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14.03.2025, 12:28
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.03.2025, 12:37 von Michael (Voitlanger).)
Manfred, dein sogenannter „Beweis“ für die Existenz des „wirklichen GOTTES“ ist nichts weiter als eine Petitio principii – eine klassische Zirkelargumentation. Du definierst Gott als den, der Universum und Leben geschaffen hat, und schließt dann tautologisch, dass nur dieser Gott das Universum und das Leben geschaffen haben kann. Das ist kein Beweis, sondern ein semantischer Trick.
Nun zur eigentlichen Dekonstruktion deiner Aussage:
1. Kardinalität der Schöpfermenge
Du gehst stillschweigend von der Kardinalität |G| = 1 aus, also dass die Anzahl der schöpferischen Entitäten genau eins beträgt. Aber warum? Die Menge der möglichen Schöpfer ist nicht notwendigerweise von Mächtigkeit |1|. In der Mengenlehre gibt es keinen Grund, warum |G| > 1 nicht ebenfalls möglich sein sollte.
Stelle dir eine Funktion f : U → L vor, die jedem Universum U einen Erzeuger aus der Menge der möglichen Götter zuordnet. Dein Argument setzt voraus, dass es eine bijektive Abbildung zwischen Universen und Göttern gibt, also f(U) = g, wobei g eindeutig ist. Doch warum sollte das gelten? Es könnte ebenso eine surjektive Abbildung sein, d. h. mehrere Götter erzeugen Universen, oder sogar eine injektive, wo ein Gott mehrere Universen erzeugt. Deine Definition blendet diese mathematischen Möglichkeiten völlig aus.
2. Erzeugungszwang oder freie Wahl?
Angenommen, dein Gott hätte die Wahl, nur das Universum ohne Leben zu erschaffen (L = ∅). Falls du sagst, das sei unmöglich, dann folgt daraus eine Restriktion auf die Entscheidungsfreiheit Gottes, also eine externe Notwendigkeitsrelation R(g, U, L), die Gottes Schöpfung kausal determiniert. Damit wäre Gott nicht mehr allmächtig, da eine äußere Bedingung ihn zwingt, Leben zu erschaffen.
Falls du aber sagst, dass L = ∅ möglich wäre, dann folgt daraus, dass wir nicht wissen, ob der Erzeuger von U auch der Erzeuger von L ist. Das bedeutet, wir haben eine Nicht-Identitätsrelation ¬(U ≡ L), was deine monotheistische Setzung |G| = 1 zerstört. Denn wenn ein Gott nur das Universum geschaffen haben könnte, aber nicht zwingend das Leben, dann folgt, dass es möglicherweise einen zweiten oder dritten Gott gibt, der für das Leben verantwortlich ist.
3. Der kategoriale Fehler deiner Definition
Du definierst Gott nur durch eine notwendige Bedingung („Wer Universum samt Leben gemacht hat“), aber das sagt nichts über ihn aus. Das ist wie zu sagen:
„Der wahre Künstler ist der, der alle großen Gemälde gemalt hat.“
Diese Definition enthält keinerlei Information über die Natur des Künstlers selbst, sondern beschreibt nur ein Resultat. Wenn morgen entdeckt wird, dass Gemälde durch eine KI erzeugt wurden, müsstest du sagen: „Dann ist die KI der wahre Künstler.“ Dein Konzept des „wirklichen GOTTES“ ist ebenso hohl, da du ihn nur als Ursache setzt, aber nichts über ihn aussagen kannst.
4. Anpassungsfähigkeit als Zeichen fehlender Erkenntnis
Falls sich irgendwann zeigen sollte, dass das Universum durch einen Urknall oder ein Quantenfeld entstanden ist, wirst du einfach behaupten, dass der „wirkliche GOTT“ genau dieses Quantenfeld sei. Doch das ist kein Erkenntnisfortschritt, sondern eine semantische Immunisierungsstrategie. Deine Definition ist so flexibel, dass sie nichts falsifizieren kann, und eine Hypothese, die nicht falsifizierbar ist, ist wissenschaftlich wertlos.
Fazit:
Deine Argumentation ist nichts weiter als eine begriffliche Spielerei ohne logischen Gehalt. Weder beweist sie die Existenz eines Gottes, noch schließt sie die Möglichkeit mehrerer Götter oder gar einer völlig natürlichen Entstehung aus. Dein „wirklicher GOTT“ ist eine bedeutungslose Variable G, die du nach Belieben umdefinieren kannst. Und eine Theorie, die alles erklären kann, erklärt in Wirklichkeit gar nichts.
Manfred, weil du das Ganze wahrscheinlich verstehen wirst, worauf mein Beweis aufbaut, mache ich’s noch mal ganz einfach.
Stell dir vor, du sagst: „Der, der mein Haus gebaut hat, ist der wahre Häuslebauer.“ Nun, auf eine gewisse Art kann man sagen: Ja, stimmt. Aber du weißt nicht, wer dieser Häuslebauer ist. Und was du auch noch nicht verstanden hast: Es könnten ja mehrere gewesen sein. Doch das größte Problem ist: Du hast noch gar nicht bewiesen, dass es ohne Gott nicht geht – du hast es einfach nur behauptet.
Kommt jetzt wieder “nicht brauchbar” - weil Manfred den obigen Text nicht versteht?
Die Wahrheit braucht keinen Applaus. Sie gewinnt sowieso.