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Lightbulb Jesus und das neue Testament (Geschichte der Gnosis II.)
Geschrieben von: Eik - 13.02.2017, 11:44 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Keine Antworten

NACHDEM ICH das Alte Testament unter dem Blickwinkel der geschichtlichen Wahrheit behandelt hatte, und das Neue Testament mit dem Schwerpunkt der griechischen Texte, ihrer Entstehung und ihrer Überlieferung, lag es wohl nahe, auch einen Beitrag über Jesus zu schreiben, der wichtigsten Person des Neuen Testamentes.

Diese Arbeit war schon deshalb schwierig, weil es schier unzählige Werke und Beiträge, Zeitungsartikel, Aufsätze und Studien zu Jesus gibt. Ein neues Buch über dieses höchst abgedroschene Thema sollte wirklich etwas Anderes bieten, möglichst moderne Erkenntnisse, den allerneusten Forschungsstand, ja eventuell noch etwas bisher nie Dagewesenes: Möglicherweise sogar: den historischen Beweis für die Existenz Jesu.

Hier ist er.

Umgeben von Konkordanzen, Wörterbüchern, Bibelausgaben, griechischen und hebräischen Texten, griechischen und koptischen Papyri, zahlreichen Einführungen in das Neue Testament, vielen Kommentaren zu den Einzeltexten und reißerischen Jesus-Schriften wie „Jesus 2000“ habe ich mich durch die originalen Texte und die meiner Vorgänger und Vorlagen gequält und kaum eine Stelle ausgelassen, die zur Erhellung der Person Jesus, zur Darstellung des Christus der frühen Gemeinden und zur Schilderung des Heilandes der späteren Kirchen dienen konnte. Darum kommen auch so krause Themen zur Sprache wie das Turiner Grabtuch oder der Heilige Rock von Trier. Auch sehr weit entlegene Kirchenschriftsteller sind nicht vergessen worden. Das hat die Arbeit an diesem Buch so langwierig und kompliziert gemacht.

Die zahlreichen Anmerkungen sind notwendig gewesen, sie sind allerdings als Belege nur für Fachleute wichtig und für diejenigen, die sich weiter in das schwierige Geflecht der Themen vertiefen wollen. Der interessierte Leser kann sie getrost übergehen. Denn das Buch sollte ein Sachbuch werden, das die Sachen beim Namen nennt.

Aber es ist dennoch ein Glaubensbuch geworden. Denn es fußt auf der urchristlichen Botschaft. Es ist für alle bestimmt, die sie suchen und die sich mit der originalen Botschaft Jesu auseinandersetzen wollen. Eine Herausforderung für jeden einzelnen und für die christlichen Gemeinschaften allzumal. Freilich nicht im Sinne der Kirchen, gleich welcher Konfession.

Die Botschaft Jesu ist mehr als 2000 Jahre alt und dennoch eine aktuelle Herausforderung für unser ganz persönliches Leben. Wer Ohren hat zu hören, soll hören!

Berlin, 1. Mai 2015 Dr. Wolfgang Kosack

Vorwort zu Das neue Testament:

DAS BUCH STELLT die Ergebnisse der modernen Bibelforschung dar und
richtet sich kritisch gegen Theologie und Kirchendogmen, soweit sie dieses
Thema überhaupt berührt haben. Es behandelt die mühsam gewonnenen
Ergebnisse der Formgeschichte zu den Schriften des Neuen Testamentes und stellt
zugleich die ältesten Papyrusbruchstücke und Handschriften vor, die uns vom Neuen
Testament überliefert sind.

Das Verständnis der Schriften des Neuen Testamentes entwickelt sich aus der
genauen, inhaltlichen Analyse der Texte, wie sie uns heute vorliegen - das dürfte der
schwierigste Teil des ganzen Werkes sein.

Schon den Zeitgenossen der Antike galten die Paulusbriefe als ‘schwer
verständlich’. Ein solch staubtrockenes Thema war leider nicht interessanter zu
gestalten, weil es um das Verständnis jeder einzelnen Schrift ging. Die Briefe haben
ja alle inhaltlich nicht viel miteinander zu tun. Neben den Paulusbriefen gibt es
außerdem noch die Katholischen und die sog. Pastoralbriefe.

Die Frage nach dem Zweck der Bücher des Neuen Testaments, die Entwicklungslinien
der Evangelien bis hin zur eigentlichen Entdeckung der Quelle Q - alles das ist
neu in dieser Studie. Eine Übersicht über vorhandene Apokryphen und ein Ausblick
auf künftige Forschungsthemen schließen das Buch ab.

Da viele Passagen für bibelfeste Pastoren und bibelgläubige Laien provozierend
klingen, habe ich mit Belegen, Zitaten und mit Anmerkungen nicht gespart. Sie sind
für Fachleute und besonders interessierte Leser bestimmt, die weiterführende
Literatur zu den einzelnen Sach- und Spezialfragen finden möchten.
Der normalen Leser darf sie aber getrost übergehen und übersehen.

Berlin, 12. Februar 2015 Dr. Wolfgang Kosack

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  An das Publicum, oder Niemand, den Kundbaren.
Geschrieben von: Eik - 13.02.2017, 11:39 - Forum: Philosophie - Antworten (10)

An das Publicum, oder Niemand, den Kundbaren.

οδ' ΟΥΤΙΣ, που 'στιν


Eurip. Κυκλοψ.

Du führst einen Namen, und brauchst keinen Beweis Deines Daseyns, Du findest Glauben, und thust keine Zeichen denselben zu verdienen, Du erhältst Ehre, und hast weder Begrif noch Gefühl davon. Wir wissen, daß es keinen Götzen in der Welt giebt. Ein Mensch bist Du auch nicht; doch must Du ein menschlich Bild seyn, das der Aberglaube vergöttert hat. Es fehlt Dir nicht an Augen und Ohren, die aber nicht sehen, nicht hören; und das künstliche Auge, das Du machst, das künstliche Ohr, das Du pflanzest, ist, gleich den Deinigen, blind und taub. Du must alles wissen, und lernst nichts; Du must alles richten , und verstehst nichts, lernst immerdar, und kannst nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen; Du dichtest, hast zu schaffen, bist über Feld, oder schläfst vielleicht, wenn Deine Priester laut ruffen, und Du ihnen und ihrem Spötter mit Feuer antworten solltest. Dir werden täglich Opfer gebracht, die andere auf DeineRechnung verzehren, um aus Deinen starken Mahlzeiten Dein Leben wahrscheinlich zu machen. So eckel Du bist, nimmst Du doch mit allem für lieb, wenn man nur nicht leer vor Dir erscheint. Ich werfe mich wie der Philosoph zu den erhörenden Füssen eines Tyrannen. Meine Gabe besteht in nichts als Küchlein, von denen ein Gott, wie Du, einst barst. Überlaß sie daher einem Paar Deiner Anbeter, die ich durch diese Pillen von dem Dienst Deiner Eitelkeit zu reinigen wünsche.

Weil Du die Züge menschlicher Unwissenheit und Neugierde an Deinem Gesichte trägst; so will ich Dir beichten, wer die Zween sind, denen ich durch Deine Hände diesen frommen Betrug spielen will. Der erste arbeitet am Stein der Weisen, wie ein Menschenfreund, der ihn für ein Mittel ansieht, den Fleiß, die bürgerliche Tugenden und das Wohl des gemeinen Wesens zu befördern. Ich habe für ihn in der mystischen Sprache eines Sophisten geschrieben; weil Weisheit immer das verborgenste Geheimnis der Politick bleiben wird, wenn gleich die Alchymie zu ihren Zweck kommt, alle die Menschen reich zu machen, welche durch des Marqvis von Mirabeau fruchtbare Maximen bald! Frankreich bevölkern müssen. Nach dem heutigen Plan der Welt bleibt die Kunst Gold zu machen also mit Recht das höchste Project und höchste Gut unserer Staatsklugen.

Der andere möchte einen so allgemeinen Weltweisen und guten Münzwaradein abgeben, als Newton war. Kein Theil der Kritick ist sicherer, als die man für Gold und Silber erfunden hat. Daher kann die Verwirrung in dem Münzwesen Deutschlands so groß nicht seyn, als die in die Lehrbücher eingeschlichen, so unter uns gang und gebe sind. Es fehlt uns an richtigen Verhältnis-Tabellen, die uns bestimmen, wie viellöthig an Korn und Schrot ein Einfall seyn müsse, wenn er eine Wahrheit gelten soll u. s. w. 

Ω Ζευ, τι δη χρυσον μεν ος κιβδηλος η,
Τεκμηρι' ανθρωποισιν ωπασας σαφη
Ανδρων δ' οτω χρη τον κακον διειδεναι
Ουδεις χαρακτηρ εμπεφυκε σωματι


Euripides Medea.


Weil diese Küchlein nicht gekaut, sondern geschluckt werden müssen, gleich denjenigen, so die Cosmische Familie zu Florenz in ihr Wapen aufnahm; so sind sie nicht für den Geschmack gemacht. Was ihre Wirkungen anbetrift; so lernte bey einem ähnlichen Gefühl derselben Vespasian zuerst das Glück Deines Namens erkennen, und soll auf einem Stuhl, der nicht sein Thron war, ausgeruffen haben: VTI PVTO, DEVS FIO!

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  Ecce homo
Geschrieben von: Eik - 13.02.2017, 11:34 - Forum: Philosophie - Keine Antworten

Friedrich Wilhelm Nietzsche: Ecce homo - Kapitel 2 


Kapitel 2 

Vorwort

1.In Voraussicht, dass ich über Kurzem mit der schwersten Forderung an die Menschheit herantreten muss, die je an sie gestellt wurde, scheint es mir unerlässlich, zu sagen, wer ich bin. Im Grunde dürfte man's wissen: denn ich habe mich nicht »unbezeugt gelassen«. Das Missverhältniss aber zwischen der Grösse meiner Aufgabe und der Kleinheit meiner Zeitgenossen ist darin zum Ausdruck gekommen, dass man mich weder gehört, noch auch nur gesehn hat. Ich lebe auf meinen eignen Credit hin, es ist vielleicht bloss ein Vorurtheil, daß ich lebe? ... Ich brauche nur irgend einen »Gebildeten« zu sprechen, der im Sommer ins Oberengadin kommt, um mich zu überzeugen, dass ich nicht lebe ... Unter diesen Umständen giebt es eine Pflicht, gegen die im Grunde meine Gewohnheit, noch mehr der Stolz meiner Instinkte revoltirt, nämlich zu sagen: Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht!

2[size=undefined].[/size]Ich bin zum Beispiel durchaus kein Popanz, kein Moral-Ungeheuer, – ich bin sogar eine Gegensatz-Natur zu der Art Mensch, die man bisher als tugendhaft verehrt hat. Unter uns, es scheint mir, dass gerade Das zu meinem Stolz gehört. Ich bin ein jünger des Philosophen Dionysos, ich zöge vor, eher noch ein Satyr zu sein als ein Heiliger. Aber man lese nur diese Schrift. Vielleicht gelang es mir, vielleicht hatte diese Schrift gar keinen andren Sinn, als diesen Gegensatz in einer heitren und menschenfreundlichen Weise zum Ausdruck zu bringen. Das Letzte, was ich versprechen würde, wäre, die Menschheit zu »verbessern«. Von mir werden keine neuen Götzen aufgerichtet; die alten mögen lernen, was es mit thönernen Beinen auf sich hat. Götzen (mein Wort für »Ideale«) umwerfen – das gehört schon eher zu meinem Handwerk. Man hat die Realität in dem Grade um ihren Werth, ihren Sinn, ihre Wahrhaftigkeit gebracht, als man eine ideale Welt erlog ... Die »wahre Welt« und die »scheinbare Welt« – auf deutsch: die erlogne Welt und die Realität ... Die Lüge des Ideals war bisher der Fluch über der Realität, die Menschheit selbst ist durch sie bis in ihre untersten Instinkte hinein verlogen und falsch geworden bis zur Anbetung der umgekehrten Werthe, als die sind, mit denen ihr erst das Gedeihen, die Zukunft, das hohe Recht auf Zukunft verbürgt wäre.

3.Wer die Luft meiner Schriften zu athmen weiss, weiss, dass es eine Luft der Höhe ist, eine starke Luft. Man muss für sie geschaffen sein, sonst ist die Gefahr keine kleine, sich in ihr zu erkälten. Das Eis ist nahe, die Einsamkeit ist ungeheuer – aber wie ruhig alle Dinge im Lichte liegen! wie frei man athmet! wie Viel man unter sich fühlt! – Philosophie, wie ich sie bisher verstanden und gelebt habe, ist das freiwillige Leben in Eis und Hochgebirge – das Aufsuchen alles Fremden und Fragwürdigen im Dasein, alles dessen, was durch die Moral bisher in Bann gethan war. Aus einer langen Erfahrung, welche eine solche Wanderung im Verbotenen gab, lernte ich die Ursachen, aus denen bisher moralisirt und idealisirt wurde, sehr anders ansehn als es erwünscht sein mag: die verborgene Geschichte der Philosophen, die Psychologie ihrer grossen Namen kam für mich an's Licht. – Wie viel Wahrheit erträgt, wie viel Wahrheit wagt ein Geist? das wurde für mich immer mehr der eigentliche Werthmesser. Irrthum (– der Glaube an's Ideal – ) ist nicht Blindheit, Irrthum ist Feigheit ... Jede Errungenschaft, jeder Schritt vorwärts in der Erkenntniss folgt aus dem Muth, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich ... Ich widerlege die Ideale nicht, ich ziehe bloss Handschuhe vor ihnen an ... Nitimur in vetitum: in diesem Zeichen siegt einmal meine Philosophie, denn man verbot bisher grundsätzlich immer nur die Wahrheit. –

4.Innerhalb meiner Schriften steht für sich mein Zarathustra. Ich habe mit ihm der Menschheit das grösste Geschenk gemacht, das ihr bisher gemacht worden ist. Dies Buch, mit einer Stimme über Jahrtausende hinweg, ist nicht nur das höchste Buch, das es giebt, das eigentliche Höhenluft-Buch – die ganze Thatsache Mensch liegt in ungeheurer Ferne unter ihm –, es ist auch das tiefste, das aus dem innersten Reichthum der Wahrheit heraus geborene, ein unerschöpflicher Brunnen, in den kein Eimer hinabsteigt, ohne mit Gold und Güte gefüllt heraufzukommen. Hier redet kein »Prophet«, keiner jener schauerlichen Zwitter von Krankheit und Willen zur Macht, die man Religionsstifter nennt. Man muss vor Allem den Ton, der aus diesem Munde kommt, diesen halkyonischen Ton richtig hören, um dem Sinn seiner Weisheit nicht erbarmungswürdig Unrecht zu thun. »Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen, Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt »

Die Feigen fallen von den Bäumen, sie sind gut und süss: und indem sie fallen, reisst ihnen die rothe Haut. Ein Nordwind bin ich reifen Feigen.

Also, gleich Feigen, fallen euch diese Lehren zu, meine Freunde: nun trinkt ihren Saft und ihr süsses Fleisch! Herbst ist es umher und reiner Himmel und Nachmittag –

Hier redet kein Fanatiker, hier wird nicht »gepredigt«, hier wird nicht Glauben verlangt: aus einer unendlichen Lichtfülle und Glückstiefe fällt Tropfen für Tropfen, Wort für Wort, eine zärtliche Langsamkeit ist das tempo dieser Reden. Dergleichen gelangt nur zu den Auserwähltesten; es ist ein Vorrecht ohne Gleichen hier Hörer zu sein; es steht Niemandem frei, für Zarathustra Ohren zu haben ... Ist Zarathustra mit Alledem nicht ein Verführer? ... Aber was sagt er doch selbst, als er zum ersten Male wieder in seine Einsamkeit zurückkehrt? Genau das Gegentheil von dem, was irgend ein »Weiser«, »Heiliger«, »Welt-Erlöser« und andrer décadent in einem solchen Falle sagen würde ... Er redet nicht nur anders, er ist auch anders.. .

Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr geht nun davon und allein! So will ich es.

Geht fort von mir und wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch: schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.

Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Feinde lieben, er muss auch seine Freunde hassen können.

Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?

Ihr verehrt mich: aber wie, wenn eure Verehrung eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht eine Bildsäule erschlage!

Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen, aber was liegt an allen Gläubigen!

Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich. So thun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben.

Nun heisse ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren ...

Friedrich Nietzsche.

 

An diesem vollkommnen Tage, wo Alles reift und nicht nur die Traube braun wird, fiel mir eben ein Sonnenblick auf mein Leben: ich sah rückwärts, ich sah hinaus, ich sah nie so viel und so gute Dinge auf einmal. Nicht umsonst begrub ich heute mein vierundvierzigstes Jahr, ich durfte es begraben, – was in ihm Leben war, ist gerettet, ist unsterblich. Die Umwerthung aller Werthe, die Dionysos-Dithyramben und, zur Erholung, die Götzen-Dämmerung – Alles Geschenke dieses Jahrs, sogar seines letzten Vierteljahrs! Wie sollte ich nicht meinem ganzen Leben dankbar sein? Und so erzähle ich mir mein Leben.

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  Barbarei und Zivilisation
Geschrieben von: Eik - 13.02.2017, 11:28 - Forum: Philosophie - Keine Antworten

Aus

Friedrich Engels


Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats

Kapitel IX 

Barbarei und Zivilisation



Wir haben jetzt die Auflösung der Gentilverfassung an den drei großen Einzelbeispielen der Griechen, Römer und Deutschen verfolgt. Untersuchen wir zum Schluß die allgemeinen ökonomischen Bedingungen, die die gentile Organisation der Gesellschaft auf der Oberstufe der Barbarei bereits untergruben und mit dem Eintritt der Zivilisation vollständig beseitigten. Hier wird uns Marx' "Kapital" ebenso notwendig sein wie Morgans Buch.

Hervorgewachsen auf der Mittelstufe, weitergebildet auf der Oberstufe der Wildheit, erreicht die Gens, soweit unsre Quellen dies beurteilen lassen, ihre Blütezeit auf der Unterstufe der Barbarei. Mit dieser Entwicklungsstufe also beginnen wir.

Wir finden hier, wo uns die amerikanischen Rothäute als Beispiel dienen müssen, die Gentilverfassung vollkommen ausgebildet. Ein Stamm hat sich in mehrere, meistens zwei Gentes gegliedert; diese ursprünglichen Gentes zerfallen mit steigender Volkszahl jede in mehrere Tochtergentes, gegenüber denen die Muttergens als Phratrie erscheint; der Stamm selbst spaltet sich in mehrere Stämme, in deren jedem wir die alten Gentes großenteils wiederfinden; ein Bund umschließt wenigstens in einzelnen Fällen die verwandten Stämme. Diese einfache Organisation genügt vollkommen den gesellschaftlichen Zuständen, denen sie entsprungen ist. Sie ist weiter nichts als deren eigne, naturwüchsige Gruppierung, sie ist imstande, alle Konflikte auszugleichen, die innerhalb der so organisierten Gesellschaft entspringen können. Nach außen gleicht der Krieg aus; er kann mit Vernichtung des Stamms endigen, nie aber mit seiner Unterjochung. Es ist das Großartige, aber auch das Beschränkte der Gentilverfassung, daß sie für Herrschaft und Knechtung keinen Raum hat. Nach innen gibt es noch |155| keinen Unterschied zwischen Rechten und Pflichten; die Frage, ob Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten, Blutrache oder deren Sühnung, ein Recht oder eine Pflicht sei, besteht für den Indianer nicht; sie würde ihm ebenso absurd vorkommen wie die: ob Essen, Schlafen, Jagen ein Recht oder eine Pflicht sei. Ebensowenig kann eine Spaltung des Stammes und der Gens in verschiedne Klassen stattfinden. Und dies führt uns auf Untersuchung der ökonomischen Basis des Zustandes.

Die Bevölkerung ist äußerst dünn: verdichtet nur am Wohnort des Stamms, um den in weitem Kreise zunächst das Jagdgebiet liegt, dann der neutrale Schutzwald, der ihn von andern Stämmen trennt. Die Teilung der Arbeit ist rein naturwüchsig; sie besteht nur zwischen den beiden Geschlechtern. Der Mann führt den Krieg, geht jagen und fischen, beschafft den Rohstoff der Nahrung und die dazu nötigen Werkzeuge. Die Frau besorgt das Haus und die Zubereitung der Nahrung und Kleidung, kocht, webt, näht. Jedes von beiden ist Herr auf seinem Gebiet: der Mann im Walde, die Frau im Hause. Jedes ist Eigentümer der von ihm verfertigten und gebrauchten Werkzeuge: der Mann der Waffen, des Jagd- und Fischzeugs, die Frau des Hausrats. Die Haushaltung ist kommunistisch für mehrere, oft viele Familien. Was gemeinsam gemacht und genutzt wird, ist gemeinsames Eigentum: das Haus, der Garten, das Langboot. Hier also, und nur hier noch, gilt das von Juristen und Ökonomen der zivilisierten Gesellschaft angedichtete "selbstbearbeitete Eigentum", der letzte verlogne Rechtsvorwand, auf den das heutige kapitalistische Eigentum sich noch stützt.

Aber die Menschen blieben nicht überall auf dieser Stufe stehn. In Asien fanden sie Tiere vor, die sich zähmen und gezähmt weiterzüchten ließen. Die wilde Büffelkuh mußte erjagt werden, die zahme lieferte jährlich ein Kalb und Milch obendrein. Eine Anzahl der vorgeschrittensten Stämme - Arier, Semiten, vielleicht auch schon Turanier - machten erst die Zähmung, später nur noch die Züchtung und Wartung von Vieh zu ihrem Hauptarbeitszweig. Hirtenstämme sonderten sich aus von der übrigen Masse der Barbaren: erste große gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Die Hirtenstämme produzierten nicht nur mehr, sondern auch andre Lebensmittel als die übrigen Barbaren. Sie hatten nicht nur Milch, Milchprodukte und Fleisch in größeren Massen vor diesen voraus, sondern auch Häute, Wolle, Ziegenhaare und die mit der Masse des Rollstoffs sich vermehrenden Gespinste und Gewebe. Damit wurde ein regelmäßiger Austausch zum erstenmal möglich. Auf früheren Stufen können nur gelegentliche Austäusche stattfinden; besondre Geschicklichkeit in der Verfertigung von Waffen und Werkzeugen kann zu vorübergehender Arbeitsteilung führen. So sind unzweifelhafte Reste von Werkstätten für Steinwerkzeuge aus dem späteren Steinzeitalter an vielen Orten gefunden worden; die Künstler, die hier ihre Geschicklichkeit ausbildeten, arbeiteten wahrscheinlich, wie noch die ständigen Handwerker indischer Gentilgemeinwesen, für Rechnung der Gesamtheit. Keinenfalls konnte auf dieser Stufe ein andrer Austausch als der innerhalb des Stammes entstehn, und dieser blieb ausnahmsweises Ereignis. Hier dagegen, nach der Ausscheidung der Hirtenstämme, finden wir alle Bedingungen fertig zum Austausch zwischen den Gliedern verschiedner Stämme, zu seiner Ausbildung und Befestigung als regelmäßige Institution. Ursprünglich tauschte Stamm mit Stamm, durch die gegenseitigen Gentilvorsteher; als aber die Herden anfingen in Sondereigentum überzugehn, überwog der Einzelaustausch mehr und mehr und wurde endlich einzige Form. Der Hauptartikel aber, den die Hirtenstämme an ihre Nachbarn im Tausch abgaben, war Vieh; Vieh wurde die Ware, in der alle andren Waren geschätzt und die überall gern im Austausch gegen jene genommen wurde - kurz, Vieh erhielt Geldfunktion und tat Gelddienste schon auf dieser Stufe. Mit solcher Notwendigkeit und Raschheit entwickelte sich schon im Anbeginn des Warenaustausches das Bedürfnis einer Geldware.

Der Gartenbau, den asiatischen Barbaren der Unterstufe wahrscheinlich fremd, kam spätestens in der Mittelstufe bei ihnen auf, als Vorläufer des Feldbaus. Das Klima der turanischen Hochebene läßt kein Hirtenleben zu ohne Futtervorräte für den langen und strengen Winter; Wiesenbau und Kultur von Kornfrucht war also hier Bedingung. Dasselbe gilt für die Steppen nördlich vom Schwarzen Meer. Wurde aber erst die Kornfrucht für das Vieh gewonnen, so wurde sie bald auch menschliche Nahrung. Das bebaute Land blieb noch Stammeseigentum, anfänglich der Gens, später von dieser den Hausgenossenschaften, endlich den einzelnen zur Benutzung überwiesen; sie mochten gewisse Besitzrechte daran haben, mehr aber auch nicht.
Von den industriellen Errungenschaften dieser Stufe sind zwei besonders wichtig. Die erste ist der Webstuhl, die zweite die Schmelzung von Metallerzen und die Verarbeitung der Metalle. Kupfer und Zinn und die aus beiden zusammengesetzte Bronze waren weitaus die wichtigsten; die Bronze lieferte brauchbare Werkzeuge und Waffen, konnte aber die Steinwerkzeuge nicht verdrängen; dies war nur dem Eisen möglich, und Eisen zu gewinnen verstand man noch nicht. Gold und Silber fingen an, zu Schmuck und Zierat verwandt zu werden, und müssen schon hoch im Wert gestanden haben gegenüber Kupfer und Bronze.

Die Steigerung der Produktion in allen Zweigen - Viehzucht, Ackerbau, häusliches Handwerk - gab der menschlichen Arbeitskraft die Fähigkeit, ein größeres Produkt zu erzeugen, als zu ihrem Unterhalt erforderlich war. Sie steigerte gleichzeitig die tägliche Arbeitsmenge, die jedem Mitglied der Gens, der Hausgemeinde oder der Einzelfamilie zufiel. Die Einschaltung neuer Arbeitskräfte wurde wünschenswert. Der Krieg lieferte sie: Die Kriegsgefangnen wurden in Sklaven verwandelt. Die erste große gesellschaftliche Teilung der Arbeit zog mit ihrer Steigerung der Produktivität der Arbeit, also des Reichtums, und mit ihrer Erweiterung des Produktionsfeldes, unter den gegebnen geschichtlichen Gesamtbedingungen, die Sklaverei mit Notwendigkeit nach sich. Aus der ersten großen gesellschaftlichen Arbeitsteilung entsprang die erste große Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen: Herren und Sklaven, Ausbeuter und Ausgebeutete.

Wie und wann die Herden aus dem Gemeinbesitz des Stammes oder der Gens in das Eigentum der einzelnen Familienhäupter übergegangen, darüber wissen wir bis jetzt nichts. Es muß aber im wesentlichen auf dieser Stufe geschehn sein. Mit den Herden nun und den übrigen neuen Reichtümern kam eine Revolution über die Familie. Der Erwerb war immer Sache des Mannes gewesen, die Mittel zum Erwerb von ihm produziert und sein Eigentum. Die Herden waren die neuen Erwerbsmittel, ihre anfängliche Zähmung und spätere Wartung sein Werk. Ihm gehörte daher das Vieh, ihm die gegen Vieh eingetauschten Waren und Sklaven. All der Überschuß, den der Erwerb jetzt lieferte, fiel dem Manne zu; die Frau genoß mit davon, aber sie hatte kein Teil am Eigentum. Der "wilde" Krieger und Jäger war im Hause zufrieden gewesen mit der zweiten Stelle, nach der Frau; der "sanftere" Hirt, auf seinen Reichtum pochend, drängte sich vor an die erste Stelle und die Frau zurück an die zweite. Und sie konnte sich nicht beklagen. Die Arbeitsteilung in der Familie hatte die Eigentumsverteilung zwischen Mann und Frau geregelt; sie war dieselbe geblieben; und doch stellte sie jetzt das bisherige häusliche Verhältnis auf den Kopf, lediglich weil die Arbeitsteilung außerhalb der Familie eine andre geworden war. Dieselbe Ursache, die der Frau ihre frühere Herrschaft im Hause gesichert: ihre Beschränkung auf die Hausarbeit, dieselbe Ursache sicherte jetzt die Herrschaft des Mannes im Hause: die Hausarbeit der Frau verschwand jetzt neben der Erwerbsarbeit des Mannes; diese war alles, jene eine unbedeutende Beigabe. Hier zeigt sich schon, daß die Befreiung der Frau, ihre Gleichstellung mit dem Manne, eine Unmöglichkeit ist und bleibt, solange die Frau von der gesellschaftlichen produktiven Arbeit ausgeschlossen und auf die häusliche Privatarbeit beschränkt bleibt. Die Befreiung der Frau wird erst möglich, sobald diese auf großem, gesellschaftlichem Maßstab an der Produktion sich beteiligen kann und die häusliche Arbeit sie nur noch in unbedeutendem Maß in Anspruch nimmt. Und dies ist erst möglich geworden durch die moderne große Industrie, die nicht nur Frauenarbeit auf großer Stufenleiter zuläßt, sondern förmlich nach ihr verlangt, und die auch die private Hausarbeit mehr und mehr in eine öffentliche Industrie aufzulösen strebt.

Mit der faktischen Herrschaft des Mannes im Hause war die letzte Schranke seiner Alleinherrschaft gefallen. Diese Alleinherrschaft wurde bestätigt und verewigt durch Sturz des Mutterrechts, Einführung des Vaterrechts, allmählichen Übergang der Paarungsehe in die Monogamie. Damit aber kam ein Riß in die alte Gentilordnung; Die Einzelfamilie wurde eine Macht und erhob sich drohend gegenüber der Gens.

Der nächste Schritt führt uns auf die Oberstufe der Barbarei, die Periode, in der alle Kulturvölker ihre Heroenzeit durchmachen: die Zeit des eisernen Schwerts, aber auch der eisernen Pflugschar und Axt. Das Eisen war dem Menschen dienstbar geworden, der letzte und wichtigste aller Rohstoffe, die eine geschichtlich umwälzende Rolle spielten, der letzte - bis auf die Kartoffel. Das Eisen schuf den Feldbau auf größeren Flächen, die Urbarmachung ausgedehnterer Waldstrecken; es gab dem Handwerker Werkzeug von einer Härte und Schneide, der kein Stein, kein andres bekanntes Metall widerstand. Alles das allmählich; das erste Eisen war oft noch weicher als Bronze. So verschwand die Steinwaffe nur langsam; nicht nur im "Hildebrandslied", auch noch bei Hastings im Jahre 1066 kamen noch Steinäxte ins Gefecht. Aber der Fortschritt ging nun unaufhaltsam, weniger unterbrochen und rascher vor sich. Die mit steinernen Mauern, Türmen und Zinnen steinerne oder Ziegelhäuser umschließende Stadt wurde Zentralsitz des Stamms oder Stämmebundes; ein gewaltiger Fortschritt in der Baukunst, aber auch ein Zeichen vermehrter Gefahr und Schutzbedürftigkeit. Der Reichtum wuchs rasch, aber als Reichtum einzelner; die Weberei, die Metallbearbeitung und die andern, mehr und mehr sich sondernden Handwerke entfalteten steigende Mannigfaltigkeit und Kunstfertigkeit der Produktion; der Landbau lieferte neben Korn, Hülsenfrüchten und Obst jetzt auch Öl und Wein, deren Bereitung man gelernt hatte. So mannigfache Tätigkeit konnte nicht mehr von demselben einzelnen ausgeübt werden; die zweite große Teilung der Arbeit trat ein: Das Handwerk sonderte sich vom Ackerbau. Die fortwährende Steigerung der Produktion und mit ihr der Produktivität der Arbeit erhöhte den Wert der menschlichen Arbeitskraft; die Sklaverei, auf der vorigen Stufe noch entstehend und sporadisch, wird jetzt wesentlicher Bestandteil des Gesellschaftssystems; die Sklaven hören auf, einfache Gehülfen zu sein, sie werden dutzendweise zur Arbeit getrieben auf dem Feld und in der Werkstatt. Mit der Spaltung der Produktion in die zwei großen Hauptzweige, Ackerbau und Handwerk, entsteht die Produktion direkt für den Austausch, die Warenproduktion; mit ihr der Handel, nicht nur im Innern und an den Stammesgrenzen, sondern auch schon über See. Alles dies aber noch sehr unentwickelt; die edlen Metalle fangen an, vorwiegende und allgemeine Geldware zu werden, aber noch ungeprägt, nur nach dem noch unverkleideten Gewicht sich austauschend.

Der Unterschied von Reichen und Ärmeren tritt neben den von Freien und Sklaven - mit der neuen Arbeitsteilung eine neue Spaltung der Gesellschaft in Klassen. Die Besitzunterschiede der einzelnen Familienhäupter sprengen die alte kommunistische Hausgemeinde überall, wo sie sich bis dahin erhalten; mit ihr die gemeinsame Bebauung des Bodens für Rechnung dieser Gemeinde. Das Ackerland wird den einzelnen Familien zunächst auf Zeit, später ein für allemal zur Nutzung überwiesen, der Übergang in volles Privateigentum vollzieht sich allmählich und parallel mit dem Übergang der Paarungsehe in Monogamie. Die Einzelfamilie fängt an, die wirtschaftliche Einheit in der Gesellschaft zu werden.

Die dichtere Bevölkerung nötigt zu engerem Zusammenschließen nach innen wie nach außen. Der Bund verwandter Stämme wird überall eine Notwendigkeit; bald auch schon ihre Verschmelzung, damit die Verschmelzung der getrennten Stammesgebiete zu einem Gesamtgebiet des Volks. Der Heerführer des Volks - rex, basileus, thiudans - wird unentbehrlicher, ständiger Beamter. Die Volksversammlung kommt auf, wo sie nicht schon bestand. Heerführer, Rat, Volksversammlung bilden die Organe der zu einer militärischen Demokratie fortentwickelten Gentilgesellschaft. Militärisch - denn der Krieg und die Organisation zum Krieg sind jetzt regelmäßige Funktionen des Volkslebens geworden. Die Reichtümer der Nachbarn reizen die Habgier von Völkern, bei denen Reichtumserwerb schon als einer der ersten Lebenszwecke erscheint. Sie sind Barbaren: Rauben gilt ihnen für leichter und selbst für ehrenvoller als Erarbeiten. Der Krieg, früher nur geführt zur Rache für Übergriffe oder zur Ausdehnung des unzureichend gewordnen Gebiets, wird jetzt des bloßen Raubs wegen geführt, wird stehender Erwerbszweig. Nicht umsonst starren die dräuenden Mauern um die neuen befestigten Städte: In ihren Gräben gähnt das Grab der Gentilverfassung, und ihre Türme ragen bereits hinein in die Zivilisation. Und ebenso geht es im Innern. Die Raubkriege erhöhen die Macht des obersten Heerführers wie die der Unterführer; die gewohnheitsmäßige Wahl der Nachfolger in denselben Familien geht, namentlich seit Einführung des Vaterrechts, allmählich über in erst geduldete, dann beanspruchte, endlich usurpierte Erblichkeit; die Grundlage des Erbkönigtums und des Erbadels ist gelegt. So reißen sich die Organe der Gentilverfassung allmählich los von ihrer Wurzel im Volk, in Gens, Phratrie, Stamm, und die ganze Gentilverfassung verkehrt sich in ihr Gegenteil: Aus einer Organisation von Stämmen zur freien Ordnung ihrer eignen Angelegenheiten wird sie eine Organisation zur Plünderung und Bedrückung der Nachbarn, und dementsprechend werden ihre Organe aus Werkzeugen des Volkswillens zu selbständigen Organen der Herrschaft und Bedrückung gegenüber dem eignen Volk. Das aber wäre nie möglich gewesen, hätte nicht die Gier nach Reichtum die Gentilgenossen gespalten in Reiche und Arme, hätte nicht "die Eigentumsdifferenz innerhalb derselben Gens die Einheit der Interessen verwandelt in Antagonismus der Gentilgenossen" (Marx) und hätte nicht die Ausdehnung der Sklaverei bereits angefangen, die Erarbeitung des Lebensunterhalts für nur sklavenwürdige Tätigkeit, für schimpflicher gelten zu lassen als den Raub.

Damit sind wir angekommen an der Schwelle der Zivilisation. Sie wird eröffnet durch einen neuen Fortschritt der Teilung der Arbeit. Auf der untersten Stufe produzierten die Menschen nur direkt für eignen Bedarf; die etwa vorkommenden Austauschakte waren vereinzelt, betrafen nur den zufällig sich einstellenden Überfluß. Auf der Mittelstufe der Barbarei finden wir bei Hirtenvölkern in dem Vieh schon einen Besitz, der bei einer gewissen Größe der Herde regelmäßig einen Überschuß über den eignen Bedarf liefert, zugleich eine Teilung der Arbeit zwischen Hirtenvölkern und zurückgebliebnen Stämmen ohne Herden, damit zwei nebeneinander bestehende verschiedne Produktionsstufen und damit die Bedingungen eines regelmäßigen Austausches. Die Oberstufe der Barbarei liefert uns die weitere Arbeitsteilung zwischen Ackerbau und Handwerk, damit Produktion eines stets wachsenden Teils der Arbeitserzeugnisse direkt für den Austausch, damit Erhebung des Austausches zwischen Einzelproduzenten zu einer Lebensnotwendigkeit der Gesellschaft. Die Zivilisation befestigt und steigert alle diese vorgefundnen Arbeitsteilungen, namentlich durch Schärfung des Gegensatzes von Stadt und Land (wobei die Stadt das Land ökonomisch beherrschen kann, wie im Altertum, oder auch das Land die Stadt, wie im Mittelalter), und fügt dazu eine dritte, ihr eigentümliche, entscheidend wichtige Arbeitsteilung: Sie erzeugt eine Klasse, die sich nicht mehr mit der Produktion beschäftigt, sondern nur mit dem Austausch der Produkte - die Kaufleute. Alle bisherigen Ansätze zur Klassenbildung hatten es noch ausschließlich mit der Produktion zu tun; sie schieden die bei der Produktion beteiligten Leute in Leitende und Ausführende oder aber in Produzenten auf größerer und auf kleinerer Stufenleiter. Hier tritt zum erstenmal eine Klasse auf, die, ohne an der Produktion irgendwie Anteil zu nehmen, die Leitung der Produktion im ganzen und großen sich erobert und die Produzenten sich ökonomisch unterwirft; die sich zum unumgänglichen Vermittler zwischen je zwei Produzenten macht und sie beide ausbeutet. Unter dem Vorwand, den Produzenten die Mühe und das Risiko des Austausches abzunehmen, den Absatz ihrer Produkte nach entfernten Märkten auszudehnen, damit die nützlichste Klasse der Bevölkerung zu werden, bildet sich eine Klasse von Parasiten aus, echten gesellschaftlichen Schmarotzertieren, die als Lohn für sehr geringe wirkliche Leistungen sowohl von der heimischen wie von der fremden Produktion den Rahm abschöpft, rasch enorme Reichtümer und entsprechenden gesellschaftlichen Einfluß erwirbt und eben deshalb während der Periode der Zivilisation zu immer neuen Ehren und immer größerer Beherrschung der Produktion berufen ist, bis sie endlich auch selbst ein eignes Produkt zutage fördert - die periodischen Handelskrisen.

Auf unsrer vorliegenden Entwicklungsstufe hat die junge Kaufmannschaft allerdings noch keine Ahnung von den großen Dingen, die ihr bevorstehn. Aber sie bildet sich und macht sich unentbehrlich, und das genügt. Mit ihr aber bildet sich aus das Metallgeld, die geprägte Münze, und mit dem Metallgeld ein neues Mittel zur Herrschaft des Nichtproduzenten über den Produzenten und seine Produktion. Die Ware der Waren, die alle andern Waren im Verborgnen in sich enthält, war entdeckt, das Zaubermittel, das sich nach Belieben in jedes wünschenswerte und gewünschte Ding verwandeln kann. Wer es hatte, beherrschte die Welt der Produktion, und wer hatte es vor allen? Der Kaufmann. In seiner Hand war der Kultus des Geldes sicher. Er sorgte dafür, daß es offenbar wurde, wie sehr alle Waren, damit alle Warenproduzenten, sich anbetend in den Staub werfen mußten vor dem Geld. Er bewies es praktisch, wie sehr alle ändern Formen des Reich- |162| tums nur selber bloßer Schein werden gegenüber dieser Verkörperung des Reichtums als solchem. Nie wieder ist die Macht des Geldes aufgetreten in solch ursprünglicher Roheit und Gewaltsamkeit wie in dieser ihrer Jugendperiode. Nach dem Warenkauf für Geld kam der Geldvorschuß, mit diesem der Zins und der Wucher. Und keine Gesetzgebung späterer Zeit wirft den Schuldner so schonungs- und rettungslos zu den Füßen des wucherischen Gläubigers wie die altathenische und altrömische - und beide entstanden spontan, als Gewohnheitsrechte, ohne andern als den ökonomischen Zwang.

Neben den Reichtum an Waren und Sklaven, neben den Geldreichtum trat nun auch der Reichtum an Grundbesitz. Das Besitzrecht der einzelnen an den ihnen ursprünglich von Gens oder Stamm überlassenen Bodenparzellen hatte sich jetzt soweit befestigt, daß diese Parzellen ihnen erbeigentümlich gehörten. Wonach sie in der letzten Zeit vor allem gestrebt, das war die Befreiung von dem Anrecht der Gentilgenossenschaft an die Parzelle, das ihnen eine Fessel wurde. Die Fessel wurde sie los - aber bald nachher auch das neue Grundeigentum. Volles, freies Eigentum am Boden, das hieß nicht nur Möglichkeit, den Boden unverkürzt und unbeschränkt zu besitzen, das hieß auch Möglichkeit, ihn zu veräußern. Solange der Boden Gentileigentum, existierte diese Möglichkeit nicht. Als aber der neue Grundbesitzer die Fessel des Obereigentums der Gens und des Stamms endgültig abstreifte, zerriß er auch das Band, das ihn bisher unlöslich mit dem Boden verknüpft hatte. Was das hieß, wurde ihm klargemacht durch das mit dem Privatgrundeigentum gleichzeitig erfundne Geld. Der Boden konnte nun Ware werden, die man verkauft und verpfändet. Kaum war das Grundeigentum eingeführt, so war auch die Hypothek schon erfunden (sieh Athen). Wie der Hetärismus und die Prostitution an die Fersen der Monogamie, so klammert sich von nun an die Hypothek an die Fersen des Grundeigentums. Ihr habt das volle, freie, veräußerliche Grundeigentum haben wollen, nun wohl, ihr habt's - tu l'as voulu, George Dandin! |Du hast es nicht besser gewollt, George Dandin!

So ging mit Handelsausdehnung, Geld und Geldwucher, Grundeigentum und Hypothek die Konzentration und Zentralisation des Reichtums in den Händen einer wenig zahlreichen Klasse rasch voran, daneben die steigende Verarmung der Massen und die steigende Masse der Armen. Die neue Reichtumsaristokratie, soweit sie nicht schon von vornherein mit dem alten Stammesadel zusammengefallen war, drängte ihn endgültig in den Hintergrund (in Athen, in Rom, bei den Deutschen). Und neben dieser Scheidung der Freien in Klassen nach dem Reichtum ging besonders in Griechenland eine ungeheure Vermehrung der Zahl der Sklaven, deren erzwungne Arbeit die Grundlage bildete, auf der sich der Überbau der ganzen Gesellschaft erhob.

Sehen wir uns nun danach um, was unter dieser gesellschaftlichen Umwälzung aus der Gentilverfassung geworden war. Gegenüber den neuen Elementen, die ohne ihr Zutun emporgewachsen, stand sie ohnmächtig da. Ihre Voraussetzung war, daß die Glieder einer Gens, oder doch eines Stammes, auf demselben Gebiet vereinigt saßen, es ausschließlich bewohnten. Das hatte längst aufgehört. Überall waren Gentes und Stämme durcheinandergeworfen, überall wohnten Sklaven, Schutzverwandte, Fremde mitten unter den Bürgern. Die erst gegen Ende der Mittelstufe der Barbarei erworbene Seßhaftigkeit wurde immer wieder durchbrochen durch die von Handel, Erwerbsveränderung, Grundbesitzwechsel bedingte Beweglichkeit und Veränderlichkeit des Wohnsitzes. Die Genossen der Gentilkörper konnten nicht mehr zusammentreten zur Wahrnehmung ihrer eignen gemeinsamen Angelegenheiten; nur unwichtige Dinge, wie die religiösen Feiern, wurden noch notdürftig besorgt. Neben den Bedürfnissen und Interessen, zu deren Wahrung die Gentilkörper berufen und befähigt, waren aus der Umwälzung der Erwerbsverhältnisse und der daraus folgenden Änderung der gesellschaftlichen Gliederung neue Bedürfnisse und Interessen entstanden, die der alten Gentilordnung nicht nur fremd waren, sondern sie in jeder Weise durchkreuzten. Die Interessen der durch Teilung der Arbeit entstandnen Handwerkergruppen, die besondern Bedürfnisse der Stadt im Gegensatz zum Land, erforderten neue Organe; jede dieser Gruppen aber war aus Leuten der verschiedensten Gentes, Phratrien und Stämme zusammengesetzt, sie schloß sogar Fremde ein; diese Organe mußten sich also bilden außerhalb der Gentilverfassung, neben ihr, und damit gegen sie. - Und wiederum in jeder Gentilkörperschaft machte sich dieser Konflikt der Interessen geltend, der seine Spitze erreichte in der Vereinigung von Reichen und Armen, Wucherern und Schuldnern in derselben Gens und demselben Stamm. - Dazu kam die Masse der neuen, den Gentilgenossenschaften fremden Bevölkerung, die wie in Rom eine Macht im Lande werden konnte und dabei zu zahlreich war, um allmählich in die blutsverwandten Geschlechter und Stämme aufgenommen zu werden. Dieser Masse gegenüber standen die Gentilgenossenschaften da als geschlossene, bevorrechtete Körperschaften; die ursprüngliche naturwüchsige Demokratie war umgeschlagen in eine gehässige Aristokratie. - Schließlich war die Gentilverfassung herausgewachsen aus einer Gesellschaft, die keine inneren Gegensätze kannte, und war auch nur einer solchen angepaßt. Sie hatte kein Zwangsmittel außer der öffentlichen Meinung. Hier aber war eine Gesellschaft entstanden, die kraft ihrer sämtlicher ökonomischer Lebensbedingungen sich in Freie und Sklaven, in ausbeutende Reiche und ausgebeutete Arme hatte spalten müssen, eine Gesellschaft, die diese Gegensätze nicht nur nicht wieder versöhnen konnte, sondern sie immer mehr auf die Spitze treiben mußte. Eine solche Gesellschaft konnte nur bestehn entweder im fortwährenden offnen Kampf dieser Klassen gegeneinander oder aber unter der Herrschaft einer dritten Macht, die, scheinbar über den widerstreitenden Klassen stehend, ihren offnen Konflikt niederdrückte und den Klassenkampf höchstens auf ökonomischem Gebiet, in sogenannter gesetzlicher Form, sich ausfechten ließ. Die Gentilverfassung hatte ausgelebt. Sie war gesprengt durch die Teilung der Arbeit, und ihr Ergebnis, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen. Sie wurde ersetzt durch den Staat.

Die drei Hauptformen, in denen der Staat sich auf den Ruinen der Gentilverfassung erhebt, haben wir oben im einzelnen betrachtet. Athen bietet die reinste, klassischste Form: Hier entspringt der Staat direkt und vorherrschend aus den Klassengegensätzen, die sich innerhalb der Gentilgesellschaft selbst entwickeln. In Rom wird die Gentilgesellschaft eine geschlossene Aristokratie inmitten einer zahlreichen, außer ihr stehenden, rechtlosen aber pflichtenschuldigen Plebs; der Sieg der Plebs sprengt die alte Geschlechtsverfassung und errichtet auf ihren Trümmern den Staat, worin Gentilaristokratie und Plebs bald beide gänzlich aufgehn. Bei den deutschen Überwindern des Römerreichs endlich entspringt der Staat direkt aus der Eroberung großer fremder Gebiete, die zu beherrschen die Gentilverfassung keine Mittel bietet. Weil aber mit dieser Eroberung weder ernstlicher Kampf mit der alten Bevölkerung verbunden ist noch eine fortgeschnttnere Arbeitsteilung; weil die ökonomische Entwicklungsstufe der Eroberten und die der Eroberer fast dieselbe ist, die ökonomische Basis der Gesellschaft also die alte bleibt, deshalb kann sich die Gentilverfassung lange Jahrhunderte hindurch in veränderter, territorialer Gestalt als Markverfassung forterhalten und selbst in den späteren Adels- und Patriziergeschlechtern, ja selbst in Bauerngeschlechtern wie in Dithmarschen, eine Zeitlang in abgeschwächter Form verjüngen.

Der Staat ist also keineswegs eine der Gesellschaft von außen aufgezwungne Macht; ebensowenig ist er "die Wirklichkeit der sittlichen Idee", "das Bild und die Wirklichkeit der Vernunft", wie Hegel behauptet. Er ist vielmehr ein Produkt der Gesellschaft auf bestimmter Entwicklungsstufe; er ist das Eingeständnis, daß diese Gesellschaft sich in einen unlösbaren Widerspruch mit sich selbst verwickelt, sich in unversöhnliche Gegensätze gespalten hat, die zu bannen sie ohnmächtig ist. Damit aber diese Gegensätze, Klassen mit widerstreitenden ökonomischen Interessen nicht sich und die Gesellschaft in fruchtlosem Kampf verzehren, ist eine scheinbar über der Gesellschaft stehende Macht nötig geworden, die den Konflikt dämpfen, innerhalb der Schranken der "Ordnung" halten soll; und diese, aus der Gesellschaft hervorgegangne, aber sich über sie stellende, sich ihr mehr und mehr entfremdende Macht ist der Staat.
Gegenüber der alten Gentilorganisation kennzeichnet sich der Staat erstens durch die Einteilung der Staatsangehörigen nach dem Gebiet. Die alten, durch Blutbande gebildeten und zusammengehaltnen Gentilgenossenschaften, wie wir gesehn, waren unzureichend geworden, großenteils weil sie eine Bindung der Genossen an ein bestimmtes Gebiet voraussetzten und diese längst aufgehört hatte. Das Gebiet war geblieben, aber die Menschen waren mobil geworden. Man nahm also die Gebietseinteilung als Ausgangspunkt und ließ die Bürger ihre öffentlichen Rechte und Pflichten da erfüllen, wo sie sich niederließen, ohne Rücksicht auf Gens und Stamm. Diese Organisation der Staatsangehörigen nach der Ortsangehörigkeit ist allen Staaten gemeinsam. Uns kommt sie daher natürlich vor; wir haben aber gesehn, wie harte und langwierige Kämpfe erfordert waren, bis sie in Athen und Rom sich an die Stelle der alten Organisation nach Geschlechtern setzen konnte.

Das zweite ist die Einrichtung einer öffentlichen Gewalt, welche nicht mehr unmittelbar zusammenfällt mit der sich selbst als bewaffnete Macht organisierenden Bevölkerung. Diese besondre, öffentliche Gewalt ist nötig, weil eine selbsttätige bewaffnete Organisation der Bevölkerung unmöglich geworden seit der Spaltung in Klassen. Die Sklaven gehören auch zur Bevölkerung; die 90.000 athenischen Bürger bilden gegenüber den 365.000 Sklaven nur eine bevorrechtete Klasse. Das Volksheer der athenischen Demokratie war eine aristokratische öffentliche Gewalt gegenüber den Sklaven und hielt sie im Zaum; aber auch um die Bürger im Zaum zu halten, wurde eine Gendarmerie nötig, wie oben erzählt. Diese öffentliche Gewalt existiert in jedem Staat; sie besteht nicht bloß aus bewaffneten Menschen, sondern auch aus sachlichen Anhängseln, Gefängnissen und Zwangsanstalten aller Art, von denen die Gentilgesellschaft nichts wußte. Sie kann sehr unbedeutend, fast verschwindend sein in Gesellschaften mit noch unentwickelten Klassengegensätzen und auf abgelegnen Gebieten, wie zeit- und ortsweise in den Vereinigten Staaten Amerikas. Sie verstärkt sich aber in dem Maß, wie die Klassengegensätze innerhalb des Staats sich verschärfen und wie die einander begrenzenden Staaten größer und volkreicher werden - man sehe nur unser heutiges Europa an, wo Klassenkampf und Eroberungskonkurrenz die öffentliche Macht auf eine Höhe emporgeschraubt haben, auf der sie die ganze Gesellschaft und selbst den Staat zu verschlingen droht.

Um diese öffentliche Macht aufrechtzuerhalten, sind Beiträge der Staatsbürger nötig - die Steuern. Diese waren der Gentilgesellschaft vollständig unbekannt. Wir aber wissen heute genug davon zu erzählen. Mit der fortschreitenden Zivilisation reichen auch sie nicht mehr; der Staat zieht Wechsel auf die Zukunft, macht Anleihen, Staatsschulden. Auch davon weiß das alte Europa ein Liedchen zu singen.

Im Besitz der öffentlichen Gewalt und des Rechts der Steuereintreibung, stehn die Beamten nun da als Organe der Gesellschaft über der Gesellschaft. Die freie, willige Achtung, die den Organen der Gentilverfassung gezollt wurde, genügt ihnen nicht, selbst wenn sie sie haben könnten; Träger einer der Gesellschaft entfremdenden Macht, müssen sie in Respekt gesetzt werden durch Ausnahmsgesetzs, kraft deren sie einer besondren Heiligkeit und Unverletzlichkeit genießen. Der lumpigste Polizeidiener des zivilisierten Staats hat mehr "Autorität" als alle Organe der Gentilgesellschaft zusammengenommen; aber der mächtigste Fürst und der größte Staatsmann oder Feldherr der Zivilisation kann den geringsten Gentilvorsteher beneiden um die unerzwungne und unbestrittene Achtung, die ihm gezollt wird. Der eine steht eben mitten in der Gesellschaft; der andre ist genötigt, etwas vorstellen zu wollen außer und über ihr.

Da der Staat entstanden ist aus dem Bedürfnis, Klassengegensätze im Zaum zu halten, da er aber gleichzeitig mitten im Konflikt dieser Klassen entstanden ist, so ist er in der Regel Staat der mächtigsten, ökonomisch herrschenden Klasse, die vermittelst seiner auch politisch herrschende Klasse wird und so neue Mittel erwirbt zur Niederhaltung und Ausbeutung der unterdrückten Klasse. So war der antike Staat vor allem Staat der Sklavenbesitzer zur Niederhaltung der Sklaven, wie der Feudalstaat Organ des Adels zur Niederhaltung der leibeignen und hörigen Bauern und der moderne Repräsentativstaat Werkzeug der Ausbeutung der Lohnarbeit durch das Kapital. Ausnahmsweise indes kommen Perioden vor, wo die kämpfenden Klassen einander so nahe das Gleichgewicht halten, daß die Staatsgewalt als scheinbare Vermittlerin momentan eine gewisse Selbständigkeit gegenüber beiden erhält. So die absolute Monarchie des 17. und 18. Jahrhunderts, die Adel und Bürgertum gegeneinander balanciert; so der Bonapartismus des ersten und namentlich des zweiten französischen Kaiserreichs, der das Proletariat gegen die Bourgeoisie und die Bourgeoisie gegen das Proletariat ausspielte. Die neueste Leistung in dieser Art, bei der Herrscher und Beherrschte gleich komisch erscheinen, ist das neue deutsche Reich Bismarckscher Nation: Hier werden Kapitalisten und Arbeiter gegeneinander balanciert und gleichmäßig geprellt zum Besten der verkommnen preußischen Krautjunker.
In den meisten geschichtlichen Staaten werden außerdem die den Staatsbürgern zugestandnen Rechte nach dem Vermögen abgestuft und damit direkt ausgesprochen, daß der Staat eine Organisation der besitzenden Klasse zum Schutz gegen die nichtbesitzende ist. So schon in den athenischen und römischen Vermögensklassen. So im mittelalterlichen Feudalstaat, wo die politische Machtstellung sich nach dem Grundbesitz gliederte. So im Wahlzensus der modernen Repräsentativstaaten. Diese politische Anerkennung des Besitzunterschieds ist indes keineswegs wesentlich. Im Gegenteil, sie bezeichnet eine niedrige Stufe der staatlichen Entwicklung. Die höchste Staatsform, die demokratische Republik, die in unsern modernen Gesellschaftsverhältnissen mehr und mehr unvermeidliche Notwendigkeit wird und die Staatsform ist, in der der letzte Entscheidungskampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie allein ausgekämpft werden kann - die demokratische Republik weiß offiziell nichts mehr von Besitzunterschieden. In ihr übt der Reichtum seine Macht indirekt, aber um so sichrer aus. Einerseits in der Form der direkten Beamtenkorruption, wofür Amerika klassisches Muster, andrerseits in der Form der Allianz von Regierung und Börse, die sich um so leichter vollzieht, je mehr die Staatsschulden steigen und je mehr Aktiengesellschaften nicht nur den Transport, sondern auch die Produktion selbst in ihren Händen konzentrieren und wiederum in der Börse ihren Mittelpunkt finden. Dafür ist außer Amerika die neueste französische Republik ein schlagendes Beispiel, und auch die biedre Schweiz hat auf diesem Felde das ihrige geleistet. Daß aber zu diesem Bruderbund von Regierung und Börse keine demokratische Republik erforderlich, beweist außer England das neue deutsche Reich, wo man nicht sagen kann, wen das allgemeine Stimmrecht höher gehoben hat, Bismarck oder Bleichröder. Und endlich herrscht die besitzende Klasse direkt mittelst des allgemeinen Stimmrechts. Solange die unterdrückte Klasse, also in unserm Fall das Proletariat, noch nicht reif ist zu seiner Selbstbefreiung, solange wird sie, der Mehrzahl nach, die bestehende Gesellschaftsordnung als die einzig mögliche erkennen und politisch der Schwanz der Kapitalistenklasse, ihr äußerster linker Flügel sein. In dem Maß aber, worin sie ihrer Selbstemanzipation entgegenreift, in dem Maß konstituiert sie sich als eigne Partei, wählt ihre eignen Vertreter, nicht die der Kapitalisten. Das allgemeine Stimmrecht ist so der Gradmesser der Reife der Arbeiterklasse. Mehr kann und wird es nie sein im heutigen Staat; aber das genügt auch. An dem Tage, wo das Thermometer des allgemeinen Stimmrechts den Siedepunkt bei den Arbeitern anzeigt, wissen sie sowohl wie die Kapitalisten, woran sie sind.

Der Staat ist also nicht von Ewigkeit her. Es hat Gesellschaften gegeben, die ohne ihn fertig wurden, die von Staat und Staatsgewalt keine Ahnung hatten. Auf einer bestimmten Stufe der ökonomischen Entwicklung, die mit Spaltung der Gesellschaft in Klassen notwendig verbunden war, wurde durch diese Spaltung der Staat eine Notwendigkeit. Wir nähern uns jetzt mit raschen Schritten einer Entwicklungsstufe der Produktion, auf der das Dasein dieser Klassen nicht nur aufgehört hat, eine Notwendigkeit zu sein, sondern ein positives Hindernis der Produktion wird. Sie werden fallen, ebenso unvermeidlich, wie sie früher entstanden sind. Mit ihnen fällt unvermeidlich der Staat. Die Gesellschaft, die die Produktion auf Grundlage freier und gleicher Assoziation der Produzenten neu organisiert, versetzt die ganze Staatsmaschine dahin, wohin sie dann gehören wird: ins Museum der Altertümer, neben das Spinnrad und die bronzene Axt.

Die Zivilisation ist also nach dem Vorausgeschickten die Entwicklungsstufe der Gesellschaft, auf der die Teilung der Arbeit, der aus ihr entspringende Austausch zwischen einzelnen und die beides zusammenfassende Warenproduktion zur vollen Entfaltung kommen und die ganze frühere Gesellschaft umwälzen.

Die Produktion aller früheren Gesellschaftsstufen war wesentlich eine gemeinsame, wie auch die Konsumtion unter direkter Verteilung der Produkte innerhalb größerer oder kleinerer kommunistischer Gemeinwesen vor sich ging. Diese Gemeinsamkeit der Produktion fand statt innerhalb der engsten Schranken; aber sie führte mit sich die Herrschaft der Produzenten über ihren Produktionsprozeß und ihr Produkt. Sie wissen, was aus dem Produkt wird: Sie verzehren es, es verläßt ihre Hände nicht; und solange die Produktion auf dieser Grundlage betrieben wird, kann sie den Produzenten nicht über den Kopf wachsen, keine gespenstischen fremden Mächte ihnen gegenüber erzeugen, wie dies in der Zivilisation regelmäßig und unvermeidlich der Fall ist.

Aber in diesen Produktionsprozeß schiebt sich die Teilung der Arbeit langsam ein. Sie untergräbt die Gemeinsamkeit der Produktion und Aneignung, sie erhebt die Aneignung durch einzelne zur überwiegenden Regel und erzeugt damit den Austausch zwischen einzelnen - wie, das haben wir oben untersucht. Allmählich wird die Warenproduktion herrschende Form.
Mit der Warenproduktion, der Produktion nicht mehr für eignen Verbrauch, sondern für den Austausch, wechseln die Produkte notwendig die Hände. Der Produzent gibt sein Produkt im Tausch weg, er weiß nicht mehr, was daraus wird. Sowie das Geld, und mit dem Geld der Kaufmann, als Vermittler zwischen die Produzenten tritt, wird der Austauschprozeß noch verwickelter, das schließliche Schicksal der Produkte noch Ungewisser. Der Kaufleute sind viele, und keiner von ihnen weiß, was der andre tut. Die Waren gehn nun schon nicht bloß von Hand zu Hand, sie gehn auch von Markt zu Markt; die Produzenten haben die Herrschaft über die Gesamtproduktion ihres Lebenskreises verloren, und die Kaufleute haben sie nicht überkommen. Produkte und Produktion verfallen dem Zufall.

Aber Zufall, das ist nur der eine Pol eines Zusammenhangs, dessen andrer Pol Notwendigkeit heißt. In der Natur, wo auch der Zufall zu herrschen scheint, haben wir längst auf jedem einzelnen Gebiet die innere Notwendigkeit und Gesetzmäßigkeit nachgewiesen, die in diesem Zufall sich durchsetzt. Was aber von der Natur, das gilt auch von der Gesellschaft. Je mehr eine gesellschaftliche Tätigkeit, eine Reihe gesellschaftlicher Vorgänge der bewußten Kontrolle der Menschen zu mächtig wird, ihnen über den Kopf wächst, je mehr sie dem puren Zufall überlassen scheint, desto mehr setzen sich in diesem Zufall die ihr eigentümlichen, innewohnenden Gesetze wie mit Naturnotwendigkeit durch. Solche Gesetze beherrschen auch die Zufälligkeiten der Warenproduktion und des Warenaustausches; dem einzelnen Produzenten und Austauschenden stehn sie gegenüber als fremde, anfangs sogar unerkannte Mächte, deren Natur erst mühsam erforscht und ergründet werden muß. Diese ökonomischen Gesetze der Warenproduktion modifizieren sich mit den verschiednen Entwicklungsstufen dieser Produktionsform; im ganzen und großen aber steht die gesamte Periode der Zivilisation unter ihrer Herrschaft. Und noch heute beherrscht das Produkt die Produzenten; noch heute wird die Gesamtproduktion der Gesellschaft geregelt, nicht durch gemeinsam überlegten Plan, sondern durch blinde Gesetze, die sich geltend machen mit elementarer Gewalt, in letzter Instanz in den Gewittern der periodischen Handelskrisen.

Wir sahen oben, wie auf einer ziemlich frühen Entwicklungsstufe der Produktion die menschliche Arbeitskraft befähigt wird, ein beträchtlich größeres Produkt zu liefern, als zum Unterhalt der Produzenten erforderlich ist, und wie diese Entwicklungsstufe in der Hauptsache dieselbe ist, auf der Teilung der Arbeit und Austausch zwischen einzelnen aufkommen. Es dauerte nun nicht lange mehr, bis die große "Wahrheit" entdeckt wurde, daß auch der Mensch eine Ware sein kann; daß die menschliche Kraft austauschbar und vernutzbar ist, indem man den Menschen in einen Sklaven verwandelt. Kaum hatten die Menschen angefangen auszutauschen, so wurden sie auch schon selbst ausgetauscht. Das Aktivum wurde zum Passivum, die Menschen mochten wollen oder nicht.

Mit der Sklaverei, die unter der Zivilisation ihre vollste Entfaltung erhielt, trat die erste große Spaltung der Gesellschaft ein in eine ausbeutende und eine ausgebeutete Klasse. Diese Spaltung dauerte fort während der ganzen zivilisierten Periode. Die Sklaverei ist die erste, der antiken Welt eigentümliche Form der Ausbeutung: ihr folgt die Leibeigenschaft im Mittelalter, die Lohnarbeit in der neueren Zeit. Es sind dies die drei großen Formen der Knechtschaft, wie sie für die drei großen Epochen der Zivilisation charakteristisch sind; offne, und neuerdings verkleidete, Sklaverei geht stets danebenher.

Die Stufe der Warenproduktion, womit die Zivilisation beginnt, wird ökonomisch bezeichnet durch die Einführung 1. des Metallgeldes, damit des Geldkapitals, des Zinses und Wuchers; 2. der Kaufleute als vermittelnder Klasse zwischen den Produzenten; 3. des Privatgrundeigentums und der Hypothek und 4. der Sklavenarbeit als herrschender Produktionsform. Die der Zivilisation entsprechende und mit ihr definitiv zur Herrschaft kommende Familienform ist die Monogamie, die Herrschaft des Mannes über die Frau, und die Einzelfamilie als wirtschaftliche Einheit der Gesellschaft. Die Zusammenfassung der zivilisierten Gesellschaft ist der Staat, der in allen mustergültigen Perioden ausnahmslos der Staat der herrschenden Klasse ist und in allen Fallen wesentlich Maschine zur Niederhaltung der unterdrückten, ausgebeuteten Klasse bleibt. Bezeichnend für die Zivilisation ist noch: einerseits die Fixierung des Gegensatzes von Stadt und Land als der Grundlage der gesamten gesellschaftlichen Arbeitsteilung; andrerseits die Einführung der Testamente, wodurch der Eigentümer auch noch über seinen Tod hinaus über sein Eigentum verfügen kann. Diese der alten Gentilverfassung direkt ins Gesicht schlagende Einrichtung war in Athen bis auf Solon unbekannt; in Rom ist sie schon früh eingeführt, wann, wissen wir nicht; bei den Deutschen führten die Pfaffen sie ein, damit der biedre Deutsche sein Erbteil der Kirche ungehindert vermachen könne.
Mit dieser Grundverfassung hat die Zivilisation Dinge vollbracht, denen die alte Gentilgesellschaft nicht im entferntesten gewachsen war. Aber sie hat sie vollbracht, indem sie die schmutzigsten Triebe und Leidenschaften der Menschen in Bewegung setzte und auf Kosten seiner ganzen übrigen Anlagen entwickelte. Die platte Habgier war die treibende Seele der Zivilisation von ihrem ersten Tag bis heute, Reichtum und abermals Reichtum und zum drittenmal Reichtum, Reichtum nicht der Gesellschaft, sondern dieses einzelnen lumpigen Individuums, ihr einzig entscheidendes Ziel. Wenn ihr dabei die steigende Entwicklung der Wissenschaft und zu wiederholten Perioden die höchste Blüte der Kunst in den Schoß gefallen ist, so doch nur, weil ohne diese die volle Reichtumserrungenschaft unsrer Zeit nicht möglich gewesen wäre.

Da die Grundlage der Zivilisation die Ausbeutung einer Klasse durch eine andre Klasse ist, so bewegt sich ihre ganze Entwicklung in einem fortdauernden Widerspruch. Jeder Fortschritt der Produktion ist gleichzeitig ein Rückschritt in der Lage der unterdrückten Klasse, d.h. der großen Mehrzahl. Jede Wohltat für die einen ist notwendig ein Übel für die andern, jede neue Befreiung der einen Klasse eine neue Unterdrückung für eine andre Klasse. Den schlagendsten Beweis dafür liefert die Einführung der Maschinerie, deren Wirkungen heute weltbekannt sind. Und wenn bei den Barbaren der Unterschied von Rechten und Pflichten, wie wir sahen, noch kaum gemacht werden konnte, so macht die Zivilisation den Unterschied und Gegensatz beider auch dem Blödsinnigsten klar, indem sie einer Klasse so ziemlich alle Rechte zuweist, der andern dagegen so ziemlich alle Pflichten.

Das soll aber nicht sein. Was für die herrschende Klasse gut ist, soll gut sein für die ganze Gesellschaft, mit der die herrschende Klasse sich identifiziert. Je weiter also die Zivilisation fortschreitet, je mehr ist sie genötigt, die von ihr mit Notwendigkeit geschaffnen Übelstände mit dem Mantel der Liebe zu bedecken, sie zu beschönigen oder wegzuleugnen, kurz eine konventionelle Heuchelei einzuführen, die weder früheren Gesellschaftsformen noch selbst den ersten Stufen der Zivilisation bekannt war und die zuletzt in der Behauptung gipfelt: Die Ausbeutung der unterdrückten Klasse werde betrieben von der ausbeutenden Klasse einzig und allein im Interesse der ausgebeuteten Klasse selbst; und wenn diese das nicht einsehe, sondern sogar rebellisch werde, so sei das der schnödeste Undank gegen die Wohltäter, die Ausbeuter.

Und nun zum Schluß Morgans Urteil über die Zivilisation:

"Seit dem Eintritt der Zivilisation ist das Wachstum des Reichtums so ungeheuer geworden, seine Formen so verschiedenartig, seine Anwendung so umfassend und seine Verwaltung so geschickt im Interesse der Eigentümer, daß dieser Reichtum, dem Volk gegenüber, eine nicht zu bewältigende Macht geworden ist. Der Menschengeist steht ratlos und gebannt da vor seiner eignen Schöpfung. Aber dennoch wird die Zeit kommen, wo die menschliche Vernunft erstarken wird zur Herrschaft über den Reichtum, wo sie feststellen wird sowohl das Verhältnis des Staats zu dem Eigentum, das er schützt, wie die Grenzen der Rechte der Eigentümer. Die Interessen der Gesellschaft gehn den Einzelinteressen absolut vor, und beide müssen in ein gerechtes und harmonisches Verhältnis gebracht werden. Die bloße Jagd nach Reichtum ist nicht die Endbestimmung der Menschheit, wenn anders der Fortschritt das Gesetz der Zukunft bleibt, wie er es war für die Vergangenheit. Die seit Anbruch der Zivilisation verflossene Zeit ist nur ein kleiner Bruchteil der verflossenen Lebenszeit der Menschheit; nur ein kleiner |173| Bruchteil der ihr noch bevorstehenden. Die Auflösung der Gesellschaft steht drohend vor uns als Abschluß einer geschichtlichen Laufbahn, deren einziges Endziel der Reichtum ist; denn eine solche Laufbahn enthält die Elemente ihrer eignen Vernichtung. Demokratie in der Verwaltung, Brüderlichkeit in der Gesellschaft, Gleichheit der Rechte, allgemeine Erziehung werden die nächste höhere Stufe der Gesellschaft einweihen, zu der Erfahrung, Vernunft und Wissenschaft stetig hinarbeiten. Sie wird eine Wiederbelebung sein - aber in höherer Form - der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit der alten Gentes." (Morgan, "Ancient Society", p. 552.)



Fußnoten von Engels

(1) Besonders an der Nordwestküste Amerikas, siehe Bancroft. Bei den Haidahs auf Königin Charlottes Insel kommen Haushaltungen bis zu 700 Personen unter einem Dache vor. Bei den Nootkas lebten ganze Stämme unter einem Dache. 

(2) Die Anzahl für Athen siehe oben. In Korinth betrug sie zur Blütezeit der Stadt 460.000, in Ägina 470.000, in beiden Fallen die zehnfache Anzahl der freien Bürgerbevölkerung. 

(3) Der erste Geschichtsschreiber, der wenigstens eine annähernde Vorstellung vom Wesen der Gens hatte, war Niebuhr, und das - aber auch seine ohne weiteres mit übertragnen Irrtümer - verdankt er seiner Bekanntschaft mit den dithmarsischen Geschlechtern. 

(4) Lassalles "System der erworbenen Rechte" dreht sich im zweiten Teil hauptsächlich um den Satz, das römische Testament sei so alt wie Rom selbst, es habe für die römische Geschichte nie "eine Zeit ohne Testament gegeben"; das Testament sei vielmehr in vorrömischer Zeit aus dem Kultus der Verstorbenen entstanden. Lassalle, als gläubiger Althegelianer, leitet die römischen Rechtsbestimmungen ab nicht aus den gesellschaftlichen Verhältnissen der Römer, sondern aus dem "spekulativen Begriff" des Willens, und kommt dabei zu jener total ungeschichtlichen Behauptung. Man kann sich darüber nicht wundern in einem Buch, das auf Grund desselben spekulativen Begriffs zu dem Ergebnis kommt, bei der römischen Erbschaft sei die Übertragung des Vermögens reine Nebensache gewesen. Lassalle glaubt nicht nur an die Illusionen der römischen Juristen, besonders der früheren Zeit; er übergipfelt sie noch. 

(5) Ich beabsichtigte anfangs, die brillante Kritik der Zivilisation, die sich in den Werken Charles Fouriers zerstreut vorfindet, neben diejenige Morgans und meine eigne zu stellen. Leider fehlt mir die Zeit dazu. Ich bemerke nur, daß schon bei Fourier Monogamie und Grundeigentum als Hauptkennzeichen der Zivilisation gelten und daß er sie einen Krieg des Reichen gegen den Armen nennt. Ebenfalls findet sich bei ihm schon die tiefe Einsicht, daß in allen mangelhaften, in Gegensätze gespaltenen Gesellschaften Einzelfamilien (les familles incohérentes) die wirtschaftlichen Einheiten sind. 

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  Predigt vom goldenen Gefäß
Geschrieben von: Eik - 13.02.2017, 11:19 - Forum: Philosophie - Antworten (3)

Meister Eckehart

Predigt vom goldenen Gefäß


Vas auri solidum ornamentum lapide pretioso 

fr. Eckhart, Lektor der Sentenzen, Ostersonntag 1294 

Ein goldenes Gefäß, fest geschmückt mit der Edelkeit alles Gesteines. 
(Jes. Sir. 50) 


"Als unser Osterlamm ist Christus geopfert worden. Und so laßt uns ein Mahl halten". (1 Kor. 5,7.8) "Ein Freudenmahl mußte gehalten werden, denn dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden" (Luk. 15,32). 

Dieses Prothema steht, wie man sehen kann, in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Thema und der heutigen Festfeier. Cicero, den Augustin unter allen Rhetoren ganz besonders empfiehlt, schreibt ja sowohl in der alten wie in der neuen Rhetorik, daß es u.a. vier Dinge sind, die begierig von den Höhrern aufgenommen werden, wenn nämlich das, was vorgetragen wird, die einzelnen betrifft, wenn es unglaublich ist, weil wunderbar, wenn es neu ist, weil ungewöhnlich, und wenn es gewaltig ist, weil übernatürlich. So werden auch diese vier Dinge in den hier an zweiter Stelle vorgetragenen Worten nahegelegt. Denn das betrifft die einzelnen, was heute die Kirche begeht: das geht aus den Worten: "dein Bruder", das ist Christus, hervor. Ferner ist es unglaublich, denn es ist höchst wunderbar, weil "Gott, der eine geistige" und unbegreifliche "Kugel ist, deren Mittelpunkt überall, deren Oberfläche nirgends ist", unter der Gestalt des Brotes zum Genuß vorgelegt wird. Daher "mußte ein Freudenmahl gehalten werden" (Luk. 15,32). Ferner ist es neu, weil nämlich das Leben stirbt. Darum heißt es: "er war tot". Und es ist gewaltig: "und er ist wieder lebendig geworden", weil der Tote wieder dem Leben geschenkt wurde, und zwar aus eigener Kraft, um ewig zu leben. 

Zum ersten: es geht um deine Angelegenheit. Deshalb heißt es: "er ist ja unser Bruder und unser Fleisch" (Gen. 37,27); und: "das ist nun Bein von meinem Bein" (Gen. 2,23). 
Und dies ist unglaublich, weil er unter der Gestalt des Brotes vorgelegt wird. Deshalb heißt es bei Jesaias 53,1 und im Brief an die Römer (10,16): "Herr, wer hat dem Hören Glauben geschenkt?", als wollte er sagen: es ist unglaublich. Es heißt aber: "dem Hören", vielleicht deshalb, weil "der Glaube aus dem Hören" (Röm. 10,17), oder vielleicht, weil im Sakrament des Altares der Verstand entleert wird, Gesicht, Geschmack und die anderen Sinne gefangengehalten werden und nur das Hören nicht gebunden uns die Wahrheit kündet. Darum kann er jenes Wort sagen: "ich bin allein entkommen, um es dir zu künden" (Hiob 1,15). 

Es ist auch neu, weil das Leben stirbt, das heißt Christus. Darum heißt es: "ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh. 14,6); und: "was gemacht ist, war in ihm Leben" (Joh. 1,3.4). 

Ferner ist es gewaltig, weil "er wieder lebendig geworden ist". Daß ein Toter wieder lebendig geworden ist, ist bisweilen schon vorgekommen, daß einer aber sich selbst auferweckt hat, um ewig zu leben, das ist etwas ganz Gewaltiges und Ungewöhnliches. Daher heißt es: "ich bin der Erste und der Letzte, und ich lebe und ich war tot und siehe, ich lebe in Ewigkeit" rief an (Offb. 1,17.18). Und Augustin schreibt im zweiten Brief an Volusian: "es war nicht notwendig, daß Gott eine neue Welt schuf, er schuf aber Neues in der Welt. Denn der Mensch, der aus der Jungfrau geboren vom Tod zum ewigen Leben im Himmel erstand, ist wohl ein mächtigeres Werk als die Welt". 

Und es ist nicht verwunderlich, wenn wir das, was dem Wortlaut nach von dem verschwenderischen und bösen Sohn gemeint ist, von Christus auslegen, da ja von Christus geschrieben steht: "er wurde zu den Übeltätern gerechnet" (Luk. 22,37). Daher heißt es auch bei Jesaias 53,6: "Gott hat unser aller Bosheit auf ihn gelegt". 

Um aber das, was wir an erster Stelle vorgetragen haben, noch angemessener auszulegen, wollen wir zuerst beten. Augustin nun lehrt im Buch der Selbstgespräche zu Anfang die Gebetsweise und sagt: "Gott, Schöpfer des Alls, verleih mir zuerst, daß ich dich recht bitte, und dann, daß du mich würdig machst, mich zu erhören, und dann, daß du mich erhörst"; denn gut beten heißt viel erlangen. 

"Als unser Opferlamm ". 

Wenn die Mutter ihr Kind zum Essen und der Arzt den Kranken zur Einnahme der Medizin anregen will, dann empfiehlt jeder das Seine, denn eine gute Meinung darüber nützt am ehesten und eine solche erste Vorstellung von etwas Gutem hilft manchmal mehr als ein Arzt mit seinen Instrumenten. Und so ist es vorgekommen, wie sie berichten, daß ein Huhn aufgrund der bloßen Vorstellung sich der äußeren Veranlagung nach in einen Hahn verwandelt hat. Der Apostel, der uns zum Genuß des Osterlammes anregen will, bringt daher zuerst dessen Erhabenheit vor mit den Worten: "als unser Osterlamm". Zweitens ermahnt er uns in rechter Ordnung zum würdigen Empfang eines so großen Sakraments: "und so laßt uns denn ein Mahl halten", daß dieser Ausdruck "und so" adverbial aufgefaßt wird, das heißt: "laßt uns ein Mahl halten" in Übereinstimmung mit einem so großen Sakrament. 
Zuerst also empfiehlt er dieses Ostermahl, weil es sowohl den Leib wie die Seele neu belebt. Darum heißt es: "er wird hineingehen", das heißt: um die Seele neu zu beleben, "und wird herausgehen und Weide finden" (Joh. 10,9). Von der Erhabenheit dieses Ostermahls heißt es im Buch der Weisheit (16,20.21): "es hat alle Freude und die Süßigkeit jeden Geschmackes an sich" "und dient dem Wunsch eines jeden einzelnen". Darum sagt Augustin im 3. Kapitel der Sentenzen Prospers: "alle Vollkommenheit ist aus Christus und in Christus, worüber hinaus die Hoffnung nichts hat, worauf sie sich erstrecken könnte. Das Ziel der Gläubigen ist Christus, und wenn der Laufende mit all seiner Anspannung bis zu ihm gelangt ist, dann gibt es nichts, wohin er noch weiter eilen könnte, vielmehr ist er im Besitz dessen, in dem er verharren soll". Dies zum ersten Punkt. 

Nun zum zweiten Punkt: "und so laßt uns ein Mahl halten", d.h., so, wie es dem Sakrament entspricht. 

Um aber die Erhabenheit des Sakraments, seine Empfehlung und die Verfassung der würdig Empfangenen zu erlangen, wollen wir für den Moment drei entsprechende Aspekte betrachten, nämlich wem dieses Ostermahl bereitet wird, zweitens, wo, und drittens, was es bewirkt. 

Zum ersten muß man wissen, es wird den Armen bereitet und denen, die ein reines Gewissen haben und die die Welt verachten. 

Zum ersten heißt es im Psalm (67,11; 21,27): "du, Gott, hast es in deiner Süßigkeit dem Armen bereitet"; und: "die Armen werden essen" - dazu die Glosse: "den Armen", d.h. den Verächtern der Welt und den Demütigen - "in deiner Süßigkeit" - dazu die Glosse: "nicht in der Süßigkeit der Welt, die bitter ist" -. Darum schreibt Augustin in einem Brief an Armentarius und Paulina: "Dort ist Mühsal, wo vieles gesucht und geliebt wird, um das zu erlangen und festzuhalten, reicht der Wille nicht aus; bei dir sein aber ist Leben, es zu wollen aber ist Gerechtigkeit. Siehe, wo Mühsal ist, da reicht der Wille nicht hin. Deshalb wurde vom Himmel her gesagt: 'auf Erden Frieden den Menschen eines guten Willens' (Luk. 2,14). Wo Friede, da ist Ruhe; wo Ruhe, da ist Ende des Strebens und kein Grund zur Mühsal". 

Man kann aber für den Moment einen doppelten Grund angeben, weshalb Gott "den Demütigen Gnade" gibt, wie es im Brief des Jakobus 4,6 und anderswo (1. Petr. 5,5; vgl. Spr. 3,34) heißt. Wenn Gott aber Gnade in Teilen gibt, um wieviel mehr in diesem Sakrament, in dem die Quelle der Gnade verborgen ist. Und in anderen Schriften wird mit großer Wahrscheinlichkeit behauptet: je tiefer und niedriger jedes Empfangene ist, um so empfänglicher ist es. Je tiefer eine Seele, die dieses Sakrament empfangen soll, durch die Demut am Boden liegt, um so empfänglicher ist sie für Gott. Darum sagt Augustin: "Gott ist ganz Auge, ist ganz Hand und ganz Fuß"; ganz Auge, weil er alles sieht, ganz Hand, weil er alles wirkt, ganz Fuß, weil er überall ist und nirgends einen Ort hat. Wenn ihn die gläubige Seele aufnehmen will, muß sie sich durch Demut darauf einrichten. 

Zweitens wird dieses Ostermahl auch den Verächtern der Welt bereitet, aus zwei Gründen: Erstens, weil nach Augustin jedes Metall durch Berührung mit einem weniger edlen Metall eine fremdartige Färbung annimmt und im Wert sinkt, wie z.B. das Gold durch Berührung mit Silber. Also wird Gott gewissermaßen Unrecht angetan, wenn ihn jemand empfängt, der die Welt liebt, weil er, soweit es an ihm liegt, ihn in seiner Vortrefflichkeit gewissermaßen herabsetzt. 

"Du, Gott, hast bereitet". So wird deutlich, von wem es bereitet wird, nämlich von Gott. Und das ist nicht verwunderlich, denn wir sehen ja auch, daß die Natur, die gänzlich verdorben, schwach und begrenzt ist, in kurzer Zeit etwas Großes und Lebendes hervorbringt aufgrund der Anziehungskraft der Feuchtigkeit. Weit eher ist es möglich, daß aus der göttlichen Macht in kurzer Zeit dieses Sakrament hervorgebracht wird, denn je stärker das Wirkende ist, um so kürzer ist das Wirken, wie es in anderen Schriften heißt. Daher sagt der Psalmist bezeichnenderweise: "du, Gott, hast bereitet". 

Drittens wird es denen bereitet, die ein reines Gewissen haben. Daher wird Moses gesagt, daß die Unreinen "im zweiten Monat" das Ostermahl feiern sollten (Num. 9,10f.). Und als David in der Not die Schaubrote genießen wollte, wurde ihm gesagt: "nur wenn die Kinder rein sind" (1 Kön. 21,6.4). Und bei Matthäus 27,59 heißt es: "Joseph nahm den Leib des Herrn und wickelte ihn in reine Leinwand". Also wird es nur den Reinen bereitet. Dionysius spielt daher im 3. Kapitel 'Von der kirchlichen Hierachie' auf unser Thema: "als unser Osterlamm ist Christus geopfert worden" an: "die zur heiligsten Opferfeier schreiten, müssen sich bis auf die letzten Vorstellungsbilder der Seele reinigen und in möglichst treuer Angleichung zu ihr hinzutreten". Zum Zeichen dessen wusch und reinigte auch Christus die Füße der Jünger (Joh. 13,5), um damit darauf hinzuweisen, daß auch die geringsten Flecken zu entfernen seien. 

Wo es bereitet wird, wird bei Ezechiel 34,14 deutlich: "auf den hohen Bergen Israels", "dort sollen sie ruhen"; "an fruchtbaren Stätten", "auf sprossenden Auen" "soll ihre Weide sein" usw. 

Nirgendwo besser ... (Lücke im Text) ..., von wem es bereitet wird, als wenn wir sehen, was er sagte, als er nach dieser Vorbereitung gefragt wurde: "wo, willst du, sollen wir das Ostermahl bereiten?" Bei Markus 14,12f. heißt es, daß "er zwei seiner Jünger aussandte", bei Lukas 22,8-12, daß er Petrus und Johannes aussandte mit der Weisung: "geht hin und bereitet uns das Ostermahl zu, damit wir es essen können. Auf ihre Frage: 'wo sollen wir es bereiten?' antwortete er ihnen: gebt acht, sobald ihr in die Stadt hineinkommt, wird euch ein Mann begegnen, der einen Krug mit Wasser trägt; folgt dem in das Haus, in das er hineingeht, und sagt dem Eigentümer des Hauses: der Meister läßt dich fragen: wo ist der Speisesaal, worin ich mit meinen Jüngern das Ostermahl essen kann? Dann wird er euch ein geräumiges, mit Polstern ausgestattetes Obergemach zeigen. Dort bereitet das Mahl!" Petrus heißt soviel wie "der Erkennende". Die Selbsterkenntnis und die der eigenen Schwäche ist also eine der Bedingungen zur Vorbereitung. Darum heißt es: "Es prüfe sich aber der Mensch" (1. Kor. 11,28): Augustin sagt am Anfang des 4. Buches 'Über die Dreifaltigkeit': "das Wissen um die irdischen und himmlischen Dinge pflegen die Menschen hoch einzuschätzen; darin sind wahrlich die besser, die diesem Wissen die Kenntnis ihrer selbst vorziehen. Daher ist die Seele mehr gutzuheißen und zu loben, der ihre eigene Schwachheit bekannt ist, als die Seele, die sich darum nicht kümmert und die Bahnen der Gestirne erforscht, selbst wenn sie sie kennenlernen wird". Deshalb wollte Adam eine Menge Wissen erwerben und verlor es. Und Albert sagte oft: "Dies weiß ich, wie wir es eben wissen, denn wir wissen alle wenig". Zu tadeln sind daher alle die, die sich vermessen um ein solches Wissen kümmern und ihr Gewissen vernachlässigen. Augustin sagt daher im Büchlein 'Über die christliche Lehre' aufgrund der Überzeugung, daß viele mehr den Mantel als die Seele, mehr den Tod als das Leben lieben, denn die Bewährung kommt von der Seele. Er sagt daher: "du liebst einen guten Mantel und willst ihn, du liebst ein gutes Haus und willst es" usw. "Schließlich willst und wünschst du auch einen guten Tod. Wenn du darum nicht ein gutes Leben oder eine gute Seele liebst, willst du ihn nicht. Du fürchtest, nicht gut zu sterben, dann fürchte, nicht gut zu leben. Es kann einer nicht schlecht sterben, der gut gelebt hat. Und ich bekräftige das, und mit allem Freimut sage ich ganz sicher: es kann einer nicht schlecht sterben, der gut gelebt hat". 

Er sandte auch Johannes voraus, d.h. den, "in dem Gnade ist", denn aus der Erkenntnis der eigenen Schwäche erheben sich Demut und Gnade. Jeder aber, der stolz ist, ist kein Wissender. Darum heißt es in den Sprichwörtern des Ptolemäus: "wer unter den Weisen der Demütigere ist, der ist unter ihnen der Weisere". Denn "Demütigung wird in deiner Mitte sein" (Mich. 6,14). Wenn du dich innerlich erkennst, wirst du dich oft demütigen. 

Petrus und Johannes gingen also zusammen. Darum heißt es: "beide eilten zusammen, und der andere Jünger lief schneller als Petrus und kam zuerst an das Grab" (Joh. 20,4). Petrus ging also zuerst hin, aber Johannes lief voraus, denn die Gnade erhebt dorthin, wohin die Natur nicht gelangen kann. 

Petrus und Johannes bereiten also vor. Daher sagt Augustin im Buch 'Über die Gnade und den freien Willen': "Gott vollendet in uns durch sein Mitwirken, was er durch sein Wirken beginnt. Er beginnt in uns und wirkt, daß wir wollen, er wirkt mit den Wollenden mit und vollendet. Er wirkt, daß der Mensch will, er wirkt mit, daß er nicht vergebens will". 

Er sandte also die Zwei mit den Worten: "geht in die Stadt"; denn in dem Empfang dieses Sakramentes muß Vereinigung der Wünsche, die auf Gott gerichtet sind, herrschen. Daher heißt "Stadt" soviel wie "Vereinigung der Bürger ", in der das Ostermahl bereitet wird. Dionysius erklärt daher an der gleichen Stelle wie oben, warum dieses Sakrament eine heilige Vereinigung oder Synaxis genannt wird: "eine jede heilige vervollkommnende Handlung sammelt unsere geteilten Leben zur einheitlichen Vergöttlichung und verleiht eine gottförmige Verknüpfung und Vereinigung der getrennten". Und wenn das jede heilige Handlung bewirkt, so bewirkt es weit mehr dieses Sakrament. Daher verleiht man mit Recht diesem Sakrament den Namen "Vereinigung". 

Der Name "Stadt" meint auch "Befestigung": "wer wird mich in die befestigte Stadt führen?" (Ps. 59,11). Denn dort fließt der Quell aller Gnaden. 

Weil dieses Ostermahl den Demütigen, den Verächtern der Welt und den Reinen bereitet wird, ist es nicht verwunderlich, wenn es von denen, die an der Fieberglut der Leidenschaft für irdischen Dingen leiden, nicht geschätzt wird, denn es ist etwas Großes. Deshalb heißt es: "ein geräumiges, mit Polstern ausgestattetes Obergemach; dort bereitet ". Daher sagt Augustin im 7. Buch der 'Bekenntnisse' von sich selbst: "ich konnte nicht einmal ahnen, welches Geheimnis dieses Wort in sich schließt: 'das Wort ist Fleisch geworden'", und ich trug bei mir nur die Erinnerung, angefüllt mit Irdischem. Danach fand er, "es sei nicht verwunderlich, daß kranken Augen das Licht verhaßt ist, das gesunden Augen liebenswert ist, und daß einem kranken Gaumen die Speise bitter ist, die dem gesunden Gaumen süß ist". Und anschließend heißt es: "ich fand mich weit entfernt von dir, als hörte ich deine Stimme aus der Höhe: ich bin eine Speise der Großen; wachse, dann wirst du mich essen. Du wirst mich nicht in dich verwandeln wie die Speise deines Fleisches; sondern du wirst in mich verwandelt werden". Daher besteht zwischen Körperlichem und Geistigem dieser Unterschied: das Körperliche enthält in sich einen Inhalt; nicht so bei dem Geistigen, im Gegenteil, die Seele im Körper enthält diesen. Und je reiner eine Speise ist, um so schneller und leichter wird sie in das Innere gezogen, ebenso wie der Mensch, je reiner er ist, durch dieses Ostermahl Christus eingegliedert. Augustin sagt danach an derselben Stelle: "ich hörte, wie man im Herzen hört, so daß es da überhaupt nichts zu zweifeln gab, eher hätte ich daran gezweifelt zu leben, als daran, dies zu hören". Deshalb heißt es: "wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm" (Joh. 6,57), und: "wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht" (Joh. 15,5). Diese Frucht möge uns der Herr selbst schenken. 

Amen. 

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  Das Höhlengleichnis
Geschrieben von: Eik - 13.02.2017, 11:14 - Forum: Philosophie - Antworten (17)

Platon

Auszug aus: Der Staat (Politeia)
Höhlengleichnis


Nach diesen Erörterungen, fuhr ich fort, betrachte nun unsere menschliche Anlage vor und nach ihrer Entwicklung mit dem in folgendem bildlich dargestellten Zustande: Stelle dir nämlich Menschen vor in einer höhlenartigen Wohnung unter der Erde, die einen nach dem Lichte zu geöffneten und längs der ganzen Höhle hingehenden Eingang habe, Menschen, die von Jugend auf an Schenkeln und Hälsen in Fesseln eingeschmiedet sind, so daß sie dort unbeweglich sitzenbleiben und nur vorwärts schauen, aber links und rechts die Köpfe wegen der Fesselung nicht umzudrehen vermögen; das Licht für sie scheine von oben und von der Ferne von einem Feuer hinter ihnen; zwischen dem Feuer und den Gefesselten sei oben ein Querweg; längs diesem denke dir eine kleine Mauer erbaut, wie sie die Gaukler vor dem Publikum haben, über die sie ihre Wunder zeigen.
Ich stelle mir das vor, sagte er.


So stelle dir nun weiter vor, längs dieser Mauer trügen Leute allerhand über diese hinausragende Gerätschaften, auch Menschenstatuen und Bilder von anderen lebenden Wesen aus Holz, Stein und allerlei sonstigem Stoffe, während, wie natürlich, einige der Vorübertragenden ihre Stimme hören lassen, andere schweigen.
Ein wunderliches Gleichnis, sagte er, und wunderliche Gefangene!


Leibhaftige Ebenbilder von uns! sprach ich. Haben wohl solche Gefangene von ihren eigenen Personen und von einander etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, die von dem Feuer auf die ihrem Gesichte gegenüberstehende Wand fallen?


Unmöglich, sagte er, wenn sie gezwungen wären, ihr ganzes Leben lang unbeweglich die Köpfe zu halten.
Ferner, ist es nicht mit den vorübergetragenen Gegenständen ebenso?


Allerdings.


Wenn sie nun mit einander reden könnten, würden sie nicht an der Gewohnheit festhalten, den vorüberwandernden Schattenbildern, die sie sahen, dieselben Benennungen zu geben?


Notwendig.


Weiter: Wenn der Kerker auch einen Widerhall von der gegenüberstehenden Wand darböte, sooft jemand der Vorübergehenden sich hören ließe, - glaubst du wohl, sie würden den Laut etwas anderem zuschreiben als den vorüberschwebenden Schatten?


Nein, bei Zeus, sagte er, ich glaube es nicht.


Überhaupt also, fuhr ich fort, würden solche nichts für wahr gelten lassen als die Schatten jener Gebilde?
Ja, ganz notwendig, sagte er.


Betrachte nun, fuhr ich fort, wie es bei ihrer Lösung von ihren Banden und bei der Heilung von ihrem Irrwahne hergehen würde, wenn solche ihnen wirklich zuteil würde: Wenn einer entfesselt und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals umzudrehen, herumzugehen, in das Licht zu sehen, und wenn er bei allen diesen Handlungen Schmerzen empfände und wegen des Glanzgeflimmers vor seinen Augen nicht jene Dinge anschauen könnte, deren Schatten er vorhin zu sehen pflegte: was würde er wohl dazu sagen, wenn ihm jemand erklärte, daß er vorhin nur ein unwirkliches Schattenspiel gesehen, daß er jetzt aber dem wahren Sein schon näher sei und sich zu schon wirklicheren Gegenständen gewandt habe und daher nunmehr auch schon richtiger sehe? Und wenn man ihm dann nun auf jeden der vorüberwandernden wirklichen Gegenstände zeigen und ihn durch Fragen zur Antwort nötigen wollte, was er sei, - glaubst du nicht, daß er ganz in Verwirrung geraten und die Meinung haben würde, die vorhin geschauten Schattengestalten hätten mehr Realität als die, welche er jetzt gezeigt bekomme?


Ja, bei weitem, antwortete er.


Und nicht wahr, wenn man ihn zwänge, in das Licht selbst zu sehen, so würde er Schmerzen an den Augen haben, davonlaufen und sich wieder jenen Schattengegenständen zuwenden, die er ansehen kann, und würde dabei bleiben, diese wären wirklich deutlicher als die, welche er gezeigt bekam?
So wird's gehen, meinte er.


Wenn aber, fuhr ich fort, jemand ihn aus dieser Höhle mit Gewalt den rauhen und steilen Aufgang zöge und ihn nicht losließe, bis er ihn an das Licht der Sonne herausgebracht hätte, - würde er da wohl nicht Schmerzen empfunden haben, über dieses Hinaufziehen aufgebracht werden und, nachdem er an das Sonnenlicht gekommen, die Augen voll Blendung haben und also gar nichts von den Dingen sehen können, die jetzt als wirkliche ausgegeben werden?


Er würde es freilich nicht können, sagte er, wenn der Übergang so plötzlich geschähe.


Also einer allmählichen Gewöhnung daran, glaube ich, bedarf er, wenn er die Dinge über der Erde schauen soll. Da würde er nun erstlich die Schatten am leichtesten anschauen können und die im Wasser von den Menschen und den übrigen Wesen sich abspiegelnden Bilder, sodann erst die wirklichen Gegenstände selbst. Nach diesen zwei Stufen würde er die Gegenstände am Himmel und den Himmel selbst erst des nachts, durch Gewöhnung seines Blickes an das Sternen- und Mondlicht, leichter schauen als am Tage die Sonne und das Sonnenlicht.


Ohne Zweifel.


Und endlich auf der vierten Stufe, denke ich, vermag er natürlich die Sonne, das heißt nicht ihre Abspiegelung im Wasser oder in sonst einer außer ihr befindlichen Körperfläche, sondern sie selbst in ihrer Reinheit und in ihrer eigenen Region anzublicken sowie ihr eigentliches Wesen zu beschauen.


Ja, notwendig, sagte er.


Und nach solchen Vorübungen würde er über sie die Einsicht gewinnen, daß sie die Urheberin der Jahreszeiten und Jahreskreisläufe ist, daß sie die Mutter von allen Dingen im Bereiche der sichtbaren Welt und von allen jenen allmählichen Anschauungen gewissermaßen die Ursache ist.


Ja, entgegnete er, offenbar muß er zu diesen Einsichten nach jenen Vorübungen gelangen.


Wenn er nun an seinen ersten Aufenthaltsort zurückdenkt und an die dortige Weisheit seiner Mitgefangenen: wird er da wohl nicht sich wegen seiner Veränderung glücklich preisen und jene bedauern?


Ja, sicher.


Und wenn damals bei ihnen Ehres- und Beifallsbezeugungen wechselseitig bestanden sowie Belohnungen für den schärfsten Beobachter der vorüberwandernden Schatten, feiner für das beste Gedächtnis daran, was vor, nach und mit ihnen zu kommen pflegte, und für die geschickteste Prophezeiung des künftig Kommenden: meinst du, daß er da danach Verlangen haben werde, daß er die bei jenen Höhlenbewohnern in Ehre Stehenden und Machthabenden beneidet? Oder daß es ihm geht, wie Homer sagt, und er viel lieber als Tagelöhner bei einem linderen dürftigen Manne das Feld bestellen und eher alles in der Welt über sich ergehen lassen will, als jene Meinungen und jenes Leben haben?
Letzteres glaube ich, sagte er, daß er nämlich sich eher allen Leiden unterziehen als jenes Leben führen wird.


Hierauf nun, fuhr ich fort, bedenke folgendes: Wenn ein solcher wieder hinunterkäme und sich wieder auf seinen Platz setzte: würde er da nicht die Augen voll Finsternis bekommen, wenn er plötzlich aus dem Sonnenlicht käme?


Ja, ganz sicherlich, sagte er.


Aber wenn er nun, während sein Blick noch verdunkelt wäre, wiederum im Erraten jener Schattenwelt mit jenen ewig Gefangenen wetteifern sollte, und zwar ehe seine Augen wieder zurechtgekommen wären - und die zu dieser Gewöhnung erforderliche Zeit dürfte nicht ganz klein sein -: würde er da nicht ein Gelächter veranlassen, und würde es nicht von ihm heißen, weil er hinaufgegangen wäre, sei er mit verdorbenen Augen zurückgekommen, und es sei nicht der Mühe wert, nur den Versuch zu machen, hinaufzugehen? Und wenn er sich gar erst unterstände, sie zu entfesseln und hinaufzuführen, - würden sie ihn nicht ermorden, wenn sie ihn in die Hände bekommen und ermorden könnten?


Ja, gewiß, antwortete er.


Deutung des Höhlengleichnisses

Das Gleichnis hier also, mein lieber Glaukon, fuhr ich fort, ist nun in jeder Beziehung auf die vorhin ausgesprochenen Behauptungen anzuwenden: Die mittels des Gesichts sich uns offenbarende Welt vergleiche einerseits mit der Wohnung im unterirdischen Gefängnisse, und das Licht des Feuers in ihr mit dem Vermögen der Sonne; das Hinaufsteigen und das Beschauen der Gegenstände über der Erde andererseits stelle dir als den Aufschwung der Seele in die nur durch die Vernunft erkennbare Welt vor, - und du wirst dann meine subjektive Ansicht hierüber haben, dieweil du sie doch einmal zu hören verlangst; ein Gott mag aber wissen, ob sie objektiv wahr ist! Aber meine Ansichten hierüber sind nun einmal die: im Bereiche der Vernunfterkenntnis sei die Idee des Guten nur zu allerletzt und mühsam wahrzunehmen, und nach ihrer Anschauung müsse man zur Einsicht kommen, daß es für alle Dinge die Ursache von allen Regelmäßigkeiten und Schönheiten sei, indem es erstlich in der sichtbaren Welt das Licht und dessen Urprinzip erzeugt, sodann auch in der durch die Vernunft erkennbaren Welt selbst Urprinzip ist und sowohl die objektive Wahrheit als auch unsere Vernunfteinsicht gewährt; ferner zur Einsicht kommen, daß das Wesen des Guten ein jeder erkannt haben müsse, der verständig handeln will, sei es in seinem eigenen Leben oder im Leben des Staates.


Ja, sagte er, auch ich teile deine Ansicht, wie ich eben vermag.


Wohlan denn, fuhr ich fort, teile auch noch folgende Ansicht mit mir und finde es gar nicht auffallend, daß die, welche zu jener Erkenntnis gelangt sind, gar keine Lust haben, sich mit den Händeln der Menschen abzugeben, sondern daß sie immer zum Verweilen im Überirdischen sich gezogen fühlen; begreiflich wohl ja doch, wofern auch hier nach dem vorerwähnten Gleichnisse es sich so verhält.


Begreiflich freilich, meinte er.


Und kann man denn es ferner auffallend finden, daß jemand, von den göttlichen Anschauungen in die Welt der menschlichen Trübsale versetzt, sich ungeschickt stellt und gar albern scheint, wenn er noch während seines blöden Blickes und ohne hinreichende Gewöhnung an die nunmehrige Finsternis in die Notwendigkeit kommt, in Gerichtshöfen oder anderswo über die Schatten der Gerechtigkeit oder über die Gebilde, wovon die Schatten kommen, zu streiten und darüber zu wetteifern, wie sie von den Menschenkindern aufgefaßt werden, von ihnen, die die Gerechtigkeit an sich niemals geschaut haben?


Das wäre, sagte er, in keiner Weise auffallend!


Ja, wenn jemand Verstand hat, fuhr ich fort, so erinnert er sich, daß zweierlei und von zweierlei Ursachen kommende Trübungen den Augen widerfahren, nämlich einmal, wenn sie aus dem Licht in die Finsternis, und dann, wenn sie aus der Finsternis ins Licht versetzt werden; und wenn er nun daran festhält, daß dieselben Erscheinungen in der Seele sich zutragen, so wird er nicht unvernünftig lachen, sooft er Verblüfftheit und Ungeschicktheit beim Erschauen eines Gegenstandes bei einer Seele bemerkt, sondern er wird untersuchen, ob sie aus einem lichtvolleren Leben herkomme und aus Ungewohnheit verfinstert wird, oder ob sie durch den Übergang aus einem ungebildeteren Zustande in einen lichtvolleren von dem helleren Lichtglanz verblüfft sei. Und demnach wird er erstere wegen ihres Zustandes und Lebens glücklich preisen, letztere aber bemitleiden; wenn er jedoch über letztere lachen wollte, so würde dieses Lachen ihm weniger Schande machen als das über eine aus dem Licht kommende Seele.


Ja, sagte er, sicher hast du recht.


Platon

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  Gere wirft Trump Hetze gegen Flüchtlinge vor
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 22:14 - Forum: Politik - Keine Antworten

Berlin - Richard Gere lässt kein gutes Haar an Donald Trump. Der Hollywood-Star kritisiert den US-Präsidenten bei seinem Deutschland-Besuch wegen der Einwanderungspolitik.


Der Hollywood-Star Richard Gere hat US-Präsident Donald Trump Hetze gegen Flüchtlinge vorgeworfen. Während der Berlinale sagte Gere am Freitag, das "größte Verbrechen" Trumps und rechtspopulistischer Politiker in Europa sei ihre Gleichsetzung von Flüchtlingen mit Terroristen. Dadurch würden Ängste und Hass geschürt. Der 67-jährige Schauspieler stellte in Berlin den neuen Thriller "The Dinner" des Regisseurs Oren Moverman mit ihm selbst und Laura Linney in den Hauptrollen vor.

"'Flüchtling' war bislang jemand, mit dem wir mitfühlten, um dem wir uns kümmerten, dem wir helfen und dem wir Schutz geben wollten", sagte Gere. Jetzt habe es Trump geschafft, dass die Leute Angst vor Flüchtlingen hätten.

[Bild: 1117178411-donald-trump-us-praesident-RQIzxVN6ra7.jpg]
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Sieht sich immer mehr Kritik ausgesetzt: US-Präsident Donald Trump ist noch nicht einmal ein Monat im Amt.

© AFP


Der US-Präsident hatte Ende Januar Trump ein vorübergehendes Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern verfügt und die Einreise von Flüchtlingen in die USA vorerst gänzlich untersagt. Ein Bundesberufungsgericht in San Francisco lehnte am Donnerstag (Ortszeit) die Wiedereinsetzung des zwischenzeitlich aufgehobenen Dekrets ab, es bleibt damit weiter außer Kraft.
afp

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  Snap in der Krise
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 21:30 - Forum: Wirtschaft - Keine Antworten

Die Beziehung von Mark Zuckerberg und Evan Spiegel war von Anfang an kompliziert. Das erste Mal meldet sich der Facebook-Chef im November 2012 bei Spiegel. "Hey Evan, ich bin ein großer Fan von euch", schreibt Zuckerberg per Mail und lädt Spiegel zu einem Gespräch ins Facebook-Hauptquartier in Menlo Park, Kalifornien, ein.


Evan Spiegel ist damals 22 Jahre alt. Er hat gerade die Uni geschmissen und werkelt mit ein paar Kumpels in einem Bungalow am Strand von Los Angeles an einer App namens Snapchat. Mit dieser kann man sich Fotos hin- und herschicken, die sich nach einigen Sekunden selbst zerstören. Seine Firma verbrennt Geld, er hat keinen Plan, wie sich das je ändern soll. Den überfreundlichen Zuckerberg hält er dennoch lieber auf Abstand.

"Danke  Wink  Würde mich über ein Treffen freuen", schreibt er zurück. "Ich lasse dich wissen, wenn ich es mal in die Bay Area schaffe."

Verkaufen - oder zerstört werden

Zuckerberg aber will sich unbedingt noch im laufenden Jahr treffen. Als Spiegel ausweicht, fliegt der Facebook-Boss schließlich selbst nach Los Angeles. Laut dem US-Magazin "Forbes" stellt er Spiegel dort vor die Wahl: Entweder du lässt dich von uns kaufen - oder wir zerstören dich.

Spiegel lehnt das Kaufangebot ab. Später wird er den E-Mail-Verkehr mit Zuckerberg auf Twitter veröffentlichen und sich gegenüber "Forbes" damit brüsten, wie der große, stolze Facebook-Chef ihm hinterherlief.

Quelle: Spiegel.online

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  sich seiner Selbst bewusst werden
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 21:11 - Forum: Erfahrungen und Wege - Sein und Bewusstsein - Antworten (8)

Vom Sein zum Werden, vom werden zum bewussten Sein, vom bewussten Seine vom sich seiner Selbst bewusst werden.  Ergebnisse

Das Sein selbst, ist eine in sich selbst existente Ewigkeit, ohne Bezüge, ohne Raum und ohne Zeit, in ihm ist Alles zugleich anwesend, die Summe der unendlichen Möglichkeiten, so wie auch das absolute Nichts, in diesem Kontext, ist es sich bewusst, als auch seiner selbst unbewusst. Dieser Zustand ist in einer Unendlichkeit (ohne Anfang oder Ende), oder auch das, was man mit Gott oder Liebe bezeichnen kann. Es will nichts, es braucht keine Voraussetzungen, es ist einfach nur und sich all seiner Parameter bewusst, außer seiner selbst. Das einzige wirkliche Wunder, besteht nun darin, dass das bewusste sein, auch die Möglichkeit in sich birgt (da es ja die unendliche Summe aller Möglichkeiten birgt), auch sich seiner selbst bewusst zu sein, doch die Voraussetzung dafür, ist in jedem Falle, sich selbst gegenüber zu treten und somit eine zweite gleichartige Entität zu schaffen, in der sich das Sein, seiner selbst bewusst zu werden in der Lage ist. Diese Manifestation, ist aber eine gleichwertige und vollständige Reproduktion, oder Schöpfung seiner selbst, auch mit dem Parametern, die alle genannt wurden für das Ursprüngliche Sein. 

Dadurch das es sich selbst gegenüber bildet, erschafft es eine virtuelle Abwesenheit von sich selbst, in der es alles das erkennt was es selbst ist, Liebe wird in diesem Moment wahrnehmbar, aber auch der Moment wird geborender absolute Raumdas Erlebendie Grundlage für Zeit, in jeglicher Form, nicht nur in der Linearen Form, wie hier in dieser Raumzeit, in dem all DEM befinden sich die Entitäten, aber es ist Alles ein Innerhalb von Ihnen, denn ein Außerhalb ist weder notwendig noch existent, jeder Raum ist virtuell und real nur das "Urlicht - Ursein - Urliebe" das eben WELCHES letztendlich Alles in Erscheinung treten lässt. Hier beginnt jegliche Erkenntnis, in der Form, das alles was an unendlichen Möglichkeiten vorhanden ist, "gelebt", "gefühlt" und/oder erfahren werden kann, jeweils in der virtuellen Abwesenheit der Möglichkeit, die gerade erfahren werden will. 

Durch dieses einmalige Wunder, setzt sich in der Entität gegenüber der Urentität, der Prozess, des Erschaffens weiterer Entitäten "explosionsartig" fort, es gibt das "erste Mal", so Etwas, wie ein "Vorher und ein Nachher", da es aber auch unter der Unendlichkeit aller Möglichkeiten, die Schaffung einer neuen Entität durch die Liebe, in form der Durchdringung beider ersten Entitäten oder besser Vereinigung beider erster Entitäten (Urentität und Abbild der Selben) gibt, wird diese logischer weise auch damit "Anwesend" und "erlebt", es entsteht somit die Form der Anziehung, die man im Mensch sein, mit der Bezeichnung Sexualität versehen hat, die als Abbild des beschriebenen Geschehens, was auch in der Evolution auf diesen oder anderen Planeten unserer Raumzeit sich in der Struktur damit (also evolutionär) manifestiert.

Jeder Mensch, der selbst durch Erkenntnis, zu einer Entität wird, ist damit gleichwertig zu Urentität und damit "Gott" selbst, begibt er sich in diese Form, ist es das, was man "Ruhe" nennt, trennt er sich von seiner eigenen Urform, tritt er in das ein, was er selbst ständig aus dem Pool der unendlichen Möglichkeiten erschafft (man könnte auch sagen, in dieser Phase, tritt er in "DEN TRAUM" der Welten - zu Anfang immer nur seiner eigenen - ein). Der Mensch muss nicht unbedingt so weit kommen, dass er sich dieser Uridentität bewusst wird, so würde er nach dem Ableben des Körpers, verhaftet sein in das, was er bis dahin erkannt hat, ist der Mensch in diesem Falle, rein auf die Struktur fixiert und was seine wahre Natur anbelangt noch im "Tiefschlaf", wird er, alles was er hier als Wert betrachtet, in einer Form von Abbildern, einschließlich seiner Ängste stetig vor sich selbst erschaffen, es lebt (noch) nicht, es sind Schemen, die nicht aus sich selbst in Erscheinung treten können, aber diese Welt hier, birgt die Möglichkeit, die CHANCE, durch die Art ihrer Konstruktion, vollständig zu erwachen und damit selbst in den Schöpferischen Prozess mit einzutreten, einschließlich, der Erzeugung neuer Entitäten (Wesen), so wie er auch als Mensch im Abbild dessen Kinder zu zeugen vermag, wer wach wird, dem ist auch klar, das Kinder, eigene Entitäten sind und sie entsprechend behandeln, aber hier erschaffen wir als Menschen nur die Körper, für diese Entitäten, die sich darin niederlassen, daran sollen wir ja erkennen, zu was der Menschliche Geist, das Wesen, die Entität dahinter in der Lage wäre, aus der Sexualität heraus zu erschaffen - nämlich neue Entitäten! Hier in dieser Welt, kann man die Grundstrukturen der Liebe erkennend erfahren, so man denn, den Weg, der Erkenntnis geht, aber das ist eine der unzähligen Möglichkeiten von Erkenntnis und keinesfalls ein Muss, nur eine von vielen Optionen.

Zunächst meine Gedanken dazu, erst einmal bis hier hin.

Angst

Was ist Angst? Ich meine, ich habe für mich die Antwort gefunden, es ist die Abwesenheit von Licht und Liebe, eine perfekte Täuschung, die aber durchlebt werden muss, da sie zum Pool aller Möglichkeiten gehört. All die Geschichten und Mythen, haben diesen wahren Kern, jede erdachte Apokalypse. so auch die Geschichten von Demiurgen und von der "Sophia", die der existente Gegenpol zum Erlebnis darstellt und somit geschützt davor existent sein musste, bis sich das Rätsel der Angst durch sich selbst lüftet. Da die "Schöpferkraft" im Erleben von Angst nicht verloren geht und ihr Erleben für Jeden da beginnt, wo er grad steht, in dem Moment, wo er sich diesem Phänomen, dieser Illusion zuwendet, ist es eine Gratwanderung, denn in diesem Augenblick werden die "inneren Dämonen" frei gesetzt, ja die Angst wird zum Wesentlichem und sie selbst, wird natürlich von ihrem Gegenpol, genauso angezogen, wie dieser von seiner Angst. Es war ein langer Weg, bis in die Finsternis und sie brachte viele Täuschungen und großen Irrsinn hervor, im Moment der Erkenntnis jedoch, schlägt die gesamte Entwicklung wieder um, in die richtige Richtung und hilfreich reicht das göttliche Licht seine Strahlen, dem entgegen, der sich in die Finsternis begab, alle Illusionen beginnen sich dann selbst in Frage zu stellen langsam stetig aber sicher, die Zeit der Finsternis ist vorüber und die Dämonen erkennen in sich den "göttlichen" Funken, der auch ihnen den Weg aus der Finsternis zeigt, keine Schlacht zwischen "Gut" und "Böse", weil es gibt keine Dualität, sie war immer nur nur Teil der Täuschung...



Lieben Gruß 
Eik  [Bild: wavey.gif]

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  Bronte (NHC)
Geschrieben von: Eik - 11.02.2017, 21:09 - Forum: Mythologie - Keine Antworten

Ich - bin - Rede

Ich wurde ausgesandt aus der Urkraft.
Und ich bin zu denen gekommen, die an mich denken.
Und ich wurde bei denen gefunden, die nach mir suchen.

Schaut mich an, die ihr an mich denkt!
Und ihr Hörer, hört mich!
Ihr, die ihr auf mich wartet, nehmt mich bei euch auf!
Und verbannt mich nicht aus eueren Augen!
Und lasst weder eure Stimme mich hassen noch euer Hören!
Seid nicht unwissend über mich, überall und jederzeit!
Seid auf der Hut!
Seid nicht unwissend über mich!

Denn ich bin die Erste und die Letzte.
Ich bin die Geehrte und die Verachtete.
Ich bin die Hure und die Heilige.
Ich bin die Frau und die Jungfrau.
Ich bin *die Mutter* und die Tochter.
Ich bin die Ausführende meiner Mutter.
Ich bin die Unfruchtbare, und viele sind meine Söhne.
Ich bin die, deren Hochzeiten zahlreich sind, und ich habe keinen Ehemann genommen.
Ich bin die Hebamme und die, die nicht gebiert.
Ich bin der Trost meiner Wehen.
Ich bin die Braut und der Bräutigam.
Und es ist mein Gefährte, der mich gezeugt hat und
Ich bin die Mutter meines Vaters
und die Schwester meines Gefährten,
und er ist mein Ursprung.
Ich bin gefangen in das Bild dessen, der mich gezeugt hat.
Ich bin die Herrscherin über meinen Ursprung.
Aber er mein Vater ist der, der mich gezeugt hat vor der Zeit, an einem Tag der Geburt.
Und er ist mein Ursprung in der rechten Zeit,
und meine Kraft stammt von ihm und ist gleich ihm.
Ich bin der Stab seiner Kraft in seiner Jugend,
und er ist die Stütze meines Alters.
Und was immer er will, das widerfährt mir.

Ich bin das Schweigen, das unerreichbar ist,
und der Gedanke den die Ausdehnung verströmt, dessen Erinnern zahlreich ist.
Ich bin die Stimme, deren Klang zahlreich ist,
und das Wort, dessen Erscheinung zahlreich ist.
Ich bin das Aussprechen meines Namens.

Warum liebt ihr mich, die ihr mich hasst,
und hasst die, die mich lieben?
Ihr, die ihr mich verleugnet, bekennt mich,
und ihr, die ihr mich bekennt, verleugnet mich.
Ihr, die ihr die Wahrheit über mich sagt,
verbreitet Lügen über mich,
und ihr, die ihr über mich Lügen verbreitet habt,
sagt die Wahrheit über mich.
Ihr, die ihr mich kennt, seid unwissend über mich,
und die, die mich nicht gekannt haben,
sollen mich erkennen.

Denn ich bin die Erkenntnis und die Unwissenheit.
Ich bin die Scham und die Offenheit.
Ich bin schamlos; ich bin schamhaft.
Ich bin der Krieg und der Frieden.
Gebt Acht auf mich!
Ich bin die, die verachtet ist, und ich bin die Große.

Achtet auf meine Armut und meinen Reichtum.
Seid nicht hochmütig zu mir,
wenn ich auf die Erde geworfen bin,
und ihr werdet mich finden in denen, die kommen.
Und schaut nicht auf mich herab in dem Dreck,
und verlasst mich nicht, wenn ich ausgestoßen bin,
und ihr werdet mich in den Königreichen finden.
Schaut auch nicht auf mich herab,
wenn ich geworfen bin unter die Verachteten
und in die niedrigsten Orte.
Und lacht nicht über mich.
Und werft mich nicht hinab zu denen,
die Mangel haben in ihrer Hartherzigkeit.
Ich aber, ich bin barmherzig, und ich bin grausam.

Seid auf der Hut!
Hasst nicht meinen Gehorsam,
und liebt nicht meine Enthaltsamkeit!
In meiner Schwachheit lasst mich nicht im Stich!
Und fürchtet euch nicht vor meiner Kraft!
Denn warum verachtet ihr meine Furcht
und verflucht meinen Ruhm?
Ich aber bin die, die in jeglicher Furcht ist,
und die Stärke in einem Zittern.
Ich bin die, die schwach ist,
und ich bin unversehrt an einem Ort der Freude.
Ich bin unverständig,
und ich bin weise.

Warum habt ihr mich gehasst in euren Gedanken?
Denn ich werde still sein bei denen, die still sind.
Und ich werde erscheinen und sprechen.
Warum nun habt ihr mich gehasst, ihr Griechen?
Etwa, weil ich ein Barbar unter den Barbaren bin?
Denn ich bin die Weisheit der Griechen
und das Wissen der Barbaren.
Ich bin das Gericht für die Griechen und die Barbaren.
Ich bin die, deren Abbild groß in Ägypten ist,
und die, die kein Abbild bei den Barbaren hat.
Ich bin die, die gehasst wurde überall,
und die, die geliebt wurde überall.
Ich bin die, die, das Leben genannt wird,
und ihr habt mich, der Tod genannt.
Ich bin die, die, das Gesetz genannt wird,
und ihr habt mich, die Gesetzlosigkeit genannt.
Ich bin die, die ihr verfolgt habt,
und ich bin die, die ihr ergriffen habt.
Ich bin die, die ihr zerstreut habt,
und ich bin die, die ihr versammelt habt.
Ich bin die, vor der ihr euch geschämt habt,
und ihr wurdet schamlos mir gegenüber.
Ich bin die, die keine Feste feiert,
und ich bin die, deren Feste zahlreich sind.
Ich, ich bin ohne Gott, und
ich bin die, deren Gott groß ist.
Ich bin die, an die ihr gedacht habt,
und ihr habt mich verachtet.
Ich bin ohne Weisheit,
und Weisheit geht von mir aus.
Ich bin die, die ihr verachtet habt,
und ihr denkt an mich.

Ich bin die, vor der ihr euch verborgen habt,
und ihr seid vor mir in Erscheinung getreten.
Wenn ihr euch nun verborgen haltet,
werde ich mich selbst offenbaren.
Denn wenn ihr in Erscheinung tretet
werde ich mich meinerseits vor euch verstecken.

Ich bin die, die durch die Dunkelheit IHM unverständig blieb.
Nehmt mich wie ich bin in Verständnis aus Mühsal,
und nehmt mich zu euch auf durch ein Verstehen und Mühsal. Und nehmt mich zu euch aus den Orten, die verachtet und zerstört sind,
und raubt von den guten Dingen, wenn auch in schamloser Weise.
Aus Schande nehmt mich zu euch in Schamlosigkeit,
und aus Schamlosigkeit und Scham macht meinen Gliedern Vorwürfe.
Und kommt zu mir,
ihr, die ihr mich kennt,
und ihr, die ihr meine Glieder kennt,
und gestaltet die großen Wesen in den kleinen, ersten Wesen.
Kommt zu der Kindheit,
und verachtet sie nicht, weil sie klein und gering ist.
Und veranlasst nicht, dass die großen Dinge in Teilen aus Kleinheiten zurückkehren,
denn die kleinen Dinge werden aus den großen Dingen erkannt.

Warum verflucht ihr mich
und ehrt mich?
Ihr habt mich verwundet,
und ihr habt Erbarmen mit mir gehabt.
Trennt mich nicht von den Ersten, die, die ihr erkannt habt.
Und vertreibt niemanden, und bringt niemanden zurück, denn keiner hat euch zurückgebracht.
Und den aus dem, aus dem Ich bin, erkennt ihr ihn nicht. Eine Kraft, die, die auch mein ist. Ich kannte die Ersten, und die nach ihnen kamen, kannten mich.

Ich aber bin der Verstand vom Anfang und die Ruhe des Anfangs.
Ich bin das Wissen meiner Erkundigung
und das Finden derer, die nach mir suchen,
und der Befehl derer, die mich bitten,
und die Kraft der Kräfte in meiner Erkenntnis der Lichtwesen,
die ausgesandt wurden durch mein Wort,
und der Wesen unter den Wesen durch meinen Rat
und der Geister eines jeden Mannes, der in mir ist,
und jeder Frau, die in mir wohnt.

Ich bin die, die geehrt ist, und die, die gepriesen ist,
und die, die verachtet ist in Schande.
Ich bin der Frieden,
und der Krieg ist meinetwegen entstanden.
Und ich bin eine Fremde und eine Bürgerin einer Stadt.
Ich bin das Wesen und die, die ohne Wesen ist.
Die aus meinem Zusammensein stammen, kennen mich nicht,
und die, die in meinem Sein sind, kennen mich.
Die mir nahe sind, kannten mich nicht,
und die, die weit entfernt sind von mir, sind diejenigen, die mich erkannt haben.
An dem Tag, an dem ich euch nahe bin, bin ich euch fern,
und an dem Tag, an dem ich euch fern bin, bin ich euch nahe.

Ich bin die Kraft des Herzens.
Ich bin die Kraft der Naturen.
Ich bin die Kraft der Schöpfung.
Ich bin Kraft der Schöpfung der Geister.
Ich bin die Frage der Seelen.
Ich bin das Ergreifen und das Nichteingreifbare.
Ich bin die Vereinigung und die Auflösung.
Ich bin das Verweilen, und ich bin das Lösen.
Ich bin das Herabkommen, und man wird zu mir heraufkommen.
Ich bin die Verurteilung und der Freispruch.
Ich, ich bin ohne Sünde, und die Wurzel der Sünde stammt aus mir.

Ich bin die Begierde aus einem Sehen,
und die Enthaltsamkeit des Herzens ist in mir.
Ich bin das Hören, das für jeden erreichbar ist,
und das Reden, das nicht fassbar ist.
Ich bin eine Stumme, die nicht spricht,
und groß ist die Zahl meiner Worte.

Hört mich in Milde, und empfangt Belehrung in Härte.
Ich bin die, die schreit,
und ich werde auf die Oberfläche der Erde geworfen.
Ich bereite das Brot und meinen Verstand innen.
Ich bin das Wissen meines Namens.
Ich bin die, die ausruft, und ich höre.

Ich trete in Erscheinung und ich gehe in der Erscheinung auf.
Ich bin das Siegel meines Ursprungs.
Ich bin die Verteidigung der Wahrheit.
Ich bin die, die Wahrheit genannt wird,
und das Unrecht ist aus mir hervorgegangen.

Ihr ehrt mich und ihr flüstert gegen mich.
Ihr, die ihr besiegt seid, richtet die, die euch besiegen, bevor sie euch richten, denn der Richter und die Beachtung sind in euch.
Wenn ihr verdammt werdet von diesem, wer wird euch freisprechen?
Oder wenn ihr von ihm freigesprochen werdet, wer wird in der Lage sein, euch zu ergreifen?

Eure Innenseite ist eure Außenseite.
Und der, der euch eure Außenseite gebildet hat, ist der, der eure Innenseite gestaltet hat.
Und was ihr außerhalb von euch seht, das seht ihr auch in eurem Inneren.
Es ist offenbar, und es ist euer Gewand.

Hört auf mich, ihr Hörer, und lernt von meinen Worten, ihr, die ihr mich kennt.
Ich bin das Hören, das in jeder Hinsicht annehmbar ist.
Ich bin das Reden, das nicht erreichbar ist.
Ich bin der Name der Stimme und die Stimme des Namens.
Ich bin das Zeichen des Buchstabens und die Offenbarung der Trennung.
Und ich bin das Licht vor Euch.
Ich bin Zuschauerin und Hörerin die zu euch spricht
Ich bin die große Kraft. Und das Wort wird den Namen nicht erschüttern.
Ich bin der Name dessen, der mich geschaffen hat.
Ich aber werde seinen Namen aussprechen.

Seht nun auf seine Worte und alle Schriften, die sich erfüllt haben:

"Gebt Acht, ihr Hörer, und auch ihr, Lichtwesen, und die, die gesandt wurden, und ihr Geister, die von den noch nicht Lebendigen auferstanden sind.
Denn ich bin es, der allein existiert.
Und ich habe niemanden, der mich richten wird.

Denn zahlreich sind die angenehmen Formen, welche in zahlreichen Oberflächlichkeiten sind, und Zügellosigkeiten und schmähliche Leidenschaften und kurzlebige Vergnügungen, welche die Menschen gefangen halten, bis sie nüchtern werden und hinauf an ihren Ruheort eilen.

Und sie werden mich dort finden, und sie werden leben, und sie werden nicht wieder sterben."

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