Hes 29, 10; 30, 6, weiter gefaßt „bis gen Syene und bis an die Grenze von Kusch“ Hes 29, 10. Damit ist Assuan und Migdol bei Pelusium - heutiges Tell el- Herr gemeint. Der Ort Migdol - Magdôl - Magdalum, eigtl.. „Turm“ kommt auch allein vor Ex 14, 2. In den Versionen wird einmal tatsächlich der Ausdruck als „Turm von Syene“ übersetzt.

Daneben gibt es das nachbarschaftliche Paar Migdol - Baal Zephon Ex 14, 2 + 9; Num 33, 7 und zwei weitere Paare Migdol - Noph Jer 46, 14 oder ausführlicher „Migdol / Thachpanhas - Noph / Pathros“ Jer 44, 1. Das setzt voraus, daß Thachpanhes im Norden bei Migdol, Noph aber im Süden, in „Oberägypten“ liegen muß. Damit fällt aber die bisherige Identifizierung Noph = Memphis . Noph muß hier als „Theben“ gedeutet werden. Auch das Paar Thachpanhes - Noph Jer 2, 16; 46, 14 zeigt diese Lokalisierung von Noph in Oberägypten.Die Stadt Thachpanhes kommt auch allein vor Hes 30, 18 und wird sogar näher beschrieben Jer 43, 7f. In den Versionen ist sie mit Taphnis / Taphnas / Taphnis umschrieben, es ist das ägyptische Daphnae, heute Tell Defenneh am Südufer des Menzale-Sees.

Als drittes Paar gibt es Zoan - Noph Jes 19, 13, Zoan - No Hes 30, 14 und einmal Zoan - Hanes Jes 30, 4. Die Bezeichnung Zoan entspricht dem ägyptischen Stadtnamen Dan.t „Tanis“, heute San el-hagar. Die Stadt No ist mit Noph identisch, geht auf ägyptisch njw.t „Stadt“ zurück und bedeutet „Theben“. Die Stadt Hanês ist die hebräische Variante von Ehnas in Mittelägypten, jetzt Ehnasija el.-medinah. Die assyrische Namensform hininshi etwa 640 v. Chr. belegt, zeigt die ältere Aussprache des altägyptischen Hw.t - nnw - nj.sw.t , die noch nicht unter Tondruck verkürzt und verstümmelt worden ist. Im hebräischen Hanês und im koptischen Hnês fehlt beides Mal das unter Tondruck geschwundenen.

Zoan kommt auch allein vor Jes 19, 11, dient zur Bezeichnung einer Region „Feld Zoan“ Ps 78, 12, „Land Zoan“ Ps 78, 43 und soll einer Glosse zufolge sieben Jahre jünger sein als Hebron Num 13, 22.

Schwierigkeiten macht das Paar Sin - No Hes 30, 15 oder Sin - No / Noph Hes 30, 16. Hier haben die Versionen sämtlich geraten. Der vollständige Name der Stadt ist „Sin, die Festung Ägyptens“ und geht auf altägyptisch snw „Pelusium“ zurück. Gegen diese Deutung spricht das Vorkommen einer „Wüste Sin“ Ex 16, 1; Num 33, 11 - 12, die nicht nur die Gegend um Pelusium, sondern den ganzen nördlichen Sinai bezeichnet, vgl. Gesem. Die Übersetzer deuten den Namen Sin als Sain („Stadt Sais“), Tanin („Stadt Tanis“) und Syene, lateinisch dagegen korrekt als „Pelusium, die Stärke Ägyptens“. Die parallele Nennung von No und Noph fällt auf, offenbar ist in Hes 30, 16 damit wohl Ost- und Westtheben gemeint. An einer Stelle wird der Hauptgott von Theben als „der Amon von No“ genannt Jer 46, 25. Das ist auch als Zusammensetzung No-Amon „Stadt des Amon“ belegt Nah 3, 8. Freilich ist an dieser Stelle damit nicht Theben, sondern Alexandria gemeint, denn No-Amon „lag an den Wassern und hatte ringsherum Wasser, und ihre Mauern und ihre Festung war das Meer“. Entsprechend übersetzt die Vulgata „Alexandria, Hügel von Alexadnria“. Die Septuaginta hat die Deutung Diospolis, aber auch seltsame Varianten wie „Amôn, die Bewohnte“, die Kurzform Ammôn und die Form Armôn, die ihrerseits auf Hermonthis / Armant weist, das südlich von Theben gelegen ist. Während die Nahum-Stelle tatsächlich nur auf Alexandria zutrifft, ist in allen Versionen dafür Theben in Oberägypten eingesetzt, nur einmal wird „Memphis“ erwähnt.

Ähnliche Schwierigkeiten bereitet den Versionen der Name Noph, der allein vorkommt Jer 46, 19; Hes 20, 13 und in den Paaren Migdol - Noph, Thachpanhes - Noph, Zoan - Noph und Sin - Noph. Die Versionen übersetzen beliebig Memphis, Alexandria und Tanis, daneben sogar das richtige Diospolis.

Als Paar entspricht On - Bubastis dem Muster „nördlichste - südlichste Stadt des Deltas“ Hes 30, 17. Bubastis kommt nur hier vor und entspricht dem ägyptischen pr - bAst.t. Die Stadt On wird auch allein genannt Jer 41, 45 + 50; 46, 20 und wird in den Versionen mit Heliopolis übersetzt. Einmal wird der Ort auch als Beth - Semes „Sonnentempel“ umschrieben Jer 43, 13, arab. ‘ajn shams „Sonnenauge, Sonnenquelle“. In der Septuaginta ist diese Stadt als Bubastis interpretiert.

Als Paar gilt auch Pithom - Ramses, die beiden Fronstädte der Juden. Sie sind nur in dieser Koppelung belegt Ex 1, 11. Die Stadt Pithom ist das ägyptische pr - jtm heute Tell Artabi. Weniger sicher ist Ramses zu lokalisieren, es kommt so in ägyptischen Belegen nicht vor. Seine Bildung ist unägyptisch, denn es fehlt die Apposition „Haus des ..., Tempel des ..., Palast des...“ Die Einzelheit, daß die Juden Pithom - Ramses „zu Vorratshäusern ausbauen mußten“, hilft hier auch nicht weiter.

Als weiteres Paar ist Raemses - Sukkoth genannt Ex 12, 37; Num 33, 5, dabei ist Sukkoth ja eigentlich keine Stadt sondern ein Landstrich. Auch Raemses findet sich als regionale Bezeichnung „Land Raemses“ Gen 47, 11; Num 33, 3, in der Septuaginta wird dieses Ensemble als „Heroonpolis im Lande Ramses“ gedeutet.

Isoliert steht der Name ‘It - heres als Stadtname, in der ein Altar Jahwes errichtet werden soll und die eine von den fünf Städten Ägyptens ist, in denen Hebräisch gesprochen wird Jes 19,. 18. Der Name ‘It-heres ist so ausgefallen, daß sich die Versionen damit schwer tun. „Stadt der Sonne“ wechselt mit „Stadt Asadek“, „Stadt Ased der Sonne“, oder „Sonnenstadt“. Alle Namen passen aber weder für Leontopolis, noch für Elephantine, wo nachweislich jüdische Tempel gestanden haben und es somit einen Altar für Jahwe gab. Welche Stadt im Jesaias-Text gemeint ist, muß als hapax legomenon offen bleiben Flavius JOSEPHUS hat den Vorrat an phantasievollen Ortsangaben um ein paar Bezeichnungen erweitert: Jakob und Joseph treffen sich bei Heroopolis (ant. 2, 7, 3). Der Exodus geht von Heliopolis (2, 8, 6) über Letopolis / Latopolis, ein Ort, der damals verwüstet war, wo aber später nach der Eroberung Ägyptens durch Kambyses die Stadt Babylon erbaut wurde (2, 15, 1) nach Baal-Sephon am Roten Meer. Hinzu kommt ein Krieg der Äthiopen in Memphis bis zum Meer (2, 10, 1) und ein Sieg in der Stadt Saba, die später Kambyses nach seiner Schwester Meroe genannt haben soll (2, 10, 2). Letopolis liegt allerdings auf dem Westufer nördlich des heutigen Gizeh und damit jenseits von Heliopolis und hat mit Kambyses gar nichts zu tun, es ist auch nicht mit Babylon, dem heutigen Tura, identisch; Latopolis liegt in Oberägypten , und Saba schließlich ist ein mythischer Name und hat mit Meroe nichts zu tun.

Die Untersuchung ägyptischer Ortsnamen im Alten Testament hat ergeben, daß nur typologische Ortschaften genannt sind, „literarische“ Paare wegen der Nachbarschaft oder wegen ihrer extremen Lage , kaum tatsächlich existierende Orte. Die Landschaftsbezeichungen sind ebenso ungenau, teils aus Ortsnamen gebildet. Namensvarianten sind häufig, willkürlich sind die Interpretationen späterer Übersetzer. Aus typologischen Gründen sind auch relativ unbedeutsame Orte in den Bibeltext aufgenommen wie die Stadt Daphnae, allein wegen ihrer Nachbarschaft zu Migdol und Tanis.

Die geringe Kenntnis von Ortschaften in Mittel- und Oberägypten ist ebenso bemerkenswert wie das Vorkommen von Alexandria in einem Prophetenbuch, das bislang sehr viel früher angesetzt worden ist. Hinzu treten auch chronologische Schwächen, z. B. das Gründungsdatum von Hebron und Tanis oder die Erwähnung eines Ramses-Feldes zur Zeit Josephs, obwohl zwischen Einzug und Auszug der Juden laut biblisch-interner Tradition mindestens ein Jahrhundert vergangen ist.
 
7. Die ägyptischen Personennamen
 
Die wenigen ägyptischen Personennamen der Bibel sind durch mangelhafte und schwankende Vokalisierung ziemlich vage. Sie treten auch nur an drei Stellen auf: in der Josephsgeschichte beim Kauf und bei der Heirat des Joseph, beim Exodus und in der Königszeit. Dabei sind Namen teils doppelt verwendet oder sogar mit Ortsnamen verwechselt. Das alles zeigt wenig Authentizität. Spätere Kommentare oder Volksüberlieferungen scheinen diesen Mangel gespürt zu haben und entsprechend sind JOSEPHUS’ Altertümer mit Namen aufgefüllt, z.B. wird der Name der Königstochter überliefert, die Mose gerettet hat u. a. m. Darum sind auch die Namen Jannes un Jambres als Zauberer Pharaos bekannt ( 2. Tim 3, , sie gehen jedoch nicht auf ägyptische Vorlagen zurück: der eine ist eine Kurzform von Johannes, der andere ist ein hebräischer Ortsname, falls die Nebenform Mambrês stimmt, und ist aus Reimgründen dazugestellt 18. Auch eine ägyptische Königin wird mit dem Städtenamen Thachpanhes / Daphis benannt 1. Kg 11, 19 - 20

Sogar doppelt verwendete Namen treten auf: der Kämmerer und Hauptmann des Pharao Potiphar Gen 37, 36; 39, 1 und der Schwiegervater Josephs Priester zu On Pothipera Gen 41, 45; 46, 20. Der Name geht auf altägyptisch pA dj pA ra „der, den der Gott Re gibt“ zurück und ist in den Versionen verschieden vokalisiert: Putiphare, Petephrê, Pethphrê. Wegen des doppelten Artikels ist der Name sehr spät, das früheste Beispiel einer solchen Konstruktion - jedoch nicht dieses Namens! - ist um 950 v. Chr. zu finden.

Die Frau des Joseph heißt Aseneth / Asnath / Assenath Gen 41, 45 + 50; 46, 20. Der Name kann verschieden gedeutet werden: jw.s - Nj.t „sie gehört der Göttin Neith“ oder ns.t - Nj.t „sie ist Neith zueigen“. Auch die Verbindung ns.t –nTr „sie ist Gott zueigen“ ist denkbar. Auch dieser Name ist in seiner grammatischen Bildung nach sehr spät.

Der Name Mose Ex 2,10 u.a. ist als Kurzform eines altägyptischen Namens „Kind des..., geboren von ...“ häufig, in der Regel mit einem Götternamen wie Ahmose, Ramose, Thutmose. Die im Alten Testament überlieferte Namensdeutung ist hebräische Volksetymologie „ich habe (ihn) aus dem Wasser gezogen“ Ex 2, 10. Varianten geben 

Môysês, Môusês. JOSEPHUS gibt eine andere, volksetymologische Deutung:

Die Ägypter nennen Wasser mô, und diejenigen, die daraus errettet sind, usês
JOSEPHUS hat zumindestens teilweise recht: mô geht auf mw „Wasser“ zurück, unterägyptisch môu, und das usês ist Qualitativ wDA.w „gerettet“, aber koptisch nicht mehr belegt.

Auch die Namen der ägyptischen Hebammen sind typisch ägyptisch. Siphra, lat. Sephora, griech. Sepphôra geht auf altägyptisches sA.t pA ra „Tochter des Sonnengott Re“ zurück Ex 1,15; vgl. Joseph, ant. 2, 9, 2. Möglicherweise gilt diese Deutung auch für Zipporah, der midianitischen Frau des Mose Ex 2, 21 u. o. Der andere Name Pua, lateinisch-griechisch Phua ist pA waj „der Einzige“ . Somit wurde also ein männlicher Vorname für die Hebamme verwendet.
Der Name Bithja für die Pharaonentochter ist nichts anderes als der ägyptische Königstitel bjtj „König von Unterägypten“ 1. Chr 4, 17
Einige biblische Namen sind in anderen Zusammenhängen erwähnt, sie sind dennoch ägyptischen Ursprungs, so zwei Bezeichnungen für Ausländer: Pinehas geht auf pA nHsj „der Neger“ zurück und isf häufig belegt Ex 6, 25 u.o. Pichol geht auf pA xArw „der Syrer“ zurück Gen 21, 22, ebenso Hur, der von ägyptisch Hrw „Gott Horus“ stammt Ex 17, 10 u.a.

Die geringe Anzahl von Personennamen ist nicht aussagekräftig: ein Name erscheint doppelt, ein Name ist als Ortsbezeichnung besser belegt, Frauennamen entpuppen sich als Männernamen, einer davon ist eigentlich ein Königstitel. Die Bekanntschaft mit dem Ägyptischen ist also oberflächlich und nicht tiefgreifend.

Das erkennt man auch an dem ägyptischen Titel des Joseph. Es ist der einzige ägyptische Tiel, den das Alte Testament im Wortlaut bringt. Funktionstitel wie Kämmerer, Schreiber, Hauptmann, Bäcker u dergl. sind Hebräisch übersetzt. Dieser Titel ist hebräisch Zaphnath pa’aneth, griechisch psomthom phanêkh , Psothom phanêkh. Er wird „Heimlicher Rat“ übersetzt, im Griechischen „Enthüller verborgener Dinge“ oder „Herr über seine Brüder und Erhalter seines Volkes“ Sir 49, 17. Im Lateinischen ist er als salvator mundi „Retter der Welt“ wiedergegeben. Die ägyptischen Entsprechungen machen aufgrund der lautlichen Unsicherheit des Namens einige Kopfzerbrechen, da. u.a. im Griechischen auch sphontomphanêkh belegt ist:

STEINDORFF: Dd pA nTr jw.f anx, verkürzt zu *D p nt f anx
KRALL: Dd mnTw jw.f anx
YAHUDÂ DfA n tA pA anx oder DfA n tA pAj anx
HARKAVY: DfA nD pA anx
LIEBLEIN: DfA ntj pA anx
ROHL: Dd.w n.f jpw-anX

Die wahrscheinlichste Deutung ist: DfA n tA pw anxw „Die Nahrung des Landes ist der Lebendige“. Namen dieser Prägung werden in der 22. Dynastie gebräuchlich und sind charakteristisch für die Spätzeit. Es gibt sie mit den Götternamen Mut, Isis, Amon aber nicht mit pA nTr „der Gott“. Vorausgesetzt, daß diese Deutung richtig ist ,scheint sich hinter dieser crux kein Personenname und kein Titel zu verstecken. Die griechische Variante könnte auch in pA stm pA anx „der Setem-Priester Pa-anch“ aufgelöst werden .

Der weitaus häufigste Titel ist der des Königs von Ägypten, Pharao, ägyptisch pr - aA „Das Große Haus“. Er wird auch an jenen Stellen verwendet, wo üblicherweise im Hebräischen „König“ stände, so im Begriff „Haus des Pharao“ Gen 12, 15 u. o. eine Wortverbindung, die auch im späten Ägyptisch vorkommt als pr - pr - aA , diese Deutung ist ersmalig bei BLUMBERG genannt .

Die ägyptischen Königsnamen der Bibel haben in der Regel gute Entsprechungen: Sîsaq, Sôsaq, lateinisch Sesac, griech. Susakim / Susak 1. Kg 11, 40; 2. Chr 12, 2 + 5 + 7 entspricht dem Ssnq Scheschank I., der auch in Megiddo eine Stele hat errichten lassen.

Der Name So ist nur einmal belegt 2. Kg 17, 43. Varianten geben lateinisch Sua, griechisch sêg:or, Sôa und Adra(melekh), er wird hypothetisch mit SAbAkA Schabako zusammengebracht. Die griechische Variante Segor läßt wiederum eher an Osorkon denken, das Adra ist ganz unverständlich.

Der Name des „Mohren Serah“ 2. Chr 14, 8 ist möglicherweise dem hebräischen Namen angelehnt z.B. Gen 26, 13f, die Varianten geben Zara, griechisch Sara. Man hält ihn für Osorkon II.

Der König Tirhaqa von Kusch 2. Kg 19, 9; Jes 37, 9 hat in den Varianten eigentümliche Verstümmelungen: lateinisch Tharaca, griechisch Tharaka, Thara, Tharatha, Tharthak. Man setzt ihn mit tAHrwq Tiharka gleich, assyrisch Tarqû Pharao Necho ist in zwei Formen im Alten Testament erhalten: Nechon 2. Chr 35, 20; 2. Kg 23, 29 und Nechô Jer 46, 2. Die Varianten geben Nechao, Nechau, griechisch Nechaô Magedô. Er wird mit nkAw Necho II. identifiziert.

Der Name des Königs Hophra Jer 44, 30 ist singulär. Varianten geben lateinisch Ephrea, griechisch Uaphrê. Es ist König Apries.

Die Namen der ägyptischen Könige stammen aus der Spätzeit, der libyschen (Schoschenk, Osorkon) und äthiopischen Fremdherrschaft (Schabako, Tiharka), alle vier Namen sind in ihrer Grundbedeutung unbekannt, da es ausländische, nicht-ägyptische Wörter sind, bemerkenswert und wichtig ist, daß nur Königsnamen genannt werden, die auch in den assyrisch-babylonischen Annalen geläufig sind. Namen aus älteren Zeiten sind nicht vorhanden. Das paßt zu den Privatnamen, die auch alle in die Spätzeit zu datieren sind und von denen einzelne Namen erst 600 v. Chr. in Gebrauch kamen.
 
 
8. Die biblischen Bezüge zu Babylon
 
Die babylonisch-assyrischen Annalen sind aber nicht die einzige Quelle gewesen, auf die sich die Schreiber des Alten Testamentes stützen konnten. Im Gegensatz zu der Verbindung mit Ägypten, die hier allein interessiert, ist die Verflechtung des Alten Testamentes mit Babylon und Assur weitaus enger. Die reichen, aussagekräftigen Verflechtungen sind schon an Königsnamen abzulesen. gegen 6 namentlich genannte Pharaonen stehen mehr als 30 babylonische, assyrische und persische Königsnamen.
Auch im Allgemeinen sind biblische Angaben über Assyrien und Babylon längst nicht so stereotyp wie die über Ägypten, die ja sogar literarische Topoi geworden sind. Statt formalisierter Ortsbezeichnungen in stilisierten Paaren und Dreierbündelung finden sich viele konkrete Landschaften, Städtenamen und Völkerbezeichnungen. Statt vager oder phantasievoller Schilderungen gibt es eindeutige Fakten und Daten. Alles das setzt natürlich eine gute Kenntnis der mesopotamischen Traditionen voraus. Sie konnte nur im Exil in Babylon erworben werden.

Die interne Chronologie der Bibel wurde mit Hilfe assyrisch-babylonischer Annalen erstellt und das in völliger Unkenntnis der ägyptischen Geschichte, sofern sie nicht in eben diesen Annalen enthalten war. Diese Hypothese läßt sich sogar erhärten: es werden nur Pharaonen genannt, die direkt oder indirekt - in später Zeit! - mit Babylonien und Assyrien zu tun hatten und dementsprechend auch in den Keilschriftberichten vorkommen, und dieses ist ausgerechnet nur am Anfang und am Ende der Geschichte der Königreiche Israel und Juda der Fall. Chronologisch setzt also die biblische Geschichtsschreibung erst dann ein, als die ägyptische Herrschaft seit mehr als zwei Jahrhunderten in Palästina erloschen war.

Alles Geschehen davor mußte man mühevoll und angestrengt mit Geschlechtsregistern und Stammestraditionen füllen, die sich um diesen kleinen historischen Kern ranken. Hierbei spielt der Zwang zur Systematisierung eine wichtige Rolle 3 Patriarchen, 6 Noah-Söhne, 12 Stämme, ja sogar 3 Erdteile. Das ist typisches Kennzeichen des Hellenismus. Die Vorstellung von „Europa als Erdteil“ ist im gesamten Orient nicht zu finden, dazu vgl. die Dreiteilung bei HERODOT
Nicht nur die Chronologie, auch Mythen, Sagen, Epen, mancherlei literarische Stoffe und Motive, auch viele Wörter und Redewendungen sind aus dem mesopotamischen Kulturkreis übernomen und in die Bibel eingegliedert worden. Ich will darauf nicht näher eingehen und möchte dem einstigen Babel - Bibel - Streit kein weiteres Futter zuführen.

In unserem Zusammenhang ist die Verschränkung von ägyptischen und keilischriftlichen Materialien interesant: so ist die Mythe von der Sintlflut tatsächlich nach babylonischen Vorbildern entstanden, auch die Welterschaffung ist dort episch vorgebildet. Aber gerade an diesen Stellen weist der Pentateuch auch Überarbeitungen und Erweiterungen auf, die aus der ägyptischen Mythologie besser erklärbar sind.

Auch die Kombination der Mosegeschichte = ägyptische Sinuhe-Geschichte + babylonische Legende von Sargons Kindheit zeigt, daß beide Kulturkreise gleichermaßen beteiligt waren, den Berichten des Alten Testamentes als Quelle zu dienen. Dieses freilich kann erst sehr spät erfolgt sein, als beide Traditionsströme zusammengetragen werden konnten. Es war allerfrühestens nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft möglich.
 


Auszug von Dr. W. Kosack

Drucke diesen Beitrag

  Ägypten und die Chronologie des Alten Testamentes
Geschrieben von: Eik - 18.02.2017, 11:57 - Forum: Das alte Ägypten - Keine Antworten

Ägypten und die Chronologie des Alten Testamentes
 
1. Allgemeines
2. Die interne Geschichtsschreibung des Alten Testamentes
3. Die ältere Chronologie des Bibeltextes
4. Die historischen Quellen Ägyptens
5. Die biblische Chronologie in der Antike und der neueren Geschichtsschreibung
 
Zusammenfassung

Die chronologischen Details des Alten Testamentes mager und dürftig. Die biblischen Daten sind erst nachträglich erstellt worden. Es fällt auf, daß die interne Geschichtsschreibung der biblischen Bücher unbestimmt und verschwommen wird, sobald man über die Zeit der Reichsteilung zurückgeht. Auch die Königszeit ist nur zu Beginn und am Ende genauer dokumentiert; die dort genannten Pharaonennamen sind relativ spät. Die großen Ereignisse der Patriarchenzeit spielen bei anonymen Pharaonen. Das verwundert umso mehr, wenn selbst Königsnamen von phönizischen Stadtfürsten erhalten sind. Außerdem kommen mehr als 30 Namen assyrischer und babylonischer Herrscher im Alten Testament vor.

Alle Traditionen des Alten Testamentes vor 850 v. Chr. sind also Fiktionen oder mündliche Stammesüberlieferungen, die kaum nachprüfbar sind. Zeitgenossen der Israeliten in Palästina: (Philister, Kanaaniter, Moabiter, Edomiter, Syrer und Phönizier) haben kaum schriftliche Quellen hinterlassen und berichten weder direkt noch indirekt von der israelitischen Landnahme. Nicht einmal archäologische Grabungsergebnisse stimmen mit den in der Bibel geschilderten Ereignissen der Landnahme überein: dort als besiedelt genannte Städte waren bereits seit Jahrhunderten zerstört und verlassen
Ägyptischen Zeugnisse sind wesentlich älter als sämtliche bisher ermittelten Quellen der Bibel und datieren aus der Zeit, als Ägypten Kolonialmacht über das Land Kanaan war. Ägyptische Texte deuten darauf hin, daß das Volk Israel und die Jahwe-Beduinen überhaupt keine Bedeutung besessen haben oder gar eine Sonderstellung einnahmen. Ägyptische Zeugnisse haben die einzigen, direkten Erwähnungen von Jahwe und Israel in historisch-ägyptischer Zeit.
Sehr schwerfällig mußte sich die Geschichtsschreibung des Alten Orients von der Vorherrschaft der Bibel befreien. Das Alte Testament galt ja lange Zeit als das älteste Buch der Welt, wie ja auch Hebräisch als die älteste Sprache der Menschheit.

Für die wissenschaftlilche Geschichtsschreibung erwies sich die Bibel als Hemmschuh. Es hat sehr viel Mühe, Fleiß und Bekennermut gekostet, die Geschichte des Vorderen Orients von der Vorherrschaft des Alten Testamentes zu befreien und eine eigene, den Quellen und Denkmälern angepaßte und stimmige Geschichte zu entwickeln.
Es ist erstaunlich, daß selbst in heutiger Zeit immer noch „biblische Chronologie“ im Vordergrund steht und daß die Ergebnisse der Ägyptologie wie der Assyriologie noch immer daran gemessen werden, in wieweit sie biblische Fakten und Erzählungen bestätigen können. Das hat besonders für die Archäologie Palästinas erhebliche Folgen, da man in jedem ausgegrabenen Schutthügel israelitische Reste vermutete und suchte. So werden sogar noch in jüngster Zeit archäologisch gesicherte Stratigraphien hemmungslos nach oben oder nach unten gezerrt und falsch datiert, bloß um den Berichten des Alten Testamentes Genüge zu tun. Selbst unbestrittene Textentlehnungen interpretiert man kunstvoll weg, weil sie die „Einzigartigkeit des Alten Testamentes“ in Frage stellen.
 
 
 
 
 
1. Allgemeines
 
Die Chronologie des Alten Testamentes ist besonders für die frühe Zeit ausnehmend vage. In guter alter Stammestradition orientalischer Nomaden wird die Stammesgeschichte aus mündlichen Überlieferungen geschöpft und das (relative) Alter der Begebenheiten anhand von Geschlechtsregistern errechnet. Deutliche Jahresangaben sind selten und darüber hinaus meist mythisch verbrämt (sieben, zwölf, siebzig, vierhundert u. dergl.). Umso mehr überrascht eine Angabe mit vortäuschender Genauigkeit, wie Hebron aber war sieben Jahre gebaut vor Zoan in Ägypten Num 13, 22
Im Text ist dieses Zitat nicht notwendig, es hat vermutlich als Glosse Eingang in das betreffende Kapitel gefunden. Eigentümlich ist, daß die Aufenthaltsdauer Israels in Ägypten nicht kanonisch wurde (wie etwa die literarischen Formeln darüber), sondern unterschiedlichste Angaben gemacht werden, wobei auch hebräische und griechische Versionen von einander abweichen:

90 Jahre: „drei Generationen von Jakobs Söhnen bis Mose“ Jes 15, 16
120 Jahre: „vier Generationen“ Ex 8, 13f
215 Jahre Ex 12, 40 (griech.) Joseph. ant. 2, 15, 2
400 Jahre Gen 15, 3, Joseph. ant. 2, 9, 1
430 Jahre Ex 12, 40 (hebr.) Joseph. ant. 2, 15, 2
440 Jahre 1. Kg 6, 1 (griech.)
480 Jahre 1. Kg 6, 1 (hebr.)

Ein Datengerüst läßt sich aus diesen Zahlen nicht gewinnen, auch die ‘relative’ Chronologie versagt.
Erst zur Zeit Jerobeams, des ersten Königs des Nordreiches Israel wird ein ägyptischer König erwähnt (1.Kg 11. 40), sogar mit Jahresangabe:
Aber im fünften Jahr des Königs Jerobeam zog herauf Sisak, der König in Ägypten, wider Jerusalem 1. Kg 14, 20: 2. Chr. 12, 2
Ein anderer ägyptischer König ist zeitgleich mit Hosea ( 2. Kg 17,4), ein dritter mit dem letzten König Judas (2. Kg 19,9; Jes 37., 9). Jeremias enthält eine interessante, chronologische Angabe:

Wider das Heer Pharao Nechos, des Königs von Ägypten, welches lag am Wasser Euphrat zu Karkemisch, das der König zu Babel, Nebukadnezar, schlug im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes des Josias, des Königs von Juda. Jer 46, 2; ohne Datum 2. Chr. 35, 20
Es fällt auf, daß nur zu Beginn und am Schluß der Königszeit solche chronologischen Einzelheiten zu finden sind:
Salomo Schoschenk I. 945 - 924 v. Chr.
Jerobeam desgl.
Asa Sarah, der Mohr (Osorkon II.) 924 - 888 v.Chr.
Hosea So (Schabako) 716 - 695 v. Chr.
Hiskia Tiharka 689 - 664 v. Chr.
Josia Necho 610 - 595 v. Chr. 1
Joahas desgl
 
Jojakim desgl. Zedekia Hophra (Apries) 589 - 570 v. Chr.

Im übrigen sind die chronologischen Details mager und dürftig. Das läßt den Schluß zu, daß zu Beginn und am Ende der Geschichte der Königreiche eine Stützung des zeitlichen Gerüstes nötig war, weil sonst die Regierungszeiten der jüdischen Königreiche ins Schwimmen geraten wären, da die Daten erst nachträglich erstellt worden sind. Wesentlich günstiger sieht die Chronologie babylonisch-assyrischer Könige aus.
 
2. Die interne Geschichtsschreibung des Alten Testamentes
 
Neben der auf Daten fußenden Chronologie gibt es im Text des Alten Testamentes interne Querverbindungen ohne Datenangaben.
- Abraham hatte mit Pharao Kontakt Gen 12, 10 - 13, 10. Er besaß auch eine ägyptische Dienerin Gen 16, 1; 21, 9
- Ismael wurde von einer Magd aus Ägypten geboren Gen 21, 21
- Isaak erhält ausdrücklich den Befehl, bei einer Teuerung nicht nach Ägypten zu ziehen Gen 26,. 2
- Jakob zieht mit allen seinen Söhnen nach Ägypten Gen 37 ff; Apg 7, 12 Diese Tatsache wird häufig - auch als Formel - genannt Num 20, 10; Deut 10, 20; Jos 24, 4; 1. Sam. 12, 8. Dabei taucht die mythische Zahl siebzig auf Deut 10, 20
- Joseph hat einen ganzen Novellenkranz absorbiert Gen 37 ff; 1. Mak 2, 53; Hebr 11, 22; Ps 105, 17. Beachtenswert ist ein Detail mit den Ketten Hes 19, 4
- Moses ist die Zentralfigur der Geschichte von der Knechtschaft und des Auszuges aus Ägypten Ex 2 - 18. Von dieser Geschichte hat es Kurzfassungen gegeben Judith 5, 8 - 11; Apg 7, 19f; Hebr 11, 22f. Die Metaphern, Anspielungen, Zitate und formelhaften Wendungen über Moses sind so zahlreiche, daß sie im einzelnen nicht aufgezählt werden können.

Die Legenden unterscheiden beim Auszug mehrere Punkte:

1. Wunder vor dem Auszug, teils unspezifisch, teils in Einzelepisoden gegliedert, z.b. Ps 135, 9
2. Das Töten der Erstgeburt Ps 78, 51
3. Der Durchzug durchs Schilfmeer Ps 136, 13 u. o.
Interessant ist, daß die Akteure wechseln, sogar die Personenbezeichnungen (Stellen geben nur
Einzelbeispiele)

Mose:

dieser Mann Mose, der uns aus Ägypten geführt hat Ex 32, 1
dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast Deut 9, 26
Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt? Num 20, 5
Er sandte Mose und Aaron, daß sie euch und euere Väter aus Ägypten führten 1. Sam 12, 8
 
Volk:

Es ist ein Volk aus Ägypten gezogen Num 21, 5
da ihr aus Ägypten zoget Deut 13, 5
da du aus Ägypten zogest Deut 16, 6
Warum sind wir aus Ägypten herausgezogen? Num 11, 20
da sie aus Ägypten zogen Ri 11, 13
 
Gott:

Gött hat ihn aus Ägypten geführt Num 24, 8
Der du unsere Väter aus Ägypten führtest 1. Kg 8, 53
und verließen ihren Herrn, der sie aus Ägypten geführt hatte Ri 2, 12
Ich bin der Herr, der euch aus Ägyptenland geführt hat Lev 11, 15
da ich sie aus Ägyptenland führte Jer 7, 22

Das Ereignis des Auszuges dient auch häufig als indirekte, nicht datierte Zeitangabe: „Von dem Tage an, da ich euere Väter aus Ägyptenland geführt habe, bis auf diesen Tag“ Jer 7, 25; 1. Sam 8, 8; 1. Kg 8, 16 u. o.

Bei der Geschichte über die Wüstenwanderung sind nur einige Erinnerungenn an Ägypten berücksichtigt Num 14, 13; Ex 32, 12 u.a. Das ist umso bemerkenswerter, da sonst auf kleinste Nebensächlichkeiten Rücksicht genommen wird, sogar auf das Gastrecht bei Beduinen Deut
23, 5.
Wenig ist aus der sog. Richterzeit belegt. Nur einmal wird vage das Land Gesem genannt Jos 10, 41.
Von König Saul und König David gibt es keine Angaben über Ägypten, abgesehen von der formelhaften Bezeichnung der Südgrenze des Reiches Israel 1. Sam 27, 8; 1. Chr. 13, 8.

Um Salomo ranken sich mehrere Sagen. Seine Weisheit wird gerühmt 1. Kg 5, 10. Als wichtiger historischer Fakt wird eine Pharaonentochter erwähnt, die Salomo heiratet, die aber anonym bleibt 1. Kg 3, 1; 9, 16 + 24. Zu seiner Regierungszeit ist auch ein Rivale Hadad nach Ägypten geflohen 1. Kg 11, 17.
Die Könige der Teilreiche hatten häufige Beziehungen zu Ägypten Es wird öfters von einer Flucht dorthin berichtet 2. Chr 10, 2; 2. Kg 25, 26; Jer 26, 21. Ägyptische Kultfiguren werden zu Staatsgottheiten erhoben 1. Kg 12, 28. Pharaonen greifen in die Geschrichte Israels ein: Sisak erobert Jerusalem und plündert Gold- und Silberschätze des Tempels 1 Kg 14, 25, bestätigt die Herrschaft des Rehabeam 2. Chr 12, 2 - 13. Necho kämpft mit dem Babylonischen König in Karkemisch, besiegt König Josias bei Megiddo und greift in die Thronfolge des Königreiches Juda ein 2. Kg 23, 29f; 2. Chr 35, 20f. Die ägyptische Vormachtsstellung in Palästina läßt sich aber auf Dauer nicht aufrechterhalten 2. Kg 24, 7.

Der kurze Zeitraum bis zur endgültigen Eroberung Palästinas und Ägyptens durch die Assyrer zur Zeit des Königs Hiskia ist ausgiebig belegt. So gibt es politische Prophezeiungen ´von Jesaja ‘wider die Ägypter’ Jes 19, 1 - 20, 1 und ‘wider die, die sich nach Ägypten flüchteten’ 30, 1 - 9, außerdem die Warnung vor der unzuverlässigen ägyptischen Streitmacht 31, 1 - 5.

Auch Jeremia verkündet eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Jer 46, 1 - 26, macht aber auch Angaben über historische Einzelheiten: wechselndes Schlachtenglück zwischen Assyrern und Agyptern bei der Belagerung Jerusalems 37, 5 - 11, Schilderung des Exils in Ägypten 41, 17 und die Niederlage des Pharao Apries in Palästina 44, 30. Zur gleichen Zeit gibt Hesekiel Andeutungen über politische Ereignisse Hes 16, 26; 23, 3f; 17, 15 - 17 und gleichfalls eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Hes 29, 1 - 30 + 32.
Nachexilische Stellen des Alten Testamentes über Ägypten sind selten, ausgenommen Beschreibungen tatsächlicher Ereignisse wie die Diadochenkämpfe zwischen Seleukiden und Ptolemäern 1. und 2. Mak.

Es fällt auf, daß die interne Geschichtsschreibung der biblischen Bücher unbestimmt und verschwommen wird, sobald man über die Zeit der Reichsteilung zurückgeht. Auch die Königszeit ist nur zu Beginn und am Ende genauer dokumentiert.; die dort genannten Pharaonennamen sind relativ spät.
Die großen Ereignisse der Patriarchenzeit dagegen spielen bei anonymen Pharaonen. Das verwundert umso mehr, wenn selbst Königsnamen von phönizischen Stadtfürsten erhalten sind. Außerdem kommen mehr als 30 Namen assyrischer und babylonischer Herrscher im Alten Testament vor.
 
 
3. Die ältere Chronologie des Bibeltextes
 
Zahlreiche synchrone, geschichtliche Ereignisse sind in der hebräischen Geschichtsschreibung des Alten Testamentes nicht wiederzufinden, und umgekehrt, die angeblich „geschichtlichen Fakten“ der Bibel passen mitunter nur sehr schwierig in die Alte Geschichte des Vorderen Orients. Die Geschehnisse außerhalb der assyrisch-babylonischen Annalenberichte sind mythischer Natur. Man will die Urgeschichte der Menschheit und die Stammesgeschichte Israels bewußt in ungreifbare, ahistorische Dimensionen der Vorzeit zurückverlegen, daher auch nur die Bezeichnung Pharao anstelle eines bestimmten Königsnamens. Die später errechneten Genealogien sind auf bestimmte mythische Zahlen aufgebaut und jeweils auf 3, 6, 12, 70 usw. Sequenzen mühsam aufgefüllt.

Obwohl sogar der Schreiber des Bibeltextes von der Existenz einer ägyptischen Kolonie in Palästina wußte Ri 10, 11; Gen 10, 6, gibt er vor, bei der Gestaltung der Geschichte des Exodus nichts davon zu wissen. Nach der herkömmlichen, „biblisch gestützten“ Chronologie ist Merenptah der Pharao des Auszugs gewesen und Ramses II. der König, bei dem Mose seine Jugend verbracht hat und der die Juden zu Ziegelarbeiten zwang. Die rechtliche Seite dieser Fron streift HERRMANN
Vorausgestzt, daß diese Datierung zeitlich richtig wäre, sahen sich die Juden gezwungen, kaum der Knechtschaft Ägyptens entronnen, in die ägyptische Kolonie Kanaan einzuwandern: aus Ägypten flohen sie nach Ägfypten. Dazu meinte schon BRUGSCH:

Ein übeles Ding für Auswanderer und Flüchtlinge aus Ägypten, die auf dem Boden Palästinas allenthalben ihren eigenen Autoritäten in den Weg liefen!
Das ist sogar vom Selbstverständnis des Bibeltextes her undenkbar, geschweige denn von inneren, historischen Gegebenheiten.
Das jüdische Gesetz, wie es in Exodus und Levitikus niedergelegt ist, setzt eine Seßhaftigkeit des Judenvolkes notwendigerweise voraus , kann also für ein Nomadenvolk nicht bestimmt gewesen sein.

Die Beschreibung der Stiftshütte und des Tempelbaus unter Salomo sind reine Idealbeschreibungen eines Tempels Solche Idealbeschreibungen des Tempels ziehen sich eigentümlicherweise durch das ganze jüdische Schrifttum, sind auch in Sektenschriften wie in der sog. Tempelrolle von Qumran 8 und in der Apokalypse vorhanden Apok 21, 10f.

Nimmt man nun den Bibeltext beim Wort, bedeutet das, zur Zeit Salomos gab es keine Schmiede bei den Juden 1. Sam 13, 19, und Salomo mußte für seinen Tempelbau Handwerker aus Tyrus kommen lassen 1. Kg 7, 13f.

Das aber trifft wiederum mit den archäologischen Befunden in Palästina zusammen, denn „die Archäologie Palästinas ist weitgehend ‘stumme’ Archäologie“ , zumindestens was die hebräische Frühzeit anlangt. Es werden gerade überall ägyptische Fundstücke oder ägyptische Reste geborgen, wo man jüdische Funde erwartet hätte. Über dieses Rätsel ergebnisloser Archäologie in Palästina räsoniert bereits DUNCAN . Nach den archäologischen Befunden in Palästina jedenfalls kann die fiktive Chronologie der Bibel nicht korrigiert oder gar gesichert werden, sofern sie über das bereits erwähnte Datum 850 v. Chr. hinausgeht.
 
4. Die historischen Quellen Ägyptens
 
Alle Traditionen des Alten Testamentes, die vor 850 v. Chr. anzusiedeln wären, müssen als Fiktionen oder als mündliche Stammesüberlieferungen gelten, die kaum nachprüfbar sind. Zeitgenossen und Vorläufer der Israeliten in Palästina: Philister, Kanaaniter, Moabiter, Edomiter, Syrer und Phönizier haben kaum schriftliche Quellen hinterlassen und berichten weder direkt noch indirekt von der israelitischen Landnahme. Einzige Ausnahme ist der Mescha-Stein, der um 830 v. Chr. datiert ist.
Nicht einmal die archäologischen Grabungsergebnisse stimmen mit den in der Bibel postulierten Ereignissen der Landnahme überein: dort als besiedelt angegebene Städte waren bereits seit Jahrhunderten zerstört und verlassen oder haben für die in Frage kommende Zeit gar keine Funde erbracht, wie Jericho, Hebron, Sichem u.v.a.
Hier helfen auch die ägyptischen historischen Texte nicht weiter, die in dem Buch von Wolfgang HELCK zusammengetragen wurden und die er ausführlich diskutiert hat. Bezeichnenderweise gibt es für die fragliche Epoche nur indirekte Hinweise darüber, daß es tatsächlich Stammestraditionen gegeben hat, die in solch frühe Epochen zurückreichen. In der Einschätzung der Ägypter sind solche kleinen Stämme barbarische Wüstennomaden. Sie werden allenfalls der Vollständigkeit halber überhaupt in die Siegeslisten mit aufgenommen , die sonst nur bedeutende Städte oder Stadtkönigtümer enthalten. Dementsprechend sind auch nur zwei Namen belegt - die einzigen aus dem ägyptischen Kulturbereich bisher - die mit der Vorgeschichte des Volkes Israel direkt zu tun haben.

Die eine Quelle kann 1380 v. Chr. datiert werden und befindet sich auf Säulenbasen in dem nubischen Tempel von Soleb. Unter einer Vielzahl von Ausländernamen des Südens und Nordens, die König Amenophis III. besiegt hat, findet sich eine Abteilung „Länder der Beduinen“, die offenbar nach ihren Stammesgottheiten spezifizert sind. Es sind Labina-, Samata-, Sa’arir- und Jahwa-Beduinen. Davon sind die Sa’arir-Beduinen sogar in Gen 36, 8 belegt, die anderen Stammesgottheiten Labina und Samata sind unbekannt.

Die Jahwa-Beduinen haben als ihren Stammesgott ‘Jahwa’. Ihr Name tA Sasw jhwA „Land der Jahwa-Beduinen“ ist dort sogar doppelt vorhanden und war auf einer jetzt zerstörten Seitenwand des Tempels in einer zweiten Liste aufgeführt in der Form . Diese Liste hat wiederum um 1250 v. Chr. Ramses II. in seinem nubischen Tempel in Amara-West kopiert als (sic).

Der ägyptische Beleg stimmt mit dem überein, was DELITZSCH in seinem Buch „Die große Täuschung“ gefordert hat: Jaho oder Jahwe kann man als Stammesgott einer Beduinenschar ansehen, die erst allmählich und in viel späterer Zeit umfassendere Geltung gewann. Über die geographisch Lokalisierung dieser Beduinengruppe ist jedoch nichts Genaues bekannt, wahrscheinlich ist die Gegend zwischen Qadesch Barnea und Gebel Hilal gemeint, wie es aus dem Umfeld der Siegesliste Amenophis III. hervorgeht.

Als zweite Quelle nennt die Siegesstele des Königs Merenptah das Volk Israel unter den Besiegten von Palästina. Der Text datiert aus dem Jahr 1219 v. Chr, im Jahr 5 des Herrschers:
 
 
Alle Fürsten stürzen nieder und sagen.“Schalom“ (d.h. Frieden).
Kein einziger erhebt mehr sein Haupt unter den Neunbogen-Völkern
Verwüstet ist Libyen, Hethiterland in Frieden.
Erbeutet ist Kanaan mit allem Schlimmen.
Gefangen ist Askalon, gepackt ist Gezer
Jenoam ist gemacht, als wäre es nie gewesen.
Jasir’ela (= Israel), seine Leute liegen brach, sein Same existiert nicht mehr.
Syrien ist Witwe geworden für Ägypten.
Alle Lande, sie sind in Frieden vereint,
jeder, der herumstreifte, wird festgebunden durch König Merenptah.
Dieses Siegeslied ist formal gebaut: erst werden summarisch die traditionellen 9 feindlichen Völker Ägyptens genannt, dann der äußerste Westen und der äußerste Osten der damaligen Welt (Libyen, Hethiterland), schließlich die ägyptische Kolonie Kanaan in der Mitte. Darauf folgen von Süden nach Norden die eigentlichen Ortschaften des Feldzuges. Demnach wäre das Jasir’ela-Volk Israel in Nordkanaan oder im südlichen Syrien zu suchen. Voraussetzung dafür ist die Identität des ägyptische Namens Jasir’ela (so nach HELCKS System gelesen) mit Israel. Eine andere Lesung des Textes erlaubt die Übersetzung:
Der Israel-Stamm ist verödet und ohne seinen Samen.

Beide ägyptischen Zeugnisse sind wesentlich älter als sämtliche bisher ermittelten Quellen der Bibel und datieren aus der Zeit, als Ägypten Kolonialmacht über das Land Kanaan war. Beide ägyptischen Texte aber deuten auch darauf hin, daß das Volk Israel und die Jahwe-Beduinen keine besondere Bedeutung besessen haben oder gar in der umfangreichen geographischen Listenliteratur kanaanäischer Städte und Völker eine Sonderstellung einnahmen.

Diese Zeugnisse sind die einzigen, direkten Erwähnungen von Jahwe und Israel in historisch-ägyptischer Zeit. Freilich sind schon im Mittleren Reich vereinzelt Städte aus Palästina erwähnt. Abgesehen von dem Märchen des Sinuhe, das zur Zeit Sesostris I. spielt und in Nordsyrien angesiedelt ist (um 1960 v. Chr.) , gibt es vereinzelt Berichte von Feldzügen, so im Jahr 27 Sesostris’ III. (1878 v. Chr.), wo ein Offizier die Einname von skmm d.h. der Gegen von Sichem meldet . In den Ächtungstexten der späten 12. und 13. Dynastie (um 1770 v. Chr.) werden neben allerlei unbekannten Orten Fürsten samt Familien von Hebron, Moab, Rehob bei Akko, Judäa, Askalon und Jerusalem genannt . Sie liegen für die Ansetzung der biblischen Chronologie zu weit zurück (sofern man nicht wie ROHL diese Chronologie um 350 Jahre verkürzt ), als daß sie für die Landnahme und das Königreich Israel von Bedeutung wären, wie sie im Alten Testament geschildet werden.
 
5. Die biblische Chronologie in der Antike und der neueren Geschichtsschreibung
 
Als der Text des Alten Testamentes in die Form gebracht war, in der er jetzt erhalten ist und damit kanonisch wurde, galt die Bibel sehr rasch als Grundlage für profane Geschichtsschreibung. Sie war auch in ihren Inhalten nicht mehr bezweifelbar, im Gegenteil: die Bibel galt als allerbeste Quelle, weil ja nicht nur das hohe Alter der Geschichte der Juden darin festgeschrieben war, sondern weil solche alten, und durch das Alter geheiligten Traditionen gar nicht irren konnten.
Die griechisch-römischen Schriftsteller der Geschichte, insgesamt rund 120 Autoren, befassen sich mehr mit Faktenschilderungen, seltener mit religiösen Themen und sogar mit Reiseberichten, aber nur ganz ausnahmsweise mit Chronologie. Entsprechend gering ist die Ausbeute der „Historia antiqua“ von Johann EICHBORN , worin er alle lateinischen Autoren berücksichtigt und zur Geschichte Ägyptens vermerkt:

Die alte Geschichte der Ägypter hat nicht einmal ein einziger lateinischer Schriftsteller aus griechischen Autoren rekapituliert
In diese Lücke mußten dann „Fakten“ der Bibel einspringen, freilich, aus der ehemals reichen historischen Literatur des Altertums blieben nur wenige Werke erhalten, die die biblischen Fakten „bestätigten“ und verteidigten, also eigentlich echte, apologetische Schriften. In ihnen nimmt die biblische Geschichte einen breiten Raum ein und besitzt den Charakter der Authentizität. Nur sie waren auch für christliche Traditionalisten überhaupt interessant. Darum sind auch die Schriften des FLAVIUS JOSEPHUS besser erhalten geblieben als z.B. kritische Schriften heidnischer Chronisten und Historiker, die sich vorurteilsfrei mit orientalischer Geschichte beschäftigt hatten, was aber selten vorkam.

Schon zu JOSEPHUS’ Zeiten hat es Versuche gegeben, die historischen Daten und Fakten der Bibel mit den sonstigen, damals verfügbaren Quellen und Fakten in Einklang zu bringen und kritisch zu untersuchen und zu werten. JOSEPHUS selbst treibt solche Quellenkritik in seinen „Altertümern“, indem er klassische Autoren korrigiert oder weitverbreitete, heidnische Vorstellungen zu widerlegen sucht. So führt er in einer Liste 70 Namen der Stammesväter Israels auf, die schwierig zu sprechen und für griechische Ohren ganz barbarisch und völlig aussagelos klangen mit der Begründung:

Ich glaubte, diese Namen aufführen zu müssen, um diejenigen zu widerlegen, die behaupten, daß wir (die Juden) ursprünglich nicht aus Mesopotamien stammen, sondern aus Ägypten kommen.

Selbst HERODOT wird nach der Bibel berichtigt: König Sesostris soll eine Namensverwechslung sein, der Eroberer Palästinas und Syriens sei vielmehr Schoschenk gewesen ant. 7, 10, 3. Andere Autoren werden von JOSEPHUS bewu0t abfällig behandelt und verunglimpft, wenn sie sich mit ägyptischer Geschichte befaßt haben. JOSEPHUS schreibt sogar ein ganz polemisches Werk „Gegen Apion“, der es gewagt hatte, als Heide über ägyptische Geschichte zu schreiben.

APION war alexandrinischer Wissenschaftler, der über die verschiedensten Themen arbeitete: grammatische Einzelfragen, Homerstudien und geschichtliche Themen, darunter schrieb er eben auch die 5 Bücher „Über Ägypten“, die JOSEPHUS bekämpft. Darin werden aber nicht nur historische Themen behandelt, der Stoff der Bücher war viel weiter gefaßt und handelte von allem , was in Ägypten an Wunderbarem gesehen und gehört werden konnte . Auf der Suche nach Material dafür ist APION offenbar weit gereist, denn er hat sich auf dem Memnonkoloß von Westtheben als Tourist in einer Besucherinschrift verewigt. Damit steht seine Existenz außer Frage, und sein Aufenthalt in Westtheben zu Studien der ägyptischen Vergangenheit ist augenfällig dokumentiert.

Die erhaltenen Auszüge der 5 Bücher des APION behandeln auch dementsprechend ein buntes Panoptikum an Themen: Smaragd, verliebte Delphine, Pyramiden, Skarabäus, Schweinsfisch, doch auch das wundersam hohe Alter ägyptischer Geschichte. Das vierte Buch hat den Nebentitel „Von den Juden“. Darin scheint APION ausschließlich jüdische Geschichte zu kritisieren. Er koppelt diese historische Darstellung mit sensationslüsternen Einzelheiten antijüdischer Propaganda seiner Zeit, z.B. Anbetung eines goldenen Eselkopfes, Menschenopfer u.dergl.

JOSEPHUS greift nicht nur APION, sondern auch CHAIREMON und MANTHO an, HERODOT dagegen wird allenfalls am Rande erwähnt. Er zitiert Passagen aus den Schriften seiner Gegner - so blieben wenigstens Fragmente von ihnen erhalten - und versucht, ägyptische (Manetho), phönizische (Dion), „barbarische“ (Menander), chaldäische (Berossus) und griechische Geschichtsschreibung unter einen Hut zu bringen, um seine Theorie von dem hohen Alter der Juden nachzuweisen, insbesondere von dem Aufenthalt der Juden in Ägypten, um den Exodus der Juden zu legitimieren. Dabei zitiert JOSEPHUS, was in der Antike selten ist, sogar verschiedene Abschriften des gleichen Werkes von MANETHO, wenn es seinen Beweisen hilft.

Für JOSEPHUS ist die Einwanderung der Juden und die Josephsgeschichte mit der Einwanderung der Hyksos identisch. Der Exodus mit Mose fällt mit der Vertreibung der Hyksos aus Ägypten zusammen . Die Gleichsetzung Juden = Hyksos war damals nicht zwingend: die Ägypter verleugnen sie und streiten sie ab, „weil sie die Juden seit altersher hassen“

Um die Vertreibung der Hyksos aus Ägypten haben sich frühzeitig mehrere Volksmärchen gesponnen, eines davon schon in altägyptischer Zeit . Ein anderes erzählt JOSEPHUS als „Prophezeiung des Amenophis“: Aufgrund einer Traumerscheinung der Göttin Isis soll Ägypoten von allen Leprakranken und Aussätzigen gesäubert werden, damit die Götter versöhnt würden. Sie werden gesammelt und in die östllichen Steinbrüche geschickt. Der weise Amenophis hatte aber vorhergesehen, daß diese sich gegen Ägypten erheben werden, hat seine Prophezeiungen in einem Buch niedergeschrieben und daraufhin sich selbst getötet. Die Ausssätzigen haben sich als ihren Führer „Osarsiph, ehemals Priester von On“ gewählt und die Stadt Auvaris erobert. Mit Hilfe der „Hirten von Jerusalem“, die sie ins Land riefen, hielten sie große Gebiete Ägyptens besetzt und eroberten das Niltal. König Amenophis flieht nach Äthiopien und kehrt mit einem Hilfsheer zurück. Er schlägt die Aussätzigen und die Hirten und treibt sie nach Syrien zurück.

In diesem Märchen kam es JOSEPHUS auf mehrere zentrale Themen an: Die Juden sind keine Ägypter. Die biblischen Namen Mose und Joseph verbergen sich hinter dem Namen Osarsiph. Die Vorväter der Juden sind keine Kranken und Aussätzigen in Ägypten gewesen.

Vorausgesetzt, daß JOSEPHUS korrekt aus Manetho, Chairemon und Apion zitiert hat, enthält das griechisch-ägyptische Märchen von der Vertreibung der Hyksos eigentümliche Verdrehungen und Mißverständnisse. Typische Märchenmotive wie Traumerscheinung der Göttin Isis, Prophezeiung eines Weisen, werden mit falsch verstandenen oder verdrehten Fakten kombiniert: Strafgefangenen in den Wüstenbergwerken werden Nasen und Ohren abgeschnitten, daher stammt offenbar die Fabel von dem Aussatz.

Daneben kommt eine Volksetymologie vor, die JOSEPHUS besonders anstößig findet : Das hebräische Wort Sabbath und der Gottesname Sabaoth wird mit dem ägyptischen Wort sabbô, sabbaôsis „Lepra“ in Verbindung gebracht APION greift das scherzhaft auf und malt es genüßlich aus:

Als die Juden sechs Tage gereist waren, hatten sie Blasen an ihren Lenden, und deswegen ruhten sie am siebten Tage, da sie nach Judäa kamen. Denn damals bewahrten sie noch die Sprache der Ägypter und nannten diesen Tag Sabbath, denn der Ausschlag an ihren Lenden wurde sabbaôsis (var. sabatosis) von den Ägyptern genannt.
Tatsächlich gibt es das ägyptische Wort sbH kopt. ?????„Aussatz, Lepra“ . Mit dem Adjektiv zusammen lautet es sabhô „großer Aussatz“, worauf die Etymologie aufgebaut ist und worauf das Märchen mit seinen „Aussätzigen“ ebenfalls anspielt.

Für die Chronologie freilich war auch damit nichts gewonnen, denn die Identität der Hyksos mit den Juden war schon damals widerlegt. Da helfen auch keine tiefgründigen Wortforschungen des JOSEPHUS oder willkürliche Behauptungen, daß die Hyksos-Juden nach dem Exodus Jerusalem erbaut hätten, obwohl auch das JOSEPHUS aufgrund seines Bibbeltextes besser weiß und sich selbst widerspricht.

Nur sehr schwerfällig versuchte sich die Geschichtsschreibung des Alten Orients von der Vorherrschaft der Bibel zu befreien. Das Alte Testament galt ja lange Zeit als das älteste Buch der Welt, wie ja auch Hebräisch als die älteste Sprache angesehen wurde, gewissermaßen als Ursprache der Menschheit, bis LEIBNITZ aufstand, dieses Vorurteil endgültig beseitigte und dieses gewaltige Hindernis der Sprachwissenschaft richtig stellte .

Die Heilige Schrift der Christen wie der Juden, womöglich in jeder Zeile von göttlichem Geist inspiriert, war Fundament der Geschichte. Die darin niedergeschriebene Chronologie ist seit dem Altertum maßgeblich geworden. Sie erwies sich für die wissenschaftlilche Geschichtsschreibung als erheblicher Hemmschuh. Es hat sehr viel Mühe, Fleiß und Bekennermut gekostet, die schwankenden Gefilde biblischer Chronologie aufzugeben, die Geschichte des Vorderen Orients von der Vorherrschaft des Alten Testamentes zu befreien und eine eigene, den Quellen und Denkmälern angepaßte und passendere Geschichte zu entwickeln.

Dabei soll nicht verkannt werden, daß gerade die Erwähnung und Spiegelung des Alten Orientes in der Bibel die Orientalistik besonders gefördert hat, und man hat aus diesem Grund „zwecks Bestätigung“ Ausgrabungen unternommen und Expeditionen nach Ägypten, Babylonien und Palästina geschickt. Die so gewonnene Erweiterung des Wissens über die Geschichte der Völker des Nahen Ostens hat zur Erschließung ihrer eigenen Quellen geführt. Die Entzifferung der älteren Schriften wie Phönizisch, Keilschrift in babylonischer, sumerischer, assyrischer Sprache und der Hieroglyphen erbrachte ungefilterte Nachrichten: astronomische Fakten, Annalen, Königslisten, Berichte und Inschriften haben da Gesicht der orientalischen Chronologie entscheidend gewandelt.

Die alttestamentliche Chronologie wurde sehr widerstrebend aufgegeben. Es hat heftigste Erschütterungen gegeben, so der Babel-Bibel-Streit 1902 - 1904, in den sich sogar der deutsche Kaiser mit einer Grundsatzerklärung einschaltete. Erst allmählich wurde man den Ergebnissen der Ägyptologie und der Assyriologie zugänglicher.
Glücklicherweise ist die Ägyptologie bei diesem Babel-Bibel-Streit weitgehend verschont geblieben. Entsprechend fehlen auch solche leidenschaftlichen Vertreter des Panägyptizismus, wie sie eine ganze Epoche lang in der Assyriologie vorherrschend waren und dort unter dem Schlagwort ‘Panbabylonismus’ Schule machten. So fehlen in der ägyptischen Fachliteratur Werke wie das des Aage SCHMIDT „Gedanken über die Entwicklung der Religion aufgrund der babylonischen Quellen“ , P. JENSEN „Das Gilgamesch-Epos in der Weltliteratur“ , das alle Literatur der Welt aus dem Gilgamesch herleitet, oder HOMMELS „Geschichte des alten Morgenlandes“ , das die Geschichte panbabylonisch statt biblizistisch betrachtet . Auch die Ausflüge in die Sternenkunde und Astrologie sind in der Ägyptologie nur in der Anfangszeit bekannt. So ist denn auch die Streitschrift von HALTENHOFF „Die Wissenschaft vom alten Orient in ihrem Verhältnis zu Bibelwissenschaft und Offenbarungsglauben“ ausschließlich an babylonischen Problemen interessiert.

Durch Ausbildung der „modernen“ Chronologie und der Spaltung in die nationalen Geschichten des ägyptischen, hetthitischen, babylonische, persischen und syrischen Raumes ist die Bibelchronologie nach und nach in Vergessenheit geraten. Allenfalls naive, bibelverharrende Darstellungen wie z.B. die Zeittafel-Anhänge jeweiliger Bibelausgaben: Bibel in Auswahl , Begleitbibel , Taschenausgabe , Die Gute Nachricht mit zunehmander ‘Anpassung’ an die Ergebnisse der orientalistischen Forschungen versuchen, die Ergebnisse der Historiker zu relativieren und am althergebrachten Standard biblischer Geschichtsschreibung festzuhalten.

Hierher gehören auch die vielen redaktionell bearbeiteten Sensations-Sach-Bücher mit verräterischen Titeln: Und die Bibel hat doch recht - sogar in Bildern Der Spaten bestätigt die Bibel , Von Sinuhe bis Nebukadnezar , Zwischen Nil und Euphrat, archäologische Erläuterungen zur Bibel und erst jüngst: Pharaonen und Propheten, das Alte Testament auf dem Prüfstand.

Die christlich-byzantinischen Historiker stellen als erste eine geschichtliche Übersicht „seit Erschaffung der Welt“ zusammen, die mehr oder weniger modifiziert bis in die frühe Neuzeit Gültigkeit hatte. Ein gutes Beispiel dafür ist das Buch von Gabriel BUCELLIUS „Der gantzen Universal Historiae Nußkern“ Er läßt die Weltgeschichte im Jahr 4054 v. Chr. beginnen und fängt mit Jahr 1 an. Außerhalb seiner Tabelle listet er 56 Autoren auf, die das Datum der Weltgründung anders errechnen und ihre Angaben schwanken von 3509 - 6984 v. Chr..

Der erste Eintrag über Ägypten findet sich dort im Jahr 1600 unmittelbar nach dem „Sündfluß“, garniert mit 16 verderbten Königsnamen „Egyptischer Königen, welche von den arabischen Scribenten in ihrer Succession gesetzt werden“ . So stützt sich der gelehrte Abt also nicht auf klassische Autoren der Griechen und Römer allein, sondern berücksichtigt eine für seine Zeit recht exotische Quelle, die er vermutlich von Athanasius KIRCHER bezogen hat.

Jakob PERIZONIUS hat in seinem Werk „Aegyptorum originum et temporum investigatio“ den Versuch unternommen, Angaben klassischer Autoren mit den Angaben der Bibel zu vereinigen und hat erstmals kritisch beide Überlieferung strikt getrennt und chronologisch gewürdigt. In der Zusammenschau Bibel - Klassische Historiker ergaben sich freilich für ihn so viele Widersprüche, daß er von einer neuen Chronologie absah und sich auf Namensetymologien beschränkte. Die biblische Chronologie stellte er jedenfalls nicht in Frage.

Das versuchte auch nicht die „Histoire universelle depuis le commencement du monde“ , die teils auf den Ergebnissen des PERIZONIUS beruhte, aber auch orientalische Quellen für ihre Darstellung heranzog. Immerhin stellt sie zeitgenössische Reiseberichte neben die Angaben klassischer Autoren und relativiert zumindestens landeskundliche Angaben, zeichnet sogar historische Karten und stellt komplzierte Stammbäume auf, die in Kupfer gestochen wurden. Bei den historischen Übersichtstafeln allerdings bleibt die Geschichte - wie PERIZONIUS - in dem heillosen Durcheinander der Namensvarianten ägyptischer Könige stecken, die Griechisch und Lateinisch auch unterschiedliche Namen tragen.

Den gleichen Sachverhalt stellt noch GESNER in seinen „Isagoges“ dar, während F. C. SCHLENKERT in seinem „Almanach für die Geschichte der Menschheit“ erstmalig die biblische Chronologie kritisch behandelt. Er errechnet zwar auch die Epochen der Menschheitsgeschichte von der Erschaffung der Welt an aufwärts, schiebt aber thematische Schwerpunkte ein: Ägypten ist mit 147 Seiten (von insgesamt 291 S.) überproportional berücksichtigt, allerdings ist seine Darstellung eher literarisch zu werten und nicht folgerichtigt chonologisch-historisch aufgebaut.

Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft setzen sich sehr schwer in den populärwissenschaftlichen Darstellungen durch: Die „Allgemeine Geschichte“ von Carl Wilhelm BÖTTICHER streift Ägypten nur am Rande und bleibt in der althergebrachten Datierung „von Gründung der Welt an“ hängen.
Die „Allgemeine Weltgeschichte“ von Anton HENNE verläßt das Gerüst der althergebrachten Chronologie, hat die inzwischen erzielten Ergebnisse der Assyriologie und Ägyptologie seiner Zeit eingearbeit, seine Darstellung der Geschichte auf den neusten Stand gebracht und entwickelt ein eigenes System der Geschichtsschreibung. Seine Einleitung ist interessant:

Der Umstand, da´unsere Kirche auf der israelitischen fußt, gab den religiösen Schriften dieses Volkes auch wissenschaftlich dogmatische Geltung, und die Lehrbücher der Geschichte nahmen die sog. mosaisische Zeitrechnung gläubig an, ohne zu untersuchen, weder ob wirklich Moses sie hinterlassen, noch ob wir sie in ihrem alten Zustand besitzen; ohne an ihre kritische Prüfung die Sorgfalt zu verwenden, die man sich bei den Profanschriften unbedenklich und mit Erfolg gestattete. So lassen, angewöhnt, unsere Geschichtsbücher die Menscheit 4000 und einige Jahre vor der jetzigen Zeitrechnung beginnen... gleich, was auch Verstand und Beobachtung fortwährend dazu sagen mochten.

Dieser kritischen Haltung sind denn auch mehr oder weniger die Darstellungen der Ägyptischen Geschichte gefolgt. Noch ganz im Banne der Bibel ist das Buch von Gustav SEYFFART „Übersicht über neue Entdeckungen“ , in dem er die biblische Chronologie anhand seiner astronomisch/astrologischen Studien und ausgehend von seiner mythisch phantasievollen Hieroglyphenlesung festzuhalten sucht. UHLEMANNs verdienstvolle Studien setzen sich damit kritisch auseinander . Selbst noch Alfred WIEDEMANNs Geschichte von Altägypten ist biblisch orientiert, obgleich schon populärwissenschaftliche Werke wie das von Karl OPPEL
mit diesen Erkenntnissen gebrochen hatten und sich die Fachliteratur ohnehin sehr rasch aus dem Korsett der biblischen Chronologie befreit hatte, so LIEBLEIN oder LAUTH.

Es ist jedoch erstaunlich, daß selbst in heutiger Zeit noch „biblische Chronologie“ im Vordergrund steht und daß die Ergebnisse der Ägyptologie wie der Assyriologie stets daran gemessen werden, in wieweit sie biblische Fakten und Erzählungen bestätigen können. Das hat besonders für die Archäologie Palästinas erhebliche Folgen, da man in jedem ausgegrabenen Schutthügel israelitische Reste vermutete und suchte, unabhängig davon, was die Ausgrabungsfunde zeigten oder in welchem Zusammenhang die Ergebnisse dazu standen. So werden sogar noch in jüngster Zeit archäologisch gesicherte Stratigraphien hemmungslos nach oben oder nach unten gezerrt, bloß um den Berichten des Alten Testamentes Genüge zu tun.

Sogar unbestrittene Textentlehnungen interpretiert man kunstvoll weg, weil sie die „Einzigartigkeit des Alten Testamentes“ in Frage stellen. Eine solchen Doppelsalto in der Argumentationskunst will ich hier zum Schluß nennen. Mit Hilfe solcher Argumentation kann man natürlich alles beweisen (und ebenso gut widerlegen). Es handelt sich um die enge Verwandschaft zwischen dem Hymnus Amenophis’ IV. an den Aton und Psalm 104:

Unvermeidlich drängt sich die Frage auf, ob einer der beiden Dichter vom anderen entlehnt hat, und welcher dies wohl war. Wenn es hier auf die Zeit der Niederschrift ankäme, so wäre natürlich der Psalm Amenophis’ IV. der ältere. Aber die Zeit der Niederschrift ist nicht entscheidend für das Alter einer Urkunde; denn jede Urkunde, deren Alter wir kennen, kann schon auf eine ältere zurückgehen. Freilich, in unserem Falle könnte man sagen: Zur Zeit, als Amenophis IV . seinen Psalm dichtete, gab es noch kein Volk Israel; also muß der biblische Psalmendichter von Amenophis IV. entlehnt haben. Allein, gerade bei einem Psalm Amenophis’ IV. ergeben sich für einen solchen Schluß Schwierigkeiten. Der Sonnenkult Amenophis’ IV. wurde bald nach seinem Tode beseitigt; und so wird auch sein Hymnus auf das Tagesgestirn bald in Vergessenheit geraten sein, um erst nach mehr als 3000 Jahren wieder dem Schutt der Vergangenheit entrissen zu werden. Wir müssen daher nach einer anderen Deutung für diese Ähnlichkeit Ausschau halten... Hat also ein kanaanäischer Psalm Amenophis IV. als Vorlage gedient und wurde er einige Jahrhunderte später auch dem biblischen Dichter bekannt, der ihn dann in seiner Art umgestaltete?

Diese Frage kann getrost verneint werden. Hätte der Schreiber doch einmal in den Text der Atonhymne geschaut, wo zu lesen ist:

Du hast die Erde geschaffen nach deinem Wunsche, ganz allein...
Die Fremdländer von Syrien und Nubien, (dazu) das Land Ägypten -
Jedermann stellst du an seinen Platz und sorgst für seine Bedürfnisse...
An dieser Stelle betont Echnaton geradezu programmatisch seinen Atonkult erst für die Fremdländer Syrien und Nubien, und dann schließlich für Ägypten. Das ist umso seltsamer, da sonst die barbarischen Fremdländer stets an zweiter, nie an erster Stelle in ägyptischen Texten genannt werden.

Der ägyptische Sonnentempel des Aton stand in seiner Hauptstadt Achetaton, der nubische Tempel, genannt Gem-Aton „Aton wurde gefunden“ ist in Sesebi gelegen , der „syrische“ Atontempel gilt bisher als verschollen: Er liegt unausgegraben unter dem Tell el-Bedeiwije im Stammgebiet von Zebulun , der auch heute noch Hannathon Jos 19, 14 oder in besserer Lesung Ha-n-aton heißt, d.i. ägyptisch Hw.t nj.t jtn „Tempel des Aton“ . Dabei ist bemerkenswert, daß die alte Vokalisation des Wortes Hat- „Tempel, Haus“ mit Assimilation des Femininums an den Genetiv erhalten blieb, wie sie auch z.B im Namen der Göttin Hathor erhalten ist.

Fazit der Geschichte: Wenn nördlich von Megiddo bei Jokneam ein Atontempel stand, ist es natürlich und wahrscheinlich, daß der Sonnengesang des Echnaton dort im Kultus erklungen ist. Folglich mußten die Kanaanäer und anschließend die Israeliten nicht erst nach Ägypten ziehen und eine Grabwand beschauen, um mit der Hymne in Kontakt zu kommen. Insofern steht sogar archäologisch zweifelsfrei fest, wer zuerst da war: das Ei oder die Henne, in diesem Falle die Hymne oder der hebräische Psalm.
 
© Dr. Wolfgang Kosack

Drucke diesen Beitrag

  Zehn-Prozent-Mythos
Geschrieben von: Eik - 17.02.2017, 22:10 - Forum: Wissenschaft und Forschung - Antworten (2)

Zehn-Prozent-Mythos

Künstlerische Umsetzung des Zehn-Prozent-Mythos
Sinngemäß ähnliche Behauptungen wie

„Der Mensch nutzt nur etwa 10 Prozent seiner Gehirnkapazität.“
werden seit mehr als 100 Jahren vielfach kolportiert und auch fälschlicherweise berühmten und intellektuell leistungsfähigen Personen (z. B. Albert Einstein oder Margaret Mead) zugeschrieben.

Der kanadische Neuropsychologe Barry Beyerstein forschte 1999 nach der Entstehung dieser Aussage und prägte dabei den Begriff Zehn-Prozent-Mythos.

Nach heutiger Auffassung entstand diese in der parawissenschaftlichen und Selbsthilfe-Literatur verbreitete, falsche Behauptung durch Missverständnisse oder Fehlinterpretationen physiologischer und neurowissenschaftlicher Untersuchungen und Experimente. Mehrfach haben sich Autoren in diesem Zusammenhang unbelegt auf den früher in Harvard tätigen Psychologen und Philosophen William James (1842–1910) berufen, der aber diesbezüglich nie eine quantitative Aussage machte.

Umfragen zufolge sind etwa zwei Drittel selbst naturwissenschaftlich Interessierter von der Richtigkeit des Mythos überzeugt, obwohl er mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Argumenten zweifelsfrei widerlegt werden kann. Dessen ungeachtet wird der Zehn-Prozent-Mythos weiterhin durch die Popkultur und durch gelegentliche Verwendung in der Werbung perpetuiert.

Inhaltsverzeichnis

Aussage des Zehn-Prozent-Mythos

Die Aussage, dass der Mensch normalerweise nur einen kleinen Prozentsatz, beispielsweise 10 Prozent, seiner Gehirnkapazität (oder seines „Gehirnpotentials“) nutzt und die restlichen 90 Prozent „brach liegen“, ist ein weit verbreiteter Mythos.[1][2] Zusätzlich wird er oft und fälschlicherweise berühmten und intellektuell leistungsfähigen Personen wie Albert Einstein[3] – bezüglich Einstein kann diese Aussage nicht belegt werden[1] – oder Margaret Mead[4] zugeschrieben und suggeriert dadurch, dass diese Personen gewusst hätten, wie eigene, ungenutzte Kapazitäten hätten freigesetzt und genutzt werden können.

In einer weiteren Übersteigerung des Mythos propagieren einige Vertreter des New Age den Glauben daran durch die Behauptung, dass die Aktivierung der vorgeblich ungenutzten 90 Prozent des Gehirns den Menschen in die Lage versetzen würde, besondere psychische Kräfte auszuüben und durch Training Psychokinese durchführen zu können und außersinnliche Wahrnehmung zu erlangen.[5][6][7][8] Es gibt keine wissenschaftlich reproduzierbaren Experimente mit überprüfbaren Beweisen, die eine solche Aktivierung und die Existenz solcher Kräfte bestätigen.[8]

„Gehirnkapazität“
Der oft in Formulierungsvarianten des Zehn-Prozent-Mythos verwendete Begriff „Gehirnkapazität“ (lateinisch capacitas ‚Fassungsvermögen‘) ist unscharf definiert und hat verschiedene Bedeutungen. Er kommt vor allem in der älteren Fachliteratur und der Populärliteratur vor. Dort steht „Gehirnkapazität“ für unterschiedliche Gegebenheiten wie beispielsweise Gehirnvolumen, Intelligenz, Gedächtnisleistung oder allgemein „Leistungsfähigkeit des Gehirns“.

Eine der frühesten Verwendungen von Gehirnkapazität findet sich 1869 in einem medizinischen Journal und bezieht sich ausschließlich auf das Gehirnvolumen, das in diesem Fall bei mehr als 2000 Schädeln vermessen wurde.[9] Dieser Bezug auf das Hirnvolumen findet sich bis etwa in die 1960er Jahre.[10] Heute werden in der wissenschaftlichen Literatur je nach Aspekt vorzugsweise die präzisen Begriffe „Gehirnmasse“ (bei Massenangabe in Gramm)[11] oder „Gehirnvolumen“ (bei Angabe in Kubikzentimeter) verwendet.[12]

Ab Beginn des 20. Jahrhunderts kommen zusätzlich weitere und oft diffuse Bedeutungen von Gedächtnisleistung (beispielsweise „Speicherung von Erinnerungsbildern“)[13] und anderer geistiger Fähigkeiten des Gehirns hinzu.

Ebenso unscharf definiert wie Gehirnkapazität sind weitere Begriffe, die in Variationen des Zehn-Prozent-Mytos auftauchen: Gehirnmöglichkeiten, Gehirnaktivität, Gehirnpotenzial, Gehirnenergie/Gehirnkraft (brain power), mentale Fähigkeiten/Mittel/Kräfte, sowie analoge Formulierungen mit Geist (mind).

Verwendung Bearbeiten

Der Pädagoge Serge Larivée,[14] der Physiologe Jean-François Pflieger[15] (beide von der Université de Montréal) sowie die Psychologin Jacinthe Baribeau[16] von der Université Laval haben le mythe du dix pourcent in einer wissenschaftlichen Publikation untersucht.[17] Dabei stellten sie fest, dass die Mehrheit der Zitate zum Zehn-Prozent-Mythos aus Zeitschriften und Büchern der Populärpsychologie stammen und dort besonders unter den Themengebieten des positiven Denkens (Selbsthilfeliteratur) und des pseudowissenschaftlich Paranormalen zu finden sind.

Die Autoren dieser Werke sind üblicherweise keine Naturwissenschaftler. Sie bewerben mit dem Mythos ihre Ideen und Methoden, die Nutzung des Gehirns über die vermeintlichen zehn Prozent hinaus ausdehnen zu können. Dies geschehe „durch pädagogische Argumente und Autosuggestion durch irrationale Mittel“.[17] Um das zu erreichen, werden einerseits wenig oder nicht definierte Begriffe wie „Kräfte“, „Kapazität(en)“, „Ressourcen“ und „Potenzial“ aus dem Bereich „Macht/Energie“ (engl. power) verwendet, die zusätzlich mit konkreten Zahlen in Verbindung gebracht werden, was suggeriert, dass eine Messung vorausgegangen ist.[17] Andererseits wird die Existenz der angeblich geringen Gehirnnutzung mit unbelegten Aussagen von oft nicht näher genannten Akademikern (Psychologen, Neurobiologen, Physiologen etc.) untermauert.[17] Zusätzlich helfen Aussagen der Art „wie jeder weiß“, „wie mehrfach gezeigt wurde“, oder „die Fachleute sind sich einig“, um diese Aussagen zu etwas zu machen, was psycho-fact[18] (Mentefakt) genannt wird: Eine Behauptung muss nur allgemein und oft genug wiederholt werden, damit sie ohne Hinterfragung als Tatsache hingenommen wird.[17]

Beispiele ab 1910
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts finden sich in der populärpsychologischen Literatur Beispiele zum Zehn-Prozent-Mythos.

1910 – Im US-amerikanischen The Dental Register findet sich unter symmetry and endurance (Symmetrie und Ausdauer) die Feststellung: „The average man is using only one-fourth of his physical possibilities and one-tenth of his brain possibilities. The average brain shows only one tenth of the cells ever developed at all.“[19][20]
1915 – Im YMCA-Jugendmagazin Young Men wird behauptet: „The late Professor James said that the average man was using only one-tenth of his brain power.“[21][22]
1922 – Die Werbung für das Buch The Secret of Mental Power im Popular Science Monthly zitiert Mark Twain und William James: „Mark Twain once said, that the average man didn’t make much use of his head except for the purpose of keeping his necktie from slipping off. And Professor William James claimed that the average man uses only about a tenth part of his brain.“[23][24][25]
1928 – In einer Anzeige von The Pelman Institute in der Zeitschrift Popular Science wird eine Broschüre zur effizienteren Selbstverwirklichung („Pelmanismus“) mit folgendem Text beworben: „There is no limit to what the human brain can accomplish. Scientists and psychologists tell us we use only about ten per cent of our brain power. The mind is like a muscle. It grows in power through exercise and use. It weakens and deteriorates with idleness.“[26][27]
1937 – In einem Vorwort zu dem Buch How to Win Friends and Influence People[28] (Wie man Freunde gewinnt. Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden.) des Kommunikations- und Motivationstrainers Dale Carnegie bezog sich der amerikanische Journalist Lowell Thomas auf eine Aussage von William James und gab dazu fälschlicherweise einen sehr genauen Prozentsatz an: „Professor William James of Harvard used to say that the average man develops only ten percent of his latent mental ability.“[29][30] Carnegies Buch wurde mehr als 15 Millionen Mal verkauft.[31]
1944 – Carnegie korrigiert und zitiert in seinem Buch How to Stop Worrying and Start Living (Sorge dich nicht – lebe!, 1948) William James ohne eine Angabe von Prozenten: „Compared to what we ought to be we are only half awake. We are making use of only a small part of our physical and mental resources. Stating the thing broadly, the human individual thus lives far within his limits. He possesses powers of various sorts which he habitually fails to use.“[32][33]
1950 – L. Ron Hubbard, der spätere Gründer von Scientology, schrieb in seinem Buch Dianetics: The Modern Science of Mental Health (deutsch Dianetik): „Thought processes are disturbed not only by these engramic commands but also by the fact that the reactive mind reduces, by regenerating unconsciousness, the actual ability to think. Few people possess, because of this, more than 10% of their potential awareness.“[34][35] Später wurde bei der Werbung für Dianetik auch der nicht belegbare Zusammenhang mit Albert Einstein verwendet.[36]
1960 – David V. Lewis bezieht sich in seinem Buch How to Master Your Memory auf William James, wenn er schreibt: „Experts agree that you are using only a fraction of your mental power. No less a pundit than Harvard’s great psychologist, William James, claims the average person habitually uses 10 to 15 percent of his brain power.“[37][38]
1960 – Aldous Huxley, der mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentierte, hielt am San Francisco Medical Center der University of California einen Vortrag mit dem Titel Human Potentialities. Darin machte er die Feststellung: „The neurologists have shown us that no human being has ever made use of as much as ten percent of all the neurons in his brain.“[39][40]
1966 – Louis Pauwels und Jacques Bergier beschäftigen sich in Le matin des magiciens mit Realem und Paranormalem und berufen sich mit ihrer Aussage auf einen „docteur Warren Penfield“[41]: „Dans l’état de veille normal de la conscience, il y a un dixième du cerveau en activité. Que se passe-t-il dans les neuf dixièmes silencieux ? Et n’existe-t-il pas un état où la totalité du cerveau se trouverait en activité organisée ? […] Pourquoi [l’homme] ne posséderait-il pas une sorte de machine électronique analogique dans les profondeurs de son cerveau ? Nous savons aujourd’hui que les neuf dixièmes du cerveau humain sont inutilisés dans la vie consciente normale et le docteur Warren Penfield a démontré l’existence, en nous, de ce vaste domaine silencieux.“[42][43]
1979 – In seinem Buch Memory Made Easy reduziert Robert Leo Montgomery die Aussage auf die menschliche Erinnerungsfähigkeit: „Most of us, psychologists say, don’t use more than 10 percent of our native ability to remember.“[44][45]
1979 – Die auf Themen des Paranormalen spezialisierte Schriftstellerin Sheila Ostrander und Mitautorinnen zitieren in ihrem Buch Superlearning andere Schriftsteller, die wiederum sowjetische Physiologen zitieren: „In these accounts, writers invariably mentioned a basic contention of Soviet physiologists : We use barely ten percent of our brain capacity, yet we can learn to plug in to the other ninety percent; we can, as they put it, learn to tap the reserves of the mind.“[46][47]
1979 – Peter Russell behauptet in seinem Buch The Brain Book, dass sogar die Annahme von zehn Prozent viel zu hoch sein könnte: „It is frequently stated that we use only 10% of our full mental potential. This, it now appears, is rather an overestimate. We probably do not use even one percent more likely 0.1% percent or less.“[48][49]
1983 – In seinem Buch How to be twice as smart schreibt Scott Witt: „Most people use ten percent or less of their brainpower, leaving a vast reserve of mental abilities unused.“[50][51]
1983 – Larry Belliston und Craig K. Mayfield präsentieren hinterfragend „10 oder 20 Prozent“ in ihrem Buch Speed Learning Super Recall: „You’ve probably heard that we use only 10 or 20 percent of our mental powers. How can that be? Is there some secret to unlocking the other 80 or 90 percent?“[52][53]
1984 – Tony Buzan formuliert es in seinem Buch Make the Most of Your Mind ähnlich wie Peter Russell fünf Jahre vorher: „The commonly heard statement that on the average we use only 1 percent of our brain may well be wrong, because it now seems that we use even less than 1 percent.“[54][55]
1987 – In seinem Buch Accelerated Learning zieht Colin Rose die zehn Prozent in Zweifel und legt sich auf vier Prozent fest: „It used to be an often quoted statistic that we only use 10% of our potential brain power. The more psychologists have learned in the past 10 years however, the less likely they are to dare to attempt to quantify our brain potential. The only consistent conclusion is that the proportion of our potential brain power that we use is probably nearer 4% than 10%.“[56][57]
1990 – Arthur und Ruth Winter legen sich in Augmentez la puissance de votre cerveau auf einen geschätzten Bereich unter zehn Prozent fest: „Vous n’utilisez qu’une portion infime des capacités de votre cerveau estimé à un pourcentage qui peut varier entre 0,01 et 10 %.“[58][59]
1992 – Der in religiösen Studien promovierte Moses Adetumbi legt sich in seinem Buch You Are a Better Student Than You Think auf „weniger als 5 Prozent“ fest: „It has been estimated that an average person uses only a fraction (less than 5%) of his or her brain potential. Psychologists and neurobiologists alike agree that the human brain has almost unlimited capacity to learn.“[60][61]

Uri Geller

1996 – Der Illusionist und nach eigenen Angaben seit seiner Kindheit mit übersinnlichen Fähigkeiten begabte Uri Geller führt in einem seiner Bücher aus: „Our minds are capable of remarkable, incredible feats, yet we don’t use them to their full capacity. In fact, most of us only use about 10% of our brains, if that. The other 90% is full of untapped potential and an undiscovered ability, which means our minds are only operating in a very limited way instead of at full stretch. I believe that we once had full power over our minds. We had to, in order to survive, but as our world has become more sophisticated and complex we have forgotten many of the abilities we once had.“[62][63]
1997 – Michael Clark setzt in seinem Buch Reason to Believe. A Practical Guide to Psychic Phenomena die nicht benutzten Gehirnprozente dem Unterbewusstsein gleich: „We normally use 10% to 20% of our minds. Think how different your life would be if you could utilize that other 80% to 90% known as the subconscious mind.“[64][65]
2007 – Die australische TV-Drehbuchautorin und -Produzentin Rhonda Byrne schreibt in ihrem esoterischen Spiegel-Bestseller The Secret – Das Geheimnis: „Ich sehe eine Zukunft der unbegrenzten Möglichkeiten, von unendlich vielen Möglichkeiten. Denken Sie daran, dass der Mensch höchstens 5 Prozent des Potenzials seines Geistes nutzt. Das ganze menschliche Potenzial ist das Produkt einer angemessenen Ausbildung. Also, stellen Sie sich eine Welt vor, in der Menschen ihr volles zerebrales und emotionales Potenzial nutzen. Wir könnten überall hingehen. Wir könnten alles machen. Wir könnten alles erreichen.“[66]
Akzeptanz Bearbeiten

Umfragen wurden durchgeführt, um das Ausmaß der Akzeptanz des Zehn-Prozent-Mythos abzuschätzen.

Verbreitung
In den drei hier gelisteten Untersuchungen waren mindestens 69 Prozent oder mehr der Befragten – Psychologie- oder Biologiestudierende sowie an Psychologie interessierten Fachbereichbesucher – von der Richtigkeit des Mythos überzeugt:

Higbee und Clay untersuchten 1998 die Hypothese, dass bei Psychologiestudenten nach dem Grundstudium der Glaube an den Zehn-Prozent-Mythos geringer sei als bei Studenten ohne psychologische Vorbildung (Vergleichsgruppe). Die Hypothese konnte nicht bestätigt werden. Die Psychologiestudenten waren optimistischer in der Prozentschätzung (5 bis 90 Prozent potential brain power) verglichen mit der Kontrollgruppe (5 bis 60 Prozent potential brain power); „10 Prozent“ wurde von je knapp einem Drittel in beiden Gruppen am häufigsten genannt, beide Gruppen waren überzeugt, dass diese niedrige Prozentzahl gesteigert werden könne, und Studenten beider Gruppen „hatten davon gelesen oder gehört“, konnten aber zum „Wo“ keine konkreten Angaben machen.[67]
Kanadische Forscher stellten 67 Biologiestudenten (2. und 3. Jahr nach Studienbeginn) vor eine Ja-Nein-Entscheidung zu der Aussage „Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns“; 53 von ihnen (79,1 Prozent) hielten diese Aussage für richtig.[17]
Der Neuropsychologe Sergio Della Sala legte Besuchern beim Tag der offenen Tür des Fachbereichs Psychologie der University of Aberdeen 16 Ja-Nein-Fragen vor, darunter auch „Menschen benutzen üblicherweise nur 10 Prozent ihres Gehirns“. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Besucher stimmten dieser Aussage zu.[68]
Erklärung Bearbeiten
Der Neurowissenschaftler Gregory Hickok hat erklärt, wie es zu einer solchen Fehlannahme kommen kann: „Mythen über das Gehirn entstehen in der Regel auf folgende Weise: Ein faszinierendes Versuchsergebnis erzeugt eine plausible, aber noch spekulative Interpretation (ein kleiner Teil des Gehirnlappens scheint ausreichend zu sein), die später überinterpretiert oder verzerrt wird (wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns). Die so entstandene Karikatur infiltrierte letztlich die Populärkultur und entwickelte dort ein von den Fakten, die sie hervorgebracht haben, ganz unabhängiges Eigenleben.“[69][70] Damit kann eine solche Behauptung menschliche Schwächen erklären und bedient die Hoffnung – positives Denken – dass dem abgeholfen werden kann, indem man die restlichen 90 Prozent auf verschiedene Arten und Weisen aktivieren und damit für sich selbst gesehen eine „Verbesserung“ erzielen kann.[17]

Mögliche Ursprünge

Der exakte Ursprung des Zehn-Prozent-Mythos ist nicht eindeutig feststellbar. Es ist auch nicht bekannt, ob er durch nur eine missverstandene oder gleich mehrere wissenschaftliche Aussagen[71] ausgelöst wurde, oder ob zusätzlich später nachfolgende wissenschaftliche Resultate als „Bestätigung“ hinzugenommen wurden.

Nachvollziehbar ist, dass über die letzten zwei Jahrhunderte mehrere Physiologen und Neurowissenschaftler dokumentierte Aussagen aus ihrem damaligen, meist sehr vereinfachten Verständnis der Gehirnfunktionen hinterlassen haben, die einzeln oder gemeinsam und ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs als mögliche Auslöser der Mythosentstehung angesehen werden können.

Das Gehirn betreffende Aussagen

Franz Joseph Gall

Marie-Jean-Pierre Flourens

Charles-Édouard Brown-Séquard

William James

William James Sidis

Rudolf Virchow

Wilder Penfield

Georgi Losanow

Anfang 19. Jahrhundert – Ein möglicher Ursprung[17] könnte in der von Franz Joseph Gall (1758–1828) begründeten Phrenologie liegen, bei der man annahm, dass allein die kortikalen Neuronen in abgegrenzten Hirnarealen für Persönlichkeit und Denkprozesse verantwortlich seien.

Frühes 19. Jahrhundert – Der Physiologe Marie-Jean-Pierre Flourens (1794–1867), ein Gegner der Phrenologie, führte Experimente mit Tauben, Hühnern und Fröschen durch: Er entfernte immer größere Teile des Gehirns und beobachtete danach das Verhalten dieser Tiere. 1824 schrieb er: „Man kann vom vorderen, hinteren, oberen oder seitlichen Teil eine gewisse Menge der zerebralen Lappen entfernen, ohne ihre Funktion zu zerstören.“[70]
1876 – Der Physiologe und Neurologe Charles-Édouard Brown-Séquard (1817–1894) machte eine Aussage zur unvollkommenen Entwicklung von geistigen Fähigkeiten, als er feststellte, dass sich hinsichtlich der Fähigkeiten des Gehirns „sehr wenige Menschen sehr weit und vielleicht niemand völlig“ entwickle.[70]
1890er Jahre – Die Harvard-Psychologen William James und Boris Sidis stellten die „Reserveenergie-Theorie“ (reserve energy theory) auf. Sie untersuchten diese Theorie bei der Entwicklung von Sidis’ Sohn, dem jugendlichen Exzentriker William James Sidis (1898–1944), der nach Angabe seiner Schwester Helena bei einem Intelligenztest „die höchste Punktzahl erreichte, die je erreicht worden sei“.[72] William James, der auch ein experimentelles Interesse an parapsychologischen Phänomenen hatte,[73] behauptete in seinen Vorträgen, dass Menschen üblicherweise nur den Bruchteil ihres vollen geistigen Potentials ausschöpfen würden.[74] Eine unreferenzierte Aussage von William James wird am häufigsten bei späteren Erwähnungen des Mythos zitiert.[17]
Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert – Eine weitere Erklärung zum Ursprung des Zehn-Prozent-Mythos ist eine Reihe von Missverständnissen – oder Falschdarstellungen – von Ergebnissen neurologischer Forschung. Früh hatte Rudolf Virchow festgestellt, dass das Gehirn hauptsächlich aus Gliazellen besteht, die nur sehr unbedeutende Funktionen zu haben schienen. Später wurde gefunden, dass die Funktionen vieler Hirnregionen (besonders in der Großhirnrinde) komplex genug sind, dass Auswirkungen von Schäden eher schleichend oder gar unmerklich sind, was die damaligen „Hirnforscher“ nachdenklich machte, was denn die eigentliche Aufgabe dieser so betroffenen Regionen sei.[75] James W. Kalat,[76] Autor des Lehrbuchs Biologische Psychologie, weist darauf hin, dass Wissenschaftler in den 1930er Jahren bereits wussten, dass sich im Gehirn eine große Anzahl von Schaltneuronen (local neurons) befinden. Das Missverständnis der Funktion dieser Schaltneuronen, die „nur“ für die Verbindung zwischen verschiedenen Neuronen sorgen, könnten zum Zehn-Prozent-Mythos geführt haben.[77]
1930er Jahre – Der Ursprung dieses Mythos wird ebenfalls auf den in den USA geborenen kanadischen Neurochirurgen Wilder Penfield zurückgeführt,[78] der der erste Direktor des Montreal Neurological Institute der McGill University war. Penfield und Mitarbeiter beobachteten, dass durch direkte Stimulation von etwa zehn Prozent aller Bereiche des Gehirns von menschlichen Patienten eine Aktivierung (oder Unterbrechung) von motorischen oder wahrnehmungsbedingten Ereignissen ausgelöst werden konnte.[79]
1960er Jahre – Der Psychologe und Pädagoge Georgi Losanow schlug die Lehrmethode der Suggestopädie vor in dem Glauben, „… that we might be using only five to ten percent of our mental capacity.“[80][81]

Widerlegung

Benennung als Mythos
Die erste Konkretisierung als Mythos und explizite Verwendung des Begriffes ten percent myth stammt von dem kanadischen Neuropsychologen Barry Beyerstein, der ihn 1999 in dem Buchkapitel Whence Cometh the Myth that We Only Use 10 % of our Brains?[82] einführte.[8] Im selben Jahr kommentierte Benjamin Radford das Thema im Skeptical Inquirer.[71] Im Deutschen wird der Begriff „Zehn-Prozent-Mythos“ einige Jahre später übernommen.[6]

Wissenschaftliche Argumente
Der Neurologe Barry Gordon beschrieb den Mythos als „lächerlich falsch“ und fügte hinzu: „… wir benutzen praktisch jeden Teil des Gehirns und es ist fast die ganze Zeit aktiv.“[3] Der Psychologe Donald H. McBurney nannte den 10-Prozent-Mythos „eines der widerstandsfähigsten Unkräuter im Garten der Psychologie“.[83]

Barry Beyerstein listet wissenschaftliche Argumente aus verschiedenen Fachgebieten auf, die alle den Zehn-Prozent-Mythos widerlegen:[8][84]

Energiebedarf und Evolution: In Bezug auf den Sauerstoff- und Nährstoffverbrauch ist das Gehirn des Menschen enorm kostspielig. Es kann bis zu 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Körpers beanspruchen – mehr als jedes andere Organ – obwohl es nur etwa 2 Prozent der Körpermasse ausmacht.[85][86] Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Gehirn mit angeblich 90 Prozent redundanter Masse überhaupt entwickelt hat.[87] Wäre dies trotzdem der Fall gewesen und 90 Prozent der Masse (oder Funktion) wären unnötig und lägen brach, hätte es einen großen Überlebensvorteil für Menschen bedeutet, kleinere, effizientere Gehirne zu entwickeln und der evolutionäre Prozess der natürlichen Selektion hätte die ineffizienten Gehirnareale beseitigt.[8]
Gehirnscans: Technologien wie Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) erlauben die Bestimmung der Aktivität des Gehirn in vivo. Sie zeigen, dass selbst während des Schlafes mehr als 10 Prozent aller Bereiche des Gehirns ein bestimmbares Aktivitätsniveau zeigen. Nur im Falle ernster Schädigungen lassen sich „absolut stille Bereiche“ im Gehirn entdecken.[8]
Populärwissenschaftlich wurde dies in Episode 151 der Dokumentarserie Mythbusters (Erstausstrahlung am 27. Oktober 2010) gezeigt. Die Moderatoren Jamie Hyneman und Adam Savage bedienten sich der Magnetoenzephalographie und funktioneller Magnetresonanztomographie, um das Gehirn von Tory Belleci, der mit verschiedenen komplizierten Aufgaben beschäftigt war, zu untersuchen. Es wurde gemessen, dass dabei etwa 35 Prozent des Gehirns neurale Aktivität zeigten.[88]
Gehirnkartografie: Statt immer als Einheit zu funktionieren, hat das Gehirn definierte und getrennte Bereiche für die verschiedenen Arten der Informationsverarbeitung. Jahrzehnte an Forschung wurden darauf verwendet, Lokalisierung bestimmter Funktionen zu kartografieren und es wurden keine „funktionslosen“ Bereiche gefunden.[8]
Untersuchung von Hirnschädigungen: Wenn ein Anteil von 90 Prozent des Gehirns nicht verwendet werden würde, sollten Schädigungen in vielen Bereichen die Leistung des Individuums nicht beeinträchtigen. Es gibt fast keinen Bereich des Gehirns, der bei Schädigungen keinen Verlust gewisser Fähigkeiten erfährt. Selbst leichte Verletzungen in kleinvolumigen Bereichen des Gehirns können tiefgreifende Auswirkungen haben, die aber unter günstigen Umständen teilweise wieder durch die kortikale Plastizität kompensiert werden können.[8]
Zelldegeneration: Gehirnzellen, die nicht an aktiven Prozessen teilnehmen, haben die Tendenz zu degenerieren. Daher, wenn 90 Prozent des Gehirns inaktiv wären, würden Autopsien des erwachsenen Gehirns großräumige Degeneration zeigen – was nicht der Fall ist. Nur bei der Autopsie von verstorbenen Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen lassen sich solche Bereiche finden.[8]
Aufrechterhaltung in der Popkultur und Werbung

Autoren von Kurzgeschichten, Büchern und Filme in der Popkultur verwenden die Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gehirns auf ein Vielfaches als dramatisches Element ihrer fantastischen Erzählungen und halten den Zehn-Prozent-Mythos dadurch am Leben. Die angeführten Werke sind bekannte Beispiele.[89]

Literatur
Die Kurzgeschichte Lest We Remember (Isaak Asimov, 1982; dt. Laßt uns erinnern, 2007) erzählt die Geschichte des durchschnittlichen John Heath, der als Testperson eine neu entwickelte Substanz erhält, die sein ungenutztes fotografisches Gedächtnis aktiviert und ihm total recall erlaubt: Er kann sich genau an alles erinnern, was er je erlebt oder gelesen hat.
Understand (1991; dt. Verstehen, 2014) ist eine Kurzgeschichte von Ted Chiang, in der ein Mann nach Anoxie einen Hirnschaden erleidet und nach Behandlung mit einem experimentellen Medikament intellektuell über sein früheres Selbst hinauswächst.
Der Zombie Survival Guide – Überleben unter Untoten (Max Brooks, 2010) behauptet, dass Menschen nur 5 Prozent ihres Gehirns benutzen, was genügend Raum und Kapazität lasse, um einen potentiellen, durch Viren aktivierten sechsten Sinn von Zombies zu erklären.[90]
Film
Im Film Der Flug des Navigators (1986), entdecken Wissenschaftler des Planeten Phaelon, dass Menschen nur 10 Prozent der Kapazität ihres Gehirns verwenden. Experimentell füllen sie deshalb die verbleibenden 90 Prozent eines Teenagers namens David mit verschiedenen Informationen (zum Beispiel auch Sternkarten).
Die Prämisse der romantischen Komödie Rendezvous im Jenseits (1991) besteht darin, dass die Menschen nur 3 bis 5 Prozent ihres Gehirns benutzen (sie werden deshalb als „Little Brains“ bezeichnet) und damit während ihrer Zeit auf der Erde nur ihre Angst zu besiegen versuchen. Gelingt dies einem Erdling und lernt er, mehr kognitive Leistung zu erbringen, erreicht er eine höhere Ebene. Falls ihm das nicht gelingt, wird seine Seele wiedergeboren und er bekommt einen weiteren Versuch auf der Erde.
Der Rasenmähermann (1992) behandelt Experimente mit der geistigen Kapazität eines Gärtnergehilfen. Es gibt keine Gemeinsamkeiten mit der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King.
Im Techno-Thriller The Dark Fields (Alan Glynn, 2001) experimentiert der Protagonist Eddie Spinola mit der Droge MDT-48 und erhöht seine geistigen Fähigkeiten weit über seine 20 Prozent – statt der üblich erwähnten 10 Prozent – hinaus. 2011 wurde das Buch unter dem Titel Limitless verfilmt in dem der erfolglose Schriftsteller Eddie Morra mit einer synthetischen Droge mit dem Namen NZT-48 experimentiert, die ihm der Drogendealer Vernon Gant mit der Behauptung überläßt, sie aktiviere die Kapazität des Gehirns über die üblichen 10 bis 20 Prozent hinaus. 2015 wurde eine Fernsehserie basierend auf diesem Thriller produziert.
In der Pilotepisode zur Fernsehserie Heroes (2006) bestätigt der Genetikprofessor Mohinder Suresh den Zehn-Prozent-Mythos und erklärt damit das menschliche Potenzial für Superkräfte.
Auch der Film Lucy (2014) „perpetuiert [diesen] Gehirn-Mythos“.[91][92][93]
Auch in The Lazarus Effect, einem 2015 erschienen Horrorthriller, findet der Mythos seine Erwähnung.

Werbung

Auch in der Werbung wird der Zehn-Prozent-Mythos in verschiedenen Weisen eingesetzt, um dem Leser – und potentiellen Kunden – nahezubringen, dass er bei Benutzung der beworbenen Dienste und Waren ein höheres geistiges Potential zeigt (oder erhält). Beispielsweise warb Northwest Airlines mit dem Slogan: „It’s been said that we use a mere 10 % of our brain capacity. If, however, you’re flying ConnectFirstSM from Northwest Airline, you’re using considerably more.“[94] Es gibt weitere Beispiele dieser Art von gewollt humorigen Anspielungen bis zur Suggestion, seine geistige Leistung durch das beworbene Produkt steigern zu können.[95]

Weitere Verwendung ohne Bezug auf das Gehirn

Es gibt zwei weitere Themengebiete, in denen ähnliche Begriffe wie „Zehn-Prozent-Mythos“ verwendet wurden, um eine oft wiederholte Prozentangabe als unrichtig zu bezeichnen. In beiden Fällen liegt der Mythos aber darin, dass mit zehn Prozent ein viel zu hoher Wert angegeben wird, und in beiden Fällen ist die Verwendung erheblich seltener als beim Bezug auf das menschliche Gehirn.

In der englischsprachigen Literatur, die sich mit Ergebnissen der Sexualforschung beschäftigt, findet sich der Begriff ten percent myth[96], the myth of ten percent[97], ten percent homosexuality myth[98] oder „Zehn-Prozent-Mythos“[99] im Zusammenhang mit dem Prozentsatz von Homosexuellen an der Gesamtpopulation, den Alfred Charles Kinsey und Mitarbeiter[100] 1948 mit „Ten percent of the males are more or less exclusively homosexual...“[101] angegeben hatten.
Eine weitere, einmalige Erwähnung, mythical ten percent,[102] findet sich im Zusammenhang mit der Gehörlosenforschung in den USA, wo angeblich bei zehn Prozent der von Geburt an Gehörlosen in den USA entweder ein oder beide Elternteile auch gehörlos sein sollen.[103]
Weblinks

Anthony Carboni (Sprecher): Video: Do We Really Use Only 10 % Of Our Brain?, DNews, 3:02 min
Literatur

Christopher Wanjek: Bad Medicine: Misconceptions and Misuses Revealed, from Distance Healing to Vitamin O. John Wiley & Sons 2003, ISBN 978-0-471-46315-3.
Christian Jarrett: Great Myths of the Brain (Great Myths of Psychology). John Wiley & Sons Inc, 2014 ISBN 978-1-118-62450-0.

Einzelnachweise und Kommentare

↑ a b Christoph Drösser: ZEIT-Serie „Stimmt’s“: Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seiner Gehirnkapazität, Die Zeit, Nr. 40, 26. September 1997.
↑ Mario Lips: Ungenutzte Reserven im Gehirn? Schluss mit dem 10-Prozent-Mythos!, N24, 21. Juli 2014.
↑ a b Do People Only Use 10 Percent Of Their Brains. Scientific American. 7. Februar 2008. Abgerufen am 22. September 2014.
↑ Shanna Freeman: Top 10 Myths About the Brain, HowStuffWorks; abgerufen am 7. August 2014.
↑ Sergio Della Sala: Tall Tales about the Mind and Brain: Separating Fact from Fiction.. Oxford University Press, 2007, ISBN 978-0198568773, S. 20.
↑ a b Sandra Aamodt, Samuel Wang: Welcome to Your Brain.. C.H.Beck, 2008, ISBN 978-3-406-57140-4, S. 25.
↑ Benjamin Radford: The Ten-Percent Myth. snopes.com. 8. Februar 2000. Abgerufen am 22. September 2014.
↑ a b c d e f g h i Barry L. Beyerstein: Whence Cometh the Myth that We Only Use 10 % of our Brains?. In: Sergio Della Sala (Hrsg.): Mind Myths: Exploring Popular Assumptions About the Mind and Brain. Wiley, 1999, ISBN 0-471-98303-9, S. 3–24.
↑ Medizinisch-chirurgische Rundschau.. Engle, Urban & Schwarzenberg., 1869, S. 3.
↑ Gerhard Heberer und Franz Schwanitz: Hundert Jahre Evolutionsforschung. Fischer, 1960.
↑ Oliver Peschel: Das Kind in der forensischen Medizin: Festschrift für Wolfgang Eisenmenger.. Hüthig Jehle Rehm, 2009, ISBN 978-3-609-16409-0, S. 62.
↑ Wolfgang Tzschoppe: Struktur der Mathematik – Mathematik der Strukturen.. BoD – Books on Demand, 2012, ISBN 978-3-8448-2255-7, S. 14.
↑ Santiago Ramón y Cajal und Stanton A. Friedberg: Studien über die Hirnrinde des Menschen.. Verlag von Johann Ambrosius Barth, 1906.
↑ Université de Montréal, Ecole de psychoéducation: Serge Larivée; Editions Eres: Serge Larivée.
↑ Université de Montréal, Département de sciences biologiques: Jean-François Pflieger.
↑ Université Laval, École de psychologie: Jacinthe Baribeau; manuscrit.com: Jacinthe Baribeau.
↑ a b c d e f g h i S. Larivée, J. Baribeau, J.-F. Pflieger: Qui utilise 10 % de son cerveau ? (Who uses 10% of his brain ?), Revue de psychoéducation, Bd. 37, Nr. 1, S. 117–142 (2008).
↑ Robert J. Samuelson: The triumph of the psycho-fact, Newsweek, 9. Mai 1994, S. 75.
↑ Jonathon Taft, George Watt, Nelville Soulé Hoff: The Dental Register., 64. Wrightson, 1910, S. 26.
↑ Frei übersetzt: „Der Durchschnittsmensch benutzt nur ein Viertel seiner physischen Möglichkeiten und ein Zehntel seiner Gehirnmöglichkeiten. Das durchschnittliche Gehirn zeigt nur ein Zehntel der Zellen überhaupt entwickelt.“
↑ Young Men. 1915 (Vol. 41), S. 129.
↑ Frei übersetzt: „Der verstorbene Professor James sagte, dass der durchschnittliche Mann nur ein Zehntel seiner Gehirnleistung benutzte.“
↑ Popular Science Monthly.. McClure, Phillips and Company, 1922 (Vol. 101), S. 21.
↑ Reprint: Hearst Magazines: Popular Mechanics.. Hearst Magazines, September 1922, S. 63, ISSN 00324558.
↑ Frei übersetzt: „Mark Twain sagte einmal, dass der durchschnittliche Mann nicht viel mehr Gebrauch von seinem Kopf mache, außer für den Zweck, dass seine Krawatte nicht abrutsche. Und Professor William James behauptete, dass der durchschnittliche Mensch nur etwa einen zehnten Teil seines Gehirns verwende.“
↑ Bonnier Corporation: Popular Science.. Bonnier Corporation, November 1928, S. 173, ISSN 01617370.
↑ Frei übersetzt: „Es gibt keine Grenze für das, was das menschliche Gehirn erreichen kann. Wissenschaftler und Psychologen teilen uns mit, dass wir nur etwa zehn Prozent unserer Gehirnleistung verwenden. Der Geist ist wie ein Muskel. Durch Übung und Gebrauch wird er stärker. Er wird schwächer und vermindert sich durch Untätigkeit.“
↑ Dale Carnegie: How to Win Friends and Influence People (Textprobe). Abgerufen am 22. September 2014.
↑ L. Thomas: A short-cut to distinction, in How to Win Friends and Influence People (1937, S. 1–13), Dale Carnegie (Herausgeber), Toronto: Musson Book.
↑ Frei übersetzt: „Professor William James in Harvard pflegte zu sagen, dass der durchschnittliche Mensch nur zehn Prozent seiner latenten geistigen Fähigkeiten entwickelt.“
↑ Kommentar zur Auflage von 2010; Dale Carnegie: How To Win Friends and Influence People.. Simon and Schuster, 24. August 2010, ISBN 978-1-4516-2171-6.
↑ Dale Carnegie: How to Stop Worrying and Start Living, New York (1944), Simon é Schuster.
↑ Frei übersetzt: „Im Vergleich zu dem, was wir sein sollten, sind wir nur halb wach. Wir nutzen nur einen kleinen Teil unserer körperlichen und geistigen Ressourcen. Generell gesagt lebt das menschliche Individuum in dieser Weise weit innerhalb seiner Grenzen. Es besitzt Fähigkeiten verschiedener Art, die es gewöhnlich nicht nutzt.“
↑ Frei übersetzt: „Gedankenprozesse werden nicht nur durch diese engrammischen Befehle gestört, sondern auch durch die Tatsache, dass der reaktive Geist durch die Regeneration der Bewusstlosigkeit die tatsächliche Fähigkeit zu denken reduziert. Nur wenige Menschen besitzen dadurch mehr als 10% ihres potenziellen Bewusstseins.“
↑ Zitiert in der systematische Auflistung im Übersichtsartikel von S. Larivée, J. Baribeau, J.-F. Pflieger: Qui utilise 10 % de son cerveau ? (Who uses 10% of his brain ?), Revue de psychoéducation, Bd. 37, Nr. 1, 117–142 (2008).
↑ Dianetik, Albert Einstein und die Aussage des Zehn-Prozent-Mythos.
↑ David V. Lewis: How to Master Your Memory, Gulf Publishing, Houston, Texas (1962).
↑ Frei übersetzt: „Die Experten sind sich einig, dass Sie nur einen Bruchteil Ihrer geistigen Macht verwenden. Kein geringerer Fachgelehrter als der große Harvard-Psychologe William James behauptet, dass die durchschnittliche Person gewöhnlich 10 bis 15 Prozent ihrer Gehirnleistung verwendet.“
↑ Jeffrey J. Kripal: Esalen: America and the Religion of No Religion.. University of Chicago Press, 15. April 2007, ISBN 978-0-226-45369-9, S. 85; frei übersetzt: „Die Neurologen haben uns gezeigt, dass kein menschliches Wesen je mehr als zehn Prozent aller Neuronen seines Gehirns genutzt hat.“.
↑ James R. Lewis, J. Gordon Melton: Perspectives on the New Age.. SUNY Press, 1992, ISBN 978-0-7914-1213-8, S. 37.
↑ Aus den Resultaten einer von Larivée et al. durchgeführten PubMed-Suche nach „Warren Penfield“ schließen die Autoren, dass entweder (a) „Warren Penfield“ eine Erfindung von Pauwels und Bergier ist, oder dass (b) hier mit „Wilder Penfield“ verwechselt wurde, der keine solche Aussagen getätigt habe.
↑ Louis Pauwels und Jacques Bergier: Le matin des magiciens, Gallimard (1966), Paris.
↑ Frei übersetzt: „Im Zustand des normalen Wachbewusstseins ist ein Zehntel des Gehirns aktiv. Was geschieht in den schweigenden neun Zehnteln? Und gibt es da nicht einen Zustand, in dem das gesamte Gehirn eine organisierte Tätigkeit ausführt? […] Warum besitzt [der Mensch] nicht eine Art analoger, elektronischer Maschine in den Tiefen seines Gehirns? Wir wissen heute, dass neun Zehntel des menschlichen Gehirns im normalen bewussten Leben ungenutzt sind und Dr. Warren Penfield hat in uns die Existenz dieses riesigen, stillen Bereichs unter Beweis gestellt.“
↑ Robert Leo Montgomery: Memory Made Easy. The Complete Book of Memory Training, Amacom Books (1979), New York, ISBN 978-0-81445-523-4.
↑ Frei übersetzt: „Psychologen sagen, dass die meisten von uns nicht mehr als zehn Prozent unserer angeborenen Erinnerungsfähigkeit verwenden.“
↑ Sheila Ostrander, Lynn Schroeder und Nancy Ostrander: Superlearning, New York : Delacorte Press/The Confucian Press (1979).
↑ Freie Übersetzung: „In diesen Berichten erwähnten Schriftsteller unvermeidlich eine grundlegende Behauptung sowjetischer Physiologen: Wir verwenden knapp zehn Prozent unserer Gehirnkapazität, doch können wir lernen, die anderen neunzig Prozent anzuzapfen; wir können, wie sie sagen, lernen, die Reserven des Geistes zu erschließen.“
↑ Peter Russell: The Brain Book, New York (1979), Hawthorn Books (The Brain Book: Know Your Own Mind and How to Use it, Routledge (2010), ISBN 978-0-41503-455-5).
↑ Frei übersetzt: „Es wird häufig festgestellt, dass wir nur 10 Prozent unseres vollen geistigen Potentials verwenden. Dieses, so es scheint jetzt, ist eher eine Überschätzung. Wir verwenden wahrscheinlich nicht einmal 1 Prozent, wahrscheinlicher 0,1 Prozent oder weniger.“
↑ Scott Witt: (1983). How to be twice as smart. Boosting your brainpower and unleashing the miracles of your mind, Reward Books (1983), New York (Prentice Hall Press (2002), ISBN 978-0-73520-28-25).
↑ Frei übersetzt: „Die meisten Menschen benutzen zehn Prozent oder weniger ihrer Gehirnleistung und lassen dabei eine riesige Reserve mentaler Fähigkeiten ungenutzt.“
↑ Larry Belliston und Craig K. Mayfield: Speed Learning Super Recall, Utah, Woodland Hills (1983), SB Publishers, ISBN 978-0-91164-102-8.
↑ Frei übersetzt: „Sie haben wahrscheinlich gehört, dass wir nur 10 oder 20 Prozent unserer geistigen Kräfte verwenden. Wie kann das sein? Gibt es ein Geheimnis zum Entsperren der anderen 80 oder 90 Prozent?“
↑ Tony Buzan: Make the Most of Your Mind, Simon & Schuster (1984), New York (Touchstone, ISBN 978-0-67149-519-0).
↑ Frei übersetzt: „Die allgemein gehörte Feststellung, dass wir durchschnittlich nur 1 Prozent unseres Gehirns verwenden, könnte wahrscheinlich falsch sein, da es nun scheint, dass wir sogar weniger als 1 Prozent verwenden.“
↑ Colin Rose: Accelerated Learning, Dell Publishing Company (1987), New York, ISBN 978-0-44050-044-5.
↑ Frei übersetzt: „Es war eine oft zitierte Statistik, dass wir nur 10 % unserer potenziellen Hirnleistung nutzen. Je mehr die Psychologen in den letzten zehn Jahren gelernt haben, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie es wagen können, unser Hirnpotenzial zu quantifizieren. Die einzige konsequente Schlussfolgerung ist, dass der Anteil unserer potentiellen Gehirnleistung, die wir verwenden, wahrscheinlich näher bei 4 Prozent als bei 10 Prozent liegt.“
↑ Arthur Winter und Ruth Winter: Augmentez la puissance de votre cerveau, Le Jour Eds (1990), Montréal, ISBN 978-2-89044-395-2.
↑ Frei übersetzt: „Sie verwenden nur einen Bruchteil Ihrer Gehirnkapazität, schätzungsweise 0,01 bis 10 Prozent.“
↑ Moses Adetumbi: You Are a Better Student Than You Think, Adex Book Co. (1992), Huntsville (AL), ISBN 978-0-96325-022-3.
↑ Frei übersetzt: „Es wurde geschätzt, dass eine durchschnittliche Person nur einen Bruchteil (weniger als 5%) ihres Hirnpotentials verwendet. Sowohl Psychologen als auch Neurobiologen sind sich einig, dass das menschliche Gehirn eine fast unbegrenzte Fähigkeit des Lernens hat.“
↑ Scott O. Lilienfeld, Steven Jay Lynn und John Ruscio (Coauthor: Barry L. Beyerstein): 50 Great Myths of Popular Psychology: Shattering Widespread Misconceptions about Human Behavior.. John Wiley & Sons, 15. September 2011, ISBN 978-1-4443-6074-5, S. 36.
↑ Frei übersetzt: „Unser Geist ist zu bemerkenswerten, unglaublichen Fähigkeiten fähig, aber wir benutzen sie nicht zu ihrer vollen Kapazität. Tatsächlich benutzen die meisten von uns nur ungefähr 10 % unseres Gehirns, wenn überhaupt. Die anderen 90 % sind voll von unerschlossenem Potenzial und einer unentdeckten Fähigkeit, was bedeutet, dass unser Geist nur in sehr beschränkter Weise arbeitet anstatt bei voller Kapazität. Ich glaube, dass wir einmal volle Macht über unseren Geist hatten. Wir mussten, um zu überleben, aber da unsere Welt anspruchsvoller und komplexer geworden ist, haben wir viele der Fähigkeiten, die wir einmal hatten, vergessen.“, Original in Uri Geller’s Mindpower Kit, New York: Penguin Books, 1996.
↑ Michael Clark: Reason to Believe. A Practical Guide to Psychic Phenomena, Avon Books (1997), New York, ISBN 978-0-38078-474-5.
↑ Frei übersetzt: „Wir verwenden normalerweise 10 bis 20 % unseres Geistes. Überlegens Sie, wie unterschiedlich Ihr Leben sein würde, wenn Sie diese anderen 80 bis 90 % verwenden konnten, die als Unterbewusstsein bekannt sind.“
↑ Rhonda Byrne, The Secret – Das Geheimnis, >Goldmann Arkana (2007), ISBN 978-3-44233-790-3.
↑ Kenneth L. Higbee und Samuel L. Clay: College Students’ Beliefs in the Ten-Percent Myth, The Journal of Psychology, 132 (5), 469–476 (Sep. 1998); doi:10.1080/00223989809599280.
↑ Sergio Della Sala: Mind Myth. Exploring Popular Assumptions About the Mind and Brain, John Wiley (1999), New York, ISBN 978-0-471-98303-3.
↑ Freie deutsche Übersetzung des Originals: „Myths about the brain typically arise in this fashion: An intriguing experimental result generates a plausible if speculative interpretation (a small part of the lobe seems sufficient) that is later overextended or distorted (we use only 10 percent of our brain). The caricature ultimately infiltrates pop culture and takes on a life of its own, quite independent from the facts that spawned it.“
↑ a b c Gregory Hickok: Three Myths about the Brain, New York Times, 1. August 2014.
↑ a b Benjamin Radford: The Ten-Percent Myth, The Skeptical Inquirer, Bd. 23.2, März/April 1999, S. 52 ff.; abgerufen am 26. November 2016.
↑ Abraham Sperling: A Story of a Genius, in Psychology for the Millions, 1946, S. 332–339.
↑ Harvey J. Irwin, Caroline A. Watt: An Introduction to Parapsychology, 5th ed... McFarland, 21. Februar 2007, ISBN 978-0-7864-5138-8, S. 19.
↑ Sam Wang: Debunking Common Brain Myths. 24. April 2009. Abgerufen am 22. September 2014.
↑ Sam Wang und Sandra Aamodt: Welcome to Your Brain: Why You Lose Your Car Keys but Never Forget How to Drive and Other Puzzles of Everyday Life. 2. Februar 2008, ISBN 978-1-59691-283-0.
↑ LibraryThing: James W. Kalat.
↑ J. W. Kalat: Biological Psychology, 6th edition, Pacific Grove: Brooks/Cole Publishing Co., 1998, S. 43.
↑ Christian Jarrett: All You Need To Know About the 10 Percent Brain Myth, in 60 Seconds, Wired, 24. Juli 2014.
↑ Ezequiel Morsella: Do we use only 10 percent of our brain?, Psychology Today, 21. Juni 2011.
↑ Diane Larsen-Freeman (2000): Techniques and Principles in Language Teaching. Teaching Techniques in English as a Second Language (2nd edition), Oxford, Oxford University Press. p. 73, ISBN 978-0-19-435574-2.
↑ Frei übersetzt: „… dass wir eventuell nur fünf bis zehn Prozent unserer geistigen Kapazität benutzen“.
↑ Frei übersetzt: Woher kommt der Mythos, dass wir nur 10% unseres Gehirns verwenden?
↑ Stephen F. Davis und Joe Palladino: Psychology: Media and Research.. Pearson/Prentice Hall, Juni 2004, ISBN 978-0-13-191759-0. Im Original: „one of the hardiest weeds in the garden of psychology“.
↑ Pedro De Bruyckere, Paul A. Kirschner, Casper D. Hulshof: Urban Myths about Learning and Education.. Elsevier Science, 6. März 2015, ISBN 978-0-12-801731-9, S. 100.
↑ Nikhil Swaminathan: Why Does the Brain Need So Much Power?. In: Scientific American. 29. April 2008. Abgerufen am 22. September 2014.
↑ André Parent: Carpenter’s Human Neuroanatomy (Kapitel 1).. Williams & Wilkins, 1996, ISBN 978-0-683-06752-1.
↑ Angesichts des Sterberisikos von Babys bei der Geburt aufgrund von Komplikationen durch Schädelgrösse gibt es einen starken Selektionsdruck gegen große Schädel mit großen Gehirnen.
↑ MythBusters Database: 10 Percent of Brain; finding: busted.
↑ Diese beispielhafte Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
↑ Max Brocks: The Zombie Survival Guide: Complete Protection from the Living Dead, Broadway Books (2003), ISBN 978-1-4000-4962-2, Kapitel 1, Zombie Attributes: Read an excerpt: F. Sixth Sense.
↑ Nick Ng: ‘Lucy’ Movie Perpetuates Brain Myth, Guardian Liberty Voice, 3. August 2014.
↑ Christopher Bahn: ‘Limitless’ brainpower plot isn’t all that crazy. 7. März 2011. Abgerufen am 22. September 2014.
↑ Der französische Neurologe Yves Agid, der den Regisseur Luc Besson bei den Dreharbeiten zu Lucy beriet, sagte in einem Interview (Michael Simm: Ein bisschen Hirn-Doping ist möglich, Focus, Nr. 34, 18. August 2014, S. 85), dass er Besson auf die Unrichtigkeit der „10-Prozent-Idee“ hingewiesen habe. Besson habe aber daran festgehalten. Nach Agids Meinung sei dies in Ordnung, da Lucy ein Science-Fiction-Thriller und keine Wissenschaftsdokumentation sei.
↑ Earl G. Graves: Black Enterprise.. Earl G. Graves, Ltd., Juni 1998, S. 23, ISSN 0006-4165.; frei übersetzt: „Es wurde gesagt, dass wir gerade einmal 10 % unserer Gehirnkapazität nutzen. Wenn Sie aber ConnectFirstSM von Northwest Airline fliegen, verwenden Sie deutlich mehr.“
↑ Eric Chudler: Myths About the Brain: 10 percent and Counting, 17. April 2013.
↑ Peter Sprigg: Outrage: How Gay Activists and Liberal Judges are Trashing Democracy to Redefine Marriage.. Regnery, 2004, ISBN 978-0-89526-021-5, S. 76.
↑ Edward O. Laumann: The Social Organization of Sexuality: Sexual Practices in the United States.. University of Chicago Press, 15 December 2000, ISBN 978-0-226-47020-7, S. 287.
↑ Jennifer Bass: Kinsey And The 10 Percent Homosexuality Myth, 23. April, 2011; abgerufen am 25. November 2016.
↑ Gunter Schmidt, Arne Dekker: Kinder der sexuellen Revolution.. Psychosozial-Verlag, 2000, ISBN 978-3-89806-027-1, S. 56.
↑ A. C. Kinsey, W. B. Pomeroy und C. E. Martin: Sexual behavior in the human male, Saunders, Philadelphia (1953), ISBN 978-0-253-33411-4.
↑ Frei übersetzt: „Zehn Prozent aller Männer sind mehr oder weniger ausschließlich homosexuell...“
↑ Frei übersetzt etwa ‚mythischen zehn Prozent‘.
↑ R. E. Mitchel und M. Karchmer: Chasing the mythical ten percent: Parental hearing status of deaf and hard of hearing students in the United States, Sign Language Studies 4(2), S. 138–163.
Zuletzt bearbeitet vor 3 Tagen von einem anonymen Benutzer

C Wikipedia

Der Inhalt ist verfügbar unter CC BY-SA 3.0, sofern nicht anders angegeben.

Drucke diesen Beitrag

  Erste Streuung von Licht an Licht
Geschrieben von: Eik - 17.02.2017, 17:48 - Forum: Physik - Antworten (8)

Erste Streuung von Licht an Licht
Experimenteller Nachweis von Photonen-Wechselwirkung am LHC

Nach 80 Jahren endlich nachgewiesen: Physiker haben erstmals die Streuung von Licht an Licht beobachtet – ein Phänomen, dass in der klassischen Physik als unmöglich gilt. In der Quantenphysik jedoch wurde eine solche Photonen-Wechselwirkung schon 1935 vorhergesagt. Der erste experimentelle Nachweis gelang nun bei Kollisionen von Bleikernen im Teilchenbeschleuniger LHC.

[Bild: photonstreub.jpg]
Diphotonen-Ereignis im ATLAS-Detektor bei der Kollision zweier Bleikerne - bei diesem Ereignis wird Licht an Licht gestreut.
© ATLAS Collaboration 


Im Gegensatz zu Materieteilchen galt für Lichtteilchen in der klassischen Physik bisher: Photonen sind füreinander unsichtbar, sie spüren sich nicht. Wenn Lichtstrahlen sich kreuzen, dürften sie sich daher nicht beeinflussen. Nach den von James Clerk Maxwell aufgestellten Gleichungen zur elektromagnetischen Strahlung darf es auch eine Streuung von Licht an Licht nicht geben. 

Theoretisch möglich, aber nicht bewiesen

Doch durch die Quantenphysik änderte sich das Bild: Bereits im Jahr 1935 sagten die Physiker Werner Heisenberg und Hans Euler voraus, dass im Rahmen der Quantenelektrodynamik in ganz seltenen Fällen eine Wechselwirkung möglich sein könnte. Tatsächlich ist es Forschern inzwischen gelungen, durch geschickte Manipulation Photonen miteinander zu verkoppeln, so dass sie sich wie in einem Molekül oder einem Kristall verhalten.

"Die elastische Streuung von Licht durch Licht jedoch ließ sich bisher nicht beobachten – selbst die extrem intensiven Laserexperimente waren nicht stark genug, um dieses Phänomen zu erkunden", erklären die Physiker der ATLAS-Kollaboration, der Forschergruppe, die am Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) den Detektor ATLAS betreut. 



[Bild: photonstreu2m.jpg]
Quantenelektrodynamische Illustration einer Bleikern-KOllision (links) und der daraus resultierenden Licht-an-Licht-Streuung.
© ATLAS Collaboration 


Nachweis bei beinahe Kollision

Jetzt ist es den Physikern am LHC erstmals gelungen, die Licht-an-Licht-Streuung experimentell zu beweisen. Möglich wurde dies bei Kollisionen von Blei-Ionen mit einer Energie von fünf Teraelektronenvolt (TeV). Bei einigen wenigen solcher Kollisionen kommen sich Blei-Ionen nahe, zerbrechen aber nicht. 

Solche "ultra-peripheren Kollisionsereignisse" erzeugen in unmittelbarer Nähe der Bleikerne ein sehr starkes elektrisches Feld. "Diese von den kollidierenden Bleikernen erzeugten elektromagnetischen Felder können als quasirealer Strahl von Photonen betrachtet werden", erklären die Physiker. In ganz seltenen Fällen, so die theoretische Vorhersage, können zwei dieser begleitenden Photonen aneinander gestreut werden. 

13 Diphotonen-Ereignisse registriert

Die Signatur von insgesamt 13 solcher Diphotonen- Ereignisse haben die Physiker nun in den Daten des ATLAS-Detektors nachgewiesen. Wie sie berichten, liegt die Signifikanz ihrer Messergebnisse bei 4,4 Standardabweichungen. Sie entsprechen zudem genau dem, was nach den theoretischen Modellen für die Streuung von Licht an Licht zu erwarten wäre.

"Wir konnten damit zum ersten Mal einen Hinweis sehen, wie Lichtteilchen miteinander wechselwirken" erklärt Matthias Schott von der Universität Mainz, ein Mitglied der ATLAS-Kollaboration. "Wir haben eine unglaublich schöne Messung erhalten." (arXiv:1702.01625, 2017)



Quelle

Drucke diesen Beitrag

  Astrologie
Geschrieben von: Eik - 17.02.2017, 15:37 - Forum: Astrologie - Antworten (6)

Astrologie

Die Astrologie (Sterndeutung, von altgr. ἄστρον astron ‚Stern‘ und λόγος logos ,Lehre‘) ist die Deutung von Zusammenhängen zwischen astronomischen Ereignissen bzw. Gestirnskonstellationen und irdischen Vorgängen insbesondere in Bezug auf den Menschen.

Die „westliche“ Astrologie hat ihre Ursprünge in vorchristlicher Zeit in Babylonien bzw. Mesopotamien und Ägypten. Ihre in Grundzügen noch heute erkennbaren Deutungs- und Berechnungsgrundlagen erfuhr sie im hellenistisch geprägten griechisch-ägyptischen Alexandria. Aus ihr ging die Astronomie als deutungsfreie Beobachtung und mathematische Erfassung des Sternenhimmels hervor, und sie blieb lange Zeit als Hilfswissenschaft mit ihr verbunden.

In Europa hatte die Astrologie eine wechselvolle Geschichte. Nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion im Römischen Reich wurde sie bekämpft und ins Abseits gedrängt. Im späten Mittelalter gewann sie aber wieder an Reputation, und von der Renaissance bis zum 17. Jahrhundert war sie eine anerkannte Wissenschaft. Im Zuge der Aufklärung verlor sie jedoch in gebildeten Kreisen ihre Plausibilität. Erst um 1900 kam wieder ein ernsthaftes Interesse an der Astrologie auf, und seit den späten 1960er Jahren, ausgehend von der New-Age-Bewegung, hat sie in der westlichen Hemisphäre ein hohes Maß an Popularität erlangt.

Die Wissenschaft betrachtet die Astrologie heutzutage vor allem aus religionswissenschaftlicher und kulturhistorischer Perspektive. Alle methodisch korrekten empirischen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass überprüfbare Aussagen von Astrologen statistisch nicht signifikant besser zutreffen als willkürliche Behauptungen.



aus WIKIPEDIA

Drucke diesen Beitrag

  Bausteine des Lebens auf Zwergplanet Ceres entdeckt
Geschrieben von: Eik - 17.02.2017, 14:07 - Forum: Astronomie - Exobiologie - Antworten (1)

Bausteine des Lebens auf Zwergplanet Ceres entdeckt
Andreas Müller


 
[Bild: 71-aufnahme-der-oberflaeche-des.zwergplanten-ceres.jpg]

Faschfarbendarstellung der Ceres-Oberfläche.
Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA


San Antonio (USA) –Die NASA-Sonde „Dawn“ hat auf dem Zwergplaneten Ceres Regionen ausgemacht, die reich an organischen Stoffen sind. Die Forscher schließen, dass diese Stoffe aus dem Planeteninnern stammen und nicht von außen zugeführt wurden – das wiederum könnte Ceres zu einem weitren hoffnungsvollen Kandidaten für außerirdisches Leben im Sonnensystem machen.



Wie das Team um Dr. Simone Marchi vom Southwest Research Institute (SRI) aktuell im Fachjournal „Science“ (DOI: 10.1126/science.aaj2305) berichtet, handele es sich um lokale hohe Konzentrationen der organischen Stoffe in der Umgebung des 50 Kilometer durchmessenden Ernutet -Kraters auf der Nordhalbkugel des Zwergplaneten.

„Diese Entdeckung hat aus astrobiologischer Sicht weite Konsequenzen“, so Marchi und führt weiter aus: „Gemeinsam mit dem bereits zuvor entdeckten Wassereis, ammoniakhaltigen wässrigen Mineralien, Kohlenstoff und Salzen bilden diese Stoffe die Schlüsselzutaten des Lebens.“

[Bild: 04778.jpg]

Starke Konzentrationen (a-f) organischen Stoffe rund um den Ernutet-Krater auf den Zwergplaneten Ceres.
Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/ASI/INAF/MPS/DLR/IDA


Zudem weist Ceres deutliche Anzeichen für allgegenwärtige hydrothermale Aktivitäten, wässrige Veränderungen und flüssige Bewegungen unterhalb der eisigen Oberfläche auf. „Die organischen Stoffe an der Oberfläche könnten also auch das Ergebnis innerer Prozesse sein“, so die Forscher.
In weiteren Untersuchungen wollen die Dawn-Wissenschaftler nun Wege suchen, wie dieses Material aus dem Planeteninneren in jenen Mustern an die Oberfläche treten könnte, wie sie jetzt identifiziert wurden.

Plenetenwissenschaftler gehen davon aus, dass Ceres vor rund 4,5 Milliarden Jahren – also schon im frühn Sonnensystem – entstand. Von der Untersuchung der nun entdeckten organischen Stoffe erhoffen sich die Wissenschaftler auch Antworten auf Fragen zu Herkunft, Evolution und Verteilung organischer Arten im Sonnensystem.

Schon 2015 hatte der Planetenwissenschaftler Jian-Yang Li Planetary Science Institute auf dem Jahrestreffen der American Geophysical Union erläutert, dass Leben auf Ceres durchaus möglich wäre (…GreWi berichtete):

„Leben, wie wir es (von der Erde) kennen, benötigt drei Hauptzutaten: Flüssiges Wasser, eine Energiequelle und bestimmte chemische Bausteine (im irdischen Fall Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor und Schwefel).“

Ceres verfüge über diese Zutaten: Einen felsigen Kern und einen planetaren Mantel aus Wassereis und auf seiner Oberfläche wurden bereits weitere wässrige Mineralien geortet. „Tatsächlich sieht es so aus, als bestehe der nur 950 Kilometer durchmessende Zwergplanet Ceres zu 40 Prozent aus Wasser. Damit wäre Ceres neben der Erde eines der größten Wasserreservoire im inneren Sonnensystem.“ Allerdings sei es derzeit noch unklar, in welcher Form dieses Wasser vorhanden ist und ob es auf Ceres überhaupt Wasser in flüssiger Form gibt.


Was die Energiequelle anbetrifft, so erhält der Zwergplanet trotz seines Abstandes von 2,8 Astronomischen Einheiten (1 AE/AU = Abstand Erde-Sonne) immerhin noch mehr Sonnenenergie als die deutlich weiter entfernten Monde von Jupiter und Saturn. Während die Gezeitenkräfte ihrer Mutterplaneten das Innere von Europa und Enceladus verflüssigen und gewaltige Ozeane flüssigen Wassers unter kilometerdicken Eispanzern entstehen lassen, weist auch die erst im vergangenen Frühjahr gemachte Entdeckung von Wasserdampf in der dünnen Ceres-Atmosphäre auf unter einem Eispanzer verborgenen Ozeane flüssigen Wassers hin (…GreWi berichtete). Gezeitenkräfte können hier jedoch nicht für die Verflüssigung von Eis verantwortlich sein. Wie schon auf Enceladus und Europa könnte dieses Wassereis durch Fontänen in die Atmosphäre gepresst werden. Allerdings könnte der Wasserdampf auch durch vom Sonnenlicht aufgetautes Oberflächeneis stammen, so Li.

WEITRE MELDUNGEN ZUM THEMA
Wassereis fast überall auf Zwergplanet Ceres 19. Dezember 2016
„Ceres-Lichter“ offenbaren nach und nach das Geheimnis ihrer Zusammensetzung 30. Juni 2016


Quelle Grewi 

Drucke diesen Beitrag

  Gnosis und Gnostizismus - der Nag Hammadi Codex -
Geschrieben von: Eik - 16.02.2017, 12:11 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Keine Antworten

Um die Bedeutung dieser Schriften nachzuvollziehen, ist es zweckmäßig ein wenig weiter auszuholen und eine wichtige Strömung im frühen Christentum kennen zu lernen, von deren Inhalten und Glaubensauffassung in der offiziellen Kirchendoktrin leider nur wenig zu finden ist:

Was versteht man unter Gnostizismus?

Das griechische Wort Gnosis bedeutet so viel wie Erkenntnis, Wissen. In den ersten Jahrhunderten n.uZ. war der Gnostizismus und die Gnosis schon vordem, im Mittelmeerraum eine vielschichtige geistige Bewegung. Gnostiker lebten in so genannten "praktischen" Gemeinschaften (Chrästoi), oft auch von (gewählten) Frauen geleitet, aber dennoch ohne zentrale Führung/Leitung, wie in den orthodoxen Religionen üblich und Gnostizisten lebte in Zirkeln ohne zentrale Leitung und vermittelte nach eigenem Verständnis ein besonderes esoterisches (geheimes, elitäres und bisweilen "okkultes") Bewusstsein. Dessen Hauptmerkmale sind:

  • Es gibt eine vollkommenen, allumfassenden Gottheit ("Alles was ist")
  • Dieser bringt einen unvollkommenen Gott hervor (auch als Demiurg oder Schöpfergott bezeichnet, also ein Baumeister der Schöpfung), der seinerseits eigenmächtig das materielle All erschafft.
  • Ebenfalls erschafft der Demiurg den Menschen und verbringt diesen in immer dichtere Materie.
  • Diesem Demiurg entspricht in vielen gnostizistischen Schriften der Gott des Tanach bzw. des Alten Testaments JHWH.
  • Daher ist Jesus nach Auffassung der Gnostizisten nicht der Sohn des Gottes der Juden, sondern – als eine Inkarnation des Christus – das Kind der vollkommenen Gottheit, also geistig verstanden, nicht etwa körperlich.
  • Die Schöpfung (und der Mensch) tragen jedoch grundsätzlich das Prinzip der ursprünglichen vollkommenen Gottheit in sich, von dem sie nicht zu trennen sind.
  • Das innewohnende geistige Prinzip, auch (Gottes-) Funke oder Samenkorn genannt, muss dem Menschen bewusst werden, um die Verhaftungen an die materielle Welt erkennen und lösen zu können.

Die Frage nach dem Ursprung des Gnostizismus sei führt uns in die frühesten Glaubenskämpfe der gottesfürchtigen Urchristen, die den Lehren des Petrus folgten. Dagegen sieht der Wissenschaftler Hans Jonas (Gnosis und spätantiker Geist, 1934) die Wurzeln der Gnosis nicht an einem bestimmten geographischen Ort oder in einer anderen Religion, sondern in der mentalen und sozialen Atmosphäre der Spätantike. Die Auflehnung gegen die orthodoxe jüdische Religion und dieTtradierung alt Ägyptischer Inhalte, spielt hier auch eine gewichtige Rolle. Gnostizismus hingegen ist eine Religion und nicht zu verwechseln mit Gnosis (schlicht Erkenntnis) einer Geisteshaltung vor dem Gnostizismus. Gnostizismus ist eine Mixtur von Gnosis, alt Orientalischer Philosophie und christlicher Religion, wobei die gnostischen und philosophischen Inhalte zum Teil missinterpretiert werden.

Zentral bei diesem Verständnis sei die Erfahrung der Entfremdung: der Gnostizistiker empfindet sich aus seiner natürlichen Umgebung entwurzelt, im Gegensatz zum Gnostiker, der sich mit allen materiellen Erscheinungen verbunden fühlt. und in diese schlechte, materielle Welt geworfen. (An dem Attribut‚ weltfremd wird ein Gnostizist daher kaum Anstoß nehmen…)

So richtet sich der Erlösungsgedanke allein auf die transzendente Komponente (den "Gottesfunken" oder das "Wesen"), welche das eigentliche Selbst jedes bewussten Lebewesens bildet. Im Gnostizismus wird getrennt was zusammengehört, das "Geistige" vom Körperlichen, das Materielle vom Immateriellen. Damit führt der Gnostizismus die Gnosis ad absurdum.

Den verschiedenen Systemen der Gnosis und des Gnostizismus ist allenfalls gemeinsam, dass als Erlösung die Rückkehr zur transzendenten Wirklichkeit angestrebt wird. Es besteht ausschließlich im Gnostizismus ein in in seiner Radikalität unterschiedlich ausgeprägter Dualismus  zwischen dem Geistigen und dem Materiellen. Die Gnosis vereint hingegen beides.

"Das Innere ist wie das Äußere"... "Sehr Ihr denn nicht, wer das Innere gemacht hat, der hat auch das äußere Erschaffen" usw.

Die materielle Welt galt dem Gnostizistiker als schlecht. Von dem unerkennbaren „höchsten Wesen“ ging eine Folge von Emanationen (Hervorgehen der Dinge aus einem höheren, göttlichen Ursprung) oder "Äonen" aus – hohe Geistwesen, die mit dem "höchsten Wesen" in Kontakt treten konnten. Einer der niedrigen "Äonen", der nicht in unmittelbarem Kontakt mit dem "höchsten Wesen" stand, war angeblich für die Erschaffung der Welt verantwortlich. Hier werden Inhalte der Gnosis in Systeme eingebunden, die eindeutig Religion darstellen und sich an christliche oder jüdische Inhalte anknüpfen. 

Die Schöpfung war daher für die Gnostizisten, wenn nicht eindeutig schlecht, dann doch zumindest wenig gelungen und ohne Erkenntnis – eine Sphäre, aus der die Menschheit sich lösen sollte. Statt wie in der Gnosis angedacht, das Ergebnis der Notwendigkeit eines Lernens aus den Bildern der Materie.

Jesus der Gnostizisten, Christus (abgeleitet aus Chrästos "der Sanftmütige" im Zuge des Itazismus) genannt, wurde als ein Abgesandter des höchsten Gottes verstanden, der die Erkenntnis ("Gnosis") zu bringen hatte – das geheime Wissen über den wahren Gott. Unter Erlösung verstand man die Überwindung der Unwissenheit durch Selbsterkenntnis. Als göttliches Geistwesen nahm Christus weder einen echten menschlichen Körper an noch starb er. Entweder war er nur für eine begrenzte Zeit in einen menschlichen Körper – Jesus – eingegangen oder er hatte lediglich eine täuschende menschliche Erscheinung angenommen. Stattdessen beschreibt die Gnosis Jesus oder Jeshua, eindeutig als Menschen unter Menschen, dem Erkenntnis zuteil wurde, durch einen aktiven Prozess der Erkenntnisgewinnung in dieser Welt.

Allein der Gnostizismus neigte also zum sog. Doketismus, einer Lehre, welche die Menschlichkeit und das Leiden des irdischen Christus als bloßen Schein und nicht als Realität ansieht. Anhänger des Doketismus nahmen also an, Jesus Christus habe nur scheinbar einen physischen Körper. Diese Lehre trat in verschiedenen frühkirchlichen Gruppen auf – sie geht zurück auf die gnostizistische Auffassung, alle Materie sei unrein weshalb der ewige Logos keine Stofflichkeit haben könne.
 
Gnostizismus, Licht aus einer anderen Welt – Rückkehr einer antiken Religion

Christentum, Judentum, Islam und auch der Gnostizismus glauben an den einen allmächtigen Gott. Erst hier wird die Wirklichkeit des Bösen zu einem echten religiösen Problem. Der Gnosituzismus wollte Gott nicht in die Schuldfrage verstricken und führte alles Böse auf den stümperhaften und eifersüchtigen Teufel zurück. Sie übersah dabei, daß auch ihr reiner Lichtgott sich die Frage stellen lassen mußte: Warum hast Du das böse Tun des Teufels nicht verhindert?

Einige Gnostizisten führten ein asketisches Leben, denn für sie bedeutete Gnostizismus, jeden Kontakt mit irdisch - körperlichen Lebensaspekten weitmöglichst zu vermeiden und sich allein auf das Geistige zu konzentrieren.

Zitat:„Am besten wäre es, niemals in diese Welt geboren worden zu sein, gut war, sie möglichst schnell zu verlassen. Deshalb zeugten sie keine Kinder.“

Aus kirchlich-offizieller Sicht ist Gnostizismus eine Irrlehre, die schon im Neuen Testament mehrfach aufgegriffen und bestritten wird (siehe z.B. 2. Joh 7). Denn nicht wenige Gnostizisten aber auch ihre Vorgänger die Gnostiker kamen zu der Erkenntnis, dass jener Gottesfunke unserem Inneren ruht – sodass ein spirituelles Bewusstsein allein durch uns selbst gefunden werden kann. Mit anderen Worten, religiöses Wissen sei intuitiv zugänglich und bedürfe keiner institutionellen Stütze. Damit aber wäre eine organisierte Kirche als Vermittler zwischen Gott und den Menschen sowie als Autorität in Glaubensfragen überflüssig. Vor diesem Hintergrund kann nachvollzogen, weshalb der Gnostizismus und Gnosis (von der Institutionellen Kirche oft nicht unterschieden!) von der entstehenden Kirchenorganisation als potenziell existenzbedrohend angesehen und als "verderbliche Selbsterlösungslehre" heftig bekämpft wird.

Andere, die libertinistischen extreme Gnostizistiker, zogen aus dem gleichen Weltbild gegenteilige Schlüsse: Man müsse das Böse in der bösen Welt noch steigern, damit endlich die alte Schöpfung zugrunde gehe. Der Kirchenvater Epiphanius (geb. 315) berichtet grob verallgemeinernd von diversen gnostizistischen Orgien, Spermaopfern und -kulten sowie schwarzen Messen, in denen das christliche Abendmahl imitiert und verspottet werde.

(Libertinismus bezeichnet eine Haltung, die sich nicht an moralische und traditionelle sexuelle Normen gebunden fühlt und einen ausschweifenden Lebenswandel führt.)

Frühchristliche Apokryphen und Pseudoepigraphien

Die ersten Christen, darunter Paulus v. Tarsus, erwarteten das Wiedererscheinen Christi so bald, dass sie anfänglich keine Veranlassung sahen, eine eigene schriftliche Tradition zu begründen. Gleichwohl existierte das Bedürfnis, sich des Lebens und der Lehre Jesu zu erinnern und schriftlich festzuhalten. Bereits in den Jahren 50 bis 100 n.Chr. entstanden zahlreiche Texte, von denen etliche später im Neuen Testament zusammengefügt wurden. 

Bis zum Ende des 2. Jahrhunderts war die Zahl christlicher Texte stark angewachsen, dabei war die Auswahl der in Gemeinden gelesenen Schriften regional verschieden. Neben der Notwendigkeit einer Sichtung und Ordnung kam auch die Frage nach dem Grad der Verbindlichkeit einzelner Texte auf. Auch der christlich-gnostizistische Theologe Marcion – der das A.T. aus theologischen Gründen verwarf (der strafende Gott des Alten Testaments und der liebende Vater Jesu konnten seiner Auffassung nach nicht derselbe Gott sein) – gab im 2. Jahrhundert zusätzlichen Anlass, über die Gültigkeit christlicher Texte zu reflektieren: er schuf einen ‚eigenen‘ Kanon aus dem Lukasevangelium und einigen Paulusbriefen. 

Zu dieser Zeit waren fünf Evangelien allgemein akzeptiert, andere Texte blieben lange umstritten – insbesondere die Offenbarung des Johannes, die bis heute nicht von allen christlichen Konfessionen als Teil des N.T. anerkannt wird. Nach Marcion, flog der Thomastext (Evangelium nach Thomas), als Evangelium aus dem Kanon.

Texte, die keinen Anspruch auf kanonische Gültigkeit erheben konnten, wurden seltener oder gar nicht mehr überliefert. Solche Texte wurden apokryph, d.h. verborgen. Seit dem 4. Jahrhundert konnte das ‚verstaatlichte‘ Christentum sich auch weltlicher Machtinstrumente bedienen, sodass Schriften mit abweichenden theologischen Tendenzen auch gezielt unterdrückt wurden – beispielsweise das Petrusevangelium oder dasEvangelium nach Maria. 

Das Wort apokryph erhielt noch eine zweite Bedeutung: Manche frühchristliche Texte waren nur für ein ausgewähltes, elitäres Publikum bestimmt; wo solche Texte den Begriff "apokryph" auch direkt im Titel führen, bedeutet er so viel wie geheim. Auch derartige Schriften wurden bekämpft und wurden damit apokryph auch im ersten Sinne des Wortes. 

„Alle apokryphen christlichen Texte sind Bestandteil der Literaturgeschichte des frühen Christentums und als solche wert, gelesen zu werden, abgesehen davon, dass viele Texte auch für sich genommen eine spannende Lektüre bieten. Die Kenntnis apokrypher Texte erweitert unser Verständnis des Neuen Testaments wie auch der Theologiegeschichte des frühen Christentums. Die […] Schriften waren Teil des breiten Stromes frühchristlicher Literatur in den ersten beiden christlichen Jahrhunderten. Sie zeigen die geistige Vielfalt, die der christlichen Literatur von Anfang an zu Eigen war.„ [vgl. „Was nicht in der Bibel steht. Apokryphe Schriften des frühen Christentums“ v. Uwe Karsten Plisch]

Pseudepigraphie – das ist die fälschliche Zuschreibung eines Textes an einen bestimmten Autor – war in der antiken Literatur in zwei Formen verbreitet: 
Ein zu Lebzeiten wenig bedeutsamer Autor verfasst einen Text und veröffentlicht ihn unter dem Namen einer prominenten Schreibers, um der eigenen Aussage stärkeren Nachdruck zu verleihen. Im N.T. können nur sieben der Paulusbriefe mit einiger Sicherheit Paulus v. Tarsus zugeschrieben werden, weitere könnten von dessen Schülern verfasst sein.
Auch wurden ursprünglich anonym verfasste und in Umlauf gebrachte Schriften  nachträglich mit prominenten Verfassernamen versehen, wiederum um deren Autorität zu stärken. So wurde das in umstrittene Johannesevangelium nur unter der Annahme, es stamme direkt von einem Jünger Jesu, in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen.

Gnostizistische Evangelien im Spannungsfeld zur offiziellen Kirchenlehre

Das Entstehungsumfeld mehrerer apokrypher Schriften wird dem Gnostizismus zugeordnet, dazu zählen unter anderem:
Der Gnosis:
Diese Texte fanden keinen Eingang in den Kanon der offiziellen Schriften des N.T., vielmehr werden sie als eigenständige Literatur betrachtet, die das Frühchristentum ohne Zweifel mitprägte – jedenfalls bis ins vierte Jhd. n. Chr., als sie nach dem Konzil von Nicäa als Häresie verbannt und ihr Besitz unter Strafe gestellt wurde. So gesehen, sind Gnosis, Gnostizismus und Christentum zwar geschichtlich und inhaltlich miteinander verwoben – es ist aber notwendig, zwischen ausser- und innerchristlichem Gnostizismus zu unterscheiden. Leichter gesagt als getan, denn es existiert in der Fachwelt keine präzise Definition dessen, was Gnostizismus und Gnosis ist.

Es lässt sich aber sagen, dass dem gnostischen Evangelium (Thomastext) und den gnostizistischen Evangelien mindestens eine Kernaussage gemeinsam ist: 

Der Mensch könne durch Selbsterkenntnis und Reflektion seinen persönlichen Weg zu Gott finden. In diesem Kontext erklärt sich wohl auch, was Gnostiker und z.T. Gnostizisten unter "Erleuchtung" verstehen, wenn sie von Jesus sprechen.

Zitat:„Dieser Umstand der Verwobenheit war und ist für die großen christlichen Konfessionen nicht unproblematisch, die stets die Unverträglichkeit von Gnosis, Gnostizismus und Christentum hervor gehoben haben und daran bis heute festhalten.“

Zitat:„Die ‚Verteidiger des Christentums‘ befürchten offensichtlich, wesentliche Teile der Aussagen Jesu, also zentrale Bausteine christlichen Religion könnten „als Ausdruck der so hart bekämpften Gnosis oder gar des Gnostizismus dargestellt werden. Damit aber könnte der Einmaligkeitsanspruch des Christentums geschwächt werden“. (vgl. ‚Die Gnostiker‘ v. Micha Brumlik)

Vor dem Hintergrund dieser Befürchtungen und dem übergeordneten Ziel einer geeinten Kirche werden die Bemühungen beinahe verständlich, den Bibelkanon nach ihrem Maßstab für Rechtgläubigkeit im Sinne eines widerspruchsfreien "kirchlichen Christentums" zusammen zu stellen. Gleichzeitig verleihen sie Jesus eine unantastbare Autorität, indem sie ihn zum einzigen Sohn Gottes erheben.
Dies zeigt sich auch deutlich in dem bis heute gültigen apostolischen Glaubensbekenntnis – einem überaus praktischen Instrument gegen die sog. Häresien. Mit ihm hatte man eine kurze und griffige Formel gefunden, welche Jungfrauengeburt, auch die Höllenfahrt, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu festschreibt und vor allem auch die zukünftige, fleischliche Auferstehung der Gläubigen hervorhebt – bis heute! Ob diese Bewahrung der "christlichen Wirklichkeit" erfolgreich war, liegt im Auge des Betrachters, ist jedoch meiner Meinung nach von der Bedeutung dieser Sätze her, für die meisten heute lebenden Menschen unverständlich geworden.


„Die Nag-Hammadi-Bibliothek wirft ein neues Licht auf das VerhŠältnis von ‚RechtglŠäubigkeit und Ketzerei‘ im frŸühen Christentum. Die meisten Verfasser der Nag-Hammadi-Schriften wurden als Ketzer gebrandmarkt und aus dem kirchlichen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Oft sind sie zu Opfern entstellender Polemik von seiten der rechtgläŠubigen Kirchenväter geworden. In den gnostischen Nag-Hammadi-Schriften dŸrfen sie endlich selbst reden und geben einen unverstellten Einblick in ihre Mythologie und Fröšmmigkeit. 

Es legte sich nahe, die bei Nag Hammadi gefundenen Quellen als "Bibel" der Häretiker (Ketzer) zu bezeichnen. Bibel ist hier jedoch nicht im Sinne eines festgesetzten Kanons heiliger Schriften wie im kirchlichen Christentum zu verstehen, sondern als eine Sammlung von Schriften, die erahnen lŠäßt, wie die Bibliothek eines gnostischen HäŠretikers ausgesehen haben kšönnte.

Diese Dokumente gnostizistischer Religiosität spiegeln die Vielfalt und den religišösen Reichtum des antiken Gnostizismus wider, sie enthalten auch zahllose originale gnostische Schriften. Diese Schriften gehšören unterschiedlichen gnostischen und gnostizistischen Schulen an, zum Teil sind sie christlich, zum Teil contra - jüdisch und zum Teil zeugen sie von der Existenz einer äußeren bzw. vorchristlichen und vorgnostizistischen Gnosis. Der inhaltlichen Vielfalt, die selbst WidersprüŸche aushŠält und gelten lŠäßt, entspricht ein großer Reichtum an altem Wissen und an literarischen Formen.

LG

Eik  Angel

Drucke diesen Beitrag

  Wo sind die Aliens? Das Fermi-Paradoxon
Geschrieben von: Eik - 15.02.2017, 21:19 - Forum: UfO's - Alien's und andere Begegnungen mit Lebensformen - Antworten (25)

Das Universum ist unvorstellbar groß. Da ist doch eigentlich ganz klar, dass irgendwo da draußen noch Leben sein muss. Oder?

<iframe width="854" height="480" src="https://www.youtube.com/embed/_oE2Z6jnrzc?ecver=1" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>


LG
Eik   10

Drucke diesen Beitrag