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  Fragen zum Alten Testament
Geschrieben von: Matthias - 01.10.2018, 08:12 - Forum: Religionen - Religionswisschenschaften - Gnosis - Koptologie - Antworten (3)

Ich bin gerade Dabei, das Alte Testament durch zuarbeiten und sehe hier noch einige nicht geklärte Fragen.

Damit es für mich nicht zu kompliziert wird habe ich mir erst einmal die Schulbibel von 1973, Benzingerverlag Zürich, ISBN 3 545 43044 8 vorgenommen.

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  Musik, die mein Leben begleitet
Geschrieben von: Matthias - 28.09.2018, 20:57 - Forum: Musik - Antworten (2)

Die erste Musik, die ich vermutlich schon im Bauch meiner Mutter wahrgenommen habe, waren die Lieder des Russischen Chores Freiburg. In diesem Chor haben sich meine Eltern (beide ehemalige Waldorfschüler und junge Medizinstudenten an der Universität in Freiburg) kennen und lieben gelernt.

Der Russische Chor in Freiburg wurde von Alexander Kresling 1930 in Freiburg gegründet.

Die Geschichte dazu entnehme ich einer offiziellen CD des Chores aus dem Jahre 2000.

"1905 stand ein bärtiger, junger Mann auf dem Heumarkt in St. Petersburg und sprach den vorbeieilenden Karl Kresling, seines Zeichens Apotheker des Zaren, um eine Arbeitsstelle an. Als Kresling mit der Entschuldigung, er sei in Eile, da vonzugehen versuchte, verneigte sich der Fremde und sprach mit Würde:
"Gott segne Deine Eile" ...

Mit diesen Worten beginnt die Geschichte des Russischen Chors Freiburg. Der Bärtige war Altgläubiger - seine Vorfahren hatten sich im 17. Jahrhundert geweigert, den Zaren als Oberhaupt der Kirche anzuerkennen und vor seinem blutigen Zorn waren sie geflohen: nach Sibirien, ans Eismeer, in die Urwälder des Ural. Dort überlebten sie in größter Abgeschiedenheit und mit ihnen ihre Bräuche, ihre Legenden, vor allem aber ihre Lieder.

Dem Bärtigen folgten dann weitere Bewohner des Dorfes Staroznamenka-pod-sklonom-pod-Mezeni-reke nach St. Petersburg und sie brachten mit sich einen reichen Schatz uralter Lieder. Und bald schon entführten sie den Sohn des Hauses, Alexander Kresling, in ihr Dorf des nördlichen Eismeers, hinein in eine fast schon versunkene Welt.

Derselbe Alexander Kresling gründete 1930 in Freiburg den Russischen Chor. Schon 70 Jahre singt der Chor, mehrere Tausend Menschen sind durch ihn hindurchgegangen. Gesungen wird immer a capella und ohne Noten. Aus einer Sibirientournee des Chores entstand 1991 die "Deutsch-Russische Liedbrücke", auf der seither Menschen und Lieder zwischen Freiburg und Sibirien hin- und herreisen. Die Welt der Altgläubigen ist versunken, was noch geblieben war, fiel Stalins Terror zum Opfer - ihre Lieder aber leben weiter."

Ich selber habe 2001 auch für ein Jahr in diesem Chor mitgesungen. Der Gründer Alexander Kresling lebte zu dieser Zeit schon nicht mehr, seine jüngere Frau habe ich aber noch persönlich kennen lernen dürfen.

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Aegypten_smilies_0012 Die Schließung zahlreicher Sonnenobservatorien
Geschrieben von: Eik - 19.09.2018, 18:36 - Forum: UfO's - Alien's und andere Begegnungen mit Lebensformen - Antworten (3)

Die vorübergehende Schließung von derzeit sieben Observatorien auf der ganzen Welt zeigt einmal mehr auf deutliche Weise, dass es etwas gibt, das vor den Augen der Weltöffentlichkeit (noch) verborgen gehalten werden soll.


Ohne Grund werden derartige Aktionen nicht durchgeführt.

In zahlreichen Internetblogs ist schon seit langer Zeit die Rede davon, dass sich im Orbit etwas tut, dass sich eine große Zahl an Raumschiffen auf den Weg in unser Sonnensystem befindet.


Eine ganze Flotte großer und kleiner Schiffe wurde direkt vor der Sonne fotografiert. Dass sich diese Schiffe genau in dieser Position befinden, dürfte also kein Zufall sein. Seit Monaten schon wird über heftige Sonnenstürme berichtet, sogar die Mainstream-Wissenschaft redet hin und wieder darüber.

Diese magnetischen Stürme sind verantwortlich für die zurzeit auf der Erde einströmenden hohen Energien. Diese Energie hat Auswirkungen auf die Psyche aber auch auf Physis aller Lebewesen auf der Erde.

Dass heißt, es mag Kulturen geben, die der Erde um Millionen von Jahren voraus sind, die diesen Entwicklungsprozess, den die Menschheit hier gerade vollzieht, schon lange vor uns abgeschlossen haben und nun die Bewohner anderer Planeten in diesem nicht gerade einfachen Prozess helfend zur Seite stehen.

Gehen wir an dieser Stelle einmal von der Tatsache aus, dass der Transformations-Prozess (Neu - Formation wesentlicher Inhalte), den wir hier auf der Erde gerade erleben, auf anderen Planeten unseres oder eines fern von uns befindlichen Sonnensystem, oder eines Systems in einem anderen Universum, bereits vor Millionen von Jahren stattgefunden hat, wäre es nur natürlich, dass die Menschheit Hilfe von den Bewohnern dieser Planeten erhält.

In diesem vorliegenden Fall heißt das, dass die gerade einströmenden hohen Energien von einer großen Flotte von Raumschiffen entsprechend reduziert bzw. abgeändert wird, um den Schaden, der durch diese Energien so gering wie möglich zu halten. Das wäre dann die denkbarste Erklärung dafür, warum der Flottenverband der Schiffe vor der Sonne Position bezogen hat.

Eine Erklärung, die für viele Menschen aber nur sehr schwer nachvollziehbar ist, da die Menschheit seit Äonen in dem Glauben gehalten wird, allein im Universum zu leben und vor allem allein für ihr Schicksal verantwortlich zu sein. Dass die Menschheit Hilfe von bereits höher entwickelten Zivilisationen ferner Planeten, Galaxien und Universen erhält, ist also für viele Menschen nur schwer vorstellbar.

Und auch gegenwärtig wird der Bevölkerung noch immer erklärt, dass der Mensch ein Unikat im Universum ist, dass es wahrscheinlich keine höher entwickelte Lebensform gibt und dass nach dem Tod das Leben erloschen ist. Das erklärt auch die Tatsache, weshalb die Schulwissenschaft noch immer abstreitet, dass jedes Lebewesen (Mensch, Tier und Pflanze) über eine Seele (ein Wesen) verfügt.

Denn würde diese Tatsache anerkannt sein, würde das unser gegenwärtiges Weltbild völlig auf den Kopf stellen. Zumindest für einen Großteil der Bevölkerung.

Die Gründe, weshalb der Menschheit dieses Wissen noch immer vorenthalten wird, sind vielfältiger Natur. Ein wichtiger Grund könnte sein, dass die Erde noch immer eine Sonderstellung im Universum einnimmt. Vielleicht ist die Erde auch einer der weniger entwickelten Planeten überhaupt.
Tatsache aber dürfte sein, dass auf der Erde noch immer ein hierarchisches System herrscht, dass es auf anderen Planeten vielleicht seit Millionen von Jahren nicht mehr gibt.

Um zu verstehen, warum dieses System auf der Erde noch immer funktioniert, muss man wissen, dass dies nur dann möglich ist, wenn das Bewusstsein der Bewohner auf extrem niedrigem Niveau gehalten wird.

Deshalb sprechen auch viele alternative Denker davon, dass die Erde ein möglicherweise so etwas wie ein Gefängnisplanet sein könnte und dass sich die Menschheit in einer zumindest geistigen Gefangenschaft befindet. Die geistige Gefangenschaft bezieht sich in diesem Fall auf den extrem niedrigen Bewusstseinszustand der Erdbevölkerung im Vergleich zu Zivilisationen anderer Planeten.

Das heißt, dass die Menschen das System, in dem sie sich befinden, nicht durchschauen und begreifen können, sie verstehen nicht, dass sie in der Sklavensystem leben, dass durch das System Geld in Form einer künstlich erschaffenden Armut aufrecht erhalten wird.

Vor allem das gegenwärtige Bildungssystem, das allein auf Manipulation zielt, macht es möglich, dass viele Menschen nicht begreifen können, dass sie in einer künstlich am leben gehaltenen Matrix leben.

Niedrige (geistige) Energien haben in etwa die Wirkung psychogener Drogen, die ihre Konsumenten in einem Art komatösen Zustand halten, in dem es dann möglich ist, durch äußere Suggestion in Wort und Bild manipulativ einzuwirken.

Aber auch Umweltgifte wie unter vielen Anderen z.B. Fluorid können, wenn sie bereits im frühen Kindesalter regelmäßig konsumiert werden, den Bewusstseinszustand auf niedrigem Niveau halten. Die jetzt gerade sich dem Menschen öffnende Energien führen nun langsam dazu, dass viele Menschen auf der ganzen Welt aufwachen und anfangen zu begreifen, dass das System, in dem sie leben, nicht nur menschenverachtend, sondern komplett lebensverachtend ist.

Vor allem was das Verhältnis zu Tieren und zur Natur betrifft. Dieses empathische Defizit war vor mehr als zehn Jahren ein Großteil der Menschen noch nicht bewusst.

Gegenwärtig kämpfen immer mehr Menschen auf der ganzen Welt für die Rechte der Tiere und der Natur. Zum Beispiel die aktuellen Proteste im Nordrhein Westfälischen Hambacher Forst gegen den Braunkohleabbau verdeutlichen dies auf geradezu wunderbare Weise. Menschen sind wieder bereit dazu, dass zu schützen, was sie zum Leben im Hier und Jetzt benötigen: ihren Planet. Sie erkennen also, dass man nicht an dem Ast sägt, auf dem man gerade sitzt.

Immer wieder ist auf zahlreichen Blogeinträgen die Rede davon, dass eine geheime Schattenregierung mithilfe modernster Technologie versucht, diese sich dem Menschen öffenden Energien abzufangen, um den gegenwärtig herrschenden Zustand auf der Erde aufrecht zu erhalten. Für den Mainstream sind Berichte dieser Art reine Verschwörungstheorie.

Auch die Existenz außerirdischen Lebens wird gegenwärtig noch immer als Verschwörungstheorie von den Mainstream-Medien dargestellt. Mag sein, dass das einer der Gründe ist, weshalb Beweise einer außerirdischen Macht vor den Augen der Weltöffentlichkeit geheim gehalten werden.
Denn Menschen die wissen, dass sie nicht allein in den Weiten des Universums leben, bekommen plötzlich eine ganz andere Weltanschauung. Eine Weltanschauung, die die Matrix, bestehend aus Politik und Religion, über Nacht einreißen würde.

Für die Herrscher der Welt ist dies natürlich ein unvorstellbares Szenario, eines, das es unbedingt zu verhindern gilt. Doch der Geist der Menschheit kann nicht auf Dauer klein gehalten werden, die Beweise dafür, dass das Wissen über Mensch und Universum (Universen) grundlegend manipuliert ist, werden allmählich immer sichtbarer (Die Ausschaltung des Tiefen Staates ist gekommen und die Rolle des geheimen Weltraumprogramms (Videos)).

Noch stehen diese Beweise wie mit unsichtbarer Tinte geschrieben, auf einem äußerlich leerem Blatt Papier, doch die Tinte kommt immer deutlicher zum Vorschein. Und bald schon wird sie für alle lesbar sein.

Die Menschheit wurde in den zurückliegenden Zweitausend Jahren auf Konflikt, Krieg und Konkurrenzdenken programmiert. Möglich wurde dies durch die Trennung des Verstands von der Seele (dem Wesen), die mit unserem „eigentlichen unsterblichen Sein“ und dem Universum verbunden ist.

Der Weg in das vielzitierte „Goldene Zeitalter“ führt nun durch das Portal des Aufstiegs. Und den erleben wir gerade in ausgeprägter Form. Der Aufstieg ist in gewisser Weise eine Neugeburt, die natürlich nicht ohne die damit verbundenen Geburtswehen vonstatten geht.

Diese Wehen sind, wie auch bei jeder anderen Geburt, äußerst schmerzhaft. Der Schmerz zeigt sich in diesem Fall in erster Linie in Form hässlicher Wirklichkeiten wie Krieg, die Zerstörung der Natur, das unnötig Leid der Tiere und Armut, Krankheit und zum Teil extremes körperliches Unwohlsein.
Erst wenn diese Geburtswehen durchlebt sind, ist der Aufstieg in eine bessere und gerechte Ebene der Welt möglich, für jeden einzelnen (denn es ist im Grunde ein ganz individueller Prozess). Dass heißt: die alten Themen müssen jetzt durchlebt, erkannt und geheilt werden. Ohne ein „Aufwachen“ ist es nicht möglich, den Planet Erde für alles Leben lebenswerter zu gestalten.

Mag sein, dass Wesen einer bereits weiterentwickelten Zivilisation gerade dabei sind, uns bei diesem Prozess helfen, um die Geburtswehen so sanft wie nur möglich zu durchleben. Vielleicht stehen die himmlischen Helfer bereits vor unserer Tür, um sich der Menschheit zu zeigen. Die Wahrheit mag jeder selbst für sich finden.

Tatsache aber bleibt: wir sind nicht allein im Universum. Das Leben im Universum hat einen Ursprung und dieser Ursprung sind Abermillionen von Wesenheiten (Entitäten), die Teil des Universums, aber deren Ursprung nicht das Universum (die Universen) sind, eigentlich müsste es richtig heißen, die Universen sind Bestandteile der Wesenheiten, die von Zeit zu Zeit in physischer Form als physischer Körper auf einen Planeten ihrer freien Wahl inkarnieren, um zu lernen und bei der Entwicklung von Kommunikation der Wesen zu helfen.

Jede Wesenheit erfüllt somit seine Aufgabe im Universum und entwickelt sich in jedem Inkarnationsprozess eine Stufe weiter. Die Wissenschaft muss nun langsam anerkennen, dass das Wesen allein die Urform von Leben überhaupt ist. Erst wenn diese Erkenntnis Einzug in die Wissenschaft erhalten hat, wird die Erde ihren wahren Wandel und Aufstieg vollziehen können.

Bleib aufmerksam!

Text wurde von mir, nach meinem Wissenstand in vieler Hinsicht abgeändert.


Quellen: PublicDomain/Frank Schwede am 17.09.2018

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Aegypten_smilies_0014 Mein Weg zur Selbsterkenntnis
Geschrieben von: Matthias - 16.09.2018, 22:23 - Forum: Erfahrungen und Wege - Sein und Bewusstsein - Antworten (33)

Faszination, Entschlossenheit, Suche, Fehltritte, Irrwege, Abstürze, Krisen, Kampf, Verzweiflung, Scheitern und Neubeginn.

Und wieder geht die Sonne auf

Mein Weg ist nur einer von vielen und sicher nicht zur Nachahmung empfohlen, ich kann auch nicht sagen, was mich noch alles erwartet, aber in einer gewissen Weise fühle ich mich jetzt doch angekommen. Das Ziel meines Weges liegt zwar noch in weiter Ferne, das Labyrinth der vielen Irrwege habe ich nun aber verlassen und bei dem Weg der vor mir liegt, weiß ich, es ist der meine. Ich bin noch immer unterwegs und tief bewegt, von dem was ich sehe, aber die Bewegung erfüllt mich gleichzeitig auch mit einer tiefen Ruhe.

Das Schreiben ist mir schon immer schwer gefallen. Ich habe mich aber entschlossen hier meine Erfahrungen zu teilen, um denjenigen Mut zu machen, die Ihre Hoffnung in der Verzweiflung und im Scheitern verloren haben.

Soweit erst mal, damit ein Anfang gemacht ist.

Es grüßt Euch alle ganz herzlich
Matthias

Wenn nicht schreibend, so doch in Gedanken immer anwesend und dabei!

[Bild: aegypten_smilies_0014.gif]

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  Dürre
Geschrieben von: Melvin - 10.08.2018, 11:39 - Forum: Hinweise - Kritik - Beschwerden - Antworten (3)

Dieses Forum wirkt wie eine Geisterstadt. Die wenigen User, die hier seit der Gründung aktiv waren, sind verstummt. Eik war mal der Erste und ist nun auch der Letzte. Ich bin schon lange abtrümmig. Vielleicht lag es an meinen persönlichen Wirrungen, vielleicht an dem sonderbaren Forenklima, das mich irritiert hat. Überall StarWars-Terminologie, der ich wenig abgewinnen konnte. Ich vermisse sehr das alte Erkenntnisforum. Ich vermisse Juliane als streitbare, aber auch motorisierende, wachklopfende Person. Mir fehlen Andreas, Rolf, Bea, Sala, Florian, Markus und die, deren Namen ich nicht erinnern kann. Die vielen Mystikerinnen und Zauberer. 

Es hat sich wirklich vieles verändert. Das ist normal. Veränderungen sind aber nicht immer schön. Und diese hier finde ich bedauerlich...

Melvin

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  Das Alte Testament und Ägypten
Geschrieben von: Eik - 04.07.2018, 14:31 - Forum: Alte Kulturen - Keine Antworten

Das Alte Testament und Ägypten
 
 
1. Allgemeines
2. Ägypten als geographischer Topos
3. Ägypten als literarischer Topos
4. Ägypten als kultische Formel
5. Prophezeiungen über Ägypten
6. Die ägyptischen Länder- und Ortsnamen
7. Die ägyptischen Personennamen
8. Die biblischen Bezüge zu Babylon
9. Die Metonymie des Exodus
10. Das tatsächliche Alter des Bibeltextes
 
Zusammenfassung
 
Die Grenzen des jüdischen Königsreiches unter David und Salomo sind an einem Ideal festgemacht, das wenig auf tatsächliche Grenzen Rücksicht nimmt und Wunschvorstellung ist. Es ist bemerkenswert, daß Ägypten neben ganz unbedeutenden, südlichen und östlichen Stammesgebieten und sogar in Kontrast zur kleinen Stadt Aschdod genannt wird.
Die Beschreibung der Eigentümlichkeiten Ägyptens - gute wie schlechte - sind Klischees, die formel- und sentenzenähnlich verwendet werden und auf Bildschablonen beruhen. Diese literarischen Bilder haben keinee Anhaltspunkte in der Realität, so ist es ein Unding, daß die Juden wirklich im Palast des Pharao gewesen sind, daß es einen Eisenofen
überhaupt gab usw. Solche Details zeigen geringe Kenntnis des Landes und seiner Verhältnisse, die Bibel kommt über Pauschalen nicht hinaus.
Die biblischen Städtenamen Ägyptens sind weder eindeutig zu lokalisieren noch klar zu bestimmen. Ihre Identifizierung hängt von der genauen Lesung ab, die gerade bei den ägyptischen Städtenamen stark schwankt. Deutlich ist die Mühe der Schriftsteller, Paare von Städten zu bilden, teils gelten die Paare wegen ihrer Nachbarschaft als zusammengehörig, z.B. On - Bubastis, Pithom - Rames, teils sind es Bildungen nach dem Schema „nördlichste - südlichste Stadt“. Selten werden Städte ohne Partner genannt, möglicherweise ist dort der hebräische Text gestört. Schon die griechisch-lateinischen Versionen haben dieses System nicht mehr durchschaut, sie identifizieren willkürlich die hebräischen, biblischen Namen mit damals bekannten Orten Ägyptens.
Die geringe Kenntnis von Ortschaften in Mittel- und Oberägypten ist ebenso bemerkenswert wie das Vorkommen von Alexandria in einem Prophetenbuch, das bislang sehr viel früher angesetzt worden ist. Hinzu treten auch chronologische Schwächen, z. B. das Gründungsdatum von Hebron und Tanis oder die Erwähnung eines Ramses-Feldes zur Zeit Josephs, obwohl zwischen Einzug und Auszug der Juden laut biblisch-interner Tradition mindestens ein Jahrhundert vergangen ist.
Die geringe Anzahl von Personennamen ist nicht aussagekräftig: ein Name erscheint doppelt, ein Name ist als Ortsbezeichnung (!) belegt, Frauennamen entpuppen sich als Männernamen, einer davon ist eigentlich ein Königstitel. Die Bekanntschaft mit dem Ägyptischen ist also oberflächlich und nicht tiefgreifend.
Die Namen der ägyptischen Könige stammen aus der Spätzeit, der libyschen (Schoschenk, Osorkon) und äthiopischen Fremdherrschaft (Schabako, Tiharka).
Bemerkenswert und wichtig ist, daß nur Königsnamen genannt werden, die auch in den assyrisch-babylonischen Annalen geläufig sind. Namen aus älteren Zeiten sind gar nicht vorhanden. Das paßt auch zu den Privatnamen, die alle in die Spätzeit zu datieren sind und von denen einzelne Namen erst 600 v. Chr. in Gebrauch kamen.
Weil die Fronarbeiten der Bibel und andere Umstände nach Mesopotamien weisen und nicht nach Ägypten, wird es erklärlich, warum es so wenige und außerdem formalisierte Orte, Personennamen und Bezeichnungen in den ägyptischen Abschnitten der Bibel gibt:
Die Fron in Ägypten war in Wahrheit eine Fron in Mesopotamien, und der Auszug aus Ägypten ist tatsächlich der Auszug aus Babylon. Der Pentateuch transponiert also die historischen Sachverhalte der babylonisch-persischen Zeit in die glorreiche Vergangenheit und verschleiert den Namen des Fronlandes Babylon durch Metonymie auf Ägypten.
Diese Metonymie und die Rückdatierung der tatsächlichen Ereignisse in die mythische Patriarchenzeit liegt in der Geschichtsbetrachtung des jüdischen Chronisten begründet. Er schrieb eine Nationalgeschichte, die von der jetzigen, nachexilischen Gegenwart und erhofften Zukunft ausgehet, aber nach rückwärts geandt und rückwärts laufend. Er vertrat die Auffassung, das Volk Israel sei Mittel- und Zielpunkt der Weltgeschichte.
Das läßt den Schluß zu, daß der hebräische Text des Pentateuchs, so wie er erhalten ist,
mit Sicherheit nachexilisch ist und noch sehr viel später in seiner Endredaktion fertiggestellt und dann kanonisch wurde. Wahrscheinlich hatte die Arbeit am hebräischen Text und seiner Zusammenstellung erst mit der Septuaginta - Übersetzung ihren Abschluß gefunden. Das erklärt auch das bemerkenswerte Fehlen früher hebräischer Manuskripte der Tora oder der Propheten. Es gibt keine hebräische Bibelhandschrift, die älter wäre als 200 v. Chr.
 
 
 
 
1. Allgemeines
 
In der Schriftensammlung des Alten Testamentes nimmt Ägypten eine bevorzugten Platz ein: es gibt 58 verschiedene Benennungen von ägyptischen Ländern, Ortschaften, Personen und Titeln, die sich nach Ausschluß der Varianten auf 44 Nennungen reduzieren; sogar 6 Pharaonen sind namentlich genannt. Das Vorkommen ägyptischer Bezeichnungen ist ungleich verteilt. Die in Ägypten spielenden Erzählungen von Abraham, Joseph und Mose sind weitaus ergiebiger als die der übrigen historischen Schriften. An einigen Stellen nehmen die Propheten mit speziellen Weissagungen auf Ägypten Bezug, andere ägyptische Wörter sind in den Psalmen, der Weisheitsliteratur und im Hohen Lied verstreut.
Das häufige Auftreten Ägyptens hängt mit der Bedeutung dieses Landes für die Geschichte der Juden zusammen. Ägypten erscheint hier als notwendiger Ausgangspunkt für den Auszug aus der Knechtschaft, die Gesetzesübergabe und die Landnahme Palästinas. Die vorliegende Studie untersucht die Bibelstellen über Ägypten, stellt sie den Ergebnissen der Ägyptologie gegenüber und untersucht ihre historischen und sachlichen Hintergründe. In der Regel wurde als Beleg jeweils nur 1 Musterzitat und nicht alle vorhandenen Stellen des Alten Testamentes angeführt.
 
2. Ägypten als geographischer Topos
 
Ägypten oder Ägyptenland gilt zunächst als geographischer Ländername, eigentlich als ein nicht näher zu definierendes, fernes Land im Süden: „und band ihn in die Wüste fern in Ägypten“ Tob 8, 3 „Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Mohren und Saba“ Jes 43, 3. Daneben wird es als natürliche Grenze Palästinas oder als Südgrenze eines imaginären Großreiches Israel aufgefaßt, das vom Nil zum Euphrat, von Ägypten bis Assyrien reicht. Diese paarweisen Lands- und Flußbezeichnungen sind häufig:
Deinem Samen will ich dies Land geben, von dem Wasser Ägyptens bis an das große Wasser Euphrat Gen 15, 18
vom Bach Ägyptens bis an das Wasser Euphrat 2. Kg 24, 7
Was hilfts dir, daß du nach Ägypten ziehst und willst vom Wasser Sihor trinken? Und was hilfts dir, daß du nach Assyrien ziehst und willst vom Wasser Euphrat trinken? Jer 2, 18
Diese Bezeichnungen kommen auch umgekehrt vor:
das ganze Königreich vom Euphrat bis nach Ägypten 1. Mk 3, 32
Interessant ist die Symbolisierung des Feindes in ägyptischer Symbolik:
Der Herr wird zischen der Fliege am Ende der Wasser in Ägypten und der Biene im Lande Assyrien jes 7, 18
Die Fliege ist Symbol der Angriffslust und Tapferkeit und wird in Ägypten als militärischer Orden verliehen. Die Biene ist das traditionelle Wappentier der Könige von Unterägypten.
Im übrigen ist die Gegenüberstellung von Ägypten - Assyrien häufig:
 
Jetzt rufen sie Ägypten an, dann laufen sie zu Assur Hos 7, 11
Wir haben uns Ägypten und Assur ergeben müssen Klg 5, 6
Sie machen mit Assur einen Bund und bringen Balsam nach Ägypten Hos 12, 2
Die Ägypter werden erschrocken kommen wie Vögel und die im Lande Assur wie Tauben Hos 11, 11
Aber du wirst in Ägypten zuschanden werden, wie du an Assyrien zuschanden geworden bist Jer 2, 36
Auch in übertragenem Sinne gibt es das Paar Ägypten - Babylon unter der poetischen Bezeichnung rahab für Ägypten:
Ich will predigen lassen Rahab und Babel Ps 87, 4
Neben dieser typologischen Formel gibt es die Paarbezeichnung in geschichtlichen Anlässen, so als Ermunterung:
Schau auf der Assyrer Heer, wie du vorzeiten auf der Ägypter Heer schautest!
Jud 9, 5
oder als Prophetenwort über die Eroberung Assyriens:
Und zur selben Zeit werden sie von Assur und von den Städten Ägyptens zu dir kommen, von Ägypten bis an den Strom Micha 7, 12
als Bericht über die tatsächliche Eroberung Ägyptens:
sie sollen nicht wieder nach Ägyptenland kommen, sondern Assur soll ihr König sein Hos 11, 5
als Zeichen der Vormachtstellung Assyriens über Ägypten, wobei Assur mit Zedernbaum vergleichen ist und Ägypten als „Oasenbaum im Garten Gottes“:
Und es gab keinen Zedernbaum gleich ihm im Garten Gottes, und die Platanen waren seinen Ästen nicht zu vergleichen, und die Zypressen waren nichts gegen seine Zweige. Ja, er war so schön wie kein Baum im Garten Gottes Hes 31, 8
und der anschließenden Zerstreuung des jüdischen Volkes:
Ephraim muß wieder nach Ägypten und muß in Assyrien Unreines essen.
Hos 9, 3
Auch in nachexilischer Zeit wird dieses Länderpaar benutzt, um die Diaspora der Juden zu beschreiben. Die Juden können sich erst dann wieder zusammenfinden, wenn die beiden Grenzreiche durch die Eroberung der Perser entmachtet sind. Diese Zitate können ab 520 v. Chr. nach der Eroberung Ägyptens durch Kambyses datiert werden:
Du sollst erniedrigt werden und die Pracht von Assyrien, und das Szepter in Ägypten soll aufhören Sach 10, 11
Dann will ich sie wiederbringen aus Ägyptenland und sie sammeln aus Assyrien Sach 10, 10
Also werden kommen die Verworfenen vom Lande Assur, und die Verstoßenen im Lande Ägypten und werden anbeten den Herrn auf dem heiligen Berg von Jerusalem Jes 27, 12
Die Nennung von Ägypten ist aber nicht in dem Gegensatzpaar Ägypten - Assur erschöpft. Man verwendet die Bezeichnung Ägypten auch als Ausdruck des Südens neben anderen Südvölkern und -ländern:
Vom Strom an bis zu dem Philisterland und bis an die Grenzen Ägyptens
2. Chr 9, 26
Die ideale Ausdehnung Euphrat - Nil ist also auf die realistischere Distanz „die Grenze Ägyptens“ geschrumpft. Man läßt sogar den Euphrat weg:
bis zum Philisterland und bis an die Grenze Ägyptens 1. Kg 5, 1
Ägypten wird als Südland aber auch neben unbedeutenden Stammesgebieten in engerer Umgebung von Kanaan genannt:
(Ich werden heimsuchen) Ägypten, Juda, Edom, die Kinder Ammon, Moab, und alle, die das Haar rundherum schneiden, die in der Wüste wohnen
Jer 9, 25
Ägypten soll wüst werden und Edom eine wüste Einöde joel 4, 19
Verkündet es in den Palästen von Aschdod und in den Palästen im Lande Ägypten Amos 3, 9
Hier ist bemerkenswert, daß Aschdod eine Stadt bezeichnet, die traditionell im Herrschaftsbereich der Philister liegt.
Genaue Angaben bringt erst eine ausführliche Beschreibung der südlichen Grenze Judäas:
er wohnte bis gen Sihor vor Ägypten Gen 25, 18
wo man kommt bis gen Sur und bis an Ägyptenland (hier wohl die ursprünglichere Bedeutung des hebräischen Wortes mizrajim ‘Fürstenmauer’ , vgl. unten)
von Azmon an den Bach Ägyptens Num 34, 5
Auffällig ist, daß die Bezeichnungen umso unklarer werden, je enger die Bereiche sind, die sie beschreiben.
Der Name ‘Sihor’ scheint hier mit dem ‘Bach Ägyptens’ identisch zu sein. Der Bach Ägyptens bezeichnet das heutige Wadi el-’Arisch. Dagegen ist ausdrücklich gesagt, daß man von dem „Wasser Sihor“ trinken kann (Jer 2, 18 im Gegenpart zum Wasser Euphrat, vgl. auch Jos 13, 3 „den Sihor, der vor Ägypten fließt“). Dies deutet auf eine Sonderbezeichnung für die Nil hin, oder ist speziell der Name des östlichsten Armes, denn Nil und Sihor werden getrennt betrachtet:
von Früchten am Sihor und vom Getreide am Nil Jes 23, 3
Die hebräischen Schreiber haben wohl nicht mehr genau gewußt, was im einzelnen Nil, Sihor und Bach Ägyptens bedeutet.
Ähnlich unklar ist die Lage von Gesen (vgl. Jos 10, 41). Es liegt in der Nähe von Gaza und bildet die südlichste Eroberung Josuas Jos 10, 41; 11, 16, ist aber andererseits als östliche Provinz in Ägypten bezeugt.
Die Grenzen des jüdischen Königsreiches unter David und Salomo sind an einem Ideal festgemacht, das wenig auf die tatsächlichen Grenzen Rücksicht nimmt und Wunschvorstellung geblieben ist. Es ist bemerkenswert, daß Ägypten neben unbedeutenden, südlichen und östlichen Stammesgebieten und sogar in Kontrast zur Stadt Aschdod genannt wird.
Weiterhin auffallend ist die Stilisierung zu Paaren, z.B. Bach Ägyptens / Wasser Euphrat,
Fliege / Biene, Vögel / Tauben, Pracht / Szepter. Sie verstärkt zusätzlich den Charakter des Formelhaften und weist die Paare als geographischen Topos (ohne jeden historischen Hintergrund) aus.
 
3. Ägypten als literarischer Topos
 
Aber nicht nur die geographischen Bezeichnungen für Ägypten sind formelhaft, auch die sonstigen Nennungen Ägyptens orientieren sich selten an der Realität. Das zeigt der eigentümliche Umstand, daß dem Land Ägypten positive und negative Züge zugleich zugeschrieben werden.
Dabei überrascht eine formelhafte Wendung besonders, die üblicherweise sonst für das Gelobte Land gebraucht wird:
Ist es zu wenig, daß du uns aus dem Land geführt hast, darin Milch und Honig fließt, und daß du uns führtest in die Wüste? Num 16, 13; vgl. Ex 3, 8 + 11 u. o.
Ägypten gilt als fruchtbares Land, das reich an Nahrung ist:
Wären wir in Ägypten gestorben, da wir bei denn Fleischtöpfen saßen und hatten die Fülle Brot zu essen! Ex 16, 3
Wer gibt uns Fleisch zu essen? Denn es ging uns wohl in Ägypten Num 11, 18
und steht im Gegensatz zur Wüste
Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt an diesen bösen Ort? Num 20, 5
Warum hast du uns aus Ägypten geführt, daß wir sterben in der Wüste?
Num 21, 5
Es gilt als zivilisiert mit besonderen Bestattungsgebräuchen:
Waren in Gräber in Ägypten, daß du uns mußtest wegführen, daß wir in der Wüste sterben? Ex 14, 11
Es steht auch im Gegensatz zum gelobten Lande Kanaan:
Das Land, da du hinkommst, es einzunehmen, ist nicht wie Ägyptenland, davon ihr ausgezogen seid, da du deinen Samen säen konntest und es bewässertest mit deinem Fuß wie einen Gemüsegarten Deut 11, 20
Diese Bezeichnung ist absichtlich unklar gelassen. Sollte der Ausdruck „mit dem Fuß bewässern“ tatsächlich auf das Tretrad einer Wassermühle hindeuten, wie manche Kommentatoren es erläutern, so ist der Vers ganz spät und in hellenistische Zeit zu datieren, weil es ein Tretrad dieser Art im alten Ägypten nicht gab.
Die vielfältigen Produkte der Landwirtschaft Ägyptens werden aufgelistet:
Fische, die wir umsonst aßen in Ägypten, und Kürbisse, Melonen, Lauch,
Zwiebeln und Knoblauch Num 11, 5
Daneben wird der Weinstock Ps 80, 9 und die Nilüberschwemmung genannt Amos 8, 8; 9, 5. Sprichwörtlich wird von den Schätzen Ägyptens geredet:
Er achtete die Schmach Christi für einen größeren Reichtum denn die Schätze Ägyptens Hebr 11, 26
Er wird herrschen über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kleinode Ägyptens Dan 11, 43
Auch Stoffe werden als Kostbarkeiten erwähnt:
Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Teppichen aus Ägypten
Spr 7, 16
Deine Segel waren von gestickter, köstlicher Leinwand aus Ägypten, daß es ein Panier wäre Hes 27, 7
Beides zusammen ist auch zur Sentenz geworden:
Jegliche Frau soll von ihrer Nachbarin und Hausgenossin fordern silberne und goldene Gefäße und Kleider Ex 3, 22; 12, 34
Bei Wiederholung dieser Sentenz werden die Kleider vergessen (Ex 11, 2). Wichtig war Ägypten als Lieferant für Wagen und Gespanne, die häufig genannt sind. Sie kommen als literarisches Motiv sogar in der Liebeslyrik vor:
Ich vergleiche dich einem Gespann an den Wagen Pharaos Cant 1, 9
Und führe das Volk nicht wieder nach Ägypten um der Menge der Rosse willen Deut 17,16
Und man brachte dem Salomo Pferde aus Ägyptenland allerlei Ware, und die Kaufleute des Königs kaufen diese Waren und brachten aus Ägypten heraus, je einen Wagen um 600 Silberlinge und ein Pferd um 150. 1.Kg 10, 28; 2. Chr 1, 16 - 17
Und du verläßt dich auf Ägypten um der Wagen und Reiter willen 2. Kg 18, 24; Jes 36, 9
Imd er sandte Botschaft nach Ägypten, daß man ihm Rosse und viel Volks schicken sollte Hes 17, 15
Darauf beruhte vor allem die militärische Überlegenheit Ägyptens:
Mohren und Ägypter waren eine unzählige Macht Nah 3, 9
Das Szepter Ägyptens soll aufhören Sach 10, 11
Schwankenden Stellenwert besitzt die vielzitierte Weisheit Ägyptens, die teils besonders hoch geschätzt, teils als verderblich und gefährlich angesehen wurde
Mose ward gelehrt in aller Weisheit vor Pharao Apg 7, 9
Salomos Weisheit war größer denn die Weisheit aller Ägypter 1. Kg 5, 10
die große Stadt, die da heißt geistlich Sodom und Ägypten Apk 11, 8
Abgesehen von den gut verbürgen ‘Rossen und Wagen’ sind andere Vorzüge Ägyptens in stereotype Sentenzen gefaßt, ohne realten Hintergrund und ohne greifbaren Anlaß.
Demgegenüber steht eine ganze Liste negativer Dinge aus Ägypten, ja man kann sagen, daß´Ägypten zum Inbegriff schlechthin alles Bösen stilisiert wurde. Insbesondere werden die lockeren Sitten angeprangert:
Erstlich triebest du Hurerei mit den Kindern Ägyptens, deinen Nachbarn, die großes Fleisch hatten, und triebest Hurerei, um mich zu reizen. Hes 16, 26; vgl. 23, 3f
Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch gewendet Jes 5, 9
Mancherlei Krankheiten werden Ägypten zugeschrieben, dabei wird auch auf die Plagen Ägyptens beim Auszug angespielt:
Er wird keine böse Seuche der Ägypter dir auferlegen Deut 7, 15
und wird dir zuwenden alle Seuchen Ägyptens, davor du dich fürchtest
Deut 28, 60
Ich schickte Pestilenz unter euch, gleicherweise wie in Ägypten Amos 4, 10
Der Herr wird dich schlagen mit Drüsen Ägyptens, mit Feigwarzen, mit Grind und mit Krätze, daß du nicht kannst heil werden. Deut 28, 27
Der ägyptische Götzendienst wird als abscheulich empfunden:
Ihr sollt nicht tun nach den Werken des Landes Ägypten! Lev 18, 3
Wie wir in Ägypten gewohnt haben und mitten durch die Heiden gezogen sind, durch welche ihr zoget, und sahet ihre Greul und ihre Götzen, Holz und Stein, Silber und Gold Deut 29, 15
Götter, die dirch aus Ägypten geführt haben Ex 32, 4 + 8
Laßt fahren die Götter, denen euere Väter gedient haben jenseits des Stromes und in Ägypten Jos 24, 14
Das sind die Götter, die Ägypten schlagen mit allerlei Plagen in der Wüste
1. Sam 4, 8
Verunreinigt euch nicht an den Götzen Ägyptens! Hes 20, 7
Und sie verließen die Götzen Ägyptens nicht Hes 20, 8
Als Götzenbilder werden bevorzugt goldene Kälber genannt:
Und machten ein gegossenes Kalb und sprachen: Das ist dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, und taten große Lästerungen. Ne 9, 8
und sie machten ein Kalb zu der Zeit und brachten dem Götzen Opfer Apg 7, 41
und er machte ein gegossenes Kalb, und sie sprachen: Das sind deine Götter
(sic! im Plural!), Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben Ex 32, 4 + 8
Der eigentümliche Plural ist nur verständlich im Zusammenhang mit der Stelle 1. Kg 12, 28, wo König Jerobeam ZWEI goldene Kälber herstellen läßt, je eines für die äußerste Nord- und Südgrenze seines Reiches. Beide Götterbilder werden außerdem mit Priesterschaft ausgestattet und gelten als Staatsheiligtümer . Erst beide Stellen zusammen ergeben überhaupt einen brauchbaren Sinn. Die zwei Staatsheiligtümer Isarels in Bethel und Dan sind jedenfalls ursprünglicher, im Exodusbericht wären indessen ZWEI Kälber unverständlilch gewesen, so übernahm man nur die Frevlerformel, nicht die doppelte Anzahl. Also wurde die Stelle mit dem goldenen Kalb im Exodus später eingefügt, denn an der frevelhaften Formel „das sind deine Götter, Israel“ wurde nichts geändert.
 
5. Ägypten als kultische Formel
 
 
Eigentümlich wird die Einstellung der Juden zu Ägypten, sobald kultische Bereiche wie die Passah-Feier oder das Laubhüttenfest berührt werden. Hierfür gibt es festgefügte Formeln, die den Sachverhalt knapp beschreiben. Die Andersartigkeit Ägyptens wird betont herausgestellt, und das Verhältnis Israel - Ägypten objektiv betrachtet:
Mein Volk zog zum ersten hinab nach Ägypten, daß es daselbst ein Gast sei
Jes 52, 4
Die fremde Sprache wird betont:
da sie aus Ägyptenland zogen und fremde Sprache gehört hatten Ps 81, 6
So wird das Wort ‘Fremdling’ häufig gebracht, aber noch nicht in negativer Weisê
Den Ägyptern sollst du nicht für einen Greul halten, denn du bist ein Fremdling gewesen in seinem Lande Deut 23, 8
Der Gott dieses Volkes hat erwählt unsere Väter und erhöht das Volk, da sie Fremdlinge waren im Lande Ägypten Apg 13, 17
da Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk Ps 114, 1
Ihr seid Fremdlinge gewesen in Ägypten Ex 22, 20 u. o.
Israel zog nach Ägypten, und Jakob war ein Fremdling im Lande Hams
Ps 105, 23
Diese Formulierung bezieht sich auch auf Kanaan:
das Land Kanaan, das Land ihrer Wallfahrt, darin sie Fremdlinge gewesen sind
Ex 6, 4
Das entspricht der Sentenz vom Land, darin Milch und Honig fließt, sie gilt auch für beide Länder.
Die positive Einschätzung Ägyptens verschiebt sich bereits in dem sog. „kleinen, geschichtlichen Credo“ durch den Zusatz schlimmer Behandlung:
Ein zum Scheitern verurteilter Aramäer war mein Vater, als er hinabzog nach Ägypten und war daselbst ein Fremdlich mit geringem Volk, und ward daselbst ein großes und zahlreiches Volk, aber die Ägypter behandelten uns übel und
zwangen und legten uns harten Dienst auf Deut 26, 5 - 6
Die Ägypter behandelten uns und unsere Väter übel Num 20, 15
Und du hast angesehen das Elend unserer Väter in Ägypten Neh 9, 9
Entsprechend wird der Dienst als ‘Knechtschaft’ betrachtet:
und gedenke, daß du Knecht in Ägypten gewesen bist Deut 5, 15
Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten Deut 6, 21
Der Pharao wird hervorgehoben:
Er hat dich erlöst aus der Hand Pharaos, des Königs von Ägypten Deut 7, 8
Gott, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, aus der Hand Pharaos, des Königs von Ägypten 2. Kg 17, 7
Ich habe Israel aus Ägypten geführt und euch von der Ägypter Hand errettet
1. Sam 10, 18
Es gibt auch das Bild vom Haus oder vom Diensthaus:
da sie noch in Ägypten waren, in Pharaos Haus 1. Sa 2, 27
der dich aus Ägypten, aus dem Diensthaus geführt hat Ex 20, 2 u. o.
der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus dem Diensthause Deut 8, 14
der euch aus Ägyptenland geführt und euch aus dem Diensthaus gebracht hat
Ri 6, 8
der ich sie aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, führte Jer 34, 13
Eine andere Metapher ist deutlich anachronistisch, da es die im Text genannten Öfen aus Eisen damals gar nicht gab:
die du aus Ägypten, aus dem eisernen Ofen geführt hast 1. Kg 8, 51
Euch hat der Herr genommen und aus dem eisernen Ofen, nämlich aus Ägypten, geführt Deut 4, 20
da ich sie aus Ägypten führte, aus dem eisernen Ofen Jer 11, 4
Die Metapher ‘Rohrstab’ ist auffällig:
Alle, die in Ägypten wohnen, sollen erfahren, daß ich der Herr bin darum, daß sie aus dem Hause Israel ein Rohrstab gewesen sind Hes 29, 6
Siehe, verläßt du dich auf diesen zerstoßenen Rohrstab, auf Ägypten? Welcher, so sich jemand darauf lehnt, wird er in die Hand gehen und sie durchbohren. Also ist Pharao, der König von Ägypten allen, die sich auf ihn verlassen. Jes 36, 6; 2. Kg 18, 21
Dieses von den Propheten verwendete Gleichnis hängt irgendwie mit dem wundertätigen Stab des Mose zusammen:
Er wird seinen Stab wider dich erheben, wie in Ägypten geschah (in einer Predigt gegen Assur) Jes 10, 24
und wird seinen Stab, den er am Meer brauchte, aufheben wie in Ägypten
Jes 10, 26
Aus den biblischen Zitaten ist der Übergang von der wertungsfreien Darstellung des Aufenthaltes in Ägypten bis zur Verteufelung des Gastlandes zu verfolgen. Die Staffelung von Gast, Fremdling mit ausdrücklich ägyptenfreundlicher Haltung gegen Ägypter, Fremdling in negativem Sinn, Knecht im Haus oder Diensthaus, eiserner Ofen Pharaos zeigt deutliche die schrittweise Ausprägung der Hyperbeln.
Die Beschreibung der Eigentümlichkeiten Ägyptens - gute wie schlechte - stellten sich als Klischees heraus, die formel- und sentenzenähnlich verwendet werden und auf Bildschablonen beruhen. Diese literarischen Bilder haben keinen Anhaltspunkt in der Realität, so ist es ein Unding, daß die Juden wirklich im Hause Pharaos gewesen sind, daß es einen Eisenofen
überhaupt gab usw. Solche Appositionen zeigen eine geringe Kenntnis des Landes und seiner Verhältnisse und kommen über Pauschalen nicht hinaus.
 
5. Prophezeiungen über Ägypten
 
Prophezeiungen gegen Pharao und gegen das Land Ägypten sind teils ganz allgemein formuliert, so daß sie auf jedes andere Land auch passen könnten, teils aber mit spezifischem Lokalkolorit versehen und dem Zeitgeist angepaßt, d.h. an politische Ereignisse geknüpft oder an politischen Wunschvorstellungen orientiert. Auch der prophetische Topos ‘schlimme Gegenwart - selige Zukunft’ wird als gängige literarische Form übernommen und auf Ägpten überragen.
So gibt es politische Voraussagen von Jesaja ‘wider Ägypten’ Jes 19, 1 - 20, 1; ‘wider die, die sich nach Ägypten flüchteten’ Jes 30, 1 - 9. Jeremia verkündet ebenfalls eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Jer 46, 1 - 26. Zu gleicher Zeit gibt Hesekiel eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Hes 29, 1 - 30, 32.
Außerdem enthalten die Prophetenbücher Stellen, die man gar nicht als prophetisch charakterisieren würde, so die Warnung vor der Flucht nach Ägypten oder das Siegeslied über die ägyptische Niederlage bei Karkemisch Jer 46, 1 - 12.
Interessant sind die poetisch gestalteten Wunschbilder. Sie gehen davon aus, daß Nebukadnezar nicht nur Jerusalem und Tyrus angreift, sondern auch das treulose Ägypten erobert, wohin trotz eindringlicher Warnung viele Juden geflohen waren Hes 29, 17. Diese Wunschprophetien gehen nicht in Erfüllung, sie sind auch nur bei Jeremias und Hesekiel erhalten ( Hes 29, 17f zitiert sogar als Anlaß die Belagerung von Tyros, vgl. Hes 30, 1 - 19 + 20 - 25). Ein Kapitel gibt sogar vor, das Geschehen sei schon vollendet Jer 46, 13f.
Ein Abschnitt in Hesekiel setzt das gewünschte Ereignis in Verbindung zu der mythischen Auseinandersetzung mit dem Urdrachen, der hier als Symbol für Pharao verwendet wird:
Mache eine Wehklage über Pharao, den König von Ägypten, und sprich zu ihm: Du bist gleich wie ein Löwe unter den Heiden und wie ein Meerdrache,
und springst in deinen Strömen und rührst das Wasser auf mit deinen
Füßen und machst seine Flüsse trüb Hes 32, 1f
Zwei Stellen schildern das schlimme Geschick Assyriens im Gleichnis vom Zedernbaum:
Wie groß, meinst du, Pharao, daß du seist in deiner Pracht und Herrlichkeit unter den Oasenbäumen? Denn du mußt mit den Oasenbäumen unter die Erde hinabfahren... Hes 31, 18
Der geschichtliche Hintergrund dieser Prophetie kann nicht näher eingegrenzt werden: ob die Vernichtung Assurs durch Babylon gemeint ist oder - umfassender - die Eroberung Vorderasiens durch die Perser, kann man nicht bestimmen (vgl. Hes 32, 17 - 32). Die Geschichte des Vorderen Orients spiegelt sich in Hes 32, 31 wieder: der Untergang vieler Völker der damaligen Welt wird zugleich geschildert: Assur, Elam, Südkleinasien, „Fürsten der Mitternacht“, Edom und Sidon werden mit dem Schicksal Ägyptens verbunden. Damit ist der Siegeszug der Perser im Vorderen Orient gemeint, der mit der Eroberung Ägyptens seinen Abschluß findet.
Einen konkreten Anlaß hat das schon erwähnte Siegeslied gegen Pharao Necho. Es ist ein psalmenartiger Hymnus, die indirekte Bestätigung für die Fremdherrschaft der Ägypter in Palästina und Syrien bietet, sonst wäre solch ein Sieg über die Ägypter wohl kaum so überschwenglich gefeiert worden. Es ist in diesem Sinn ein Stück Widerstandsliteratur Jer 46, 1 - 12.Eigentümlich bleibt, daß in diesem Zusammenhang das bedeutungslose Gilead im Ostjordanland extra genannt wird Jer 46, 11.
Andere Prophetenstellen warnen vor einer Flucht nach Ägypten oder vor der Selbsttäuschung, daß Ägypten gegen die assyrischen oder babylonischen Heere Hilfstruppen senden würden, was aber in einzelnen Fällen wohl tatsächlich geschehen ist. Es sind Propagandapredigten, die den Durchhaltewillen des Volkes stärken und alles Böse auf die Feinde herabbeschwören sollen. Dabei werden offenbar die fremden Eroberer nicht als ganz so schlimm angesehen wie die Treulosigkeit und der Verrat der Ägypter.
Solche Texte sind in gehobener Prosa Jer 31, 1 - 5 oder in poetischer Form erhalten Jes 30 , 1- 9. Auch die Mythologie vom Urweltdrachen wird aufgegriffen Hes 29, 1f, aber seine Zähmung löst keine kosmische Katastrophe aus, und sie gelingt mit einem Zügel im Maul. An dieser Stelle spricht die Prophezeiung sogar von mythischen 40 Jahren, in denen es keine Menschen und kein Vieh in Ägypten geben soll Hes 29, 11 - 13.
Nur einen Abschnitt kann man in den Propheten-Schriften finden, der eine Prophetie im eigentlichen Sinne enthält. Darin wird der derzeit schlimme Zustand des Landes ausführlich geschildert und das Ende dieser Schreckenszeit als Epoche des Segens ausgemalt Jes 19, 1 - 25. Sie ist an historischen Gegebenheiten orientiert: historisch ist darin ist die Erwähnung jüdischer Gemeinden in Ägypten - die „fünf“ Städte sind mythisches Detail - und die Nachricht über einenTempelkult in Assuan und später in Leontopolis .
 
6. Die ägyptischen Länder- und Ortsnamen
 
Trotz ständiger und häufger Kontakte zwischen Israel und der Großmacht Ägypten findet man wenig Namen für Ortschaften und Länderbezeichnungen Ägyptens im Alten Testament. Sie treten an zwei Stellen gehäuft auf: beim Exodus und bei den Propheten. Bezeichnungen von Völkerschaften dagegen, die mit Ägypten in Zusammenhang gebracht werden, sind selten, sogar der Name für Ägypten ist nicht ganz eindeutig.
Die Lage der Länder des Südens und der darin wohnenden Völker ist im Hebräischen ähnlich verschwommen angegeben wie die der „mitternächtigen Länder“. Südlich von Ägypten liegt Kusch, der ägyptische Name für Nubien, in den Versionen mit „Äthiopien“ übersetzt Jes 11, 11; 18, 1; Nah 3, 3, Ps 67, 32. Seine Bewohner heißen Kuschiten 2. Chr 12, 2, Im gleichen Atemzug sind die sog, Troglodyten „Höhlenbewohner“ genannt, deren hebräischer Name aus sukkoth gebildet ist Ex 12, 37; Lev 33, 3 - 5. Demzufolge wäre die angebliche Lage der Stadt Sukkoth des Exodus eine ’Stelle, wo die Höhlenbewohner leben’ und fiele aus den Ortsnamenslisten heraus; die Identifizierung mit der altägyptischen Stadt Tkw ist damit überflüssig .
Zu den Südvölkern rechnen auch die Libyer 2. Chr. 12, 2 und das rätselhafte Land Put , das in den Versionen mit „Libyen“ übersetzt wird Gen 10, 8; 1. Chr 1, 18; Nah 3, 9. Dieses Put hängt mit äg. wHA.t kopt. pwahe „Oasengebiet“ zusammen. Das in Hesekiel 30, 5 genannte Chub ist ein Schreibfehler für Nub, dem Land „Nubien“.
Die Bezeichnung für Ägypten ist hebr. Mizrajim Jer 46, 17 oder ‘Land Mizrajim’ Ps 77, 12 und steht im Dual. Das kann „zwei Mizr“ heißen und auf beide Landesteile Ägyptens bezogen sein, die traditionell als Unter- und Oberägypten getrennt wurden, so eine der herkömmlichen Interpretationen. Es muß aber anders gedeutet werden: Der Name Mizr geht auf das altägyptische Wort mDr „umwallen, umschließen“ zurück , als Substantiv jmDr „Schutzwall“ . Beides sind Denominativbildungen von äg. Drw „Grenze“
Der Dual Mizrajim bezieht sich auf den „Doppelten Grenzwall“ im äußersten Osten Ägyptens, es sind die sog. Herrschermauern , die gegen die Einfälle östlicher Beduinen seit dem Mittleren Reich errichtet wurden und schon seit dem Alten Reich die Grenze Asiens schützten. Das hebr. Wort. mazôr „Festung“ scheint auch davon abgeleitet, ebenso das assyr. muzru „Grenzland“
Außerdem gibt es zwei umschreibende Namen für Ägypten: die hebräische Bezeichnung Rahab „Übermütiger, Stolzer, Starker“ wird allein gebraucht Ps 89, 11 oder in Zusammenhang mit Mizrajim Jes 30, 7; als geographisches Paar Rahab - Babel kommt es in Ps 87, 4 vor. Das Rahab wird auch in der poetischen Umschreibung tanîn für Ägypten in Beziehung gestellt:
Bist du es nicht, der die Stolzen (rahab) zerhauen und den Drachen (tanîn) verwundet hat? Jes 51, 9
Das hebräische Wort tanîn bedeutet eigentlich „ein langes Wassertier“, wobei Vorstellungen von der altägyptischen Apophis-Schlange sicher eine Rolle spielen, da sie im Meer lebt Jes 27, 1. Als ‘Großer Drache’ wird Ägypten in Hes 29, 3 und 32, 2 bezeichnet, ebenso in Ps 74, 13 f
Als poetische Bezeichnung kommt das „Land des Ham“ vor, Ps 104, 23; Gen 10, 6, in dem sich der ägyptische name km.t „das schwarze Land“ widerspiegelt.
Der Nil wird einfach „der Strom“ genannt hes 29, 3, die literarische Bezeichnung ist Sihor/Schihor Gen 41,1; Jer 2, 18; 1. Chr 13, 8, herkömmlich als „Trübes, Schmutziges“ aufgefasst. Das Wort geht jedoch auf altägyptisch S - Hrw „Horussee“ zurück.
Varianten übersetzen das Wort als „Fluß, viel Wasser“ oder einfach mit „Nil“. Gemeint ist aber der pelusische Nilarm. Die alttestamentliche Unterscheidung zwischen Nil und diesem Arm ist besonders auffallend Jes 23, 3.
Ein Sonderproblem bildet die Stelle Gen 2, 11 - 13, wo zwei verschiedene Bezeichnungen für den Nil genannt sind: Gihon und Pison . Gihon durchfließt das nubische Land Kusch, Pison durchquert das Goldland Hawila, in dem „gutes Gold“ und Edelsteine gefunden werden. Mit Recht lokalisiert YAHUDA dieses Land Hawila in die Wüstenregion, die sich zwischen dem oberägyptischen Nil und dem Roten Meer erstreckt, aber ihm fehlt der schlüssige Beweis. Er liegt im Namen Hwr.t , der Geiergöttin von Elkab, die schon in der Pyramidenzeit so bezeichnet wird .
Die ägyptischen Landschaftsbezeichnungen im Alten Testament sind schwierig, sie sollten eigentlich in Ägyptisch vorkommen, aber ihre Identifikation stößt auf Probleme. Die Versionen der Septuaginta und der Vulgata geben keinen Aufschluß, selbst die einheimisch - koptischen Versionen sind an manchen Stellen nicht klar. Daraus muß man schließen, daß die Schreiber der Bibeltexte tatsächlich nicht mehr wußten, welche Gegend oder welche Stadt gemeint sein könnte.
Offensichtlich gilt das für die Lage der Landschaft Gosen/Gesem, einmal als Wohnort in Ägypten belegt Gen 45, 10; 46, 28 u.o. ein anderes mal als Südgebiet im nördlichen Sinai v o r
der ägyptischen Grenze bei Qadesch barnea und Gaza Jos 10, 41; 11, 8. Hier setzen einige Versionen sogar eine Erläuterung dazu „in Gesem/Land Gesem von Arabien, in Gesem im Lande Arabien“. Es stützt die Lokalisierung des Josuatextes und deutet an, daß der Landstrich etwa bei dem heutigen El-Arisch zu suchen ist. Dem gegenüber haben koptische Manuskripte das Beiwort ‘Arabien’ als Namen des östlichsten, ägyptischen Gaues aufgefaßt und gaben ihm den Namen der Gauhauptstadt Heroonpolis (sahidisch), bzw. Pithôm, die Stadt im Lande Ramesse (bohairisch). Man kann das hebräisch-griechische gesem auf das altägyptische
gsm „Gewässer im Delta, das Wellen schlägt“ zurückführen , was den Sirbonissee bezeichnet, und diese Deutung nähert sich der Auffassung des Josuatextes.
Andere Landschaftsnamen lassen sich noch schwieriger zu identifizieren: „das Feld oder die Ebene von Zoan“ Ps 77, 12 und „das Land Ramesse“ Gen 47, 11 sind an Ortsnamen festgemacht, letzteres wird mit Gesem vertauscht. Die Septuaginta weist hier „Heroonpolis im Lande Ramesses“ auf und folgt der Methode, beliebig die östlichste Stadt Ägyptens zu nennen.
Ein Rätsel muß der Landstrich Pihachiroth bleiben, obwohl er reichlich unklar, aber mit vielen Worten lokalisiert wird „zwischen Migdol und dem Meer, gegen Baal - Zephon, und daselbst dem Meer gegenüber“ Ex 14, 2. Diese Station des Auszuges ist immer mit der ebenfalls unklaren Ortschaft Baal-Zephon / Beel-Zepphôn verbunden Ex 14, 9; Num 33, 7. Die Bedeutung des Ortsnamens als ‘Baal des Nordens’ ist ebenso vage wie die genaue Herleitung des Wortes hachiroth, so muß der Name wegen des ägyptischen Artikels pi- isoliert werden . Vielleicht ist damit eine ägyptische Nebenform des Ortsnamens Pelusium gemeint.
Als Name für Oberägypten kommt Pathurês / Pathurôs / Pathros vor Hes 23, 14; 30, 14; Jes 11, 11. Es geht auf altägyptisch pA tA rsj „das südliche Land“ zurück. In dieser Verbindung gibt es das Wort im Ägyptischen nicht und muß eine ganz späte Bildung sein, vermutlich ist es aus dem Assyrischen paturisi eingebürgert, das auf eine volkstümlich ‘falsche’ Lesung des gebräuchlichen tA Sma basiert.
Die biblischen Städtenamen Ägyptens sind weder eindeutig zu lokalisieren noch klarer zu bestimmen. Ihre Identifizierung hängt von der genauen Lesung ab, die gerade bei den Städtenamen Ägyptens stark schwankt. Deutlich ist die Mühe der Schriftsteller, Paare von Städten zu bilden und sie gemeinsam zu nennen, teils gelten die Paare wegen ihrer Nachbarschaft als zusammengehörig, z.B. On - Bubastis, Pithom - Rames, teils sind es Bildungen nach dem Schema „nördlichste - südlichste Stadt“. Selten werden Städte ohne Partner genannt und möglicherweise ist dort der hebräische Text gestört. Schon die Versionen haben dieses System nicht mehr durchschaut, sie identifizieren willkürlich die hebräischen Namen der Vorlage mit bekannten Ortschaften Ägyptens.
Ein solches Paar ist Migdol - Syene Hes 29, 10; 30, 6, weiter gefaßt „bis gen Syene und bis an die Grenze von Kusch“ Hes 29, 10. Damit ist Assuan und Migdol bei Pelusium - heutiges Tell el- Herr gemeint. Der Ort Migdol - Magdôl - Magdalum, eigtl.. „Turm“ kommt auch allein vor Ex 14, 2. In den Versionen wird einmal tatsächlich der Ausdruck als „Turm von Syene“ übersetzt.
Daneben gibt es das nachbarschaftliche Paar Migdol - Baal Zephon Ex 14, 2 + 9; Num 33, 7 und zwei weitere Paare Migdol - Noph Jer 46, 14 oder ausführlicher „Migdol / Thachpanhas - Noph / Pathros“ Jer 44, 1. Das setzt voraus, daß Thachpanhes im Norden bei Migdol, Noph aber im Süden, in „Oberägypten“ liegen muß. Damit fällt aber die bisherige Identifizierung Noph = Memphis . Noph muß hier als „Theben“ gedeutet werden. Auch das Paar Thachpanhes - Noph Jer 2, 16; 46, 14 zeigt diese Lokalisierung von Noph in Oberägypten.Die Stadt Thachpanhes kommt auch allein vor Hes 30, 18 und wird sogar näher beschrieben Jer 43, 7f. In den Versionen ist sie mit Taphnis / Taphnas / Taphnis umschrieben, es ist das ägyptische Daphnae, heute Tell Defenneh am Südufer des Menzale-Sees.
Als drittes Paar gibt es Zoan - Noph Jes 19, 13, Zoan - No Hes 30, 14 und einmal Zoan - Hanes Jes 30, 4. Die Bezeichnung Zoan entspricht dem ägyptischen Stadtnamen Dan.t „Tanis“, heute San el-hagar. Die Stadt No ist mit Noph identisch, geht auf ägyptisch njw.t „Stadt“ zurück und bedeutet „Theben“. Die Stadt Hanês ist die hebräische Variante von Ehnas in Mittelägypten, jetzt Ehnasija el.-medinah. Die assyrische Namensform hininshi etwa 640 v. Chr. belegt, zeigt die ältere Aussprache des altägyptischen Hw.t - nnw - nj.sw.t , die noch nicht unter Tondruck verkürzt und verstümmelt worden ist. Im hebräischen Hanês und im koptischen Hnês fehlt beides Mal das unter Tondruck geschwundene n.
Zoan kommt auch allein vor Jes 19, 11, dient zur Bezeichnung einer Region „Feld Zoan“ Ps 78, 12, „Land Zoan“ Ps 78, 43 und soll einer Glosse zufolge sieben Jahre jünger sein als Hebron Num 13, 22.
Schwierigkeiten macht das Paar Sin - No Hes 30, 15 oder Sin - No / Noph Hes 30, 16. Hier haben die Versionen sämtlich geraten. Der vollständige Name der Stadt ist „Sin, die Festung Ägyptens“ und geht auf altägyptisch snw „Pelusium“ zurück. Gegen diese Deutung spricht das Vorkommen einer „Wüste Sin“ Ex 16, 1; Num 33, 11 - 12, die nicht nur die Gegend um Pelusium, sondern den ganzen nördlichen Sinai bezeichnet, vgl. Gesem. Die Übersetzer deuten den Namen Sin als Sain („Stadt Sais“), Tanin („Stadt Tanis“) und Syene, lateinisch dagegen korrekt als „Pelusium, die Stärke Ägyptens“. Die parallele Nennung von No und Noph fällt auf, offenbar ist in Hes 30, 16 damit wohl Ost- und Westtheben gemeint. An einer Stelle wird der Hauptgott von Theben als „der Amon von No“ genannt Jer 46, 25. Das ist auch als Zusammensetzung No-Amon „Stadt des Amon“ belegt Nah 3, 8. Freilich ist an dieser Stelle damit nicht Theben, sondern Alexandria gemeint, denn No-Amon „lag an den Wassern und hatte ringsherum Wasser, und ihre Mauern und ihre Festung war das Meer“. Entsprechend übersetzt die Vulgata „Alexandria, Hügel von Alexadnria“. Die Septuaginta hat die Deutung Diospolis, aber auch seltsame Varianten wie „Amôn, die Bewohnte“, die Kurzform Ammôn und die Form Armôn, die ihrerseits auf Hermonthis / Armant weist, das südlich von Theben gelegen ist. Während die Nahum-Stelle tatsächlich nur auf Alexandria zutrifft, ist in allen Versionen dafür Theben in Oberägypten eingesetzt, nur einmal wird „Memphis“ erwähnt.
Ähnliche Schwierigkeiten bereitet den Versionen der Name Noph, der allein vorkommt Jer 46, 19; Hes 20, 13 und in den Paaren Migdol - Noph, Thachpanhes - Noph, Zoan - Noph und Sin - Noph. Die Versionen übersetzen beliebig Memphis, Alexandria und Tanis, daneben sogar das richtige Diospolis.
Als Paar entspricht On - Bubastis dem Muster „nördlichste - südlichste Stadt des Deltas“ Hes 30, 17. Bubastis kommt nur hier vor und entspricht dem ägyptischen pr - bAst.t. Die Stadt On wird auch allein genannt Jer 41, 45 + 50; 46, 20 und wird in den Versionen mit Heliopolis übersetzt. Einmal wird der Ort auch als Beth - Semes „Sonnentempel“ umschrieben Jer 43, 13, arab. ‘ajn shams „Sonnenauge, Sonnenquelle“. In der Septuaginta ist diese Stadt als Bubastis interpretiert.
Als Paar gilt auch Pithom - Ramses, die beiden Fronstädte der Juden. Sie sind nur in dieser Koppelung belegt Ex 1, 11. Die Stadt Pithom ist das ägyptische pr - jtm heute Tell Artabi. Weniger sicher ist Ramses zu lokalisieren, es kommt so in ägyptischen Belegen nicht vor. Seine Bildung ist unägyptisch, denn es fehlt die Apposition „Haus des ..., Tempel des ..., Palast des...“ Die Einzelheit, daß die Juden Pithom - Ramses „zu Vorratshäusern ausbauen mußten“, hilft hier auch nicht weiter.
Als weiteres Paar ist Raemses - Sukkoth genannt Ex 12, 37; Num 33, 5, dabei ist Sukkoth ja eigentlich keine Stadt sondern ein Landstrich. Auch Raemses findet sich als regionale Bezeichnung „Land Raemses“ Gen 47, 11; Num 33, 3, in der Septuaginta wird dieses Ensemble als „Heroonpolis im Lande Ramses“ gedeutet.
Isoliert steht der Name ‘It - heres als Stadtname, in der ein Altar Jahwes errichtet werden soll und die eine von den fünf Städten Ägyptens ist, in denen Hebräisch gesprochen wird Jes 19,. 18. Der Name ‘It-heres ist so ausgefallen, daß sich die Versionen damit schwer tun. „Stadt der Sonne“ wechselt mit „Stadt Asadek“, „Stadt Ased der Sonne“, oder „Sonnenstadt“. Alle Namen passen aber weder für Leontopolis, noch für Elephantine, wo nachweislich jüdische Tempel gestanden haben und es somit einen Altar für Jahwe gab. Welche Stadt im Jesaias-Text gemeint ist, muß als hapax legomenon offen bleiben
Flavius JOSEPHUS hat den Vorrat an phantasievollen Ortsangaben um ein paar Bezeichnungen erweitert: Jakob und Joseph treffen sich bei Heroopolis (ant. 2, 7, 3). Der Exodus geht von Heliopolis (2, 8, 6) über Letopolis / Latopolis, ein Ort, der damals verwüstet war, wo aber später nach der Eroberung Ägyptens durch Kambyses die Stadt Babylon erbaut wurde (2, 15, 1) nach Baal-Sephon am Roten Meer. Hinzu kommt ein Krieg der Äthiopen in Memphis bis zum Meer (2, 10, 1) und ein Sieg in der Stadt Saba, die später Kambyses nach seiner Schwester Meroe genannt haben soll (2, 10, 2). Letopolis liegt allerdings auf dem Westufer nördlich des heutigen Gizeh und damit jenseits von Heliopolis und hat mit Kambyses gar nichts zu tun, es ist auch nicht mit Babylon, dem heutigen Tura, identisch; Latopolis liegt in Oberägypten , und Saba schließlich ist ein mythischer Name und hat mit Meroe nichts zu tun.
Die Untersuchung ägyptischer Ortsnamen im Alten Testament hat ergeben, daß nur typologische Ortschaften genannt sind, „literarische“ Paare wegen der Nachbarschaft oder wegen ihrer extremen Lage , kaum tatsächlich existierende Orte. Die Landschaftsbezeichungen sind ebenso ungenau, teils aus Ortsnamen gebildet. Namensvarianten sind häufig, willkürlich sind die Interpretationen späterer Übersetzer. Aus typologischen Gründen sind auch relativ unbedeutsame Orte in den Bibeltext aufgenommen wie die Stadt Daphnae, allein wegen ihrer Nachbarschaft zu Migdol und Tanis.
Die geringe Kenntnis von Ortschaften in Mittel- und Oberägypten ist ebenso bemerkenswert wie das Vorkommen von Alexandria in einem Prophetenbuch, das bislang sehr viel früher angesetzt worden ist. Hinzu treten auch chronologische Schwächen, z. B. das Gründungsdatum von Hebron und Tanis oder die Erwähnung eines Ramses-Feldes zur Zeit Josephs, obwohl zwischen Einzug und Auszug der Juden laut biblisch-interner Tradition mindestens ein Jahrhundert vergangen ist.
 
7. Die ägyptischen Personennamen
 
Die wenigen ägyptischen Personennamen der Bibel sind durch mangelhafte und schwankende Vokalisierung ziemlich vage. Sie treten auch nur an drei Stellen auf: in der Josephsgeschichte beim Kauf und bei der Heirat des Joseph, beim Exodus und in der Königszeit. Dabei sind Namen teils doppelt verwendet oder sogar mit Ortsnamen verwechselt. Das alles zeigt wenig Authentizität. Spätere Kommentare oder Volksüberlieferungen scheinen diesen Mangel gespürt zu haben und entsprechend sind JOSEPHUS’ Altertümer mit Namen aufgefüllt, z.B. wird der Name der Königstochter überliefert, die Mose gerettet hat u. a. m. Darum sind auch die Namen Jannes un Jambres als Zauberer Pharaos bekannt ( 2. Tim 3, , sie gehen jedoch nicht auf ägyptische Vorlagen zurück: der eine ist eine Kurzform von Johannes, der andere ist ein hebräischer Ortsname, falls die Nebenform Mambrês stimmt, und ist aus Reimgründen dazugestellt 18. Auch eine ägyptische Königin wird mit dem Städtenamen Thachpanhes / Daphis benannt 1. Kg 11, 19 - 20
Sogar doppelt verwendete Namen treten auf: der Kämmerer und Hauptmann des Pharao Potiphar Gen 37, 36; 39, 1 und der Schwiegervater Josephs Priester zu On Pothipera Gen 41, 45; 46, 20. Der Name geht auf altägyptisch pA dj pA ra „der, den der Gott Re gibt“ zurück und ist in den Versionen verschieden vokalisiert: Putiphare, Petephrê, Pethphrê. Wegen des doppelten Artikels ist der Name sehr spät, das früheste Beispiel einer solchen Konstruktion - jedoch nicht dieses Namens! - ist um 950 v. Chr. zu finden.
Die Frau des Joseph heißt Aseneth / Asnath / Assenath Gen 41, 45 + 50; 46, 20. Der Name kann verschieden gedeutet werden: jw.s - Nj.t „sie gehört der Göttin Neith“ oder
ns.t - Nj.t „sie ist Neith zueigen“. Auch die Verbindung ns.t –nTr „sie ist Gott zueigen“ ist denkbar. Auch dieser Name ist in seiner grammatischen Bildung nach sehr spät.
Der Name Mose Ex 2,10 u.a. ist als Kurzform eines altägyptischen Namens „Kind des..., geboren von ...“ häufig, in der Regel mit einem Götternamen wie Ahmose, Ramose, Thutmose. Die im Alten Testament überlieferte Namensdeutung ist hebräische Volksetymologie „ich habe (ihn) aus dem Wasser gezogen“ Ex 2, 10. Varianten geben Môysês, Môusês. JOSEPHUS gibt eine andere, volksetymologische Deutung:
Die Ägypter nennen Wasser mô, und diejenigen, die daraus errettet sind, usês
JOSEPHUS hat zumindestens teilweise recht: mô geht auf mw „Wasser“ zurück, unterägyptisch môu, und das usês ist Qualitativ wDA.w „gerettet“, aber koptisch nicht mehr belegt.
Auch die Namen der ägyptischen Hebammen sind typisch ägyptisch. Siphra, lat. Sephora, griech. Sepphôra geht auf altägyptisches sA.t pA ra „Tochter des Sonnengott Re“ zurück Ex 1,15; vgl. Joseph, ant. 2, 9, 2. Möglicherweise gilt diese Deutung auch für Zipporah, der midianitischen Frau des Mose Ex 2, 21 u. o. Der andere Name Pua, lateinisch-griechisch Phua ist pA waj „der Einzige“ . Somit wurde also ein männlicher Vorname für die Hebamme verwendet.
Der Name Bithja für die Pharaonentochter ist nichts anderes als der ägyptische Königstitel
bjtj „König von Unterägypten“ 1. Chr 4, 17
Einige biblische Namen sind in anderen Zusammenhängen erwähnt, sie sind dennoch ägyptischen Ursprungs, so zwei Bezeichnungen für Ausländer: Pinehas geht auf pA nHsj „der Neger“ zurück und isf häufig belegt Ex 6, 25 u.o. Pichol geht auf pA xArw „der Syrer“ zurück Gen 21, 22, ebenso Hur, der von ägyptisch Hrw „Gott Horus“ stammt Ex 17, 10 u.a.
Die geringe Anzahl von Personennamen ist nicht aussagekräftig: ein Name erscheint doppelt, ein Name ist als Ortsbezeichnung besser belegt, Frauennamen entpuppen sich als Männernamen, einer davon ist eigentlich ein Königstitel. Die Bekanntschaft mit dem Ägyptischen ist also oberflächlich und nicht tiefgreifend.
Das erkennt man auch an dem ägyptischen Titel des Joseph. Es ist der einzige ägyptische Tiel, den das Alte Testament im Wortlaut bringt. Funktionstitel wie Kämmerer, Schreiber, Hauptmann, Bäcker u dergl. sind Hebräisch übersetzt. Dieser Titel ist hebräisch Zaphnath pa’aneth, griechisch psomthom phanêkh , Psothom phanêkh. Er wird „Heimlicher Rat“ übersetzt, im Griechischen „Enthüller verborgener Dinge“ oder „Herr über seine Brüder und Erhalter seines Volkes“ Sir 49, 17. Im Lateinischen ist er als salvator mundi „Retter der Welt“ wiedergegeben. Die ägyptischen Entsprechungen machen aufgrund der lautlichen Unsicherheit des Namens einige Kopfzerbrechen, da. u.a. im Griechischen auch sphontomphanêkh belegt ist:
STEINDORFF: Dd pA nTr jw.f anx, verkürzt zu *D p nt f anx
KRALL: Dd mnTw jw.f anx
YAHUDÂ DfA n tA pA anx oder DfA n tA pAj anx
HARKAVY: DfA nD pA anx
LIEBLEIN: DfA ntj pA anx
ROHL: Dd.w n.f jpw-anX
Die wahrscheinlichste Deutung ist: DfA n tA pw anxw „Die Nahrung des Landes ist der Lebendige“. Namen dieser Prägung werden in der 22. Dynastie gebräuchlich und sind charakteristisch für die Spätzeit. Es gibt sie mit den Götternamen Mut, Isis, Amon aber nicht mit pA nTr „der Gott“. Vorausgesetzt, daß diese Deutung richtig ist ,scheint sich hinter dieser crux kein Personenname und kein Titel zu verstecken. Die griechische Variante könnte auch in
pA stm pA anx „der Setem-Priester Pa-anch“ aufgelöst werden .
Der weitaus häufigste Titel ist der des Königs von Ägypten, Pharao, ägyptisch pr - aA „Das Große Haus“. Er wird auch an jenen Stellen verwendet, wo üblicherweise im Hebräischen „König“ stände, so im Begriff „Haus des Pharao“ Gen 12, 15 u. o. eine Wortverbindung, die auch im späten Ägyptisch vorkommt als pr - pr - aA , diese Deutung ist ersmalig bei BLUMBERG genannt .
Die ägyptischen Königsnamen der Bibel haben in der Regel gute Entsprechungen: Sîsaq, Sôsaq, lateinisch Sesac, griech. Susakim / Susak 1. Kg 11, 40; 2. Chr 12, 2 + 5 + 7 entspricht dem Ssnq Scheschank I., der auch in Megiddo eine Stele hat errichten
lassen.
Der Name So ist nur einmal belegt 2. Kg 17, 43. Varianten geben lateinisch Sua, griechisch sêg:or, Sôa und Adra(melekh), er wird hypothetisch mit SAbAkA Schabako zusammengebracht. Die griechische Variante Segor läßt wiederum eher an Osorkon denken, das Adra ist ganz unverständlich.
Der Name des „Mohren Serah“ 2. Chr 14, 8 ist möglicherweise dem hebräischen Namen angelehnt z.B. Gen 26, 13f, die Varianten geben Zara, griechisch Sara. Man hält ihn für Osorkon II.
Der König Tirhaqa von Kusch 2. Kg 19, 9; Jes 37, 9 hat in den Varianten eigentümliche Verstümmelungen: lateinisch Tharaca, griechisch Tharaka, Thara, Tharatha, Tharthak. Man setzt
ihn mit tAHrwq Tiharka gleich, assyrisch Tarqû
Pharao Necho ist in zwei Formen im Alten Testament erhalten: Nechon 2. Chr 35, 20; 2. Kg 23, 29 und Nechô Jer 46, 2. Die Varianten geben Nechao, Nechau, griechisch Nechaô Magedô. Er wird mit nkAw Necho II. identifiziert.
Der Name des Königs Hophra Jer 44, 30 ist singulär. Varianten geben lateinisch Ephrea, griechisch Uaphrê. Es ist König Apries.
Die Namen der ägyptischen Könige stammen aus der Spätzeit, der libyschen (Schoschenk, Osorkon) und äthiopischen Fremdherrschaft (Schabako, Tiharka), alle vier Namen sind in ihrer Grundbedeutung unbekannt, da es ausländische, nicht-ägyptische Wörter sind,
Bemerkenswert und wichtig ist, daß nur Königsnamen genannt werden, die auch in den assyrisch-babylonischen Annalen geläufig sind. Namen aus älteren Zeiten sind nicht vorhanden. Das paßt zu den Privatnamen, die auch alle in die Spätzeit zu datieren sind und von denen einzelne Namen erst 600 v. Chr. in Gebrauch kamen.
 
 
8. Die biblischen Bezüge zu Babylon
 
Die babylonisch-assyrischen Annalen sind aber nicht die einzige Quelle gewesen, auf die sich die Schreiber des Alten Testamentes stützen konnten. Im Gegensatz zu der Verbindung mit Ägypten, die hier allein interessiert, ist die Verflechtung des Alten Testamentes mit Babylon und Assur weitaus enger. Die reichen, aussagekräftigen Verflechtungen sind schon an Königsnamen abzulesen. gegen 6 namentlich genannte Pharaonen stehen mehr als 30 babylonische, assyrische und persische Königsnamen.
Auch im Allgemeinen sind biblische Angaben über Assyrien und Babylon längst nicht so stereotyp wie die über Ägypten, die ja sogar literarische Topoi geworden sind. Statt formalisierter Ortsbezeichnungen in stilisierten Paaren und Dreierbündelung finden sich viele konkrete Landschaften, Städtenamen und Völkerbezeichnungen. Statt vager oder phantasievoller Schilderungen gibt es eindeutige Fakten und Daten. Alles das setzt natürlich eine gute Kenntnis der mesopotamischen Traditionen voraus. Sie konnte nur im Exil in Babylon erworben werden.
Die interne Chronologie der Bibel wurde mit Hilfe assyrisch-babylonischer Annalen erstellt und das in völliger Unkenntnis der ägyptischen Geschichte, sofern sie nicht in eben diesen Annalen enthalten war. Diese Hypothese läßt sich sogar erhärten: es werden nur Pharaonen genannt, die direkt oder indirekt - in später Zeit! - mit Babylonien und Assyrien zu tun hatten und dementsprechend auch in den Keilschriftberichten vorkommen, und dieses ist ausgerechnet nur am Anfang und am Ende der Geschichte der Königreiche Israel und Juda der Fall. Chronologisch setzt also die biblische Geschichtsschreibung erst dann ein, als die ägyptische Herrschaft seit mehr als zwei Jahrhunderten in Palästina erloschen war.
Alles Geschehen davor mußte man mühevoll und angestrengt mit Geschlechtsregistern und Stammestraditionen füllen, die sich um diesen kleinen historischen Kern ranken. Hierbei spielt der Zwang zur Systematisierung eine wichtige Rolle 3 Patriarchen, 6 Noah-Söhne, 12 Stämme, ja sogar 3 Erdteile. Das ist typisches Kennzeichen des Hellenismus. Die Vorstellung von „Europa als Erdteil“ ist im gesamten Orient nicht zu finden, dazu vgl. die Dreiteilung bei HERODOT
Nicht nur die Chronologie, auch Mythen, Sagen, Epen, mancherlei literarische Stoffe und Motive, auch viele Wörter und Redewendungen sind aus dem mesopotamischen Kulturkreis übernomen und in die Bibel eingegliedert worden. Ich will darauf nicht näher eingehen und möchte dem einstigen Babel - Bibel - Streit kein weiteres Futter zuführen.
In unserem Zusammenhang ist die Verschränkung von ägyptischen und keilischriftlichen Materialien interesant: so ist die Mythe von der Sintlflut tatsächlich nach babylonischen Vorbildern entstanden, auch die Welterschaffung ist dort episch vorgebildet. Aber gerade an diesen Stellen weist der Pentateuch auch Überarbeitungen und Erweiterungen auf, die aus der ägyptischen Mythologie besser erklärbar sind.
Auch die Kombination der Mosegeschichte = ägyptische Sinuhe-Geschichte + babylonische Legende von Sargons Kindheit zeigt, daß beide Kulturkreise gleichermaßen beteiligt waren, den Berichten des Alten Testamentes als Quelle zu dienen. Dieses freilich kann erst sehr spät erfolgt sein, als beide Traditionsströme zusammengetragen werden konnten. Es war allerfrühestens nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft möglich.
 
9. Die Metonymie des Exodus
 
Die Erzählung vom Aufenthalt des Volkes Israel in Ägypten ist mit einigen Besonderheiten ausgestattet, die nicht recht zu Ägypten passen. Die Fronarbeit wird beschrieben als „schwere Arbeit in Ton und Ziegeln und allerlei Fronen auf dem Feld und allerlei Arbeit, die ihnen auferlegt wurde in Unbarmherzigkeit“ Ex 1, 14. Dazu kommt als Erschwernis, Ziegel ohne Häcksel in gleicher Anzahl zu formen Ex 5, 6f. Das Buch Judith kennt noch eine andere Varianten:
Da aber der König sie beschwerte mit Erdeführen und Ziegelmachen, um seine Städte zu bauen... Judith 5, 9
Dieses sind alles eher Arbeiten, die man eher in Mesopotamien verrichtete als in Ägypten. Denn „Erdeführen“ als Aufschüttung und Fundament für die Plattformen der Ziegelbauten gibt es in Ägypten gar nicht. Auch sind ägyptische Ziegelarbeiten im Vergleich zu den Steinbauten geringfügig und bedeuten viel weniger harte From als z.B. Steinbrucharbeiten oder der Transport von Monolithen und die anschließende Bautätigkeit und als die Meißelarbeit an Inschriften und Skulpturen, wie sie in Ägypten für königliche Bauten und Tempel üblich waren.
Dafür gibt sogar JOSEPHUS eine Bestätigung. Er hatte erkannt, daß die Fronarbeiten eben nicht ‘typisch ägyptisch’ waren und ägyptisiert die Arbeiten in seiner Darstellung ein wenig:
Sie befahlen ihnen, eine große Menge Kanäle für den Fluß zu ziehen und
Mauern um ihre Städte zu bauen und Dämme zu errichten, die den Fluß zurückhalten sollten und das Wasser vor dem Stillstand bewahren sollten, wenn es über die Ufer treibt. Auch stellten sie dazu an, Pyramiden zu bauen und erschöpften sie völlig und zwangen sie, manche Künste zu lernen und sich an schwere Arbeit zu gewöhnen. Diese Mühen ertrugen sie 400 Jahre
Die Aufzählung ‘typisch ägyptischer’ Arbeiten wie Pyramidenbau und Bewässerungskanäle und Dämme wäre überflüssig, wenn JOSEPHUS nicht berechtigte Zweifel an den in der Bibel geschilderten Fronarbeiten gehabt hätte, so wie sie der Pentateuch überliefert. Daß er aber im übrigen den Text des Alten Testamentes genau rezipiert, zeigen seine schwankendenn Datierungen
Hinzu kommen Kleinigkeiten, die für den ägyptischen Kulturkreis kaum vorstellbar sind. So liegt angeblich ein Ziegelofen genau vor der Tür des Königspalastes. Dies ist für Babylonien wahrscheinlich, wo ständige Reparaturarbeiten an großen Ziegelgebäuden solche Öfen dringend erforderlich machten. Dieser besagte Ziegelofen wird außerdem mit Steinblöcken gefüllt und stabilisiert, damit dort ein Thron mit Baldachin stehen kann Jer 43, 9f. In Ägypten wäre es nicht notwendig, dafür den Untergrund besonders zu festigen.
Weil nun die Fronarbeiten der Bibel und einige andere Umstände nach Mesopotamien weisen und nicht nach Ägypten, wird es auch erklärlich, warum es so wenige und darüberhinaus auch noch formalisierte Ortsnamen, Personenname und Bezeichnungen in den ägyptischen Abschnitten der Bibel gibt:
Die Fron in Ägypten war in Wahrheit eine Fron in Mesopotamien, und der Auszug aus Ägypten ist tatsächlich der Auszug aus Babylon.
Der Pentateuch transponiert also die historischen Sachverhalte der persischen Zeit in die glorreiche Vergangenheit zurück und verschleiert den Namen des Fronlandes durch Metonymie.
Solche Metonymien sind in der Bibel häufiger zu beobachten. Sie sind schon zur Zeit der Propheten bekannt, vgl. Nahums Bezeichnug No statt Alexandria Nah 3, 8 oder Daniels apokalyptische Tiere Dan 7, 2f. Sie sind auch in späterer Apokalyptik zu finden. In der Offenbarung Johannis z.B. wird ausgerechnet dort Babylon genannt, wo Rom gemeint ist Apok 14, 8.
Der Bericht des Exodus Israels arbeitet ebenfalls mit solchen Metonymien. Er nennt Ägypten und meint Babylon, er spricht von Pharao und meint König Nebukadnezar usw.
Ein wichtiges Indiz zur Erhärtung dieser Theorie ist der Bericht von der tatsächlich stattgefundenen Ausreise aus Babylon. Hier stehen zwei Personen im Vordergrund, Josua und Serubabel. Josua war „Hohepriester“ und Serubabel „Statthalter Judas“ Haggai 1, 1.
Beide haben ihre Spiegelbilder im ägyptischen Exodus: dort ist Mose der politische Führer und Aaron gilt als Hohepriester. Wie der Tempelbau in Jerusalem arg verzögert vorangetrieben wird, ist dementsprechend auch die im Exodus genannte Stiftshütte sehr viel später entstanden. Sogar die Titulatur des Esra als „Schreiber des Gesetzes vom Himmelsgott“ Esra 7, 6 steht in unmittelbarer Verbindung zur Gesetzgebung auf dem Sinai, zumal Esra sogar noch das ‘Buch des Gesetzes Moses’ dem Volk öffentlich vorliest Neh 8, 1, wie seinerseits Mose die Zehn Gebote dem Volk öffentlich verkündet hatte.
Die Koinzidenz reicht bis in nebensächliche Kleinigkeiten, die bislang kaum verständlich waren oder begründbar erschienen:
Beim Auszug aus Ägypten nehmen die Juden goldene und silberne Gefäße von den Ägypten mit, freilich ohne erkennbaren Zweck und ohne erkennbaren Sinn Ex 12, 35. Diese goldenen und silbernen Gefäße sind aber bei der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft ausdrücklich als Gefäße des Tempels bezeichnet und machen dort auch Sinn Esra 5, 14f
Das läßt den Schluß zu, daß historische Ereignisse und Fakten über die Babylonische Gefangenschaft mythisch überhöht und in die heroische Vorzeit zurückversetzt wurden. In diesem Zusammenhang spielt auch das Buchmärchen eine Rolle. Wie bei ägyptischen Vorbildern erkennbar wird bei wichtigen und bedeutungsvollen Schriften ein Märchenmotiv vorgesetzt, um zusätzlich die Wichtigkeit der Schriften zu unterstreichen: Prinz Hardedef findet ein wichtiges Kapitel des Totenbuches bei einer Tempelrevision . Ein medizinischer Papyrus wird im Tempel von Koptos entdeckt und dem König Cheops als Wunder überbracht
Desgleichen findet Darius das Kyros-Edikt in einem Archiv von Ekbatana Esra 6, 2 und Josias findet den Pentateuch beim Umbau des Jerusalemer Tempels 2. Kg 22, 8 - 23; 2. Chr 34, 14 - 31 Entsprechendes gilt auch für die Übernahme der Zehn Gebote durch Moses.
Der Auszug der Juden aus Babylon (und nicht aus Ägypten) vollzog sich in mehreren Schüben, in den Jahren 537 bis 445 v. Chr. .
Die Metonymie und damit die Rückdatierung der tatsächlichen Ereignisse in die mythischen Begebenheiten der Patriarchenzeit liegt in der Geschichtsbetrachtung des jüdischen Chronisten begründet. Er schrieb eine von der jetzigen Gegenwart und erhofften Zukunft ausgehende, aber nach rückwärts gewendete und rückwärts laufende Nationalgeschichte. Er vertrat die Auffassung, das Volk Israel sei Mittel- und Zielpunkt der Weltgeschichte.
Eine solche rückwärts gewandte Geschichtsbetrachtung begreift spätere, wirklich errungene Erfolge als von Uranfang an vorherbestimmt und läßt nationale Hoffnungen schon in der ältesten Zeit verheißen sein und sieht sie im Laufe der Geschichte sich erfüllen
Die Chronisten des Alten Testamentes waren aber überfordert, aus der Vielfalt von Einzelberichten und Überlieferungsströmen einen zusammenhängenden und in sich stimmigen Erzählablauf zu erstellen Die ständig wiederholten und immer wieder erfolgten Redaktionen des Bibeltextes sprechen eine deutliche Sprache. Man unterscheidet bislang in der Quellenanalyse den Jahwist, den Elohist, die Priesterschrift und einiges Sondergut. Dieses Konglomerat wurde irgendwann zusammengetragen. Die Verfasser mußten ihre Unkenntnis alter Geographie und alter Geschichte verschleiern und waren in später Zeit nur mehr auf Vermutungen angewiesen. Sie besaßen keine gesicherten Erkenntnisse ihrer Vorzeit, die über die assyrischen Annalen und die babylonischen Berichte hinausgingen.
So lassen sich mancherlei schwierige Einzelfragen klären: Warum die Geographie Ägyptens so ungenau und so formalistisch ist, warum es formelhafte Wendungen über ägyptische Produkte und Kulturgüter überhaupt gibt, warum die Schilderung der Route des Exodus in der Wüste Sinai so vage ist, warum die Lage des Berges der Offenbarung so schemenhaft schwankt und warum die Landnahme unter Josua so problematisch ist.                                           
10. Das tatsächliche Alter des Bibeltextes
 
Man kann sich nur sehr schwer vorstellen, wie alle die verschiedenen, einand

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  Ägypten und die Chronologie des Alten Testamentes
Geschrieben von: Eik - 04.07.2018, 14:29 - Forum: Alte Kulturen - Keine Antworten

Ägypten und die Chronologie des Alten Testamentes
 
1. Allgemeines
2. Die interne Geschichtsschreibung des Alten Testamentes
3. Die ältere Chronologie des Bibeltextes
4. Die historischen Quellen Ägyptens
5. Die biblische Chronologie in der Antike und der neueren Geschichtsschreibung
 
Zusammenfassung
Die chronologischen Details des Alten Testamentes mager und dürftig. Die biblischen Daten sind erst nachträglich erstellt worden. Es fällt auf, daß die interne Geschichtsschreibung der biblischen Bücher unbestimmt und verschwommen wird, sobald man über die Zeit der Reichsteilung zurückgeht. Auch die Königszeit ist nur zu Beginn und am Ende genauer dokumentiert; die dort genannten Pharaonennamen sind relativ spät. Die großen Ereignisse der Patriarchenzeit spielen bei anonymen Pharaonen. Das verwundert umso mehr, wenn selbst Königsnamen von phönizischen Stadtfürsten erhalten sind. Außerdem kommen mehr als 30 Namen assyrischer und babylonischer Herrscher im Alten Testament vor.
Alle Traditionen des Alten Testamentes vor 850 v. Chr. sind also Fiktionen oder mündliche Stammesüberlieferungen, die kaum nachprüfbar sind. Zeitgenossen der Israeliten in Palästina: (Philister, Kanaaniter, Moabiter, Edomiter, Syrer und Phönizier) haben kaum schriftliche Quellen hinterlassen und berichten weder direkt noch indirekt von der israelitischen Landnahme. Nicht einmal archäologische Grabungsergebnisse stimmen mit den in der Bibel geschilderten Ereignissen der Landnahme überein: dort als besiedelt genannte Städte waren bereits seit Jahrhunderten zerstört und verlassen
Ägyptischen Zeugnisse sind wesentlich älter als sämtliche bisher ermittelten Quellen der Bibel und datieren aus der Zeit, als Ägypten Kolonialmacht über das Land Kanaan war. Ägyptische Texte deuten darauf hin, daß das Volk Israel und die Jahwe-Beduinen überhaupt keine Bedeutung besessen haben oder gar eine Sonderstellung einnahmen. Ägyptische Zeugnisse haben die einzigen, direkten Erwähnungen von Jahwe und Israel in historisch-ägyptischer Zeit.
Sehr schwerfällig mußte sich die Geschichtsschreibung des Alten Orients von der Vorherrschaft der Bibel befreien. Das Alte Testament galt ja lange Zeit als das älteste Buch der Welt, wie ja auch Hebräisch als die älteste Sprache der Menschheit..
Für die wissenschaftlilche Geschichtsschreibung erwies sich die Bibel als Hemmschuh. Es hat sehr viel Mühe, Fleiß und Bekennermut gekostet, die Geschichte des Vorderen Orients von der Vorherrschaft des Alten Testamentes zu befreien und eine eigene, den Quellen und Denkmälern angepaßte und stimmige Geschichte zu entwickeln.
Es ist erstaunlich, daß selbst in heutiger Zeit immer noch „biblische Chronologie“ im Vordergrund steht und daß die Ergebnisse der Ägyptologie wie der Assyriologie noch immer daran gemessen werden, in wieweit sie biblische Fakten und Erzählungen bestätigen können. Das hat besonders für die Archäologie Palästinas erhebliche Folgen, da man in jedem ausgegrabenen Schutthügel israelitische Reste vermutete und suchte. So werden sogar noch in jüngster Zeit archäologisch gesicherte Stratigraphien hemmungslos nach oben oder nach unten gezerrt und falsch datiert, bloß um den Berichten des Alten Testamentes Genüge zu tun. Selbst unbestrittene Textentlehnungen interpretiert man kunstvoll weg, weil sie die „Einzigartigkeit des Alten Testamentes“ in Frage stellen.
 
 
 
 
 
1. Allgemeines
 
Die Chronologie des Alten Testamentes ist besonders für die frühe Zeit ausnehmend vage. In guter alter Stammestradition orientalischer Nomaden wird die Stammesgeschichte aus mündlichen Überlieferungen geschöpft und das (relative) Alter der Begebenheiten anhand von Geschlechtsregistern errechnet. Deutliche Jahresangaben sind selten und darüber hinaus meist mythisch verbrämt (sieben, zwölf, siebzig, vierhundert u. dergl.). Umso mehr überrascht eine Angabe mit vortäuschender Genauigkeit, wie
Hebron aber war sieben Jahre gebaut vor Zoan in Ägypten Num 13, 22
Im Text ist dieses Zitat nicht notwendig, es hat vermutlich als Glosse Eingang in das betreffende Kapitel gefunden. Eigentümlich ist, daß die Aufenthaltsdauer Israels in Ägypten nicht kanonisch wurde (wie etwa die literarischen Formeln darüber), sondern unterschiedlichste Angaben gemacht werden, wobei auch hebräische und griechische Versionen von einander abweichen:
90 Jahre: „drei Generationen von Jakobs Söhnen bis Mose“ Jes 15, 16
120 Jahre: „vier Generationen“ Ex 8, 13f
215 Jahre Ex 12, 40 (griech.) Joseph. ant. 2, 15, 2
400 Jahre Gen 15, 3, Joseph. ant. 2, 9, 1
430 Jahre Ex 12, 40 (hebr.) Joseph. ant. 2, 15, 2
440 Jahre 1. Kg 6, 1 (griech.)
480 Jahre 1. Kg 6, 1 (hebr.)
Ein Datengerüst läßt sich aus diesen Zahlen nicht gewinnen, auch die ‘relative’ Chronologie versagt.
Erst zur Zeit Jerobeams, des ersten Königs des Nordreiches Israel wird ein ägyptischer König erwähnt (1.Kg 11. 40), sogar mit Jahresangabe:
Aber im fünften Jahr des Königs Jerobeam zog herauf Sisak, der König in Ägypten, wider Jerusalem 1. Kg 14, 20: 2. Chr. 12, 2
Ein anderer ägyptischer König ist zeitgleich mit Hosea ( 2. Kg 17,4), ein dritter mit dem letzten König Judas (2. Kg 19,9; Jes 37., 9). Jeremias enthält eine interessante, chronologische Angabe:
Wider das Heer Pharao Nechos, des Königs von Ägypten, welches lag am Wasser Euphrat zu Karkemisch, das der König zu Babel, Nebukadnezar, schlug im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes des Josias, des Königs von Juda. Jer 46, 2; ohne Datum 2. Chr. 35, 20
Es fällt auf, daß nur zu Beginn und am Schluß der Königszeit solche chronologischen Einzelheiten zu finden sind:
Salomo Schoschenk I. 945 - 924 v. Chr.
Jerobeam desgl.
Asa Sarah, der Mohr (Osorkon II.) 924 - 888 v.Chr.
Hosea So (Schabako) 716 - 695 v. Chr.
Hiskia Tiharka 689 - 664 v. Chr.
Josia Necho 610 - 595 v. Chr. 1
Joahas desgl
 
Jojakim desgl
Zedekia Hophra (Apries) 589 - 570 v. Chr.
Im übrigen sind die chronologischen Details mager und dürftig. Das läßt den Schluß zu, daß zu Beginn und am Ende der Geschichte der Königreiche eine Stützung des zeitlichen Gerüstes nötig war, weil sonst die Regierungszeiten der jüdischen Königreiche ins Schwimmen geraten wären, da die Daten erst nachträglich erstellt worden sind. Wesentlich günstiger sieht die Chronologie babylonisch-assyrischer Könige aus
 
2. Die interne Geschichtsschreibung des Alten Testamentes
 
Neben der auf Daten fußenden Chronologie gibt es im Text des Alten Testamentes interne Querverbindungen ohne Datenangaben.
- Abraham hatte mit Pharao Kontakt Gen 12, 10 - 13, 10. Er besaß auch eine ägyptische Dienerin Gen 16, 1; 21, 9
- Ismael wurde von einer Magd aus Ägypten geboren Gen 21, 21
- Isaak erhält ausdrücklich den Befehl, bei einer Teuerung nicht nach Ägypten zu ziehen Gen 26,. 2
- Jakob zieht mit allen seinen Söhnen nach Ägypten Gen 37 ff; Apg 7, 12 Diese Tatsache wird häufig - auch als Formel - genannt Num 20, 10; Deut 10, 20; Jos 24, 4; 1. Sam. 12, 8. Dabei taucht die mythische Zahl siebzig auf Deut 10, 20
- Joseph hat einen ganzen Novellenkranz absorbiert Gen 37 ff; 1. Mak 2, 53; Hebr 11, 22; Ps 105, 17. Beachtenswert ist ein Detail mit den Ketten Hes 19, 4
- Moses ist die Zentralfigur der Geschichte von der Knechtschaft und des Auszuges aus Ägypten Ex 2 - 18. Von dieser Geschichte hat es Kurzfassungen gegeben Judith 5, 8 - 11; Apg 7, 19f; Hebr 11, 22f. Die Metaphern, Anspielungen, Zitate und formelhaften Wendungen über Moses sind so zahlreiche, daß sie im einzelnen nicht aufgezählt werden können.
Die Legenden unterscheiden beim Auszug mehrere Punkte:
1. Wunder vor dem Auszug, teils unspezifisch, teils in Einzelepisoden gegliedert, z.b. Ps 135, 9
2. Das Töten der Erstgeburt Ps 78, 51
3. Der Durchzug durchs Schilfmeer Ps 136, 13 u. o.
Interessant ist, daß die Akteure wechseln, sogar die Personenbezeichnungen (Stellen geben nur
Einzelbeispiele):
Mose:
dieser Mann Mose, der uns aus Ägypten geführt hat Ex 32, 1
dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast Deut 9, 26
Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt? Num 20, 5
Er sandte Mose und Aaron, daß sie euch und euere Väter aus Ägypten führten 1. Sam 12, 8
 
Volk:
Es ist ein Volk aus Ägypten gezogen Num 21, 5
da ihr aus Ägypten zoget Deut 13, 5
da du aus Ägypten zogest Deut 16, 6
Warum sind wir aus Ägypten herausgezogen? Num 11, 20
da sie aus Ägypten zogen Ri 11, 13
 
Gott:
Gött hat ihn aus Ägypten geführt Num 24, 8
Der du unsere Väter aus Ägypten führtest 1. Kg 8, 53
und verließen ihren Herrn, der sie aus Ägypten geführt hatte Ri 2, 12
Ich bin der Herr, der euch aus Ägyptenland geführt hat Lev 11, 15
da ich sie aus Ägyptenland führte Jer 7, 22
Das Ereignis des Auszuges dient auch häufig als indirekte, nicht datierte Zeitangabe: „Von dem Tage an, da ich euere Väter aus Ägyptenland geführt habe, bis auf diesen Tag“ Jer 7, 25; 1. Sam 8, 8; 1. Kg 8, 16 u. o.
Bei der Geschichte über die Wüstenwanderung sind nur einige Erinnerungenn an Ägypten berücksichtigt Num 14, 13; Ex 32, 12 u.a. Das ist umso bemerkenswerter, da sonst auf kleinste Nebensächlichkeiten Rücksicht genommen wird, sogar auf das Gastrecht bei Beduinen Deut
23, 5.
Wenig ist aus der sog. Richterzeit belegt. Nur einmal wird vage das Land Gesem genannt Jos 10, 41.
Von König Saul und König David gibt es keine Angaben über Ägypten, abgesehen von der formelhaften Bezeichnung der Südgrenze des Reiches Israel 1. Sam 27, 8; 1. Chr. 13, 8.
Um Salomo ranken sich mehrere Sagen. Seine Weisheit wird gerühmt 1. Kg 5, 10. Als wichtiger historischer Fakt wird eine Pharaonentochter erwähnt, die Salomo heiratet, die aber anonym bleibt 1. Kg 3, 1; 9, 16 + 24. Zu seiner Regierungszeit ist auch ein Rivale Hadad nach Ägypten geflohen 1. Kg 11, 17.
Die Könige der Teilreiche hatten häufige Beziehungen zu Ägypten Es wird öfters von einer Flucht dorthin berichtet 2. Chr 10, 2; 2. Kg 25, 26; Jer 26, 21. Ägyptische Kultfiguren werden zu Staatsgottheiten erhoben 1. Kg 12, 28. Pharaonen greifen in die Geschrichte Israels ein: Sisak erobert Jerusalem und plündert Gold- und Silberschätze des Tempels 1 Kg 14, 25, bestätigt die Herrschaft des Rehabeam 2. Chr 12, 2 - 13. Necho kämpft mit dem Babylonischen König in Karkemisch, besiegt König Josias bei Megiddo und greift in die Thronfolge des Königreiches Juda ein 2. Kg 23, 29f; 2. Chr 35, 20f. Die ägyptische Vormachtsstellung in Palästina läßt sich aber auf Dauer nicht aufrechterhalten 2. Kg 24, 7.
Der kurze Zeitraum bis zur endgültigen Eroberung Palästinas und Ägyptens durch die Assyrer zur Zeit des Königs Hiskia ist ausgiebig belegt. So gibt es politische Prophezeiungen ´von Jesaja ‘wider die Ägypter’ Jes 19, 1 - 20, 1 und ‘wider die, die sich nach Ägypten flüchteten’ 30, 1 - 9, außerdem die Warnung vor der unzuverlässigen ägyptischen Streitmacht 31, 1 - 5.
Auch Jeremia verkündet eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Jer 46, 1 - 26, macht aber auch Angaben über historische Einzelheiten: wechselndes Schlachtenglück zwischen Assyrern und Agyptern bei der Belagerung Jerusalems 37, 5 - 11, Schilderung des Exils in Ägypten 41, 17 und die Niederlage des Pharao Apries in Palästina 44, 30. Zur gleichen Zeit gibt Hesekiel Andeutungen über politische Ereignisse Hes 16, 26; 23, 3f; 17, 15 - 17 und gleichfalls eine ‘Weissagung wider Ägypten’ Hes 29, 1 - 30 + 32.
Nachexilische Stellen des Alten Testamentes über Ägypten sind selten, ausgenommen Beschreibungen tatsächlicher Ereignisse wie die Diadochenkämpfe zwischen Seleukiden und Ptolemäern 1. und 2. Mak.
Es fällt auf, daß die interne Geschichtsschreibung der biblischen Bücher unbestimmt und verschwommen wird, sobald man über die Zeit der Reichsteilung zurückgeht. Auch die Königszeit ist nur zu Beginn und am Ende genauer dokumentiert.; die dort genannten Pharaonennamen sind relativ spät.
Die großen Ereignisse der Patriarchenzeit dagegen spielen bei anonymen Pharaonen. Das verwundert umso mehr, wenn selbst Königsnamen von phönizischen Stadtfürsten erhalten sind. Außerdem kommen mehr als 30 Namen assyrischer und babylonischer Herrscher im Alten Testament vor.
 
 
3. Die ältere Chronologie des Bibeltextes
 
Zahlreiche synchrone, geschichtliche Ereignisse sind in der hebräischen Geschichtsschreibung des Alten Testamentes nicht wiederzufinden, und umgekehrt, die angeblich „geschichtlichen Fakten“ der Bibel passen mitunter nur sehr schwierig in die Alte Geschichte des Vorderen Orients. Die Geschehnisse außerhalb der assyrisch-babylonischen Annalenberichte sind mythischer Natur. Man will die Urgeschichte der Menschheit und die Stammesgeschichte Israels bewußt in ungreifbare, ahistorische Dimensionen der Vorzeit zurückverlegen, daher auch nur die Bezeichnung Pharao anstelle eines bestimmten Königsnamens. Die später errechneten Genealogien sind auf bestimmte mythische Zahlen aufgebaut und jeweils auf 3, 6, 12, 70 usw. Sequenzen mühsam aufgefüllt.
Obwohl sogar der Schreiber des Bibeltextes von der Existenz einer ägyptischen Kolonie in Palästina wußte Ri 10, 11; Gen 10, 6, gibt er vor, bei der Gestaltung der Geschichte des Exodus nichts davon zu wissen. Nach der herkömmlichen, „biblisch gestützten“ Chronologie ist Merenptah der Pharao des Auszugs gewesen und Ramses II. der König, bei dem Mose seine Jugend verbracht hat und der die Juden zu Ziegelarbeiten zwang. Die rechtliche Seite dieser Fron streift HERRMANN
Vorausgestzt, daß diese Datierung zeitlich richtig wäre, sahen sich die Juden gezwungen, kaum der Knechtschaft Ägyptens entronnen, in die ägyptische Kolonie Kanaan einzuwandern: aus Ägypten flohen sie nach Ägfypten. Dazu meinte schon BRUGSCH:
Ein übeles Ding für Auswanderer und Flüchtlinge aus Ägypten, die auf dem Boden Palästinas allenthalben ihren eigenen Autoritäten in den Weg liefen!
Das ist sogar vom Selbstverständnis des Bibeltextes her undenkbar, geschweige denn von inneren, historischen Gegebenheiten.
Das jüdische Gesetz, wie es in Exodus und Levitikus niedergelegt ist, setzt eine Seßhaftigkeit des Judenvolkes notwendigerweise voraus , kann also für ein Nomadenvolk nicht bestimmt gewesen sein.
Die Beschreibung der Stiftshütte und des Tempelbaus unter Salomo sind reine Idealbeschreibungen eines Tempels Solche Idealbeschreibungen des Tempels ziehen sich eigentümlicherweise durch das ganze jüdische Schrifttum, sind auch in Sektenschriften wie in der sog. Tempelrolle von Qumran 8 und in der Apokalypse vorhanden Apok 21, 10f.
Nimmt man nun den Bibeltext beim Wort, bedeutet das, zur Zeit Salomos gab es keine Schmiede bei den Juden 1. Sam 13, 19, und Salomo mußte für seinen Tempelbau Handwerker aus Tyrus kommen lassen 1. Kg 7, 13f.
Das aber trifft wiederum mit den archäologischen Befunden in Palästina zusammen, denn „die Archäologie Palästinas ist weitgehend ‘stumme’ Archäologie“ , zumindestens was die hebräische Frühzeit anlangt. Es werden gerade überall ägyptische Fundstücke oder ägyptische Reste geborgen, wo man jüdische Funde erwartet hätte. Über dieses Rätsel ergebnisloser Archäologie in Palästina räsoniert bereits DUNCAN . Nach den archäologischen Befunden in Palästina jedenfalls kann die fiktive Chronologie der Bibel nicht korrigiert oder gar gesichert werden, sofern sie über das bereits erwähnte Datum 850 v. Chr. hinausgeht.
 
4. Die historischen Quellen Ägyptens
 
Alle Traditionen des Alten Testamentes, die vor 850 v. Chr. anzusiedeln wären, müssen als Fiktionen oder als mündliche Stammesüberlieferungen gelten, die kaum nachprüfbar sind. Zeitgenossen und Vorläufer der Israeliten in Palästina: Philister, Kanaaniter, Moabiter, Edomiter, Syrer und Phönizier haben kaum schriftliche Quellen hinterlassen und berichten weder direkt noch indirekt von der israelitischen Landnahme. Einzige Ausnahme ist der Mescha-Stein, der um 830 v. Chr. datiert ist.
Nicht einmal die archäologischen Grabungsergebnisse stimmen mit den in der Bibel postulierten Ereignissen der Landnahme überein: dort als besiedelt angegebene Städte waren bereits seit Jahrhunderten zerstört und verlassen oder haben für die in Frage kommende Zeit gar keine Funde erbracht, wie Jericho, Hebron, Sichem u.v.a.
Hier helfen auch die ägyptischen historischen Texte nicht weiter, die in dem Buch von Wolfgang HELCK zusammengetragen wurden und die er ausführlich diskutiert hat. Bezeichnenderweise gibt es für die fragliche Epoche nur indirekte Hinweise darüber, daß es tatsächlich Stammestraditionen gegeben hat, die in solch frühe Epochen zurückreichen. In der Einschätzung der Ägypter sind solche kleinen Stämme barbarische Wüstennomaden. Sie werden allenfalls der Vollständigkeit halber überhaupt in die Siegeslisten mit aufgenommen , die sonst nur bedeutende Städte oder Stadtkönigtümer enthalten. Dementsprechend sind auch nur zwei Namen belegt - die einzigen aus dem ägyptischen Kulturbereich bisher - die mit der Vorgeschichte des Volkes Israel direkt zu tun haben.
Die eine Quelle kann 1380 v. Chr. datiert werden und befindet sich auf Säulenbasen in dem nubischen Tempel von Soleb. Unter einer Vielzahl von Ausländernamen des Südens und Nordens, die König Amenophis III. besiegt hat, findet sich eine Abteilung „Länder der Beduinen“, die offenbar nach ihren Stammesgottheiten spezifizert sind. Es sind Labina-, Samata-, Sa’arir- und Jahwa-Beduinen. Davon sind die Sa’arir-Beduinen sogar in Gen 36, 8 belegt, die anderen Stammesgottheiten Labina und Samata sind unbekannt.
Die Jahwa-Beduinen haben als ihren Stammesgott ‘Jahwa’. Ihr Name
tA Sasw jhwA „Land der Jahwa-Beduinen“ ist dort sogar doppelt vorhanden und war auf einer jetzt zerstörten Seitenwand des Tempels in einer zweiten Liste aufgeführt in der Form . Diese Liste hat wiederum um 1250 v. Chr. Ramses II. in seinem nubischen Tempel in Amara-West kopiert als (sic)
Der ägyptische Beleg stimmt mit dem überein, was DELITZSCH in seinem Buch „Die große Täuschung“ gefordert hat: Jaho oder Jahwe kann man als Stammesgott einer Beduinenschar ansehen, die erst allmählich und in viel späterer Zeit umfassendere Geltung
gewann. Über die geographisch Lokalisierung dieser Beduinengruppe ist jedoch nichts Genaues bekannt, wahrscheinlich ist die Gegend zwischen Qadesch Barnea und Gebel Hilal gemeint, wie es aus dem Umfeld der Siegesliste Amenophis III. hervorgeht.
Als zweite Quelle nennt die Siegesstele des Königs Merenptah das Volk Israel unter den Besiegten von Palästina. Der Text datiert aus dem Jahr 1219 v. Chr, im Jahr 5 des Herrschers:
 
 
Alle Fürsten stürzen nieder und sagen.“Schalom“ (d.h. Frieden).
Kein einziger erhebt mehr sein Haupt unter den Neunbogen-Völkern
Verwüstet ist Libyen, Hethiterland in Frieden.
Erbeutet ist Kanaan mit allem Schlimmen.
Gefangen ist Askalon, gepackt ist Gezer
Jenoam ist gemacht, als wäre es nie gewesen.
Jasir’ela (= Israel), seine Leute liegen brach, sein Same existiert nicht mehr.
Syrien ist Witwe geworden für Ägypten.
Alle Lande, sie sind in Frieden vereint,
jeder, der herumstreifte, wird festgebunden durch König Merenptah.
Dieses Siegeslied ist formal gebaut: erst werden summarisch die traditionellen 9 feindlichen Völker Ägyptens genannt, dann der äußerste Westen und der äußerste Osten der damaligen Welt (Libyen, Hethiterland), schließlich die ägyptische Kolonie Kanaan in der Mitte. Darauf folgen von Süden nach Norden die eigentlichen Ortschaften des Feldzuges. Demnach wäre das Jasir’ela-Volk Israel in Nordkanaan oder im südlichen Syrien zu suchen. Voraussetzung dafür ist die Identität des ägyptische Namens Jasir’ela (so nach HELCKS System gelesen) mit Israel. Eine andere Lesung des Textes erlaubt die Übersetzung:
Der Israel-Stamm ist verödet und ohne seinen Samen.
Beide ägyptischen Zeugnisse sind wesentlich älter als sämtliche bisher ermittelten Quellen der Bibel und datieren aus der Zeit, als Ägypten Kolonialmacht über das Land Kanaan war. Beide ägyptischen Texte aber deuten auch darauf hin, daß das Volk Israel und die Jahwe-Beduinen keine besondere Bedeutung besessen haben oder gar in der umfangreichen geographischen Listenliteratur kanaanäischer Städte und Völker eine Sonderstellung einnahmen.
Diese Zeugnisse sind die einzigen, direkten Erwähnungen von Jahwe und Israel in historisch-ägyptischer Zeit. Freilich sind schon im Mittleren Reich vereinzelt Städte aus Palästina erwähnt. Abgesehen von dem Märchen des Sinuhe, das zur Zeit Sesostris I. spielt und in Nordsyrien angesiedelt ist (um 1960 v. Chr.) , gibt es vereinzelt Berichte von Feldzügen, so im Jahr 27 Sesostris’ III. (1878 v. Chr.), wo ein Offizier die Einname von skmm d.h. der Gegen von Sichem meldet . In den Ächtungstexten der späten 12. und 13. Dynastie (um 1770 v. Chr.) werden neben allerlei unbekannten Orten Fürsten samt Familien von Hebron, Moab, Rehob bei Akko, Judäa, Askalon und Jerusalem genannt . Sie liegen für die Ansetzung der biblischen Chronologie zu weit zurück (sofern man nicht wie ROHL diese Chronologie um 350 Jahre verkürzt ), als daß sie für die Landnahme und das Königreich Israel von Bedeutung wären, wie sie im Alten Testament geschildet werden.
 
5. Die biblische Chronologie in der Antike und der neueren Geschichtsschreibung
 
Als der Text des Alten Testamentes in die Form gebracht war, in der er jetzt erhalten ist und damit kanonisch wurde, galt die Bibel sehr rasch als Grundlage für profane Geschichtsschreibung. Sie war auch in ihren Inhalten nicht mehr bezweifelbar, im Gegenteil: die Bibel galt als allerbeste Quelle, weil ja nicht nur das hohe Alter der Geschichte der Juden darin festgeschrieben war, sondern weil solche alten, und durch das Alter geheiligten Traditionen gar nicht irren konnten.
Die griechisch-römischen Schriftsteller der Geschichte, insgesamt rund 120 Autoren, befassen sich mehr mit Faktenschilderungen, seltener mit religiösen Themen und sogar mit Reiseberichten, aber nur ganz ausnahmsweise mit Chronologie. Entsprechend gering ist die Ausbeute der „Historia antiqua“ von Johann EICHBORN , worin er alle lateinischen Autoren berücksichtigt und zur Geschichte Ägyptens vermerkt:
Die alte Geschichte der Ägypter hat nicht einmal ein einziger lateinischer Schriftsteller aus griechischen Autoren rekapituliert
In diese Lücke mußten dann „Fakten“ der Bibel einspringen, freilich, aus der ehemals reichen historischen Literatur des Altertums blieben nur wenige Werke erhalten, die die biblischen Fakten „bestätigten“ und verteidigten, also eigentlich echte, apologetische Schriften. In ihnen nimmt die biblische Geschichte einen breiten Raum ein und besitzt den Charakter der Authentizität. Nur sie waren auch für christliche Traditionalisten überhaupt interessant. Darum sind auch die Schriften des FLAVIUS JOSEPHUS besser erhalten geblieben als z.B. kritische Schriften heidnischer Chronisten und Historiker, die sich vorurteilsfrei mit orientalischer Geschichte beschäftigt hatten, was aber selten vorkam.
Schon zu JOSEPHUS’ Zeiten hat es Versuche gegeben, die historischen Daten und Fakten der Bibel mit den sonstigen, damals verfügbaren Quellen und Fakten in Einklang zu bringen und kritisch zu untersuchen und zu werten. JOSEPHUS selbst treibt solche Quellenkritik in seinen „Altertümern“, indem er klassische Autoren korrigiert oder weitverbreitete, heidnische Vorstellungen zu widerlegen sucht. So führt er in einer Liste 70 Namen der Stammesväter Israels auf, die schwierig zu sprechen und für griechische Ohren ganz barbarisch und völlig aussagelos klangen mit der Begründung:
Ich glaubte, diese Namen aufführen zu müssen, um diejenigen zu widerlegen, die behaupten, daß wir (die Juden) ursprünglich nicht aus Mesopotamien stammen, sondern aus Ägypten kommen.
Selbst HERODOT wird nach der Bibel berichtigt: König Sesostris soll eine Namensverwechslung sein, der Eroberer Palästinas und Syriens sei vielmehr Schoschenk gewesen ant. 7, 10, 3. Andere Autoren werden von JOSEPHUS bewu0t abfällig behandelt und verunglimpft, wenn sie sich mit ägyptischer Geschichte befaßt haben. JOSEPHUS schreibt sogar ein ganz polemisches Werk „Gegen Apion“, der es gewagt hatte, als Heide über ägyptische Geschichte zu schreiben.
APION war alexandrinischer Wissenschaftler, der über die verschiedensten Themen arbeitete: grammatische Einzelfragen, Homerstudien und geschichtliche Themen, darunter schrieb er eben auch die 5 Bücher „Über Ägypten“, die JOSEPHUS bekämpft. Darin werden aber nicht nur historische Themen behandelt, der Stoff der Bücher war viel weiter gefaßt und handelte von allem , was in Ägypten an Wunderbarem gesehen und gehört werden konnte . Auf der Suche nach Material dafür ist APION offenbar weit gereist, denn er hat sich auf dem Memnonkoloß von Westtheben als Tourist in einer Besucherinschrift verewigt. Damit steht seine Existenz außer Frage, und sein Aufenthalt in Westtheben zu Studien der ägyptischen Vergangenheit ist augenfällig dokumentiert.
Die erhaltenen Auszüge der 5 Bücher des APION behandeln auch dementsprechend ein buntes Panoptikum an Themen: Smaragd, verliebte Delphine, Pyramiden, Skarabäus, Schweinsfisch, doch auch das wundersam hohe Alter ägyptischer Geschichte. Das vierte Buch hat den Nebentitel „Von den Juden“. Darin scheint APION ausschließlich jüdische Geschichte zu kritisieren. Er koppelt diese historische Darstellung mit sensationslüsternen Einzelheiten antijüdischer Propaganda seiner Zeit, z.B. Anbetung eines goldenen Eselkopfes, Menschenopfer u.dergl.
JOSEPHUS greift nicht nur APION, sondern auch CHAIREMON und MANTHO an, HERODOT dagegen wird allenfalls am Rande erwähnt. Er zitiert Passagen aus den Schriften seiner Gegner - so blieben wenigstens Fragmente von ihnen erhalten - und versucht, ägyptische (Manetho), phönizische (Dion), „barbarische“ (Menander), chaldäische (Berossus) und griechische Geschichtsschreibung unter einen Hut zu bringen, um seine Theorie von dem hohen Alter der Juden nachzuweisen, insbesondere von dem Aufenthalt der Juden in Ägypten, um den Exodus der Juden zu legitimieren. Dabei zitiert JOSEPHUS, was in der Antike selten ist, sogar verschiedene Abschriften des gleichen Werkes von MANETHO, wenn es seinen Beweisen hilft.
Für JOSEPHUS ist die Einwanderung der Juden und die Josephsgeschichte mit der Einwanderung der Hyksos identisch. Der Exodus mit Mose fällt mit der Vertreibung der Hyksos aus Ägypten zusammen . Die Gleichsetzung Juden = Hyksos war damals nicht zwingend: die Ägypter verleugnen sie und streiten sie ab, „weil sie die Juden seit altersher hassen“
Um die Vertreibung der Hyksos aus Ägypten haben sich frühzeitig mehrere Volksmärchen gesponnen, eines davon schon in altägyptischer Zeit . Ein anderes erzählt JOSEPHUS als „Prophezeiung des Amenophis“: Aufgrund einer Traumerscheinung der Göttin Isis soll Ägypoten von allen Leprakranken und Aussätzigen gesäubert werden, damit die Götter versöhnt würden. Sie werden gesammelt und in die östllichen Steinbrüche geschickt. Der weise Amenophis hatte aber vorhergesehen, daß diese sich gegen Ägypten erheben werden, hat seine Prophezeiungen in einem Buch niedergeschrieben und daraufhin sich selbst getötet. Die Ausssätzigen haben sich als ihren Führer „Osarsiph, ehemals Priester von On“ gewählt und die Stadt Auvaris erobert. Mit Hilfe der „Hirten von Jerusalem“, die sie ins Land riefen, hielten sie große Gebiete Ägyptens besetzt und eroberten das Niltal. König Amenophis flieht nach Äthiopien und kehrt mit einem Hilfsheer zurück. Er schlägt die Aussätzigen und die Hirten und treibt sie nach Syrien zurück
In diesem Märchen kam es JOSEPHUS auf mehrere zentrale Themen an: Die Juden sind keine Ägypter. Die biblischen Namen Mose und Joseph verbergen sich hinter dem Namen Osarsiph. Die Vorväter der Juden sind keine Kranken und Aussätzigen in Ägypten gewesen.
Vorausgesetzt, daß JOSEPHUS korrekt aus Manetho, Chairemon und Apion zitiert hat, enthält das griechisch-ägyptische Märchen von der Vertreibung der Hyksos eigentümliche Verdrehungen und Mißverständnisse. Typische Märchenmotive wie Traumerscheinung der Göttin Isis, Prophezeiung eines Weisen, werden mit falsch verstandenen oder verdrehten Fakten kombiniert: Strafgefangenen in den Wüstenbergwerken werden Nasen und Ohren abgeschnitten, daher stammt offenbar die Fabel von dem Aussatz
Daneben kommt eine Volksetymologie vor, die JOSEPHUS besonders anstößig findet : Das hebräische Wort Sabbath und der Gottesname Sabaoth wird mit dem ägyptischen Wort sabbô, sabbaôsis „Lepra“ in Verbindung gebracht APION greift das scherzhaft auf und malt es genüßlich aus:
Als die Juden sechs Tage gereist waren, hatten sie Blasen an ihren Lenden, und deswegen ruhten sie am siebten Tage, da sie nach Judäa kamen. Denn damals bewahrten sie noch die Sprache der Ägypter und nannten diesen Tag Sabbath, denn der Ausschlag an ihren Lenden wurde sabbaôsis (var. sabatosis) von den Ägyptern genannt.
Tatsächlich gibt es das ägyptische Wort sbH kopt. ?????„Aussatz, Lepra“ . Mit dem Adjektiv zusammen lautet es sabhô „großer Aussatz“, worauf die Etymologie aufgebaut ist und worauf das Märchen mit seinen „Aussätzigen“ ebenfalls anspielt.
Für die Chronologie freilich war auch damit nichts gewonnen, denn die Identität der Hyksos mit den Juden war schon damals widerlegt. Da helfen auch keine tiefgründigen Wortforschungen des JOSEPHUS oder willkürliche Behauptungen, daß die Hyksos-Juden nach dem Exodus Jerusalem erbaut hätten, obwohl auch das JOSEPHUS aufgrund seines Bibbeltextes besser weiß und sich selbst widerspricht.
Nur sehr schwerfällig versuchte sich die Geschichtsschreibung des Alten Orients von der Vorherrschaft der Bibel zu befreien. Das Alte Testament galt ja lange Zeit als das älteste Buch der Welt, wie ja auch Hebräisch als die älteste Sprache angesehen wurde, gewissermaßen als Ursprache der Menschheit, bis LEIBNITZ aufstand, dieses Vorurteil endgültig beseitigte und dieses gewaltige Hindernis der Sprachwissenschaft richtig stellte .
Die Heilige Schrift der Christen wie der Juden, womöglich in jeder Zeile von göttlichem Geist inspiriert, war Fundament der Geschichte. Die darin niedergeschriebene Chronologie ist seit dem Altertum maßgeblich geworden. Sie erwies sich für die wissenschaftlilche Geschichtsschreibung als erheblicher Hemmschuh. Es hat sehr viel Mühe, Fleiß und Bekennermut gekostet, die schwankenden Gefilde biblischer Chronologie aufzugeben, die Geschichte des Vorderen Orients von der Vorherrschaft des Alten Testamentes zu befreien und eine eigene, den Quellen und Denkmälern angepaßte und passendere Geschichte zu entwickeln.
Dabei soll nicht verkannt werden, daß gerade die Erwähnung und Spiegelung des Alten Orientes in der Bibel die Orientalistik besonders gefördert hat, und man hat aus diesem Grund „zwecks Bestätigung“ Ausgrabungen unternommen und Expeditionen nach Ägypten, Babylonien und Palästina geschickt. Die so gewonnene Erweiterung des Wissens über die Geschichte der Völker des Nahen Ostens hat zur Erschließung ihrer eigenen Quellen geführt. Die Entzifferung der älteren Schriften wie Phönizisch, Keilschrift in babylonischer, sumerischer, assyrischer Sprache und der Hieroglyphen erbrachte ungefilterte Nachrichten: astronomische Fakten, Annalen, Königslisten, Berichte und Inschriften haben da Gesicht der orientalischen Chronologie entscheidend gewandelt.
Die alttestamentliche Chronologie wurde sehr widerstrebend aufgegeben. Es hat heftigste Erschütterungen gegeben, so der Babel-Bibel-Streit 1902 - 1904, in den sich sogar der deutsche Kaiser mit einer Grundsatzerklärung einschaltete. Erst allmählich wurde man den Ergebnissen der Ägyptologie und der Assyriologie zugänglicher.
Glücklicherweise ist die Ägyptologie bei diesem Babel-Bibel-Streit weitgehend verschont geblieben. Entsprechend fehlen auch solche leidenschaftlichen Vertreter des Panägyptizismus, wie sie eine ganze Epoche lang in der Assyriologie vorherrschend waren und dort unter dem Schlagwort ‘Panbabylonismus’ Schule machten. So fehlen in der ägyptischen Fachliteratur Werke wie das des Aage SCHMIDT „Gedanken über die Entwicklung der Religion aufgrund der babylonischen Quellen“ , P. JENSEN „Das Gilgamesch-Epos in der Weltliteratur“ , das alle Literatur der Welt aus dem Gilgamesch herleitet, oder HOMMELS „Geschichte des alten Morgenlandes“ , das die Geschichte panbabylonisch statt biblizistisch betrachtet . Auch die Ausflüge in die Sternenkunde und Astrologie sind in der Ägyptologie nur in der Anfangszeit bekannt. So ist denn auch die Streitschrift von HALTENHOFF „Die Wissenschaft vom alten Orient in ihrem Verhältnis zu Bibelwissenschaft und Offenbarungsglauben“ ausschließlich an babylonischen Problemen interessiert.
Durch Ausbildung der „modernen“ Chronologie und der Spaltung in die nationalen Geschichten des ägyptischen, hetthitischen, babylonische, persischen und syrischen Raumes ist die Bibelchronologie nach und nach in Vergessenheit geraten. Allenfalls naive, bibelverharrende Darstellungen wie z.B. die Zeittafel-Anhänge jeweiliger Bibelausgaben: Bibel in Auswahl , Begleitbibel , Taschenausgabe , Die Gute Nachricht mit zunehmander ‘Anpassung’ an die Ergebnisse der orientalistischen Forschungen versuchen, die Ergebnisse der Historiker zu relativieren und am althergebrachten Standard biblischer Geschichtsschreibung festzuhalten.
Hierher gehören auch die vielen redaktionell bearbeiteten Sensations-Sach-Bücher mit verräterischen Titeln: Und die Bibel hat doch recht - sogar in Bildern Der Spaten bestätigt die Bibel , Von Sinuhe bis Nebukadnezar , Zwischen Nil und Euphrat, archäologische Erläuterungen zur Bibel und erst jüngst: Pharaonen und Propheten, das Alte Testament auf dem Prüfstand.
Die christlich-byzantinischen Historiker stellen als erste eine geschichtliche Übersicht „seit Erschaffung der Welt“ zusammen, die mehr oder weniger modifiziert bis in die frühe Neuzeit Gültigkeit hatte. Ein gutes Beispiel dafür ist das Buch von Gabriel BUCELLIUS „Der gantzen Universal Historiae Nußkern“ Er läßt die Weltgeschichte im Jahr 4054 v. Chr. beginnen und fängt mit Jahr 1 an. Außerhalb seiner Tabelle listet er 56 Autoren auf, die das Datum der Weltgründung anders errechnen und ihre Angaben schwanken von 3509 - 6984 v. Chr..
Der erste Eintrag über Ägypten findet sich dort im Jahr 1600 unmittelbar nach dem „Sündfluß“, garniert mit 16 verderbten Königsnamen „Egyptischer Königen, welche von den arabischen Scribenten in ihrer Succession gesetzt werden“ . So stützt sich der gelehrte Abt also nicht auf klassische Autoren der Griechen und Römer allein, sondern berücksichtigt eine für seine Zeit recht exotische Quelle, die er vermutlich von Athanasius KIRCHER bezogen hat.
Jakob PERIZONIUS hat in seinem Werk „Aegyptorum originum et temporum investigatio“ den Versuch unternommen, Angaben klassischer Autoren mit den Angaben der Bibel zu vereinigen und hat erstmals kritisch beide Überlieferung strikt getrennt und chronologisch gewürdigt. In der Zusammenschau Bibel - Klassische Historiker ergaben sich freilich für ihn so viele Widersprüche, daß er von einer neuen Chronologie absah und sich auf Namensetymologien beschränkte. Die biblische Chronologie stellte er jedenfalls nicht in Frage.
Das versuchte auch nicht die „Histoire universelle depuis le commencement du monde“ , die teils auf den Ergebnissen des PERIZONIUS beruhte, aber auch orientalische Quellen für ihre Darstellung heranzog. Immerhin stellt sie zeitgenössische Reiseberichte neben die Angaben klassischer Autoren und relativiert zumindestens landeskundliche Angaben, zeichnet sogar historische Karten und stellt komplzierte Stammbäume auf, die in Kupfer gestochen wurden. Bei den historischen Übersichtstafeln allerdings bleibt die Geschichte - wie PERIZONIUS - in dem heillosen Durcheinander der Namensvarianten ägyptischer Könige stecken, die Griechisch und Lateinisch auch unterschiedliche Namen tragen.
Den gleichen Sachverhalt stellt noch GESNER in seinen „Isagoges“ dar, während F. C. SCHLENKERT in seinem „Almanach für die Geschichte der Menschheit“ erstmalig die biblische Chronologie kritisch behandelt. Er errechnet zwar auch die Epochen der Menschheitsgeschichte von der Erschaffung der Welt an aufwärts, schiebt aber thematische Schwerpunkte ein: Ägypten ist mit 147 Seiten (von insgesamt 291 S.) überproportional berücksichtigt, allerdings ist seine Darstellung eher literarisch zu werten und nicht folgerichtigt chonologisch-historisch aufgebaut.
Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft setzen sich sehr schwer in den populärwissenschaftlichen Darstellungen durch: Die „Allgemeine Geschichte“ von Carl Wilhelm BÖTTICHER streift Ägypten nur am Rande und bleibt in der althergebrachten Datierung „von Gründung der Welt an“ hängen.
Die „Allgemeine Weltgeschichte“ von Anton HENNE verläßt das Gerüst der althergebrachten Chronologie, hat die inzwischen erzielten Ergebnisse der Assyriologie und Ägyptologie seiner Zeit eingearbeit, seine Darstellung der Geschichte auf den neusten Stand
gebracht und entwickelt ein eigenes System der Geschichtsschreibung. Seine Einleitung ist interessant:
Der Umstand, da´unsere Kirche auf der israelitischen fußt, gab den religiösen Schriften dieses Volkes auch wissenschaftlich dogmatische Geltung, und die Lehrbücher der Geschichte nahmen die sog. mosaisische Zeitrechnung gläubig an, ohne zu untersuchen, weder ob wirklich Moses sie hinterlassen, noch ob wir sie in ihrem alten Zustand besitzen; ohne an ihre kritische Prüfung die Sorgfalt zu verwenden, die man sich bei den Profanschriften unbedenklich und mit Erfolg gestattete. So lassen, angewöhnt, unsere Geschichtsbücher die Menscheit 4000 und einige Jahre vor der jetzigen Zeitrechnung beginnen... gleich, was auch Verstand und Beobachtung fortwährend dazu sagen mochten.
Dieser kritischen Haltung sind denn auch mehr oder weniger die Darstellungen der Ägyptischen Geschichte gefolgt. Noch ganz im Banne der Bibel ist das Buch von Gustav SEYFFART „Übersicht über neue Entdeckungen“ , in dem er die biblische Chronologie anhand seiner astronomisch/astrologischen Studien und ausgehend von seiner mythisch phantasievollen Hieroglyphenlesung festzuhalten sucht. UHLEMANNs verdienstvolle Studien setzen sich damit kritisch auseinander . Selbst noch Alfred WIEDEMANNs Geschichte von Altägypten ist biblisch orientiert, obgleich schon populärwissenschaftliche Werke wie das von Karl OPPEL
mit diesen Erkenntnissen gebrochen hatten und sich die Fachliteratur ohnehin sehr rasch aus dem Korsett der biblischen Chronologie befreit hatte, so LIEBLEIN oder LAUTH.
Es ist jedoch erstaunlich, daß selbst in heutiger Zeit noch „biblische Chronologie“ im Vordergrund steht und daß die Ergebnisse der Ägyptologie wie der Assyriologie stets daran gemessen werden, in wieweit sie biblische Fakten und Erzählungen bestätigen können. Das hat besonders für die Archäologie Palästinas erhebliche Folgen, da man in jedem ausgegrabenen Schutthügel israelitische Reste vermutete und suchte, unabhängig davon, was die Ausgrabungsfunde zeigten oder in welchem Zusammenhang die Ergebnisse dazu standen. So werden sogar noch in jüngster Zeit archäologisch gesicherte Stratigraphien hemmungslos nach oben oder nach unten gezerrt, bloß um den Berichten des Alten Testamentes Genüge zu tun.
Sogar unbestrittene Textentlehnungen interpretiert man kunstvoll weg, weil sie die „Einzigartigkeit des Alten Testamentes“ in Frage stellen. Eine solchen Doppelsalto in der Argumentationskunst will ich hier zum Schluß nennen. Mit Hilfe solcher Argumentation kann man natürlich alles beweisen (und ebenso gut widerlegen). Es handelt sich um die enge Verwandschaft zwischen dem Hymnus Amenophis’ IV. an den Aton und Psalm 104:
Unvermeidlich drängt sich die Frage auf, ob einer der beiden Dichter vom anderen entlehnt hat, und welcher dies wohl war. Wenn es hier auf die Zeit der Niederschrift ankäme, so wäre natürlich der Psalm Amenophis’ IV. der ältere. Aber die Zeit der Niederschrift ist nicht entscheidend für das Alter einer Urkunde; denn jede Urkunde, deren Alter wir kennen, kann schon auf eine ältere zurückgehen. Freilich, in unserem Falle könnte man sagen: Zur Zeit, als Amenophis IV . seinen Psalm dichtete, gab es noch kein Volk Israel; also muß der biblische Psalmendichter von Amenophis IV. entlehnt haben. Allein, gerade bei einem Psalm Amenophis’ IV. ergeben sich für einen solchen Schluß Schwierigkeiten. Der Sonnenkult Amenophis’ IV. wurde bald nach seinem Tode beseitigt; und so wird auch sein Hymnus auf das Tagesgestirn bald in Vergessenheit geraten sein, um erst nach mehr als 3000 Jahren wieder dem Schutt der Vergangenheit entrissen zu werden. Wir müssen daher nach einer anderen Deutung für diese Ähnlichkeit Ausschau halten... Hat also ein kanaanäischer Psalm Amenophis IV. als Vorlage gedient und wurde er einige Jahrhunderte später auch dem biblischen Dichter bekannt, der ihn dann in seiner Art umgstaltete?
Diese Frage kann getrost verneint werden. Hätte der Schreiber doch einmal in den Text der Atonhymne geschaut, wo zu lesen ist:
Du hast die Erde geschaffen nach deinem Wunsche, ganz allein...
Die Fremdländer von Syrien und Nubien, (dazu) das Land Ägypten -
Jedermann stellst du an seinen Platz und sorgst für seine Bedürfnisse...
An dieser Stelle betont Echnaton geradezu programmatisch seinen Atonkult erst für die Fremdländer Syrien und Nubien, und dann schließlich für Ägypten. Das ist umso seltsamer, da sonst die barbarischen Fremdländer stets an zweiter, nie an erster Stelle in ägyptischen Texten genannt werden.
Der ägyptische Sonnentempel des Aton stand in seiner Hauptstadt Achetaton, der nubische Tempel, genannt Gem-Aton „Aton wurde gefunden“ ist in Sesebi gelegen , der „syrische“ Atontempel gilt bisher als verschollen: Er liegt unausgegraben unter dem Tell el-Bedeiwije im Stammgebiet von Zebulun , der auch heute noch Hannathon Jos 19, 14 oder in besserer Lesung Ha-n-aton heißt, d.i. ägyptisch Hw.t nj.t jtn „Tempel des Aton“ . Dabei ist bemerkenswert, daß die alte Vokalisation des Wortes Hat- „Tempel, Haus“ mit Assimilation des Femininums an den Genetiv erhalten blieb, wie sie auch z.B im Namen der Göttin Hathor erhalten ist.
Fazit der Geschichte: Wenn nördlich von Megiddo bei Jokneam ein Atontempel stand, ist es natürlich und wahrscheinlich, daß der Sonnengesang des Echnaton dort im Kultus erklungen ist. Folglich mußten die Kanaanäer und anschließend die Israeliten nicht erst nach Ägypten ziehen und eine Grabwand beschauen, um mit der Hymne in Kontakt zu kommen. Insofern steht sogar archäologisch zweifelsfrei fest, wer zuerst da war: das Ei oder die Henne, in diesem Falle die Hymne oder der hebräische Psalm.
 
© Dr.WolfgangKosack

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Geschrieben von: Eik - 30.06.2018, 16:26 - Forum: Ankündigungen - Keine Antworten

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Eik  Aegypten_smilies_0014

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  Konversionsneurose
Geschrieben von: Melvin - 05.04.2018, 12:21 - Forum: Psychologie und Soziologie - Antworten (2)

Wer kennt diesen im Betreff genannten Begriff? Der moderne Terminus lautet: Dissoziationsstörung.

Ich stoße in meiner Ausbildung zum Psychotherapeuten häufiger darauf. Spannend. Überforderungen mit Alltagsinhalten, mehr noch: Überforderung mit Inhalten dieses sg. Systems, führen nachgerade zu eine Verlagerung auf den vegeativen Bereich. Früher fielen Frauen häufig in Ohnmacht. Warum? Weil sie ohnmächtig gemacht wurden. Frauen hatten kaum Rechte und wurden rollenspezifisch als am Herd stehende Gebährerinnen verstanden. Egal wie intellektuell ebenbürdig oder überlegen sie Männern waren, sie wurden in ein Image gepresst. Das führte also zum regelmäßigen Kollaps.

Da ich seit 2013 an einer passageren Muskelerkrankung leide und durchgehend verkrampft bin, teilweise muskukär erstarre, vermute ich auch bei mir eine Konversionsneurose. Was ich da "überführe", weiß ich noch nicht. Hat was mit Angst zu tun.

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  Juliane
Geschrieben von: Juliane - 26.03.2018, 16:33 - Forum: Vorstellungen - Antworten (3)

Dank an alle die mir zum Geburtstag gratulierten...

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